{"id":21263,"date":"2012-05-30T07:42:00","date_gmt":"2012-05-30T05:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/griechenland-eine-entscheidende-schlacht-in-einem-europaeischen-kampf\/"},"modified":"2023-09-27T16:06:36","modified_gmt":"2023-09-27T14:06:36","slug":"griechenland-eine-entscheidende-schlacht-in-einem-europaeischen-kampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/griechenland-eine-entscheidende-schlacht-in-einem-europaeischen-kampf\/","title":{"rendered":"Griechenland: Eine entscheidende Schlacht in einem europ\u00e4ischen Kampf"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten zwei Jahren ist Griechenland ein gro\u00dfes Labor gewesen. Ein Labor f\u00fcr eine Wirtschaftspolitik (d.h., wo getestet wurde, wie in einer fortgeschrittenen kapitalistischen \u00d6konomie und angesichts einer bedrohlichen Wirtschaftskrise ein Programm interner Geldabwertung funktionieren w\u00fcrde), in dem die Grenzen der sozialen Reaktion ausgelotet wurden, und eines, in dem Form und Gr\u00f6\u00dfe politischer Entwicklung sichtbar wurden.<br \/>\nWird damit das Offensichtliche behauptet? Nicht wirklich. Ob das, was in diesem kleinen Land an der europ\u00e4ischen Peripherie geschieht, als eine Geschichte unserer Tage \u00fcber \u201eVerbrechen und (wohlmeinende) Strafe\u201c gewertet werden soll oder als Vorgeschmack auf ein Muster, das in ganz Europa zur Anwendung kommen soll ist \u2013 und bleibt \u2013 die Frage, die es zu beantworten gilt.<br \/>\nGriechenland hat eines der aggressivsten Programme der wirtschaftlichen Anpassung hinter sich, das in der entwickelten Welt jemals zur Anwendung kam, mit einem absolut verheerenden Ergebnis. Die stetige Verringerung des griechischen BNP zwischen 2009 und 20011 betrug zuletzt 12%, w\u00e4hrend im ersten Drittel des Jahres 2012 die Rezession -7,5% betrug, L\u00f6hne und Geh\u00e4lter ebenso wie Pensionen in manchen Fallen bis zu 50% zur\u00fcckgegangen sind, die offizielle Arbeitslosenrate 22% erreicht hat und Sozialausgaben laufend gek\u00fcrzt werden, mit dem Ziel, 30% des BNP zu erreichen. Das sollte die Wettbewerbsf\u00e4higkeit erh\u00f6hen, das Interesse f\u00fcr Investitionen wecken und die griechische Wirtschaft (laut anf\u00e4nglichen Prognosen) vermutlich bis 2013 auf die M\u00e4rkte zur\u00fcck bringen. Was sich stattdessen ereignete, war eine Anh\u00e4ufung der noch immer wachsenden Schulden \u2013 ein auch nach einer Umstrukturierung von 53% vor einigen Monaten noch immer nicht nachhaltig gel\u00f6stes Problem \u2013, eine aus der Kontrolle geratene Rezession und eine Gesellschaft am Rande des Zusammenbruchs.&nbsp;&nbsp;<br \/>\nWas machte die Geschichte von der \u201ewohlwollenden Strafe\u201c aus all dem? Die Antwort findet sich klar und deutlich in der Schlagzeile des Guardian vom 26. Mai 2012: \u201eLagarde an die Griechen \u2013 Es ist Zahltag, erwartet kein Mitgef\u00fchl\u201c. Mit anderen Worten: \u201eEs ist nicht das Versagen der Austerit\u00e4tspolitik, es ist eure Schuld. Das ist ein griechisches Problem, bei dem wir euch nun schon lange genug ausgeholfen haben. Jetzt ist es f\u00fcr euch an der Zeit zu zahlen\u201c. Es br\u00e4uchte wahrscheinlich noch zwei oder drei Artikel in dieser L\u00e4nge, um zu erkl\u00e4ren, was mit den Worten \u201ehelfen\u201c und \u201ezur\u00fcckzahlen\u201c gemeint ist, aber f\u00fcr den Rahmen dieser Erz\u00e4hlung sollte es ausreichen, nochmals einen Blick auf den vorherigen Absatz zu werfen, um zu erkennen, wie hilfreich die \u201eHilfe\u201c tats\u00e4chlich war.<br \/>\nWie lautet nun die griechische Version dieser Geschichte? Verleugnen wir uns selbst, wenn wir darauf bestehen, dass Griechenland kein Ausnahmefall ist, der vom Rest des europ\u00e4ischen Geflechts abgetrennt werden muss, damit dieses sich selbst in Sicherheit bringen kann? Das Gegenteil ist der Fall. Wir blicken zur\u00fcck und stellen einige interessante Tatsachen fest: Dass das erste europ\u00e4ische Land, das von der Krise getroffen wurde, Island war, eines der L\u00e4nder mit dem geringsten Korruptionsgrad weltweit. Dass das \u201eirische Wunder\u201c in St\u00fccke zerfiel, als es f\u00fcr die riesigen Verpflichtungen seines Bankensektors aufkommen musste. Dass L\u00e4nder mit einer Geschichte niedriger Verschuldung, wie bspw. Spanien, nun am Rande des Abgrunds stehen. Dass \u00d6konomien mit produktiven privatwirtschaftlichen Sektoren, wie bspw. Italien und Frankreich, der Gefahr eines m\u00f6glichen Zusammenbruchs ins Auge blicken.<br \/>\nWarum die griechische Linke in ihrer Argumentation bem\u00fcht ist, ist die Dringlichkeit, dass jede\/r erkennt, dass es sich bei der momentanen Situation Griechenlands um ein ernstes europ\u00e4isches Problem handelt, das nur gemeinsam von den Europ\u00e4erInnen gel\u00f6st werden kann. Dass es sich bei der Verkn\u00fcpfung von Rettungs- und Sparpolitik um eine irrationale, unwirksame, sozial zerst\u00f6rerische und gef\u00e4hrliche Art des Umgangs mit der europ\u00e4ischen Krise handelt. Dass das, was wir in unserem Land erleben, ein lauter Ausdruck der Ablehnung der Austerit\u00e4tspolitiken ist, der nicht nur f\u00fcr Griechenland entscheidend ist, sondern auch f\u00fcr den Rest Europas.<br \/>\nNach dem Ausgang der Wahlen in Griechenland am 6. Mai, der St\u00e4rkung der Linken in Frankreich, dem R\u00fccktritt der Regierung in den Niederlanden und all den anderen Anstrengungen des Widerstands, die wir bereits gesehen haben und in ganz Europa weiter sehen werden, m\u00fcssen diejenigen unter uns, die glauben, dass ein anderes Europa m\u00f6glich ist, zuversichtlicher als je zuvor sein, dass die Entscheidung, die wir getroffen haben, n\u00e4mlich, dass wir das europ\u00e4ische Feld der Auseinandersetzung nicht verlassen werden, die richtige war.<br \/>\nDaher sollten wir uns nicht auf isolierte, nationalstaatliche Debatten beschr\u00e4nken, w\u00e4hrend sich gerade jetzt die Gr\u00fcnde, warum wir die ganze Zeit \u00fcber f\u00fcr eine Europ\u00e4ische Linke eingetreten sind, die kommuniziert, die Erfahrungen austauscht, die K\u00e4mpfe zu koordinieren versucht, als richtig erweisen.<br \/>\nAusgehend von Griechenland liegt unsere Chance vielleicht darin, die Beziehungen zwischen unseren \u00d6konomien, die Kommunikation zwischen unseren Gesellschaften, die gegenseitige Inspiration, die wir aus unseren Bewegungen sch\u00f6pfen, die Anziehungskraft unserer Wahlk\u00e4mpfe f\u00fcr die V\u00f6lker Europas, einbringen zu k\u00f6nnen. Vielleicht beginnen sich gerade jetzt die St\u00fccke unseres eigenen Puzzles zusammenzuf\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten zwei Jahren ist Griechenland ein gro\u00dfes Labor gewesen. 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