{"id":21494,"date":"2013-04-18T10:47:00","date_gmt":"2013-04-18T08:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-soziale-lage-in-ungarn\/"},"modified":"2023-09-27T16:07:22","modified_gmt":"2023-09-27T14:07:22","slug":"die-soziale-lage-in-ungarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-soziale-lage-in-ungarn\/","title":{"rendered":"Die soziale Lage in Ungarn"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">Einerseits kann man sagen, dass die ungarische Situation jener in anderen postkommunistischen L\u00e4ndern qualitativ&nbsp;ziemlich \u00e4hnlich ist. Ein&nbsp;Unterschied k\u00f6nnte in einer st\u00e4rkeren Betonung dessen liegen, was man als den nationalen Aspekt und die Mittel, mit denen Probleme und gesellschaftliche Spannungen gel\u00f6st werden, bezeichnen k\u00f6nnte. Ungarn ist Europa-skeptischer und setzt sich gegen die Diktate der M\u00e4chtigen in Europa st\u00e4rker&nbsp;zur Wehr, es ist aber auch ausgepr\u00e4gt&nbsp;antikommunistisch und antisozialistisch. Die Nachwirkungen&nbsp;historischer Erinnerungen und Traditionen sind sp\u00fcrbar. <\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">Der Trend geht in&nbsp;Richtung einer&nbsp;autorit\u00e4ren Gesellschaft, die zu Gunsten nur&nbsp;eines bestimmten (wenngleich relativ gro\u00dfen) Teils der Bev\u00f6lkerung funktioniert. Dieser Teil hat dem regierenden Regime eine langfristige und stabile Mehrheit&nbsp;gew\u00e4hrt (die sich darin \u00e4u\u00dfert, dass FIDESZ ein Wahlsieg von ann\u00e4hernd 50% beschert wurde, im Gegensatz zu nur halb so viel Stimmen&nbsp;f\u00fcr die Sozialisten und einem Sechstel f\u00fcr die populistisch-faschistische JOBIK-Partei).&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 9pt; line-height: 13.5pt;\">Alle Parteien, mit denen ich zusammentraf, kritisierten die FIDESZ-Regierung und gaben Beispiele, die eine Verschlechterung der Situation belegten. Aber die Kr\u00e4fte der Opposition sind sehr unterschiedlich, und fraglich ist,&nbsp;ob sie mehr eint als blo\u00df eine Ablehnung der Regierung.<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><b><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">Die Ergebnisse eines Besuches im Dorf Vin\u00e1r<\/span><\/b><span style=\"font-size:9.0pt; font-family: &quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">&nbsp;<\/span><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">in Westungarn zeigen die typische Situation. In diesem Dorf mit seinen 243 Einwohner\/innen (einschlie\u00dflich zwei Roma-Familien), das \u00fcber ein j\u00e4hrliches Budget von 26 Millionen Forint verf\u00fcgt und Arbeitspl\u00e4tze nur im Agrarbereich&nbsp;bieten kann (Viehzucht, Milchproduktion), leben blo\u00df f\u00fcnf offiziell arbeitslos gemeldete Personen und 14, die Sozialbeihilfe beziehen. Ein Gro\u00dfteil der Menschen&nbsp;arbeitet f\u00fcr \u00e4u\u00dferst geringe L\u00f6hne, die die Lebenshaltungskosten nicht abdecken. Das Dorf selbst ist nicht imstande, in Entwicklung zu investieren, geschweige denn&nbsp;in die einfache Reproduktion. \u00d6konomisch gesehen lebt es von der Vergangenheit (die&nbsp;kommunistische eingeschlossen) und wird zunehmend \u00e4rmer. In erster Linie sind es die Jungen, die weggehen, um anderswo Arbeit zu finden (was auch \u201aim Ausland\u2019 bedeuten kann). Die Kriminalit\u00e4tsrate ist niedrig. Die&nbsp;unmittelbare Situation scheint also nicht wirklich&nbsp;akut. In&nbsp;langfristiger Perspektive sind&nbsp;jedoch gro\u00dfe Probleme zu erwarten, wenn keine Ver\u00e4nderung des bestehenden Systems eintritt.<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">Man kann in Europa auch andere Orte finden (in erster Linie in Zentral- und Osteuropa), deren Armutsniveau jenem von Vin\u00e1r vergleichbar ist, allerdings mit jeweils spezifischen nationalen Besonderheiten.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><b style=\"line-height: 13.5pt;\"><span style=\"font-size: 9pt;\" lang=\"DE\">Neben&nbsp;der \u201enationalen Orientierung\u201c unterscheidet sich die ungarische Wirklichkeit von jener der Tschechischen Republik auch<\/span><\/b><span style=\"line-height: 13.5pt; font-size: 9pt;\" lang=\"DE\">, was die Anwendung von Machtinstrumenten und die Art anlangt, wie mit Menschen umgegangen wird, die den Erwartungen der Mehrheit nicht entsprechen. Demokratische Grunds\u00e4tze bleiben dabei auf der Strecke. In der Tschechischen Republik ist es&nbsp;allerdings&nbsp;eher Tradition, \u201esanfte Gewalt\u201c anzuwenden.&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 9pt; line-height: 13.5pt;\">In Ungarn wurde das Konzept des Ausschlusses bestimmter Elemente der Bev\u00f6lkerung aufgrund ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft angewandt. (Wichtig ist zu unterstreichen, dass dies mit Zustimmung eines betr\u00e4chtlichen Teils der B\u00fcrger\/innen erfolgte). Auf seine Art versucht der Staat, die Erfolglosen zu \u201ebestrafen\u201c, wobei er auch ihre Menschenrechte einschr\u00e4nkt. Dennoch implementiert er auch eine bestimmte Art von \u201eSozial\u201cpolitik, die einem nicht unbeachtlichen Teil der Bev\u00f6lkerung zugute kommt. Der Staat&nbsp;pr\u00e4sentiert sich als \u201eBesch\u00fctzer\u201c ungarischer nationaler Interessen angesichts \u201eb\u00f6sartiger\u201c Kr\u00e4fte der Globalisierung. In Ungarn gibt es, ebenso wie in der Tschechischen Republik, Korruption, Geldzahlungen an Firmen und Einrichtungen, die mit der regierenden Elite verbunden sind, Klientelismus etc. Die soziale Versorgung der Unterschicht ist hingegen eher eine wohlt\u00e4tige Angelegenheit und prim\u00e4r&nbsp;Aufgabe nichtstaatlicher (kirchlicher und ziviler) Organisationen. Nat\u00fcrlich ist das in den Augen der Linken keine befriedigende Strategie. Die Situation kann mit einer gro\u00dfen Zahl \u00e4u\u00dferst schockierender Beispiele f\u00fcr Armut belegt werden, die auch in anderen EU-L\u00e4ndern existiert. Gegenw\u00e4rtig werden wir Zeug\/innen zunehmender Indoktrinierung&nbsp;in den Bildungseinrichtungen sowie&nbsp;&nbsp;der Festigung klerikaler Tendenzen. Die ungarische Situation zeigt, dass die B\u00fcrger\/innen (postkommunistischer L\u00e4nder) mehrheitlich&nbsp;bereit sind, ihre Forderungen nach Demokratie zugunsten erh\u00f6hter&nbsp;sozialer Sicherheit (oder zumindest des Versprechens einer solchen) aufzugeben. Und sie opfern bestimmte Gruppen der Bev\u00f6lkerung ebenso wie deren Rechte und Lebensbedingungen, um dies zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><span style=\"font-size:9.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">All dies legt Zeugnis davon ab, dass es in postkommunistischen Gesellschaften einer intensiveren Suche nach Auswegen aus der gesellschaftspolitischen Krise bedarf. Bezeichnend ist, dass gegenw\u00e4rtig keine Ideen dahingehend auch nur erw\u00e4hnt wurden, wie die vereinte Europ\u00e4ische Linke die Initiative daf\u00fcr ergreifen k\u00f6nnte, z.B. im Rahmen des Alter-Summit. Diese Tatsache&nbsp;sollte ein klarer&nbsp;Impuls f\u00fcr \u00dcberlegungen sein, wie die politischen Aktivit\u00e4ten fokussiert werden m\u00fcssten&nbsp;\u2013&nbsp;und zwar sowohl innerhalb von&nbsp;Europ\u00e4ischer Linkspartei und&nbsp;<i style=\"\">transform!<\/i> als auch&nbsp;innerhalb anderer europ\u00e4ischer und linker Zusammenh\u00e4nge. <\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext\" style=\"margin-top:0cm; margin-right:0cm; margin-bottom:9.0pt; margin-left:0cm; line-height:13.5pt; background:white\"><i><span style=\"font-size:7.5pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:black\" lang=\"DE\">Das Bild oben Zeit die Stadt Vin\u00e1r.<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Partei der Europ\u00e4ischen Linken hat eine Bestandsaufnahme der sozialen Lage in verschiedenen L\u00e4ndern, in denen sie Mitgliedsparteien hat, durchgef\u00fchrt. Im April war das Ungarn \u2013 eines der sogenannten postkommunistischen L\u00e4nder. Der in Prag lebende Autor nahm die Gelegenheit wahr, die ungarische Situation mit jener in der Tschechischen Republik zu vergleichen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21495,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-21494","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-jiri-malek-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21494"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21494\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27324,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21494\/revisions\/27324"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}