{"id":21536,"date":"2013-05-22T08:13:00","date_gmt":"2013-05-22T06:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/islands-anderer-weg-was-wuerde-ohne-rettungsschirm-passieren\/"},"modified":"2023-09-27T16:07:27","modified_gmt":"2023-09-27T14:07:27","slug":"islands-anderer-weg-was-wuerde-ohne-rettungsschirm-passieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/islands-anderer-weg-was-wuerde-ohne-rettungsschirm-passieren\/","title":{"rendered":"Islands \u201eanderer\u201c Weg: Was w\u00fcrde ohne Rettungsschirm passieren?"},"content":{"rendered":"<p>Der Vortrag wurde von Maria Karamesini, Professorin f\u00fcr Wirtschaft an der Panteion Universit\u00e4t und Mitarbeiterin des Sekretariats des Nicos Poulantzas Instituts, eingeleitet. Zun\u00e4chst illustrierte sie&nbsp;den akademischen Werdegang der Vortragenden, die bis 2008 Wirtschaft an der Bifrost Verwaltungsschule in Island unterrichtet hatte&nbsp;und im Anschluss als Forschungsvorstand an der isl\u00e4ndischen Universit\u00e4t t\u00e4tig war.<br \/>\nObwohl sie vor der Krise keine politische Aktivistin war, wurde Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttir 2009 als Vertreterin der linksgr\u00fcnen Bewegung ins Parlament gew\u00e4hlt, wo ihre Fraktion die erste linksgerichtete Koalition Islands mit den Sozialdemokrat_innen einging. Bald darauf hat sie die linksgr\u00fcne Bewegung jedoch verlassen, weil sie nicht mit deren Haltung hinsichtlich ausl\u00e4ndischer Gl\u00e4ubiger_innen zufrieden war \u2013 sie h\u00e4tte sich mehr Bestimmtheit und weniger Verhandlungen gew\u00fcnscht. W\u00e4hrend ihrer Amtszeit als Parlamentarierin war sie Vorsitzende jenes Parlamentsausschusses, der mit der Regulierung des isl\u00e4ndischen Finanzsystems nach dem Zusammenbruch betraut war. Sie war auch Vorsitzende des Sozialausschusses und hat im Jahr 2010 als Vizepr\u00e4sidentin des Europarates fungiert. Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttirs politische Aktivit\u00e4ten sind eng mit den bedeutendsten Aspekten der isl\u00e4ndischen Krise verschr\u00e4nkt, von der Icesave-Aff\u00e4re \u00fcber die internationalen Schuldenverhandlungen und die Regulierung der Haushaltsschulden bis hin zum wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung.<br \/>\nZu Beginn ihres Vortrages hat Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttir brachte&nbsp;die Solidarit\u00e4t der isl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung mit den Menschen in Griechenland zum Ausdruck, die&nbsp;sie auch dazu motiviert hatte, Griechenland zu besuchen und die Erfahrungen ihres Landes mit der Krise zu teilen.<br \/>\nSie wies&nbsp;darauf hin, wie wichtig es ist, den isl\u00e4ndischen Weg aus der Krise zu analysieren. Dieser beruht insbesondere auf der Weigerung, die sozial Schwachen f\u00fcr die Krise bezahlen zu lassen, und setzte&nbsp;stattdessen auf Massenmobilisierungen und Einkommensumverteilung zugunsten von Niedrigverdiener_innen.<br \/>\nNach dem Ausbruch der Krise 2008 war Island gezwungen, die Icesave-Aff\u00e4re zu regeln, also den Schadensersatzforderungen der ausl\u00e4ndischen Kontoinhaber (haupts\u00e4chlich britische und niederl\u00e4ndische) der bankrott gegangenen Landesbank nachzukommen. Dies h\u00e4tte jedoch zu einer dramatischen Wertminderung der \u00f6ffentlichen Finanzen und folglich einer Ausweitung der Staatsschulden auf Kosten der isl\u00e4ndischen Steuerzahler_innen gef\u00fchrt. Die B\u00fcrger_innen haben diese Perspektive abgelehnt, indem sie sich zweimal gegen die vorgeschlagenen Verhandlungen mit den ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger_innen aussprachen. Gro\u00dfbritannien konterte&nbsp;sofort mit der Anwendung des Anti-Terror-Gesetzes, um Kontrolle \u00fcber die Finanzbest\u00e4nde der Bank zu gewinnen. Gro\u00dfbritannien und die Niederlande haben ihre internationale Machtposition ausgenutzt, um jenen Druck auf Island aufzubauen, der folglich zum Zusammenbruch s\u00e4mtlicher Transaktionen des Landes mit der EU und den USA gef\u00fchrt hat. Auch die Darlehen des IWF haben sich dadurch kontinuierlich verz\u00f6gert und es entstand ein Unwille bei den &#8216;freundlich gesinnten&#8217; nordischen L\u00e4ndern, Island wirtschaftlich beizustehen.<br \/>\nTrotz dieser ung\u00fcnstigen internationalen Situation hat Island einen anderen Weg eingeschlagen, um die Bankenkrise in den Griff zu bekommen. Es wurde&nbsp;entschieden, die alten Pleite-Banken von den restlichen loszul\u00f6sen und s\u00e4mtliche Finanzmittel&nbsp;\u2013&nbsp;etwa inl\u00e4ndische Kredite und Spareinlagen \u2013 in den neuen Banken aufgehen zu lassen. Island hat bis dato auch seine Verhandlungen mit dem IWF fortgesetzt, um zu einer \u00dcbereinkunft hinsichtlich einer reibungslosen Finanzverwaltung zu kommen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus hatte es sich die linke Regierung zum Ziel gesetzt, einen Weg aus der Krise zu finden, der gleichzeitig Islands Wirtschaft Aufschwung verleiht und den Wohlstand gleichm\u00e4\u00dfiger verteilt. Nachdem Island mit einem starken Abfall des BIP konfrontiert war, schaffte es die Regierung, wieder positive Wachstumsraten zu produzieren \u2013 hierf\u00fcr wurde&nbsp;der Schwerpunkt der&nbsp;wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t vom Finanzsektor in den Tourismus- und Fischereisektor verlagert. Bei gleichzeitiger Reduktion der Arbeitszeit schaffte sie es&nbsp;auch, die Arbeitslosigkeit von 9% (2009) auf 5% (2012) zu senken. Parallel dazu hat die Regierung&nbsp;Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Schuldenlast der Krise gerecht zwischen den sozialen Klassen aufzuteilen. Durch \u00c4nderungen im Steuersystem, durch die Gro\u00dfverdiener_innen st\u00e4rker belastet wurden, wurde es der linken Regierung m\u00f6glich, auch andere Ma\u00dfnahmen zur Entlastung der \u00e4rmeren Schichten zu ergreifen: So konnte etwa die Armut gesenkt werden, schwer verschuldete Haushalte wurden entlastet, Arbeitslosenbeihilfe gibt es nunmehr f\u00fcr vier anstatt wie bislang nur f\u00fcr drei Jahre, und Teilzeitarbeitnehmer_innen werden mit Zusch\u00fcssen unterst\u00fctzt.<br \/>\nLaut Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttir ist Island aber trotz aller Umverteilungs- und Entwicklungsinitiativen der linken Regierung noch nicht aus dem Schneider. Das Land steht nach wie vor in Verhandlungen mit den ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger_innen und sieht sich mit mehreren wirtschaftspolitischen Herausforderungen konfrontiert, etwa der Kontrolle des Kapitalflusses mit Blick auf die Inflation, dem Schuldenerlass der Haushalte und der St\u00e4rkung des Wirtschaftswachstums. Dar\u00fcber hinaus hat Island seine 2008 begonnene politische Instabilit\u00e4t noch immer nicht \u00fcberwunden. Viele B\u00fcrger_innen sind der Meinung, dass die Regierung bez\u00fcglich der Forderungen der ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger_innen zu nachgiebig ist \u2013 eine Ansicht, die Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttir teilte, als sie die Linksgr\u00fcnen verlassen hat. Au\u00dferdem zeigt sich die Mittelklasse unzufrieden, da sie ihrer Meinung nach eine unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Steuerlast auf sich nehmen musste. Diese Punkte k\u00f6nnten den Zusammenbruch der linken Regierung sowie den sich abzeichnenden Sieg der Zentrumsparteien in den anstehenden Wahlen erkl\u00e4ren.<br \/>\nZum Schluss ihres Vortrags hat Lilja M\u00f3sesd\u00f3ttir einmal mehr darauf hingewiesen, dass der isl\u00e4ndische Weg mit all seinen Vor- und Nachteilen eine Alternative zum neoliberalen Krisenmanagement aufzeigen kann. Ein genauerer Blick auf die isl\u00e4ndische Alternative k\u00f6nnte f\u00fcr all jene hilfreich sein, die einen Weg aus der Krise abseits von gnadenlosen neoliberalen K\u00fcrzungen suchen. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Das <span style=\"font-weight: bold;\">Video <\/span>des Vortrags findet sich&nbsp;auf der Website des Nicos Poulantzas Instituts und rechts&nbsp;unter <span style=\"color: rgb(238, 0, 0); font-weight: bold;\">Multimedia<\/span>. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00d6konomin und ehemalige isl\u00e4ndische Parlamentsabgeordnete pr\u00e4sentierte in ihrem Vortrag eine Reihe von Argumenten, warum der \u201eisl\u00e4ndische Weg\u201c \u2013 mit all seinen Vor- und Nachteilen \u2013 eine Alternative zum neoliberalen Krisenmanagement aufzeigen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21537,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2462,2447],"tags":[],"class_list":["post-21536","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-bericht","category-report","topic-economy","topic-europa","topic-island","topic-oekonomie","topic-skandinavien","person-giannis-gaitanis-de","person-sotiris-koskoletos-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21536"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27331,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21536\/revisions\/27331"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}