{"id":22177,"date":"2014-09-30T09:36:00","date_gmt":"2014-09-30T07:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/10-punkte-fuer-eine-gewerkschaftliche-strategie-gegen-den-klimawandel\/"},"modified":"2023-09-27T16:08:14","modified_gmt":"2023-09-27T14:08:14","slug":"10-punkte-fuer-eine-gewerkschaftliche-strategie-gegen-den-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/10-punkte-fuer-eine-gewerkschaftliche-strategie-gegen-den-klimawandel\/","title":{"rendered":"10 Punkte f\u00fcr eine gewerkschaftliche Strategie gegen den Klimawandel"},"content":{"rendered":"<p>Da jeder und jedem von uns nur wenige Minuten f\u00fcr unsere Beitr\u00e4ge zum au\u00dferordentlich gro\u00dfen Thema Klimawandel bleiben, m\u00f6chte ich Ihnen nun eine m\u00f6gliche gewerkschaftliche Strategie gegen den Klimawandel sehr kurz und b\u00fcndig in zehn Punkten vorstellen. Zuerst m\u00f6chte ich einige grundlegende Fakten nennen, auf denen wir unsere Strategie und Politik aufbauen m\u00fcssen.<br \/>\n<span lang=\"DE\">1.&nbsp; <\/span>Der Klimawandel ist keine Bedrohung der Zukunft, sondern geschieht bereits hier und jetzt. Es handelt sich dabei um ein menschengemachtes Ph\u00e4nomen mit m\u00f6glicherweise katastrophalen Folgen.<br \/>\n<span lang=\"DE\">2. Die Klimabedrohung wird weitreichende Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung haben: Entweder wird sie der Klimawandel selbst nach sich ziehen oder sie sind Folgen der Ma\u00dfnahmen zur Abwendung oder Abschw\u00e4chung des Klimawandels. Unsere Art zu leben und zu arbeiten wird sich daher betr\u00e4chtlich ver\u00e4ndern \u2013 ob wir nun entsprechende Handlungen setzen oder nicht. Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung stellt jedoch Tatenlosigkeit bzw. ein unbegrenztes Aufschieben unseres Engagements in diesem Thema dar und h\u00e4tte katastrophale Folgen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">3. Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels werden die Gesellschaft stark ver\u00e4ndern \u2013 wir haben es also mit einem \u00e4u\u00dferst gro\u00dfen gesellschaftlichen Kampf zu tun. Der Kampf gegen den Klimawandel ist in erster Linie ein Kampf um gesellschaftliche Macht, in dem es um die Art der Gesellschaft geht, in der wir leben wollen. Das bedeutet f\u00fcr die aktuelle Situation, dass der Kampf gegen den Klimawandel mit dem Kampf gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise \u2013 der Kapitalismuskrise \u2013und ihre treibenden Kr\u00e4fte vereinigt werden muss.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">4. Heute sind das Diktat des Wirtschaftswachstums und der Raubbau an den nat\u00fcrlichen Ressourcen fixe Bestandteile der kapitalistischen \u00d6konomie. Es wird daher nicht ausreichen, sich allein auf Umweltpolitik zu konzentrieren. Der Klima- und Umweltkampf muss in einem breiteren politischen Kontext gef\u00fchrt werden. Ein systemkritischer Ansatz wird von N\u00f6ten sein. Um den Klimawandel aufzuhalten brauchen wir eine demokratische Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft \u2013 besonders im Bereich Energiegewinnung und \u2013verteilung. Sowohl die Umwelt- als auch die Wirtschaftskrise stellen also nicht nur eine Bedrohung dar, sondern auch eine Gelegenheit, wichtigen und notwendigen gesellschaftlichen Wandel herbeizuf\u00fchren.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">5. In diesem gesellschaftlichen Kampf wird der gewerkschaftlichen Bewegung durch ihre strategische Position in der Gesellschaft eine wichtige Rolle zukommen. Gewerkschaften wurden jedoch \u00fcberall auf der Welt in die Defensive gedr\u00e4ngt und werden von den starken wirtschaftlichen Kr\u00e4ften unter enormen Druck gesetzt. Damit die Gewerkschaftsbewegung also eine f\u00fchrende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen kann, muss sie neu belebt und aktiviert werden, bzw. sich neu ausrichten.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">6. Klimapolitik kann nicht auf die Frage nach dem Opfer, das wir leisten m\u00fcssen, reduziert werden; also auf die Frage, welche unserer hart erarbeiteten Rechte wir aufgeben m\u00fcssen \u2013 so wie es uns ein Teil der Umweltbewegung wei\u00df machen will. In diesem Kampf geht es haupts\u00e4chlich darum, eine bessere Gesellschaft f\u00fcr alle zu schaffen. Die Finanzierung von Ma\u00dfnahmen zur Senkung von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen m\u00fcssen daher mit einer radikalen Verm\u00f6gensumverteilung einhergehen \u2013 von Norden nach S\u00fcden, von reich zu arm. Andernfalls wird es unm\u00f6glich sein, breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr notwendige politische Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel zu gewinnen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">7. Um den Klimawandel aufzuhalten braucht es eine Umstrukturierung unserer Gesellschaften. Klimasch\u00e4digende Aktivit\u00e4ten m\u00fcssen verringert werden und wir m\u00fcssen auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und \u00f6kologische nachhaltige Ans\u00e4tze setzen. Dies muss auf geplante und systematische Weise geschehen und die soziale und wirtschaftliche Sicherheit der Menschen erhalten bzw. st\u00e4rken. Es kann nicht sein, dass gewisse Gruppen von Arbeiter_innen durch Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung den Gro\u00dfteil der Last, die die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels mit sich bringt, tragen m\u00fcssen. Der \u00dcbergang muss, anders gesagt, gerecht verlaufen \u2013 und um gerecht zu sein, muss er auf demokratische Weise geplant und durchgef\u00fchrt werden. S\u00e4mtliche seri\u00f6se Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass notwendige politische&nbsp; <\/span>Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel mehr Arbeitspl\u00e4tze schaffen als sie zunichtemachen. Das h\u00e4ngt stark mit der Position<a name=\"_GoBack\"><\/a> der Arbeiter_innen auf dem Arbeitsmarkt zusammen, mit k\u00fcrzeren Arbeitszeiten und damit, wie wir die notwendige Arbeit in der Gesellschaft verteilen.<br \/>\n<span lang=\"DE\">8. Ein \u00dcbergang zu einer \u00f6kologisch nachhaltigen Gesellschaft hat viele Vorteile. Tausende neue Arbeitspl\u00e4tze im Bereich \u00f6ffentlicher Verkehr, erneuerbare Energien, \u00d6kologisierung von Wohnh\u00e4usern und nachhaltige Industrie werden damit geschaffen. Die Reduktion von Treibhausgasen wird auch zu weniger stark verschmutzten Arbeitspl\u00e4tzen und Wohngegenden f\u00fchren. Die verst\u00e4rkte demokratische Kontrolle der Wirtschaft wird den Konkurrenzdruck am Arbeitsplatz reduzieren. Weniger Stress, Belastung und psychologischer Druck sind wichtige positive Auswirkungen einer solchen Entwicklung.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">9. Marktbasierte L\u00f6sungen f\u00fcr die Klimakrise, die haupts\u00e4chlich im Emissionshandel bestehen und von Regierungen und wirtschaftlichen Interessensgruppen massiv bef\u00fcrwortet wurden, haben bis jetzt keine Wirkung gezeigt. Auch globale Gipfeltreffen werden uns nicht retten. Alles, was wir in Bezug auf verbesserte soziale Gleichstellung, gute Arbeitsbedingungen, Armutsbek\u00e4mpfung, Gender-Politik etc. in unseren Gesellschaften bewirken konnten, haben wir nicht durch irgendwelche globalen Gipfeltreffen erreicht. Wir brauchen bindende internationale Abkommen, die der Klimarettung dienen. Um das jedoch zu erreichen, m\u00fcssen wir gesellschaftliche Kr\u00e4fte f\u00fcr Alternativl\u00f6sungen, die auf Solidarit\u00e4t, Gleichheit und die Bed\u00fcrfnisse der Menschen gerichtet sind, mobilisieren. Regierungen und multinationale Unternehmen zeigten vor kurzem bei der COP 19 in Warschau, dass sie nicht nur nicht imstande waren, Fortschritte zu erzielen, sondern sich im Gegenteil, r\u00fcckw\u00e4rts bewegten. Sie hatten also ihre Chance, aber sind gescheitert. Es ist an der Zeit, dass sich andere diesem Thema annehmen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">10. Um in diesem gesellschaftlichen Kampf also erfolgreich zu sein, m\u00fcssen wir langfristige, breite Allianzen in der Bev\u00f6lkerung aufbauen. Diese m\u00fcssen vor allem zwischen der Arbeiter_innen- und der Umweltbewegung geschlossen werden. Im Klimakampf geht es um die Demokratisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft, um Verm\u00f6gensumverteilung und die freie Nutzung unseres gemeinsamen Wissens \u2013 ohne Einschr\u00e4nkungen durch Patente. Um das Klima zu retten, m\u00fcssen wir die Gesellschaft ver\u00e4ndern. Nur so k\u00f6nnen wir die notwendigen Umst\u00e4nde f\u00fcr ein besseres Leben f\u00fcr alle schaffen \u2013 auch f\u00fcr unsere Nachkommen.<\/span><br \/>\n<i><span style=\"font-size:9.0pt; line-height:115%\" lang=\"DE\">Redebeitrag zum Treffen der Rosa Luxemburg Stiftung und dem &nbsp;<\/span>Left Labour Project in New York am 18. September 2014.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da jeder und jedem von uns nur wenige Minuten f\u00fcr unsere Beitr\u00e4ge zum au\u00dferordentlich gro\u00dfen Thema Klimawandel bleiben, m\u00f6chte ich Ihnen nun eine m\u00f6gliche gewerkschaftliche Strategie gegen den Klimawandel sehr kurz und b\u00fcndig in zehn Punkten vorstellen. 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