{"id":21671,"date":"2013-08-27T12:14:00","date_gmt":"2013-08-27T10:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-griechischen-neonazis-von-der-goldenen-morgenroete-no-pasaran\/"},"modified":"2023-09-27T16:07:36","modified_gmt":"2023-09-27T14:07:36","slug":"die-griechischen-neonazis-von-der-goldenen-morgenroete-no-pasaran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-griechischen-neonazis-von-der-goldenen-morgenroete-no-pasaran\/","title":{"rendered":"Die griechischen Neonazis von der Goldenen Morgenr\u00f6te: No pasar\u00e1n?"},"content":{"rendered":"<p>Der bekannte griechische Journalist Dimitris Psarras ist Gr\u00fcndungsmitglied der IOS (&quot;Virus&quot;), der unabh\u00e4ngigen Wochenendbeilage der Tageszeitung ELEFTHEROTYPIA, die seit 20 Jahren einen Hafen f\u00fcr guten und gr\u00fcndlichen Journalismus darstellt. Er ist auch Kritiker und derzeit Redakteur der selbstverwalteten Tageszeitung Efimerida ton Sindakton (Journal of Editors) sowie Autor des Werkes Schwarzbuch Chrysi Avgi . Die franz\u00f6sische Online-Zeitung Mediapart ver\u00f6ffentlichte vor einigen Monaten ein Interview mit ihm.<br \/>\nDas Interview wurde von <link http:\/\/blogs.mediapart.fr\/blog\/varikas>Eleni Varikas<\/link> und <link http:\/\/blogs.mediapart.fr\/blog\/michael-lowy - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">Michael L\u00f6wy<\/link> durchgef\u00fchrt und aus dem Griechischen ins Franz\u00f6sische \u00fcbersetzt. \u00dcbersetzung ins Deutsche von <link http:\/\/www.textillerie.at\/uber-uns\/veronika\/ - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">Veronika Peterseil<\/link>. <\/p>\n<hr \/>\n<p><b>1. Kannst du uns kurz den Ursprung der griechischen Neonazi-Organisation Chrysi Avgi (CA) skizzieren?<\/b><br \/>\nSeit ihrer Gr\u00fcndung zu Beginn der Achtziger Jahre wird die Richtung der CA immer von den gleichen Personen vorgegeben; ihr unumstrittener Chef ist Nicolaos Michaloliakos. Zur Zeit der griechischen Milit\u00e4rdiktatur war Michaloliakos Mitglied der Neonazi-Organisation &quot;Partei des 4. August&quot; des Nationalsozialisten Constantin Plevris. Nach dem Fall der Diktatur wurden zahlreiche Attentate seitens der Anh\u00e4ngerInnen der ehemaligen Milit\u00e4rjunta ver\u00fcbt, die in Zusammenarbeit mit den italienischen Neo-FaschistInnen des Ordine Nuovo durchgef\u00fchrt wurden. Michaloliakos wurde wegen Handels mit Sprengstoff angeklagt, verurteilt und sa\u00df eine einj\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe ab. Die Goldene Morgenr\u00f6te&nbsp;wurde im Dezember 1980 als geschlossene nationalsozialistische Diskussionsgruppe gegr\u00fcndet. Im Jahr 1984 ernannte Papadopoulos, der inhaftierte Diktator, Michaloliakos zum Anf\u00fchrer der Jugendorganisation der Partei EPEN (Nationale Politische Union), die er gegr\u00fcndet hatte. Er blieb jedoch nicht lange im Amt, da diese Organisation von Junta-Anh\u00e4ngerInnen f\u00fcr seinen Geschmack nicht streng genug und vor allem nicht antisemitisch genug&nbsp; war. Danach wurde er wieder bei der Chrysi Avgi aktiv und setzte die Nazi-Propaganda fort. Nach dem Beginn der Neunzigerjahre n\u00fctzte die Organisation die Welle des Nationalismus, die nach der Konfrontation Griechenlands mit der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien wegen der Verwendung des Namens &quot;Mazedonien&quot; aufkam, f\u00fcr erste \u00f6ffentliche Auftritte (z.B. im Zuge von nationalistischen Massendemonstrationen), w\u00e4hrend \u00dcbergriffe, die ihr zuzuschreiben waren, immer h\u00e4ufiger wurden.<br \/>\n<b>2. Wo liegen die Unterschiede zwischen der CA und den anderen rechtsextremen Gruppierungen in Griechenland?<\/b><br \/>\nDer Gro\u00dfteil der rechtsextremen Gruppierungen, die seit dem Sturz der Diktatur 1974 aktiv sind, zeichnet sich durch eine starke nationalistische und traditionalistische Tendenz aus und hei\u00dft milit\u00e4rische Interventionen gut, m\u00f6chte die Monarchie wieder einf\u00fchren und verbindet Staat und Kirche. Im Gegensatz dazu hatte und hat die CA eine klar nationalsozialistische Ausrichtung &#8211; sie h\u00e4ngt sozusagen einer Nazi-Weltanschauung an &#8211; was weder den Visionen der Diktatur noch denen der anderen rechtsextremen Parteien entspricht. Alle fr\u00fcheren Tendenzen, besonders die Beziehungen zu den Relikten der Diktatur, den MonarchistInnen und der Kirche benutzt die CA als zus\u00e4tzliche Elemente; jedoch nur aus taktischen Gr\u00fcnden.&nbsp;<br \/>\n<b>3. Welche sind die konkret neonazistischen Eigenschaften der CA? Was ist ihre Beziehung zum Dritten Reich und dessen Anf\u00fchrer, und unter welchen Gesichtspunkten stellt sie eine Nazi-Tradition in Griechenland dar oder l\u00e4sst eine solche wieder aufleben?<\/b><br \/>\nVon ihrem ersten Auftritt an hat sich Chrysi Avgi mit dem deutschen Nationalsozialismus identifiziert. Sie ist weder eine der rechtsextremen Parteien, die zur so genannten &quot;dritten Welle&quot; des europ\u00e4ischen Rechtsextremismus geh\u00f6rt, noch eine einfach &quot;neofaschistische&quot; politische Gruppierung. Rassismus und Gewalt stellen die wesentlichen Elemente der Partei dar. In ihren Publikationen nach 1980 lie\u00df die CA klassische Nazi-Literatur wie Hitler und Rosenberg, aber auch Freisler und Darr\u00e9 \u00fcbersetzen; au\u00dferdem arbeitet sie von Zeit zu Zeit mit anderen europ\u00e4ischen Neonazi-Bewegungen zusammen. Die spanische Partei CEDADE und der belgische Offizier der Waffen-SS L\u00e9on Degrelle spielten urspr\u00fcnglich eine wichtige Rolle auf der europ\u00e4ischen Ebene der CA. Die ideologischen \u00dcberschneidungen spielen jedoch nicht die wichtigste Rolle. Die CA orientiert sich in ihrer politischen T\u00e4tigkeit an der ehemaligen deutschen NSDAP; besonders mit der Einrichtung ihrer eigenen \u201eSturmtruppen\u201c, die Teile von gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten \u201eeinnehmen\u201c, L\u00e4den von Gesch\u00e4ftsleuten mit Migrationshintergrund zerst\u00f6ren und massive \u00dcbergriffe auf diese ver\u00fcben. Die Anwendung von Gewalt stellt ein grundlegendes Merkmal der Parteiaktivit\u00e4ten dar, und keine gelegentliche Tendenz ihrer extremsten Mitglieder.<br \/>\n<b>4. Wer ist der &quot;Feind&quot; gem\u00e4\u00df der CA-Ideologie? Die J\u00fcdInnen, die Homosexuellen, die MuslimInnen, die linken AktivistInnen, die FeministInnen?<\/b><br \/>\nNat\u00fcrlich fallen alle Menschen, die zu diesen Gruppen geh\u00f6ren, gem\u00e4\u00df der CA-Ideologie unter die Kategorie &quot;Untermenschen&quot;, und sind deshalb Feinde und Angriffsziele. Aber die CA stellt sicher, dass sie ihre Ziele nach der aktuellen politischen &quot;Mode&quot; w\u00e4hlt. Zu Beginn der Neunziger Jahre war in Griechenland eben die nationalistische Hysterie um den Namen Mazendoniens &quot;modisch&quot;. Zu diesem Zeitpunkt stellten die AktivistInnen der internationalen und libert\u00e4ren Linken das haupts\u00e4chliche Angriffsziel f\u00fcr die CA dar<i>, <\/i>die sie als &quot;Verr\u00e4terInnen&quot; bezeichnete und im Namen des Staates heftig angriff. Im Laufe der letzten Jahre gerieten die MigrantInnen in ihren Fokus, nachdem sich im Land wieder ein politisches Klima des Fremdenhasses verbreitet hatte &#8211; ein Klima, auf das die CA ihre blutige Propaganda st\u00fctzt.&nbsp;<br \/>\n<b>5. Kannst du die Entwicklung des Wahlverhaltens bez\u00fcglich der CA in den letzten Jahren beschreiben?<\/b><br \/>\nDie CA trat erstmals 1994 zu den Europawahlen an und erreichte 7.242 Stimmen (0,11%).&nbsp; Seitdem nimmt sie an ausgew\u00e4hlten Wahlen teil und f\u00e4hrt relativ niedrige Ergebnisse ein. Ein ziemlich bedeutendes Ergebnis erreichte sie in den Europawahlen 1999, als die CA mit Kostas Plevris zusammenarbeitete und 48.532 Stimmen erhielt (0,75%). Bei den Lokalwahlen 2002 machte die Partei gemeinsame Sache mit Georges Karatzaferis, der eine rechtsextreme Partei nach dem Vorbild von Le Pen gegr\u00fcndet hatte. Bei den Europawahlen 2009 trat die CA wieder unter ihrem eigenen Namen an und bekam 23.609 Stimmen (0,46%), w\u00e4hrend sie bei den Parlamentswahlen im selben Jahr nur 19.624 Stimmen erreichte (0,29%).<br \/>\nEin deutliches Plus in den Wahlergebnissen konnte die Organisation bei den Kommunalwahlen 2010 verzeichnen, als die Krise bereits ausgebrochen war. Die CA schaffte es in der Gemeinde Athen auf 5,29% der Stimmen, und stellte im Zuge dessen mit Michaloliakos erstmals einen Gemeinderat. In einigen Stadtteilen von Athen erzielte die CA noch h\u00f6here Ergebnisse. Bei den Wahlen im Mai 2012 erreichte die Partei schlie\u00dflich 441.018 Stimmen (6,97%). Einen Monat sp\u00e4ter kam sie auf 425.990 Stimmen (6,92%), und stellte damit 18 Abgeordnete.<br \/>\n<b>6. Wie l\u00e4sst sich der spektakul\u00e4re Wahlerfolg der CA im Jahr 2012 erkl\u00e4ren?<\/b><br \/>\nOhne die Wirtschaftskrise w\u00e4ren die Dinge zweifellos anders gelaufen. Aber auch die Krise ist keine ausreichende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Anziehung, die eine derart extreme Gruppierung auf die B\u00fcrgerInnen aus\u00fcbt. W\u00e4re die Krise nicht von einem Zusammenbruch des politischen Systems begleitet worden, w\u00e4re so etwas nie passiert. Der Gro\u00dfteil der CA-W\u00e4hlerInnen m\u00f6chte sich mit der Wahl einer extremen Partei an den PolitikerInnen, den Parteien und den Regierenden r\u00e4chen. Die v\u00f6llige Verzweiflung f\u00fchrt zu der \u00dcberzeugung, dass das einzige Mittel, das den B\u00fcrgerInnen bleibt, um sich zu r\u00e4chen, eine Stimme f\u00fcr diese rechtsextreme Organisation ist. Dabei handelt es sich um einen beispielhaften Fall von kollektiver Verbitterung.&nbsp; Man darf jedoch die Tatsache nicht untersch\u00e4tzen, dass sich viele Themen der CA &#8211; besonders das Thema MigrantInnen &#8211; auf ein fremdenfeindliches Klima st\u00fctzen. Die Medien und insbesondere die privaten Fernsehkan\u00e4le haben seit l\u00e4ngerem einige nationalistische und rassistische Stereotypen \u00fcbernommen; letztere lassen keine Gelegenheit aus, um die &quot;Nazi-TV-Stars&quot; auf die Bildschirme einzuladen, solange diese f\u00fcr hohe Einschaltquoten sorgen. Als sie auf den Erfolg der CA aufmerksam wurden, machten die beiden bis dato st\u00e4rksten Parteien, die Neue Demokratie und die PASOK, au\u00dferdem den Fehler, deren migrantInnenfeindliche Rhetorik gro\u00dfteils zu \u00fcbernehmen, in der Hoffnung damit diese W\u00e4hlerInnenschaft f\u00fcr sich gewinnen zu k\u00f6nnen. 2011 stellten diese beiden Parteien die Regierung in Zusammenarbeit mit der Partei LAOS (&quot;Volk&quot;) &#8211; gegr\u00fcndet von Kostas Plevris, dem fr\u00fcheren Verb\u00fcndeten der CA &#8211; und legitimierte damit die Machtteilhabe einer rechtsextremen Partei zum ersten Mal seit dem Fall der Diktatur 1974. &nbsp;<br \/>\nIch m\u00f6chte unterstreichen, dass bestimmte Medien &#8211; die Fernsehkan\u00e4le, aber auch die Wochenzeitung <i>Proto Thema<\/i> mit der gr\u00f6\u00dften landesweiten Sonntagsauflage &#8211; dazu beigetragen haben, die propagandistischen Mythen der CA zu verbreiten, indem sie die L\u00fcge erz\u00e4hlen, die Nazis w\u00fcrden ein \u201esoziales Werk\u201c vollbringen, indem sie \u00e4lteren und invaliden Personen helfen w\u00fcrden. Wie ich in meinem Buch ausf\u00fchre, war diese journalistische Reportage gro\u00dfteils vorgefertigt.&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<b>7. Wie ist es m\u00f6glich, dass das schreckliche Leid, das Griechenland unter der Nazi-Besetzung zugef\u00fcgt worden war, den aktuellen Erfolg des Neonazismus nicht verhindert hat? Fehlt es an historischem Ged\u00e4chtnis? <\/b><br \/>\nEs scheint, als ob historisches Ged\u00e4chtnis nicht ausreicht, wenn Verzweiflung und blindes Rachegef\u00fchl zum Massenph\u00e4nomen werden.&nbsp; Man muss jedoch auch etwas anderes bedenken. W\u00e4hrend der deutschen Besetzung gab es in Griechenland Nazi-KollaborateurInnen. Da der B\u00fcrgerkrieg (1946-1949) auf die Besetzung folgte, wurden viele Nazi-KollaborateurInnen zu Anh\u00e4ngerInnen des &quot;Nationalstaates&quot;. Im Zuge ihrer Arbeit daf\u00fcr brachten sie ihre Erfahrungen im antikommunistischen Aktivismus ein. Menschen, die gestern noch gemeinsame Sache mit den deutschen BesetzerInnen gemacht hatten, wurden nach dem Krieg zu den HenkerInnen der Widerstandsk\u00e4mpferInnen. Wir sprechen hier nicht von nur einem Mangel an Entnazifizierungsma\u00dfnahmen, wie das in mehreren Staaten Europas der Fall war. In Griechenland stellten die KollaborateurInnen den sichtbaren Parteikader, w\u00e4hrend die wirklichen Widerstandsk\u00e4mpferInnen (also die Linke) von den MachthaberInnen der Nachkriegszeit als Verr\u00e4terInnen denunziert wurden und ins Gef\u00e4ngnis oder Exil geschickt wurden. Die Beziehungen zwischen dem griechischen Staat und dessen Apparat einerseits und den KollaborateurInnen der Nazi-Besetzung im Land andererseits haben eine dunkle (und versteckte) Vergangenheit.<br \/>\n<b>8. Welche sozialen Gruppen spricht die CA am st\u00e4rksten an? H\u00e4ngt diese Tendenz von Geschlecht, Alter, sozialer Zugeh\u00f6rigkeit, Bildung oder st\u00e4dtischem\/l\u00e4ndlichen Lebensraum ab?&nbsp;<\/b><br \/>\nWas das W\u00e4hlerInnenprofil der W\u00e4hlerInnen von Chrysi Avgi angeht, \u00fcberwiegen die M\u00e4nner die Frauen (8,5% zu 5,1%) und die Partei spricht eher junge Menschen an (8,1% der W\u00e4hlerInnen sind zwischen 18-24 Jahre alt, 9,9% zwischen 25-34 Jahre, 11,9% zwischen 35-44, 6,7% zwischen 45-54, 3,8% zwischen 55-64 und 2,5% \u00fcber 65 Jahre). Die CA-W\u00e4hlerInnen verteilen sich auf die urbanen, semi-urbanen und l\u00e4ndlichen Zentren mit jeweils 6,8%, 7,4% und 6,9%. Nach Berufen \u00fcberwiegen nicht-spezialisierte Teilzeit-ArbeiterInnen (24,5%) und Arbeitslose (23,5%), gefolgt von ArbeitgeberInnen\/Gesch\u00e4ftsleuten (20,3%), mittleren Angestellten aus dem Privatsektor (12,6%), FacharbeiterInnen (11,1%), Angestellten aus dem Privatsektor (10,2%), HandwerkerInnen (9,1%), FreiberuflerInnen (8,7%), freiberuflichen LandwirtInnen, Viehz\u00fcchterInnen und FischerInnen (7,5%), BeamtInnen (4,7%), Hausfrauen (3,6%), Sch\u00fclerInnen\/StudentInnen\/Soldaten (3,6%), RentnerInnen aus dem Privatsektor (2,8%), mittleren Angestellten aus dem \u00f6ffentlichen Sektor (2,3%) und RentnerInnen aus dem \u00f6ffentlichen Sektor (1,7%).<br \/>\nDie Wahlen im Juni 2012 zeigten, dass weniger CA-W\u00e4hlerInnen aus den b\u00fcrgerlichen Stadtteilen mit h\u00f6heren Einkommen stammten &#8211; zwischen 3,67% und 2,94% in Athen und zwischen 2,28% und 4,00% in Thessaloniki. In den Stadtteilen mit mittleren Einkommen waren die Anteile gr\u00f6\u00dfer und lagen zwischen 4,94% und 5,18%. In den von Angestellten und ArbeiterInnen bewohnten Stadtteilen waren die Zahlen empfindlich h\u00f6her und rangierten zwischen 7,78% und 12,54%. Demnach ist dieses Wahlergebnis als Ausdruck der &quot;einkommensschw\u00e4cheren Bev\u00f6lkerungsschichten&quot; zu verstehen, wonach sich die CA von fr\u00fcheren rechtsextremen Parteien in Griechenland wie der LAOS unterscheidet, die ihre Anh\u00e4ngerInnen eher in den Bezirken mit mittleren und h\u00f6heren Einkommen rekrutierten.<br \/>\n<b>9. Du sagst, die Aktivit\u00e4ten der CA zeichnen sich durch <i>&quot;Pogrome und Lynchjustiz&quot;<\/i> aus. Kannst du uns&nbsp;Beispiele nennen, die eine solche Bezeichnung rechtfertigen? <\/b><br \/>\nDie Arbeitsweise der Organisation kann mit diesen historisch aufgeladenen Konzepten beschrieben werden. Ein Pogrom ist von organisierten \u00dcbergriffen auf MigrantInnen charakterisiert &#8211; etwas, das sich im Mai 2011 zwei Wochen lang im Zentrum Athens abspielte. Als Vorwand diente damals der Mord an dem Griechen Manolis Kandaris. Dutzende MigrantInnen wurden verletzt, einige davon schwer, und es gab auch einen Toten. Solche von Nazis initiierten Pogrome gegen MigrantInnen fanden in den letzten Jahren in ganz Griechenland statt; auch 2004 nach einem Fu\u00dfballspiel zwischen Albanien und Griechenland. Dutzende in Griechenland lebende albanische MigrantInnen mussten f\u00fcr die griechische Niederlage bezahlen. Und was die Lynchjustiz angeht; diese manifestiert sich gew\u00f6hnlich abends, wenn Gruppen von CA-Mitgliedern (die &quot;Phalangen&quot; oder &quot;Sturmtruppen&quot;) umherziehen und eineN oder zwei MigrantInnen festhalten und sie bewusstlos schlagen. Ein typischer Fall, der aufgekl\u00e4rt werden konnte, geschah im Juni 1998. Die damalige Nummer 2 der Organisation, Antonios Androutsopoulos, griff an der Spitze einer Gruppe von zehn mit Kn\u00fcppeln bewaffneten CA-Mitgliedern am helllichten Tag drei gewerkschaftlich organisierte Studierende an, die in einem Caf\u00e9 sa\u00dfen.&nbsp;Sie lie\u00dfen nicht ab von ihnen, bis einer tot zu sein schien. Der Student \u00fcberlebte schlie\u00dflich, nachdem er viele Tage mit dem Tod gerungen hatte. Solche \u00dcbergriffe finden heute fast jeden Tag statt und richten sich stets gegen MigrantInnen. Allerdings erf\u00e4hrt man davon nur, wenn sich die Opfer ins Krankenhaus wagen.<br \/>\n<b>10. Wie ist es m\u00f6glich, dass solche Vorf\u00e4lle und Angriffe auf Abgeordnete der Linken unbestraft bleiben?&nbsp;<\/b><br \/>\nIn Wahrheit landen nur sehr wenige solcher \u00dcbergriffe vor dem Gericht. Der stellvertretende Anf\u00fchrer der CA wurde au\u00dfergew\u00f6hnlicher Weise f\u00fcr den Vorfall von 1998 zu einer langen Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt. Er hatte es jedoch geschafft, sich sieben Jahre lang zu verstecken, bis er sich selbst den Beh\u00f6rden stellte. Der Grund f\u00fcr die h\u00e4ufige Straflosigkeit ist, dass Chrysi Avgi spezielle Beziehungen zur Polizei und besonders der MAT, die griechischen Spezialeinsatzkr\u00e4fte, pflegte. Die Polizei nutzte die Organisation f\u00fcr die &quot;Drecksarbeit&quot; beim Niederschlagen von Demonstrationen. Bei den letzten Wahlen stellte sich heraus, dass ein gro\u00dfer Teil der PolizistInnen f\u00fcr die CA gestimmt hatte. Das ist auch der Grund daf\u00fcr, warum die Beh\u00f6rden in diesen Nazi-\u00dcbergriffen so z\u00f6gerlich ermitteln. Ich m\u00f6chte auch hinzuf\u00fcgen, dass es kein soziales Netzwerk gibt, das den Opfern solcher \u00dcbergriffe Unterst\u00fctzung bietet, sodass diese davor zur\u00fcckschrecken, diese Vorkommnisse der Polizei zu melden, da sie Angst haben, dadurch in Schwierigkeiten zu geraten &#8211; besonders wenn sie keine Papiere besitzen. Die Beh\u00f6rden haben erst k\u00fcrzlich damit begonnen aktiv zu werden, besonders nach einigen speziell provokanten Aktionen &#8211; \u00dcbergriffe auf Verk\u00e4uferInnen mit Migrationshintergrund &#8211; die von CA-Abgeordneten angeleitet wurden. Das Parlament hob sofort ihre Immunit\u00e4t auf und das Ministerium f\u00fcr \u00d6ffentliche Ordnung zog die PolizistInnen ab, die den Parlamentsabgeordneten der Chrysi Avgi als Leibw\u00e4chterInnen dienten.<br \/>\n<b>11. Wie sch\u00e4tzt die griechische Linke die heutige neonazistische Bedrohung ein? &nbsp;Was sind die Reaktionen seitens der Syriza (Koalition der radikalen Linken), der KKE (griechische kommunistische Partei), der Dimar (demokratische Linke), der extraparlamentarischen Linken &#8211; Andarsia (Rebellion), die AnarchistInnen, die antiautorit\u00e4re Linke &#8211; und der feministischen Bewegungen? Ist eine gemeinsame Strategie m\u00f6glich?<\/b><br \/>\nLeider gibt es bis heute keine Anzeichen daf\u00fcr, dass eine gemeinsame antifaschistische Strategie f\u00fcr die Linke eine Option darstellt. Diese Parteien und Organisationen nehmen die Unterschiede zueinander auf der Ebene ihrer allgemeinen politischen Programme wichtiger. Zum Beispiel verweigert die KKE jede Kooperation mit Syriza, da sie ihr eine &quot;pro-europ\u00e4ische&quot; Position vorwirft, w\u00e4hrend Syriza nichts mit Dimar zu tun haben will, da letztere Teil der unpopul\u00e4ren Regierung von A. Samaras war. Nat\u00fcrlich versucht jede dieser Parteien und sozialen Bewegungen die faschistische Bedrohung auf ihre Weise zu bek\u00e4mpfen; es ist jedoch klar, dass das nicht reicht. Ich bef\u00fcrchte, dass sie die Gefahr grob untersch\u00e4tzt hatten und wahrscheinlich \u00fcberrascht waren, dass es nicht reicht, den Charakter der CA &quot;ans Licht zu bringen&quot; um die Unterst\u00fctzung der letzteren durch die \u00d6ffentlichkeit zu reduzieren. Die Annahme einiger AkteurInnen der Linken &#8211; wie beispielsweise des Generalsekret\u00e4rs der KKE &#8211; dass es f\u00fcr die CA reichen w\u00fcrde, ins Parlament zu kommen, um sich im politischen System zu integrieren, hat sich als falsch erwiesen. Wie wir festgestellt haben, ist genau das Gegenteil der Fall. Nach ihrem Wahlerfolg ist die Partei noch provokanter und aggressiver geworden.<br \/>\n<b>12.&nbsp;Welche Ma\u00dfnahmen sollen getroffen werden, um die Propaganda der Chrysi Avgi und ihre straflos bleibenden kriminellen Aktivit\u00e4ten zu bek\u00e4mpfen?<\/b><br \/>\nEs gibt schon erste Ans\u00e4tze von antifaschistischen Aktionen, die sich an der Basis der Gesellschaft entwickeln. Die Frage ist, inwieweit auch organisierte soziale Kr\u00e4fte, wie politische Parteien und Gewerkschaften, aktiv werden k\u00f6nnen. Ich kann Ihnen einige Vorschl\u00e4ge nennen, die wir unter JournalistInnen diskutiert haben:<br \/>\n&#8211; Informationen \u00fcber den tats\u00e4chlichen Charakter der Organisation, auf Basis von Ausz\u00fcgen aus ihren Publikationen, ihren Plakaten und Websites sollen verbreitet werden;<br \/>\n&#8211; Die kriminelle Natur der CA-Aktionen soll durch Ver\u00f6ffentlichung der Gerichtsentscheidungen nachgewiesen werden;<br \/>\n&#8211; Medien sollen kritisiert werden, die vorgeben, &quot;Enth\u00fcllungen&quot; \u00fcber die Nazis anzustellen, diese aber in Wirklichkeit verharmlosen;<br \/>\n&#8211; Der Mythos \u00fcber den sozialen Charakter dieser Organisation soll anhand von konkreten Beispielen zu ihren Aktivit\u00e4ten in den \u201eProblemvierteln\u201c entlarvt werden;<br \/>\n&#8211; Alle Arten von gewaltt\u00e4tigen Konfrontationen sollen verurteilt werden, gleichzeitig sollen antifaschistische Initiativen und Demonstrationen verteidigt werden;<br \/>\n&#8211; Es soll die Angst \u00fcberwunden werden, die bereits unter einigen \u00f6ffentlichen Pers\u00f6nlichkeiten \u2013 wie FernsehsprecherInnen oder PolitikerInnen &#8211; verbreitet ist, die, um ihre Ruhe haben, sich mi<a name=\"_GoBack\"><\/a>t dieser nazistischen Gruppierung verbr\u00fcdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit dem griechischen Journalisten Dimitris Psarras, dem Autor des \u201cSchwarzbuchs Goldene Morgenr\u00f6te (Chrysi Avghi)\u201d.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21672,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-21671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21671"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27355,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21671\/revisions\/27355"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21672"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}