{"id":21875,"date":"2014-03-20T11:53:00","date_gmt":"2014-03-20T10:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-macht-der-ideologie-feminismus-und-seine-kritische-betrachtung\/"},"modified":"2023-09-27T16:07:55","modified_gmt":"2023-09-27T14:07:55","slug":"die-macht-der-ideologie-feminismus-und-seine-kritische-betrachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-macht-der-ideologie-feminismus-und-seine-kritische-betrachtung\/","title":{"rendered":"Die Macht der Ideologie: Feminismus und seine Kritische Betrachtung"},"content":{"rendered":"<p>Welchen Appell m\u00f6chte ich hier an euch richten? Welcher Appell k\u00f6nnte die politische, ideologische und wirtschaftliche Situation in einer Weise ber\u00fccksichtigen, dass diese Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr uns eine Chance darstellen k\u00f6nnten, uns vom politischen Niedergang und den sozialen Missst\u00e4nden nicht unterkriegen zu lassen? Ein Appell, der eine Bewegung wiederaufleben lassen soll &#8211; die Frauenbefreiungsbewegung. Was soll das bedeuten? Eine Bewegung kann sich im Kreis drehen und ohne jemals ihre Kreisbahn zu verlassen. Es scheint, als w\u00e4re dies der Punkt, an dem wir uns befinden. Wir machen uns durchaus bemerkbar und haben viele Forderungen, bewegen uns jedoch immer in denselben Bereichen und innerhalb bestimmter Grenzen mit einem eingeschr\u00e4nkten Horizont. Was uns fehlt ist eine Antriebskraft, die es uns erm\u00f6glicht, nicht nur im Strom Widerstand zu leisten, sondern uns gegen den Strom selbst zu stellen, ihn aufzuhalten, und in eine andere, sinnvolle Richtung zu leiten, was uns schlie\u00dflich aus der uns umgebenden Tristesse herausholen k\u00f6nnte.<br \/>\nDenn eine Bewegung kann auch einen Weg fortrei\u00dfen, abdr\u00e4ngen oder einen erzwingen. Einen Weg zu erzwingen bedeutet einen solchen an einer Stelle einzuschlagen, wo niemand einen erwartet hatte, wo alle Zeichen gegen ihn stehen und sich daher neue Horizonte er\u00f6ffnen. Das bedeutet, eine Situation zu begreifen. Eine Situation zu begreifen bedeutet, diese \u00fcber einen Blickwinkel, eine Perspektive zu verstehen, die au\u00dferhalb der vorherrschenden Sichtweise liegt und von einem Standpunkt bestimmt wird, der nicht statisch sondern flexibel ist und gemeinsam mit einem Ziel die Mittel bietet, dieses Ziel zu erreichen.<br \/>\nDie Frauenbefreiungsbewegung r\u00e4umt politischen und ideologischen Positionen Priorit\u00e4t ein, um an Zugkraft zu gewinnen. Worauf bezieht sich das jedoch? Und was ist ihr Ziel? Eine Bewegung kommt in ihrer Praxis nie ohne eine theoretische Grundlage aus; die Praxis muss nach innen gerichtet sein, sich selbst begutachten und sich selbst kritisieren. Denn ohne Theorie kann kein Weg geschaffen werden, sondern nur ein gef\u00e4hrlicher Pfad, der einen unwissend und vom vorherrschenden Diskurs gek\u00f6dert im Stich l\u00e4sst. Ohne Theorie, die ein ganzheitliches Verst\u00e4ndnis vermittelt und somit Grenzen und Auswege aufzeigt, drehen wir uns nur im Kreis, w\u00e4hrend wir glauben, Fortschritte zu machen, obwohl diese Wiederholung die unsichtbare Ausformung unserer Machtlosigkeit ist.<br \/>\nDie feministische Bewegung kann nicht auf Verb\u00e4nde oder Parteien reduziert werden. Ebensowenig kann sie auf Forderungen reduziert werden, die in einem bestimmten Rahmen gestellt werden, auch wenn dieser all diese Forderungen umfasst. Der Rahmen umfasst sie jedoch auf der Grundlage nur als Vehikel f\u00fcr Letztere zu dienen, das es ihnen erlaubt mehr zu sein, als sie das allein k\u00f6nnen. Die feministische Bewegung wurde zur Bewegung, als sie sich eine politische Strategie zurechtlegte und sich in die ideologische Schlacht einbrachte. Als sie, <i>sowohl au\u00dferhalb als auch im Rahmen des Gesetzes<\/i>, eine Haltung annahm, die nicht nur Teile der Struktur in Frage stellte, sondern die Struktur selbst; die <u>patriarchalische Struktur<\/u>. Kurz; als sie sich das &quot;Verst\u00e4ndnis der Sache&quot; aneignete. Wir haben dieses &quot;Verst\u00e4ndnis der Sache&quot; mit dem Verebben der sozialen und politischen K\u00e4mpfe verloren, mit der Krise der ArbeiterInnenbewegung und dem deutlich sp\u00fcrbaren Niedergang des Ansehens von Marx und Freud.<br \/>\nDaher wurde die Verherrlichung des geltenden Rechts und des \u00d6konomismus, die damit einhergingen, zu einem vorherrschenden Ph\u00e4nomen.&nbsp; Damit entstand auch das, was ich Staats- und Demokratiefetischismus nenne. Wir k\u00e4mpfen st\u00e4rker f\u00fcr die Einbindung in bestehende Strukturen, als wir uns f\u00fcr ein verst\u00e4rktes Hinterfragen der Struktur selbst einsetzen. Letzteres w\u00fcrde ein verst\u00e4rktes Bewusstsein f\u00fcr die Konflikte und Widerspr\u00fcche, die im Spiel sind, generieren. In dieser Hinsicht folgen wir der Bahn, die alle Parteien und Bewegungen der &quot;Linken&quot; eingeschlagen haben. Das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis steht nicht zu unseren Gunsten, da wir dazu neigen, uns dem zu unterwerfen, was wir scheinbar nicht durchbrechen k\u00f6nnen &#8211; auch wenn wir es umgestalten wollen. Was wir st\u00e4ndig fordern, die &quot;Ausweitung&quot; der Demokratie, eine &quot;wiederhergestellte&quot; Demokratie, ver\u00e4ndert weder die Natur der Demokratie, da diese im b\u00fcrgerlichen System eingearbeitet ist, noch \u00e4ndert sie den strukturellen Aspekt der patriarchalischen Struktur. Es ist notwendig und wichtig, f\u00fcr unseren rechtm\u00e4\u00dfigen Platz, unsere Rechte und unsere rechtliche Anerkennung zu k\u00e4mpfen und somit den demokratischen Raum ausweiten zu wollen: In diesem Kampf geht es um unser t\u00e4gliches Leben.&nbsp; Wenn dies jedoch die <i>Illusion<\/i> schafft, dass wir an Boden gewonnen h\u00e4tten und sich das System \u00e4ndern w\u00fcrde &#8211; obwohl der gesamte Staatsapparat und die Institutionen, die dazu geh\u00f6ren, bestehen bleiben &#8211; dann bedeutet dies unseren Verlust der ideologischen Schlacht und dass uns die Schlachten, die wir gewonnen haben, den Krieg verlieren lie\u00dfen. Das wurde uns durch die R\u00fcckschritte im Bereich der Frauenrechte und deren politische und soziale Bedeutung vor Augen gef\u00fchrt.<br \/>\nDenn eine Eigenschaft der b\u00fcrgerlichen Demokratie ist ihr Schwanken bzgl. der Basis des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses im Klassenkampf. Und dieses auf Tendenzen und gegenl\u00e4ufigen Tendenzen beruhende Schwanken dient in letzter Instanz immer dem Nutzen der herrschenden Klasse und des Kapitals. Soll hei\u00dfen: Dem Nutzen der Ausbeutung und Vermarktung von Menschen, der Zerst\u00f6rung der Welt. Vergessen wir nicht, dass die Demokratie in Griechenland im Zusammenhang mit dem Klassensystem entstanden ist (Sklaverei). Bei der Analyse der Reproduktion von Kapitalismus geht es nicht darum, nur auf der wirtschaftlichen Ebene zu bleiben, sondern darum, gleichzeitig \u00fcber die Funktion und Funktionsweise der Demokratie als ideologischem und politischem Apparat nachzudenken, der die Reproduktion von Unterwerfungsmustern sicherstellt und die Interessen verschleiert, die tats\u00e4chlich im Spiel sind.<br \/>\nWie k\u00f6nnen wir also einen neuen Demokratieprozess beginnen? Um dar\u00fcber nachzudenken, m\u00fcssen wir in der Geschichte zur\u00fcckgehen und ein Beispiel suchen, wo es gelang, diesen Rechts- und Staatsfetischismus zu durchbrechen, um sich an anderswo zu etablieren; die <i>Pariser Kommune<\/i>. Die Pariser Kommune zog ihre Lehren aus den Niederlagen der Arbeiterklasse, die in jeder Revolution vom B\u00fcrgertum, dessen Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sie pr\u00fcften, wie der letzte Dreck behandelt wurden und etablierte sich anderswo und schaffte durch ihre blo\u00dfe Existenz einen alternativen politischen Raum, der einen Bruch mit dem politischen Raum des B\u00fcrgertums darstellte. Seit damals gilt sie f\u00fcr proletarische Revolutionen als richtungweisend. Marx hat uns in seinem Werk &quot;<u>Die Klassenk\u00e4mpfe in Frankreich<\/u>&quot; daran erinnert. Die Bedeutung von proletarischen Revolutionen besteht nicht darin, die Macht an sich zu rei\u00dfen und die Staatsmaschinerie in den Dienst der proletarischen Klasse zu stellen, sondern die Staatsmaschinerie zu brechen, die Produktionsverh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern und eine alternative Funktionsweise f\u00fcr die gesellschaftliche Organisation zu schaffen, die dem Klassenkrieg ein Ende setzen und durch Gleichheit zu wahrer Freiheit f\u00fchren w\u00fcrde. Das ist es, wor\u00fcber er im Konzept der &quot;Diktatur des Proletariats&quot; theoretisiert. Heute, nach den Erfahrungen mit den sogenannten &quot;sozialistischen&quot; Staaten, l\u00e4sst das Wort &quot;Diktatur&quot; die Menschen aufschrecken. Wir m\u00fcssen uns jedoch auf die urspr\u00fcngliche Bedeutung des Begriffs zur\u00fcckbesinnen (und somit den geistigen Terrorismus \u00fcberwinden, der an der Marxistischen Theorie begangen wird), wie er auch im <i>Konzept<\/i> der &quot;Diktatur des Proletariats&quot; verwendet wird: Sie soll nicht als ein Mittel zur Unterwerfung dienen, sondern alle Machtstrukturen zerschlagen und aus dieser Position wahre Demokratie schaffen. Da es aber einen versch\u00e4rften Konflikt zwischen den Klassen gibt, soll man ihn immer in einem differenzierten Zusammenhang sehen. In diesem Sinne ist Kommunismus der Name f\u00fcr diese Bewegung, die die Macht nicht einer Klasse &#8211; der proletarischen Klasse- \u00fcbertr\u00e4gt, sondern eine gesellschaftliche Organisation vorzieht, die auf der B\u00fcndelung, der Schaffung einer neuen Produktionsweise beruht.<br \/>\nAls &quot;Proletariat&quot; wird diese Mobilisierungskraft bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine vom Volk ausgehende Bewegung, die alle Gesellschaftsklassen mit ihren eigenen Erfahrungen im Bereich Herrschaft und Ausbeutung dazu auffordert, in einen gemeinsamen Befreiungsprozess einzutreten. Analog dazu bedeutet Feminismus nicht, dass Frauen die Macht \u00fcbernehmen sollen, um das Herrschaftssystem umzukehren, sondern die Schaffung einer Kraft, die alle Machtanspr\u00fcche eines Geschlechts \u00fcber das andere zerst\u00f6rt, was die Grundlage aller M\u00e4chte ist. Das macht ihn zu einer Befreiungsbewegung. Die feministische und die kommunistische Bewegung sind notwendigerweise miteinander verbunden. Beide verschreiben sich einem revolution\u00e4ren Prozess, der sich nicht darin er\u00fcbrigt, die Unterwerfungsstrukturen zu verbessern. K\u00f6nnen wir uns wirklich emanzipieren, wenn wir uns nicht gleichzeitig von dem befreien, was uns zur Minderheit erkl\u00e4rt und in Sklaverei h\u00e4lt? Darum werden in der Politik die Themen Gleichheit oder Emanzipation niemals dadurch gel\u00f6st werden, dass man am Thema &quot;Gleichheit&quot; festh\u00e4lt, indem man verlangt, dass &quot;Macht&quot; geteilt werden solle.<br \/>\nIn der feministischen Bewegung gab es schon immer verschiedene Str\u00f6mungen. Aber es sind die radikalsten Str\u00f6mungen, die eine Bewegung zum Zeitpunkt ihrer Entstehung beeinflussen. Denn sie sind es, die die ganze Gruppe aufr\u00fctteln, einen Bruch provozieren und auf einen Weg zur Entstehung dr\u00e4ngen. Wenn sie dann ihre Gr\u00fcndungsphase hinter sich hat, ihren Eingang in Institutionen gefunden hat, sich bew\u00e4hrt und Gegenbewegungen standgehalten hat, sind es eher die reformistischen, schw\u00e4cheren Str\u00f6mungen, die mehr Macht haben. So ist es mit der Macht der herrschenden Ideologie und dem Apparat durch den sie geschaffen und verbreitet wird. Ohne unser Wissen festigt sie sich in uns \u00fcber die kleinen Zugest\u00e4ndnisse, die wir gew\u00e4hren, bis wir selbst das Wichtigste abgeben. Nun wurden aber die radikalsten Str\u00f6mungen, die im Zuge der Entstehung der sogenannten &quot;Minderheitsbewegungen&quot; aufkamen, ebenso mit Marx und Freud in Verbindung gebracht, auch wenn sie keinen direkten Bezug zu diesen hatten. Denn die gesamte gesellschaftliche und politische Kritik sch\u00f6pft daraus f\u00fcr ihre Erneuerung und theoretische Grundlage. Au\u00dferhalb von Parteien und gegen Parteien, im Zusammenhang mit dem Klassenkampf.<br \/>\nWeil die gesellschaftliche und politische Revolution die gemeinsame Perspektive war, wurden die Beziehungen zwischen M\u00e4nnern und Frauen als &quot;gesellschaftliche Beziehungen der Geschlechter&quot; gesehen: Das war der Gedanke hinter dem Konzept der <u>patriarchalischen Struktur<\/u>. Dieses Konzept gibt uns zu verstehen, wie diese Struktur die Basis aller gesellschaftlichen Herrschaftsformen darstellt, denn es ist die Hauptform, die Grundform der privaten Aneignung; die des K\u00f6rpers, des geschlechtlichen K\u00f6rpers. Diese Trennung der Geschlechter als spezielle Produktionsweise findet sich in allen anderen Produktionsweisen wieder und gibt ihnen Struktur (Staatsapparat, Parteien, Gewerkschaften, Institutionen etc.). Wegen ihrer Universalit\u00e4t kann man sagen, dass sie Frauen zu einer ausgebeuteten &quot;Klasse&quot; macht. Auch die Herrschaft des Kapitalismus passt in die patriarchalische Struktur, um sich selbst zu reproduzieren.&nbsp; Jedoch befreite er durch seinen Zwang zur Ausbeutung die gesamte ArbeitnehmerInnenschaft, einschlie\u00dflich Frauen und Kinder (aus der patriarchalischen Struktur) und hat damit die Universalit\u00e4t seiner Ausdehnung begonnen. Die Trennung von Arbeit nach Geschlecht erlaubt es ihm, die Kr\u00e4fte zu untergraben, die sich gegen ihn richten k\u00f6nnten, und versch\u00e4rft somit den Konflikt zwischen M\u00e4nnern und Frauen. Das System zieht also einen maximalen Nutzen aus billigen Arbeitskr\u00e4ften, in deren Verantwortung es liegt, die m\u00e4nnlichen Arbeitskr\u00e4fte bei Kr\u00e4ften zu halten und f\u00fcr sie zu sorgen.<br \/>\nUm den &quot;speziellen Zusammenhang&quot; zwischen dem Klassenkampf und dem Kampf gegen das Patriarchat theoretisch zu untermauern, haben wir (die Gruppe &quot;Elles voient rouge&quot; &#8211; &quot;Frauen sehen rot&quot;) das Konzept der &quot;\u00dcber-Determination&quot; in <i>&quot;<u>Feminismus und Marxismus<\/u><\/i>&quot;<a href=\"typo3\/#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[i]<\/sup><\/a> entwickelt, um zu zeigen, wie in jedem revolution\u00e4ren Prozess der Kampf gegen das Patriarchat dem Klassenkampf Bedeutung gibt.&nbsp; Dieser Zusammenhang darf nicht als \u00c4u\u00dferlichkeit gesehen werden, sondern in der Form der &quot;ultimativen&quot; Determination (wobei es um den am st\u00e4rksten determinierenden Faktor geht, auch wenn dieser nicht der direkte Grund ist), da er einen Entwurf des Schicksals der Revolution liefert: Dass eine Herrschaft von M\u00e4nnern \u00fcber Frauen aufrecht erhalten wird, und dass jede Hierarchie und jedes Herrschaftssystem erhalten und wiederaufgebaut wird, und so der Prozess der Revolution r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird. Indem wir die Frage zur Beziehung zwischen Mann und Frau als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die <i>revolution\u00e4re Zukunft der Revolution<\/i> stellen, lassen wir das Verst\u00e4ndnis zu, dass dies nicht von der &quot;revolution\u00e4ren Zukunft des Volks&quot; (G. Deleuze) getrennt werden kann, von der Transformation der Subjektivit\u00e4t (von sowohl M\u00e4nnern als auch Frauen). Das bedeutet jedoch auch die Tatsache zu unterstreichen, dass sich der Kampf gegen das Patriarchat nicht von selbst entfalten kann, au\u00dfer im Sinne eines Endes der gesellschaftlichen Klassen und aller Systeme der &quot;sicheren Macht&quot;. F\u00fcr die Zukunft bedeutet das die Zerst\u00f6rung eines Systems und eines Prozesses in seiner Ganzheit und das Hinterfragen der ideologischen Maschinerie und Staatsmaschinerie. Das bedeutet f\u00fcr die l\u00e4ngere Perspektive, die Totalit\u00e4t eines Systems und Prozesses zu zerst\u00f6ren, alle ideologischen Apparate und den Staatsapparat zu hinterfragen. Theorien \u00fcber das patriarchalische System aufzustellen erfordert ein Nachdenken \u00fcber seine Zerst\u00f6rung in einer kommunistischen Zukunft. Nur marxistische Gedanken erlaubten und erlauben es uns, so unverfroren und radikal zu sein. In &quot;<i><u>Feminismus und Marxismus<\/u><\/i>&quot; schrieben wir, dass der &quot;historische R\u00fcckstand&quot; der Frauen, der strukturell bedingt ist, &quot;ihnen gleichzeitig eine Sichtweise gibt, die <i>au\u00dferhalb des Systems<\/i> liegt, und die eine revolution\u00e4re Perspektive ist&quot;.<br \/>\nUnd trotzdem hat die feministische Bewegung diese ganzheitliche Art der Analyse verloren, diese politische Position, sich in st\u00e4rker identit\u00e4tsbasierte, &quot;lokalere&quot; Bereiche zu begeben, wo die Verurteilung von Diskriminierung, Ungleichheiten und Gewalt gegen Frauen, also das Fordern von Rechten, vorherrscht. Die Bewegung hat mit der Analyse der Produktion und Reproduktion des Systems, sowie die der revolution\u00e4ren Ziele aufgeh\u00f6rt. Wir k\u00e4mpfen eher daf\u00fcr, uns in das System einzubinden, obwohl wir von diesem noch nie zuvor so schlecht behandelt wurden wie jetzt! Es ist notwendig, den Aufbau von Identit\u00e4ten und Subjekten zu ber\u00fccksichtigen, dabei wird die marxistische Theorie wieder untersucht und es uns erlaubt, die subjektive Dialektik der Revolution neu zu durchdenken. Sie ist auch Teil der Frage nach der Reproduktion einer Produktionsweise, der Reproduktion der vorherrschenden Ideologie, was Gramsci unter dem Konzept der &quot;Hegemonie&quot; versteht, Althusser unter dem Konzept des &quot;ideologischen Staatsapparats&quot;, Bourdieu unter &quot;Habitus&quot; und ein Teil der feministischen Bewegung unter der gesellschaftlichen Kategorie des &quot;Gender-Konstrukts&quot; sichtbar machen wollte. Jedoch eliminiert die hegemonische &quot;identit\u00e4tsbasierte&quot; Ideologie von heute die Machtstruktur und gesellschaftlichen Machtbeziehungen, zugunsten der alleinigen Analyse der Beziehungen zwischen Individuen, Gruppen, Gemeinschaften oder Gender-Konstrukten w\u00e4hrend die politische Frage zugunsten der Anpassung in R\u00e4umen der Anerkennung auf der Strecke bleibt.&nbsp; W\u00e4hrend der Feminismus noch immer eine gewisse subversive Kraft hat und das Denken und die Praxis dazu zwingt, sich einer skandal\u00f6sen Frage zu stellen, die immer aufs Neue abgwehrt wird, verliert er seine revolution\u00e4re Dimension.<br \/>\nSandrine Moeschler stellte im Rahmen einer Studie \u00fcber &quot;Darstellungen des Feminismus&quot;, die sie mit Studentinnen durchf\u00fchrte, fest, dass die Mehrheit der Studentinnen die Frage &quot;Was ist Feminismus?&quot;<a href=\"typo3\/#_edn2\" name=\"_ednref2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a> folgenderma\u00dfen beantwortete: &quot;Die Anerkennung oder Verteidigung von Frauenrechten&quot;, &quot;das Sicherstellen der Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Frauen&quot;, &quot;das Vorantreiben von Frauenanliegen&quot;; es wird aber nicht erw\u00e4hnt, dass Frauen M\u00e4nnern untergeordnet sind oder Frauen unterdr\u00fcckt werden. Ebenso die Tatsache, dass die Forderung nach &quot;gleichem Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit&quot; f\u00fcr sie nicht notwendigerweise &quot;ein Bewusstsein f\u00fcr Trennung von Arbeit nach Geschlecht&quot; bedeutet, wurde vorgebracht. Konzentrieren wir uns darauf, was Frauen als Gruppe angeht, als &quot;benachteiligte&quot; Kategorie ohne die gesellschaftlichen Umst\u00e4nde nachzuvollziehen, die ihre Rolle und Identit\u00e4t definieren, sowie ihren Status, ohne den Bezug auf das Ganze zu sehen. Die Frauenfrage beschr\u00e4nkt sich also auf gewisse Probleme. Trotzdem, wenn wir \u00fcber &quot;gesellschaftliche Beziehungen&quot; sprechen, geht es nicht um interindividuelle Beziehungen, sondern um Produktionsverh\u00e4ltnisse im marxistischen Sinn dieses Terminus, der auf speziellen Produktionsverh\u00e4ltnissen beruht, die interindividuelle Beziehungen bestimmen.<br \/>\nIndem wir uns auf eine Struktur beziehen, k\u00f6nnen wir es vermeiden auf die M\u00e4nner als Individuen hinzuschlagen &#8211; wenn auch jede Frau einen Mann in ihren Gedanken hat, von dem sie sich befreien muss und dem sie nicht blo\u00df Schuld zuweisen soll! &#8211; um zu zeigen, wie M\u00e4nner und Frauen ihre zugewiesenen Pl\u00e4tze haben. Die Tatsache, dass M\u00e4nner daraus Nutzen ziehen, weil sie Machtpositionen belegen, ist auf die Kraft der subjektiven Konstitution einer Produktionsweise zur\u00fcckzuf\u00fchren, die M\u00e4nner dazu bringt, diese Produktionsweise selbst zu reproduzieren, wobei sie die Realit\u00e4t ihrer eigenen Bedingungen verleugnen: ihre Unterwerfung unter die Klassenherrschaft. Die Tatsache, dass auch Frauen daraus Nutzen ziehen, zeigt, wie das System dazu imstande ist, die Psyche von Individuen in Form von &quot;Selbstbetrug&quot; und \u00fcber Verlangen zu mobilisieren. Der Feminismus als Bewegung muss sich auch damit konfrontieren und Analysen vornehmen, um den Prozess einer Reproduktionsform zu ergreifen, der nicht auf simple Ungleichheiten oder mangelnde Rechte reduziert werden kann, sondern die gesamte Dialektik zwischen der gesellschaftlichen und der psychologischen Ebene hinterfragen. W\u00e4hrend der Analyse des Prozesses der Unterwerfung k\u00f6nnen wir den ideologischen und politischen Kampf auf allen Ebenen f\u00fchren und das Spezielle mit dem Allgemeinen verbinden.&nbsp; Wie wir sehen, kann dieser Kampf nicht auf &quot;Verurteilungen&quot; reduziert werden, sondern er muss zu allererst die kritische Analyse eines Systems von Produktion und Repr\u00e4sentation beinhalten. Er braucht auch die Freud&#8217;sche Theorie des Unbewussten, den die Gender-Theorie manchmal ausl\u00e4sst, um so der Frage nach den Unterschieden zwischen den Geschlechtern zugunsten eines sozialen Konstrukts zu entgehen. Es bleibt, dass der &quot;Unterschied&quot; nicht als Rollenzuweisung begriffen werden kann, sondern als M\u00f6glichkeit, das nicht reduzierbare Andere zu finden.<br \/>\nDass sich Frauen emanzipieren und sich gegen alle Machtformen auflehnen m\u00fcssen, ausgehend von der patriarchalischen Form ihrer eigenen Ausbeutung und Beherrschung, bedeutet nicht, dass es die &quot;Guten&quot; auf der einen Seite und die &quot;B\u00f6sen&quot; auf der anderen gibt. Jedes Thema l\u00e4sst sich trennen in den Wunsch einer Frau sich zu befreien und ihre Akzeptanz der Herrscherstruktur als eine Art der integrierenden Anerkennung. Hier manifestiert sich die Wirksamkeit der kulturellen und sozialen Hegemonie, die nicht nur Unterwerfung und Unterdr\u00fcckung fordert, sondern Individuen in ihrer Identit\u00e4t &#8211; einer Identit\u00e4t, die sie fordern &#8211; konstruiert (siehe Michel Foucault). Wir k\u00f6nnen daher nicht den widerspr\u00fcchlichen und symbolisch-instinktiven Aufbau eines jeden Themas ignorieren. Ich m\u00f6chte hier noch hinzuf\u00fcgen, dass der Kampf gegen ein Herrschaftssystem nicht unter der kindischen Illusion gef\u00fchrt werden kann, dass die Menschheit einst in Frieden leben wird und wir &quot;gl\u00fccklich und zufrieden&quot;, also f\u00fcr immer befriedet, in einer Gesellschaft ohne Konflikte und mit vollst\u00e4ndiger Transparenz leben werden.&nbsp; Das w\u00fcrde einem T\u00f6ten des Verlangens und Entdeckens gleichkommen; wir w\u00fcrden in Roboter verwandelt und nur auf unsere Bed\u00fcrfnisse reduziert werden (f\u00fcr die die Struktur vorsorgt). Freiheit und Gleichheit wird immer, in jeder Produktionsweise, ein Ziel bleiben und im Gegensatz dazu sind &nbsp;Gl\u00fcck und Zufriedenheit nur Gem\u00fctsverfassungen. Es wird das wahrhaft Andere geben, in der Form des Unbewussten, als Grenze zum \u00fcberm\u00e4chtigen Ich, das seinen Platz in der Materialit\u00e4t der gesellschaftlichen Beziehungen hat. Verwechseln wir soziale Ungleichheit nicht mit der Beruhigung von Spannungen und Widerspr\u00fcchen. Das Leben als Eros, kann man sich ohne Zerst\u00f6rung und Tod nicht vorstellen, darum gibt es das ja auch. Die Psychoanalyse lehrt uns diese Ern\u00fcchterung.<br \/>\nWir k\u00f6nnen uns Frauen nicht nur als Opfer vorstellen, sondern als begehrende Subjekte, die in ihrem Leiden die Macht, die sie unterdr\u00fcckt, unwissentlich reproduzieren. Sie richten als Kompensation Machtsysteme ein, die genauso bedrohlich sind und ebenso &nbsp;Systeme der Vermeidung und Erfindung. Denn die, die uns unterwerfen, geben uns auch Referenzen zu unserer Identifikation, sodass wir an ihnen festhalten, mit ihnen spielen, sie unterwerfen. Daher geht die ideologische Schlacht \u00fcber einen einfachen Widerstand gegen irgendetwas hinaus. In eine Richtung zu streben, abseits von Anschuldigungen und Anstrengungen, Rechte zu bekommen, bedeutet eine Denkweise anzunehmen, die von der Praxis der &quot;maximalen Differenzierung&quot; gest\u00fctzt wird (D. Sibony).<br \/>\nEine Denkweise wird ins Spiel gebracht, wenn diese von Verlangen und Begehren unterst\u00fctzt wird. Und dieses Verlangen (nach Denken) entsteht nur, wo dies einen Abstand zu Normen schafft, in denen sich das Individuum bewegt, wo etwas Unbekanntes auf dem Spiel steht, das uns von uns selbst trennt, einen Bruch bringt und daher einen Impuls gibt. Verlangen geht \u00fcber Bed\u00fcrfnisse hinaus, auch wenn es sich auf diese st\u00fctzt (es gibt einige &quot;lebenswichtige&quot; Bed\u00fcrfnisse, die nicht immer wahrnehmbar sind). Es stellt eine Erg\u00e4nzung zu Bed\u00fcrfnissen dar und das Reduzieren des Subjekts auf seine &quot;Bed\u00fcrfnisse&quot; bedeutet seine Reduzierung auf seine Tierhaftigkeit, die Marx sogar &quot;Bestialit\u00e4t&quot; nennen w\u00fcrde (auf der Basis einer Realit\u00e4t, die rein auf den K\u00f6rper reduziert ist). Denn es geht tiefer; Verlangen ist weitreichend, erzwingt einen Weg, sondert das Notwendige ab. Wenn wir Bed\u00fcrfnisse haben, sehen wir, dass wir an das Unmittelbare gebunden sind, an die Manipulation. Wir haben dringende Anliegen zu erf\u00fcllen, zum Nachteil von jedweder Strategie, die von einer politischen Zukunft gest\u00fctzt wird. Darum versucht uns der Kapitalismus auf unsere Bed\u00fcrfnisse zu reduzieren, indem er Objekte des Begierde schafft, die scheinbar einen grundlegenden Wunsch nach Kreativit\u00e4t und Freiheit bedienen, w\u00e4hrend sie den Prozess der Unterwerfung beg\u00fcnstigen (im Zuge eines Kultes der unendlichen Besitznahme). Der Kapitalismus versteht etwas von Verlangen, w\u00e4hrend die &quot;Linke&quot;, angepasst und weise (kleinb\u00fcrgerlich) nichts als ein Strohfeuer sieht. Obwohl wir \u00fcber ein grundlegenderes Verlangen sprechen; von diesem Verlangen, das ganz typisch f\u00fcr den Menschen ist, das dieses lebenswichtige Bed\u00fcrfnis ausdr\u00fcckt, alles immer hinterfragen zu k\u00f6nnen; bis zum Leben selbst, um es zu befreien. Es geht also nicht so sehr darum, etwas zu besitzen, um so einen bestehenden Trieb zu befriedigen (nach einem Objekt, Raum oder Ort), aber um eine Bewegung, die uns trennt, um eine &quot;Chance zu n\u00fctzen&quot;.&nbsp;<br \/>\nDaher gibt es die Forderungen der Linken die &quot;Austerit\u00e4t&quot; zu bek\u00e4mpfen, die die Wahrnehmung von Individuen auf ihre sogenannten &quot;materiellen Bed\u00fcrfnisse&quot; reduzieren. Wir \u00fcbert\u00f6nen das Verlangen mit Jammern, Forderungen und Feststellungen \u00fcber das Ungl\u00fcck, das uns in der Form von &quot;Wegnehmen&quot;, &quot;Diebstahl&quot; und &quot;Missbrauch&quot; widerf\u00e4hrt. Es ist eine Illusion, anzunehmen, dass wir Menschen rein durch wirtschaftliche oder rechtliche Forderungen mobilisieren k\u00f6nnen (obwohl das Konzept der Austerit\u00e4t so vage ist, dass es zur Konsumentensprache geh\u00f6rt). Im Gegensatz dazu braucht es die Unterst\u00fctzung einer politischen, ideologischen Perspektive, die sich selbst keine Grenzen setzt, wenn es um eine Neuordnung oder Verbesserung des Systems geht, aber die &#8211; beruhend auf den Widerspr\u00fcchen des Systems &#8211; die Bewegung der K\u00e4mpfe an den \u00e4u\u00dfersten Rand des Kreuzungspunkts tr\u00e4gt. Im Rahmen eines Bruchs, einer lebensspendenden Zerst\u00f6rung, in der man sich selbst konstruiert, wo wir die Schaffung der Kraft einer Bewegung sehen, die sich ohne Enthusiasmus nicht entfalten kann (erinnern wir uns an Kant und sein Urteil zur Franz\u00f6sischen Revolution). So stellten sich die Pariser Kommune und die Schl\u00fcsselrevolutionen des 20. Jahrhunderts (1917, die Spanische Revolution etc.) dar. Das ist das &quot;Erscheinungsbild&quot; einer autonomen Bewegung, einer Bewegung, die ihre eigene Kraft schafft, wo dies nicht zu erwarten war, die Feminismus in den \u00f6ffentlichen und privaten Raum eingebracht hat. Und diese Kraft war es, gleichzeitig verbunden mit der Kraft einer gesellschaftlichen und politischen Bewegung, die sich durchwegs in der Geschichte von der M\u00f6glichkeit zur\u00fcckgezogen hat, eine revolution\u00e4re Schwelle zu \u00fcbertreten. Das ist die Quelle unserer Verzweiflung, und nicht nur der Triumph des Kapitalismus. Denn der Kapitalismus war nur erfolgreich, da er durch die konstanten Zugest\u00e4ndnisse seitens der sogenannten Oppositionsparteien der Linken zum Sieg gebracht wurde. Die Opposition hat wissentlich die Karte der Einbindung ausgespielt und die Massen in die Verzweiflung getrieben, als &#8211; mit einer Extremsituation konfrontiert &#8211; der Vorschlag gemacht wurde, statt zu zerst\u00f6ren doch zu erhalten (ein Bruch war im Diskurs augenscheinlich). Das verursachte zumindest zeitweise den Aufstieg der Partei <i>Front National<\/i>.<br \/>\nEine Macht kann nicht ohne Grausamkeit geschaffen werden, d.h. nicht ohne die F\u00e4higkeit, die Realit\u00e4t zu konfrontieren; das, was echt ist in all seiner Gewalt, ohne eine klare Analyse des Klassenkampfes, f\u00fcr den wir selbst verantwortlich sind, ohne eine Einsch\u00e4tzung durch die feministische Bewegung. Eine solche Einsch\u00e4tzung bedeutet keine buchhalterische \u00dcbung mit einer Auflistung von Gewinnen und Verlusten, sondern <u>eine Analyse unserer gemeinsamen Strategie in Bezug auf die aktuellen Machtverh\u00e4ltnisse.<\/u> Das bedeutet dazu imstande zu sein, eine Artikulation f\u00fcr die verschiedenen Ebenen der gesellschaftlichen Realit\u00e4t zu erdenken: die wirtschaftliche\/politische\/ideologische und die Art und Weise auf die wir auf all diesen Fronten in die Schlacht gezogen sind. Eine Analyse der Situation bedeutet nicht, die verschiedenen Elemente herzunehmen und eine Liste zu erstellen (es w\u00e4re faul, der spontanen Sprache der Ideologie zuzugestehen, hier eine Vorreiterrolle innezuhaben, da man ihre Funktion, Funktionsweise und Auswirkung auf uns nicht analysiert), aber wie Althusser schrieb, &quot;ihr <i>widerspr\u00fcchliches System<\/i> zu verstehen, das das politische Problem aufbringt und an seiner historischen L\u00f6sung bastelt ist ipso facto ein politisches Ziel, eine praktische Aufgabe (&quot;<i>Machiavel et nous<\/i>&quot; &#8211; &quot;Macchiavelli und wir&quot;, S. 62). Ihr System zu analysieren bedeutet, herauszuarbeiten, was <u>auf dem Spiel<\/u> steht und damit unsere Strategie zu definieren. Unserem t\u00e4glichen Handeln kann dadurch Sinn gegeben werden und es kann so langfristig geplant werden. Es l\u00e4sst sich also jedes Mal eine Dialektik zwischen K\u00e4mpfen f\u00fcr sofortige Reformen, Teilnahme an Demonstrationen und politischen K\u00e4mpfe und revolution\u00e4ren Ideologie ausmachen.&nbsp;<br \/>\nIn welchen Machtverh\u00e4ltnissen m\u00fcssen wir diese Bewegung konstruieren? Ich habe bereits gesagt, in Machtverh\u00e4ltnissen, die klar zu unserem Nachteil stehen, in denen wir unsere Niederlagen und die <i>dynamische<\/i> Machtnahme des Kapitals anerkennen (und wo klargestellt ist, dass es nie die Kontrolle verloren hatte. Wir sind nur an den R\u00e4ndern sichtbar, was zur Folge hat, dass wir k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um den Status Quo zu erhalten, der selbst dahinschwindet. Die Wirtschaft hat nun die Oberhand und unsere Einbindung im Staat und in den europ\u00e4ischen Institutionen erstickte uns im vorherrschenden Diskurs der Linken, die sich bem\u00fcht, zu glauben, dass sie an Spielraum gewinnen k\u00f6nnte, wenn sie auf gegnerischem Territorium ausharrt. Dadurch haben wir die Illusion, die grundlegenden Prinzipien Europas zu ver\u00e4ndern! Obwohl wir keinen Einfluss auf unsere eigenen Staaten haben &#8211; zumindest nicht von den R\u00e4ndern aus, was nichts im allgemeinen Prozess \u00e4ndert &#8211; und die Europ\u00e4ische Union, die von unseren Demonstrationen offensichtlich unbeeindruckt bleibt und sich immer mehr in einem gegnerischen Standpunkt einnistet und Reformen vorantreibt. Der Reformismus der Linken erschrickt sie nicht, was nur das Gef\u00fchl der Machtlosigkeit verst\u00e4rkt, w\u00e4hrend die Demokratie in Frage gestellt wird, und nur das thematisiert wird, was ihr fehlt und nicht das, was ihre Grundfesten ausmacht.<br \/>\nDieser Machtlosigkeit kommt nur unser st\u00e4ndig erneuerter Glauben an die drohende Gefahr der finalen Krise gleich, die wir in unseren Analysen als das Ende des liberalen Kapitalismus darstellen (um den es ganz im Gegensatz gut bestellt ist) und an die St\u00e4rke der Volksaufst\u00e4nde. Und trotzdem werden die Volksbewegungen selbst erstickt und von den Einbindungsstrategien der Parteien und Gewerkschaften eingeengt, sowie von ihrer eigenen Ablehnung aller revolution\u00e4ren Prozesse, die die Frage des Kommunismus als die aktuelle Form eines <i>Bruchs<\/i> zur Abschaffung des bestehenden Staates aufbringt.&nbsp; Das zeigt uns ganz klar, wie wir weiterhin versklavt werden &#8211; dadurch dass es uns verboten ist &quot;zu denken&quot;, unterliegen wir der Verordnung der &quot;einzigen&quot; Denkweise (was deshalb keine Denkweise mehr ist). Da Feminismus selbst nur als eine Referenz zitiert wird, oder im besten Fall f\u00fcr die Anerkennung seines Kampfes f\u00fcr &quot;Frauenrechte&quot;, wird keine allumfassende Reflexion entfacht. &nbsp;Wir k\u00f6nnen sagen, dass die vorherrschende Ideologie erfolgreich implantiert wurde und wir unterst\u00fctzen das, indem wir davon nichts wissen wollen. In der Zwischenzeit sind wir in einer ideologischen Landschaft eingesperrt, die uns von B\u00fcrgertum und Kapitalismus aufgezwungen wurde. Der Zustand der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche, mit deren extremen Konsequenzen f\u00fcr die Menschen, dr\u00e4ngen uns jedoch dazu, auf radikalste Art und Weise die Frage nach der \u00dcbertretung zu stellen.&nbsp; An dieser Grenze z\u00f6gern wir und drehen uns noch einmal um.<br \/>\nLernen wir unsere Lektionen: Wir k\u00f6nnen nicht einfach schnell auf dringende Anliegen reagieren und irgendeine Schlacht auf gut Gl\u00fcck unterst\u00fctzen, ohne eine allumfassende Analyse vorzunehmen, die es uns erlaubt, unsere Anstrengungen auf unsere Schw\u00e4che zu konzentrieren: Unseren Mangel an Analyset\u00e4tigkeit (unser st\u00e4ndiges Reden von Austerit\u00e4t, dem Zustand der Wirtschaft, das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen von Rechten etc., stellt eher einen langweiligen und gew\u00f6hnlichen Bericht dar, als eine wirkliche Analyse der Machtverh\u00e4ltnisse). Denn Forderungen vorzubringen, zu demonstrieren, ohne zu verstehen, was politisch und ideologisch in einer bestimmten Situation auf dem Spiel steht und einen Weg zu bereiten, das f\u00fchrt nur zu einer Versch\u00e4rfung der Depression bei den Menschen. Heute ist Demonstrieren ohne eine radikale Position sinnlos, die \u00fcber die an das Andere gestellten Forderungen hinaus, Macht schafft. &nbsp;<br \/>\nWas fehlt uns? Eine theoretische Grundlage zu den politischen und ideologischen Interessen auf nationaler wie internationaler Ebene, die mit der Strategie des Kapitals verbunden ist. Diese theoretische Grundlage umfasst die Analyse der Verbindung zwischen dem wirtschaftlichen Prozess, der Zukunft der Staaten und Institutionen, der internationalen Machtverh\u00e4ltnisse, dem ideologischen Diskurs und der Praxis. Dadurch werden die verschiedenen Str\u00f6mungen der kapitalistischen Produktionsweise verbunden, um die &quot;<i>Macht seiner Ausdehnung<\/i>&quot; zu verstehen (und nicht nur froh dar\u00fcber zu sein, dass der Kapitalismus in der Krise steckt!). Aber um diese Analyse vorzunehmen, m\u00fcssen wir unsere Positionen klarstellen und die Ideologie analysieren, die wir unterst\u00fctzen. \u00dcber welchen Gedankenspielraum sprechen wir hier? Wie werden wir unsere Handlungen definieren? Wenn es hier vorallem um die Bewegung geht, dann sind das die Ideen, die wir weitergeben sollen, um den zu unterst\u00fctzen, der die Bedeutung erkennt und der die Art und Weise definiert, wie wir an Demonstrationen teilnehmen, die auf die K\u00e4mpfe folgen;&nbsp; die Art der Allianz, die man mit dieser oder jener Organisation eingehen soll. Wenn es um eine revolution\u00e4re Perspektive geht, dann ist es uns \u00fcberlassen, eine Praxis zu entwickeln, um diese Bewegung aufzubauen, indem man ihr einen Impuls gibt.<br \/>\nDas Herausstreichen der Eingebundenheit in Institutionen als eine Schl\u00fcsselstrategie f\u00fchrt uns zu einer Sackgasse in der ideologischen Frage und Mobilisierung der Massen. Da die Machtverh\u00e4ltnisse nicht zu unseren Gunsten stehen, ben\u00f6tigt diese Perspektive eine aufreibende Menge an Energie und f\u00fchrt zu wenigen Ergebnissen. Sie schw\u00e4cht unsere F\u00e4higkeit, die Grundlagen unserer Strategie und die echten Ziele, die wir uns setzen, durchzudenken. Das bedeutet nicht, dass wir nicht an politischen Institutionen teilnehmen sollen. Wenigstens k\u00f6nnen wir uns so Geh\u00f6r verschaffen, Kontakte und Beobachtungen bestm\u00f6glich n\u00fctzen, und auf allen Ebenen den Kampf weiterf\u00fchren. Das ist ein notwendiger Schaltpunkt. Wir werden jedoch immer weniger h\u00f6rbar und auch entmutigt, wenn wir unsere institutionelle Teilhabe nicht der <i>Theoriearbeit <\/i>unterordnen, der <i>ideologischen Schlacht<\/i> und dem <i>Zusammenbringen der Menschen vor Ort<\/i>, was dazu dient, eine Bewegung zu schaffen, die von nationalen &#8211; sowie europ\u00e4ischen &#8211; staatlichen Instanzen unabh\u00e4ngig ist. Unsere Arbeit muss ein langer Prozess sein. Wir m\u00fcssen die Art \u00e4ndern, wie wir Zeit und die Zeitlichkeit, in der wir leben, begreifen, und uns von dem Stress befreien, unsere Ziele immer sofort zu erreichen. Es gibt auch einen Aktivismus, der den Anliegen, die wir unterst\u00fctzen, schadet. Die Zeit f\u00fcr Reflexion und Aufbau ist eine Zeit, die wir unm\u00f6glich einsparen k\u00f6nnen. Au\u00dfer nat\u00fcrlich, wir m\u00f6chten mit Volldampf ins Desaster rasen, w\u00e4hrend wir noch immer glauben &quot;Wir machen das richtig!&quot;<br \/>\nEines noch. Diesen Kampf im europ\u00e4ischen Raum auszutragen verfehlt das Ziel. Die Europ\u00e4ische Union war, ist und wird ein Konstrukt der Gro\u00dfm\u00e4chte und der Amerikaner bleiben. Es handelt sich dabei um einen geopolitischen Raum, der f\u00fcr den Kapitalismus definiert wurde und in den Machtverh\u00e4ltnissen mit der restlichen Welt ein Schwergewicht darstellen soll. Das ist eine Struktur, die uns f\u00fcr die echte Verteilung der K\u00e4mpfe blind macht. Und trotzdem kann ein revolution\u00e4rer Kampf nur international sein, denn Kapitalismus und das patriarchalische System sind international &#8211; mit einer speziellen Ausformung in jedem Land &#8211; (die Globalisierung hat eine kapitalistische Perspektive und reflektiert ihre Strategie. Sie vereinheitlicht zu einem einzigen System, wo sie gem\u00e4\u00df den Machtverh\u00e4ltnissen differenzieren, teilen und verbinden sollte) &#8211; und was auf der politischen Ebene auf dem Spiel steht, kann man nur im internationalen Zusammenhang verstehen. Internationalismus definiert eine Strategie von Beziehungen mit den V\u00f6lkern; mit all jenen, die von den Nationen der Welt unterdr\u00fcckt, ausgebeutet und ausgeschlossen werden und zwingt uns dazu, spezielle Situationen zu analysieren: Entwicklungsungleichheiten, Widerspr\u00fcche und Konflikte in Bezug auf Arbeit. Von diesem Standpunkt aus k\u00f6nnen wir die Machtverh\u00e4ltnisse verschieben, einbinden und vom Aufbau der Macht lernen. Europa selbst ist ein Teil der Welt, der sich aus sehr unterschiedlichen Menschen zusammensetzt, wo jeder Staat eine spezielle Rolle in Bezug auf die Herrschaft, die uns die Europ\u00e4ische Union aufzwingen m\u00f6chte, innehat. Wir m\u00fcssen daher diese ganzheitliche Strategie verstehen und uns auf die Schaffung einer neuen Macht zubewegen, indem wir uns denen anschlie\u00dfen, die k\u00e4mpfen.&nbsp;<br \/>\n<br \/>\u00dcbersetzung&nbsp;aus dem Franz\u00f6sischen:&nbsp;<span style=\"font-weight: bold; \"><link http:\/\/www.transform-network.net\/network\/authors\/news\/detail\/AuthorStandalone\/\/373.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">Veronika Peterseil<\/link><\/span><br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\"><br \/>Anmerkungen:<\/span><br \/>\n<a href=\"typo3\/#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <u>Feminismus und Marxismus<\/u>&nbsp;(<i>F\u00e9minisme et marxisme)<\/i>,&nbsp; \u201cFrauen sehen rot\u201d, 29. und 30. November 1980, Ed. Tierce, 1981. In diesem Buch werden die Debatten beschrieben, die an den beiden Tagen des Symposiums zwischen verschiedenen Str\u00f6mungen der Frauenbefreiungsbewegung stattfanden. Dabei handelt es sich um eine au\u00dfergew\u00f6hnliches Werk, das diese reichhaltigen Diskussionen festh\u00e4lt und nichts an seiner Relevanz eingeb\u00fc\u00dft hat.<br \/>\n<a href=\"typo3\/#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Sandrine Moeschler: <u>Darstellungen des Feminismus<\/u> (<i>Les repr\u00e9sentations du f\u00e9minisme<\/i>), Universit\u00e4t Genf, 2007, Abschlussprojekt f\u00fcr das General Studies Certificate.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede der Philosophin und Psychoanalytikerin Nicole-Edith Thevenin auf der \u00f6ffentlichen Konferenz am 9. 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