{"id":22497,"date":"2015-04-27T08:34:00","date_gmt":"2015-04-27T06:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/ein-neuer-deal-fuer-griechenland\/"},"modified":"2023-09-27T16:08:42","modified_gmt":"2023-09-27T14:08:42","slug":"ein-neuer-deal-fuer-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/ein-neuer-deal-fuer-griechenland\/","title":{"rendered":"Ein neuer Deal f\u00fcr Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Aber sie haben noch nicht zu einer Einigung gef\u00fchrt. Warum ist das so? Was f\u00fcr Schritte sind erforderlich, um eine praktikable, im gegenseitigen Einvernehmen beschlossene Reformagenda zu produzieren?<\/p>\n<div id=\"content-main\" class=\"section\" itemprop=\"articleBody\">\n<div class=\"copytext\">Wir und unsere Partner sind uns bereits \u00fcber vieles einig. Griechenlands Steuersystem muss grundlegend \u00fcberholt und die Finanzbeh\u00f6rden von politischer und unternehmerischer Einflussnahme befreit werden. Das Rentensystem ist marode. Die Kreditkreisl\u00e4ufe wurden unterbrochen. Der <link http:\/\/derstandard.at\/r1021>Arbeitsmarkt<\/link> wurde durch die Krise verheert, und das Produktivit\u00e4tswachstum ist zum Erliegen gekommen. Die \u00f6ffentliche Verwaltung bedarf dringend der Modernisierung, und die \u00f6ffentlichen Ressourcen m\u00fcssen effizienter eingesetzt werden. Neue Unternehmensgr\u00fcndungen werden durch enorme Hindernisse blockiert. Der Wettbewerb in den Produktm\u00e4rkten ist viel zu begrenzt. Und die Ungleichheit hat ein emp\u00f6rendes Niveau erreicht, was verhindert, dass sich die Gesellschaft geeint hinter unverzichtbare Reformen stellt.<br \/>\nSo weit besteht Einigkeit. Zus\u00e4tzlich jedoch erfordert die Einigung auf ein neues Entwicklungsmodell f\u00fcr Griechenland die \u00dcberwindung von zwei H\u00fcrden: die Haushaltskonsolidierung Griechenlands und eine umfassende, allgemein akzeptierte Reformagenda, die den Weg hin zu dieser Konsolidierung unterf\u00fcttert und Vertrauen innerhalb der griechischen Gesellschaft schafft.<\/p>\n<h5>&quot;Austerit\u00e4tsfalle&quot;<\/h5>\n<p>Zur Haushaltskonsolidierung: Der Streitpunkt hier ist die Methodik. Die Institutionen der &quot;Troika&quot; (Kommission, Zentralbank und W\u00e4hrungsfonds) st\u00fctzen sich seit Jahren auf ein R\u00fcckw\u00e4rtsinduktionsverfahren: Sie legen ein Datum fest (etwa das Jahr 2020) und einen Zielwert f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen den nominalen Schulden und dem Volkseinkommen (beispielsweise 120 Prozent), der erreicht werden muss, bevor angenommen wird, dass die Geldm\u00e4rkte wieder bereit sind, Griechenland zu vern\u00fcnftigen Zinsen Geld zu leihen. Anschlie\u00dfend berechnen sie anhand willk\u00fcrlich festgelegter Annahmen \u00fcber Wachstumsraten, Inflation, Privatisierungserl\u00f6se usw., welche Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse pro Jahr erforderlich sind, und arbeiten sich dabei bis zur Gegenwart zur\u00fcck.<br \/>\nDas Ergebnis dieser Methode ist eine &quot;Austerit\u00e4tsfalle&quot;. Wenn f\u00fcr die Haushaltskonsolidierung eine vorab festgelegte zu erreichende Schuldenquote an einem vorab bestimmten Punkt in der Zukunft ma\u00dfgeblich ist, sind die zum Erreichen dieser Zielwerte erforderlichen Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse von der Art, dass die Auswirkung auf den privaten Sektor die angenommenen Wachstumsraten untergr\u00e4bt und damit die geplante Haushaltsentwicklung zum Entgleisen bringt. Tats\u00e4chlich ist genau dies der Grund, warum fr\u00fchere Pl\u00e4ne zur Haushaltskonsolidierung ihre Ziele so spektakul\u00e4r verfehlten.<\/p>\n<h5>Intelligente L\u00f6sungen<\/h5>\n<p>Die Position unserer Regierung ist, dass die R\u00fcckw\u00e4rtsinduktion aufgegeben werden sollte. Stattdessen sollten wir einen zukunftsgerichteten Plan skizzieren, der auf vern\u00fcnftigen Annahmen \u00fcber die Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse beruht, die mit den Raten des Produktionswachstums, der Nettoinvestitionen und der Ausweitung der Exporte, die Griechenlands Volkswirtschaft und Schuldenquote stabilisieren k\u00f6nnen, vereinbar sind. Falls dies bedeutet, dass die Schuldenquote 2020 \u00fcber 120 Prozent liegt, m\u00fcssen wir intelligente L\u00f6sungen zur Rationalisierung der Schulden, zur Anpassung des Schuldenprofils oder zur Schuldenumstrukturierung finden &#8211; ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren, den effektiven Zeitwert, den Gl\u00e4ubiger dabei zur\u00fcckerhalten, zu maximieren.<br \/>\nZur &quot;Reformfalle&quot;. Das bisherige Reformprogramm, bez\u00fcglich dessen unsere Partner darauf beharren, dass es durch unsere Regierung nicht &quot;r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht&quot; werden d\u00fcrfe, beruhte auf Abwertung, Lohn- und Rentenk\u00fcrzungen, Verlust von Schutzrechten der Arbeitnehmer und der preismaximierenden Privatisierung \u00f6ffentlicher Verm\u00f6genswerte.<br \/>\nWenn die L\u00f6hne weiter sinken, glauben unsere Partner, werde die Besch\u00e4ftigung zunehmen. Der Weg zur Sanierung eines maroden Rentensystems bestehe darin, die Renten zu senken. Und bei den Privatisierungen sollten h\u00f6here Verkaufspreise angestrebt werden, um Schulden abzubezahlen, von denen viele (hinter verschlossenen T\u00fcren) zugeben, dass sie nicht zu bew\u00e4ltigen sind.<\/p>\n<h5><b>Reformm\u00fcdigkeit <\/b><\/h5>\n<p>Unsere Regierung ist \u00fcberzeugt, dass dieses Programm gescheitert ist, was zu Reformm\u00fcdigkeit aufseiten der Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt hat. Der beste Beleg dieses Scheiterns ist, dass trotz eines enormen Lohn- und Kostenr\u00fcckgangs das Exportwachstum stagniert.<br \/>\nZus\u00e4tzliche Lohnsenkungen werden den von einer Kreditverknappung betroffenen exportorientierten Unternehmen nicht helfen. Und weitere Einschnitte bei den Renten werden die wahren Ursachen der Probleme des Rentensystems nicht l\u00f6sen (eine niedrige Besch\u00e4ftigung und enorm viel Schwarzarbeit). Derartige Ma\u00dfnahmen f\u00fchren nur zur weiteren Besch\u00e4digung des schon jetzt belasteten sozialen Gef\u00fcges Griechenlands und machen es unf\u00e4hig, die Unterst\u00fctzung zu leisten, die unsere Reformagenda verzweifelt braucht.<br \/>\nDie Meinungsverschiedenheiten mit unseren Partnern sind nicht un\u00fcberwindlich. Wir sind sehr daran interessiert, das Rentensystem zu rationalisieren (etwa durch Begrenzung der Fr\u00fchverrentung), eine Teilprivatisierung zu verfolgen, etwas gegen die die Kreditkreisl\u00e4ufe blockierenden notleidenden Kredite zu tun, eine unabh\u00e4ngige Steuerkommission einzusetzen und das Unternehmertum zu f\u00f6rdern. Die Differenzen betreffen die Frage, wie die Beziehungen zwischen Reformen und dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld zu verstehen sind.<br \/>\nNichts davon bedeutet, dass nicht sofort eine gemeinsame Basis herstellbar w\u00e4re. Die griechische Regierung strebt einen Kurs zur Haushaltskonsolidierung an, der sinnvoll ist, und wir wollen Reformen, die f\u00fcr alle wichtig sind. Unsere Aufgabe besteht darin, unsere Partner zu \u00fcberzeugen, dass unsere Vorhaben strategischer statt taktischer Art sind und dass unsere Logik solide ist. Ihre Aufgabe ist es, einen Ansatz aufzugeben, der gescheitert ist.<br \/>\n<span style=\"font-size: 10px;\">Copyright: <\/span><span style=\"font-size: 10px;\"><link http:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/greece-debt-deal-by-yanis-varoufakis-2015-04\/german - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">Project Syndicate<\/link><\/span><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die inzwischen dreimonatigen Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und unseren europ\u00e4ischen und internationalen Partnern haben in weiten Teilen eine Ann\u00e4herung \u00fcber die zur Bew\u00e4ltigung der jahrelangen Wirtschaftskrise und zur Herbeif\u00fchrung einer nachhaltigen Erholung in Griechenland erforderlichen Schritte gebracht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22498,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22497","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-yanis-varoufakis-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22497"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27495,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22497\/revisions\/27495"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}