{"id":21251,"date":"2012-03-14T13:35:00","date_gmt":"2012-03-14T12:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/der-griechische-zwangskredit-an-nazi-deutschland-im-zweiten-weltkrieg\/"},"modified":"2023-09-27T16:06:31","modified_gmt":"2023-09-27T14:06:31","slug":"der-griechische-zwangskredit-an-nazi-deutschland-im-zweiten-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/der-griechische-zwangskredit-an-nazi-deutschland-im-zweiten-weltkrieg\/","title":{"rendered":"Der griechische Zwangskredit an Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p>Gelegentlich wird auf seit dem Zweiten Weltkrieg offene deutsche Schulden an Griechenland verwiesen. H\u00e4ufig ist das von falschen historischen Berichten und von Wunschdenken begleitet und stiftet mehr Verwirrung als Aufkl\u00e4rung. Die durch die Weltfinanzkrise geschaffene wirtschaftliche Lage Griechenlands tr\u00e4gt dazu bei, dass diese Frage wieder aufgegriffen wird, jetzt aber eine sehr kritische wirtschaftliche und politische Bedeutung annimmt. Dazu kommt, dass die Haltung der deutschen Regierung und die von ihr geforderten, strengen Bedingungen der Kreditvergabe an Griechenland die Diskussion nicht gerade leidenschaftsloser werden lassen.<br \/>\nDer Gerichtshofs in Den Haag hat in seiner j\u00fcngsten Entscheidung hinsichtlich der Kriegsreparationszahlungen an Griechenland den Umfang der Forderungen eingeschr\u00e4nkt und nur den Anspruch auf Entsch\u00e4digung f\u00fcr einen Zwangskredit bestehen lassen, der zwischen Griechenland und den Besatzungsm\u00e4chten am 14. M\u00e4rz 1942, also vor genau 70 Jahren, vereinbart worden war.&nbsp; Die Versuche seitens des griechischen Staates, an das Geld heranzukommen, sto\u00dfen allerdings auf rechtliche und politische Hindernisse.&nbsp;<br \/>\nUm die Fakten aufzuhellen, f\u00fchrte das Nicos Poulantzas-Institut (NPI) am 8. M\u00e4rz eine Veranstaltung durch. Die Frage wurde aus mehreren Perspektiven analysiert, und zwar durch den Historiker Michalis Liberatos, durch Antonis Bredimas, Professor f\u00fcr Internationales Recht, und den prominenten Widerstandsk\u00e4mpfer Manolis Glezos. Die Diskussion wurde von Sissy Velisariou, Professorin f\u00fcr englische Literatur und stellvertretende Leiterin des NPI, moderiert.<br \/>\nMichalis Liberatos pr\u00e4sentierte den historischen Kontext und beschrieb die Vorg\u00e4nge, die zum Kreditabkommen gef\u00fchrt hatten. Laut Angaben des griechischen Widerstands hatten die Besatzungsm\u00e4chte drei Mal mehr Soldaten im Land behalten als urspr\u00fcnglich geplant. Das verursachte einen enormen Anstieg der Besatzungskosten. Um die Besatzungsarmee zu versorgen, begannen die Nazis mit der Sicherstellung aller Nahrungsmittelvorr\u00e4te und Edelmetalle. Alleine von der Insel Kreta wurden 100 Kilo Gold und 25 Kilo Silber geraubt. Im Jahr 1941 betrug die Menge des Geldes, das Griechenland an die Nazis gezahlt hatte, eine Milliarde Mark, ein Betrag, der sich im darauffolgenden Jahr verdoppelte. Um rechtliche Probleme zu beseitigen, die die M\u00f6glichkeiten der Nazis beschr\u00e4nkten, die eroberten L\u00e4nder auszubeuten, wurde die Finanzhilfe Griechenlands an Deutschland in einen Zwangskredit umgewandelt, der zweieinhalb Mal so hoch war wie das Gesamtbudget des Landes. Mussolini sagte, dass die Deutschen den Griechen sogar die Schuhb\u00e4nder gestohlen h\u00e4tten; und der damalige Ministerpr\u00e4sident und Verb\u00fcndete der Nazis, General Tsolakoglou, ging so weit, seinen R\u00fccktritt anzudrohen, sollten sich die Dinge nicht \u00e4ndern.<br \/>\nAntonis Bredimas schilderte die rechtlichen Aspekte des Streitgegenstandes, indem er die Argumente pr\u00e4sentierte, mit denen die deutschen Regierungen nach der Niederlage der Nazis eine Entsch\u00e4digungszahlung f\u00fcr den Kredit verweigerten, nachdem sowohl der italienische als auch der bulgarische Staat ihren Teil an den Schulden bei Griechenland zur\u00fcckgezahlt hatten.<br \/>\nDas erste Argument lautet, dass Griechenland im Jahr 1958 informell in einem Geheimabkommen zwischen dem griechischen Ministerpr\u00e4sidenten Konstantinos Karamanlis und dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer auf seine Anspr\u00fcche verzichtet habe. Bredimas bestritt die Existenz einer solchen \u00dcbereinkunft, die niemals nachgewiesen werden konnte \u2013 und, selbst wenn, f\u00fcgte er hinzu, w\u00fcrden Geheimabkommen dieser Art vom V\u00f6lkerrecht nicht anerkannt. Das zweite Argument ist, dass Deutschland den Kredit angeblich schon zur\u00fcckbezahlt h\u00e4tte. Die trifft nicht zu, da die geleisteten Wiedergutmachungszahlungen ausschlie\u00dflich die Nazi-Verbrechen an den griechischen J\u00fcdInnen und Roma betroffen hatten. 1960 erkl\u00e4rte der griechische Botschafter, dass sein Land noch immer auf den Rest der Entsch\u00e4digungszahlung warte. Das dritte Argument ist, dass die Schulden verj\u00e4hrt seien, da das Kreditabkommen bereits vor 70 Jahren unterzeichnet worden sei. Prof. Bredimas betonte demgegen\u00fcber, dass in Bezug auf Schulden eines Staates bei einem anderen eine Verj\u00e4hrung nicht m\u00f6glich sei. Das letzte Argument besteht darin, dass Deutschland seit Jahren Griechenland via EU-Subventionen finanziell unterst\u00fctze. Aber sogar die EU-Kommission hat erkl\u00e4rt, dass dies mit der Frage der Schulden nichts zu tun habe.<br \/>\nZur ethischen Dimension des Themas nahm Manolis Glezos Stellung. Er betonte dass zur selben Zeit, als Griechenland den Besatzungsm\u00e4chten den Kredit zur Verf\u00fcgung zu stellen gezwungen wurde und dadurch zum ersten Mal in seiner Geschichte zu einem Geldgeber geworden war, 400 Menschen t\u00e4glich an Hunger starben. Er enth\u00fcllte, dass, als der gegenw\u00e4rtige Ministerpr\u00e4sident Loukas Papademos Direktor der Bank von Griechenland war, er ihn um Informationen zum Besatzungskredit gebeten hatte. Dieser habe sich aber mit dem Argument geweigert, dass es dazu einer Anweisung seitens der Regierung bed\u00fcrfe. Jetzt allerdings ist Loukas Papademos selbst Ministerpr\u00e4sident und scheint noch immer nicht willens, die wichtigen Beweismittel in dieser Frage herauszugeben.<br \/>\nSchlie\u00dflich verwies Manolis Glezos auch auf die Versuche der Partei Die LINKE, die Menschen in Deutschland \u00fcber das Thema aufzukl\u00e4ren und die griechischen Forderungen zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nDem Ende der drei Reden folgten viele Fragen aus dem Publikum und eine lange Diskussion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskussion in Zeiten der Krise<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-21251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article","category-artikel","person-stavros-panagiotidis-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21251"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27212,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21251\/revisions\/27212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}