{"id":22521,"date":"2015-05-05T08:31:00","date_gmt":"2015-05-05T06:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/vom-regen-in-die-traufe\/"},"modified":"2023-09-27T16:08:46","modified_gmt":"2023-09-27T14:08:46","slug":"vom-regen-in-die-traufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/vom-regen-in-die-traufe\/","title":{"rendered":"Vom Regen in die Traufe"},"content":{"rendered":"<h5><span lang=\"DE\">Verschlechterte Arbeitsbedingungen f\u00fcr Frauen<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Diese \u201eGro\u00dfe Rezession\u201c wirkt sich unterschiedlich auf Frauen und M\u00e4nner aus und hat Einfluss auf eine Vielzahl an bestehenden geschlechterspezifischen Ungleichgewichten. Einige dieser \u201eGender Gaps\u201c konnten (zumindest quantitativ) verkleinert werden, andere jedoch wurden gr\u00f6\u00dfer. Wie viele andere bereits anmerkten, f\u00fchren Rezensionen immer zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen f\u00fcr Arbeitnehmerinnen. Frauen brauchen l\u00e4nger als M\u00e4nner, um aus der Arbeitslosigkeitskrise einen Ausweg zu finden und m\u00fcssen sich zus\u00e4tzlich auch mit niedrigerer Entlohnung, unsichereren Arbeitsbedingungen, Teilzeitarbeitsverh\u00e4ltnissen und vermehrter Besch\u00e4ftigung in der Schattenwirtschaft zufrieden geben.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Negative Reduktion des Gender Gaps<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Seit 2012 wiesen einige bekannte Analytiker \u2013 darunter Regierungsexpert_innen \u2013 darauf hin, dass sich hinsichtlich Besch\u00e4ftigung und Arbeitslosigkeit die Situation von M\u00e4nnern und Frauen angen\u00e4hert hat. Es stimmt, dass die Realit\u00e4t der Frauen auf dem spanischen Arbeitsmarkt heute eine v\u00f6llig andere ist als in der Vergangenheit. Wenn wir uns das letzte Jahrzehnt ansehen, f\u00e4llt auf, dass die Frauenerwerbsquote von 40% im Jahr 2002 auf 53,3% im Jahr 2013 anstieg, sich also sogar w\u00e4hrend der schlimmsten Krisenjahre erh\u00f6ht hat. Unleugbar ist, dass das Absinken der Frauenerwerbsquote weniger dramatisch ausfiel als jene der M\u00e4nner. Die Arbeitslosenrate der M\u00e4nner war zwischen 2006 und 2013 von 6,4% auf 25,8% angestiegen, jene der Frauen im selben Zeitraum von 11,3% auf 27%.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Langsame Erholung bei m\u00e4nnlichen Arbeitnehmern<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Diese Daten zeigen zweifellos eine Reduktion des Gender Gaps, was den Zugang zum Arbeitsmarkt angeht. Ebenso offensichtlich ist jedoch, dass sich dieses Ph\u00e4nomen nicht aufgrund einer tats\u00e4chlichen Verbesserung der Situation der Frauen manifestiert, sondern aufgrund der Verschlechterung der Situation der M\u00e4nner. Bei eingehender Analyse der Statistiken k\u00f6nnen wir dar\u00fcber hinaus sehen, dass sich die Besch\u00e4ftigungsquote der M\u00e4nner heute schneller erholt als jene der Frauen. Nachdem die Arbeitslosenrate der M\u00e4nner im Jahr 2013 ihren H\u00f6hepunkt erreicht hatte, nahm sie im Verlauf eines Jahres um zwei Prozentpunkte ab, w\u00e4hrend jene der Frauen derzeit wieder zulegt. Dabei handelt es sich um kein auf den spanischen Arbeitsmarkt begrenztes Ph\u00e4nomen, sondern um einen internationalen Trend. Wie die ILO es ausdr\u00fcckte, \u201eerlebten wir zu Beginn der Krise eine moderate Reduktion des geschlechterspezifischen Unterschieds bei den Arbeitslosenraten, haupts\u00e4chlich weil der Arbeitsplatzabbau besonders die m\u00e4nnerdominierten Branchen betraf.\u201c Die aktuelle leichte Erholungsphase des Arbeitsmarkts betrifft vor allem jene Sektoren, in denen&nbsp; vorwiegend M\u00e4nner besch\u00e4ftigt sind (z.B. Bauwesen), womit sich der Gender Gap wieder vergr\u00f6\u00dfert.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Arbeitslosigkeit ist jedoch nicht das akuteste Problem des spanischen Arbeitsmarkts und der weiblichen Arbeitskr\u00e4fte. Die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse, in denen sich viele Arbeitnehmer_innen wiederfinden, manifestieren sich als etwas Dauerhaftes \u2013 und das betrifft haupts\u00e4chlich Frauen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse als dauerhaftes Ph\u00e4nomen<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Wir k\u00f6nnten Prekarit\u00e4t als \u201eeine Reihe von materiellen und symbolischen Bedingungen, die Unsicherheit in Bezug auf den nachhaltigen Zugang zu grundlegenden Ressourcen f\u00fcr die umfassende Lebensentwicklung schaffen\u201c definieren (Precarias a la Deriva,&nbsp;<i>A la deriva por los circuitos de la precariedad femenina<\/i>, Madrid: Traficantes de Sue\u00f1os, 2004). Laut den Autor_innen ist diese Definition dynamisch: Sie reflektiert eine Situation, aber beschreibt auch die traditionellen Bedingungen, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt vorfinden. Heute finden sich viele weibliche und m\u00e4nnliche Arbeitnehmer_innen in dieser ungesch\u00fctzten Situation wieder.<\/span><br \/>\nPrek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse sind nicht allein die Folge einer Reihe von Faktoren, sondern auch ein Instrument, das von den Arbeitgeber_innen verwendet wird, um Risiken und Pflichten auf die Arbeitnehmer_innen abzuw\u00e4lzen. Prek\u00e4re Arbeit ist sowohl im formellen als auch informellen Sektor von Unsicherheit und Angst gepr\u00e4gt. Betroffene m\u00fcssen sich mit befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen, Besch\u00e4ftigung bei Zeitarbeitsunternehmen, Teilzeitjobs, Ausbildungsvertr\u00e4gen, niedriger Entlohnung, niedrigen Pensionen und sogar Schwierigkeiten beim Beitritt zu Gewerkschaften, Einschr\u00e4nkungen des Rechts auf Tarifverhandlungen und dem Mangel an wirksamen Mechanismen der Mitverantwortung abfinden.<\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen verschlimmern geschlechtsspezifische Diskriminierung<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Jede Arbeitsrechtsreform seit 2010 hat die prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse noch weiter verschlimmert. Interessant ist, dass diese Reformen die Folge von l\u00e4nderspezifischen Empfehlungen waren, die vom Rat der Europ\u00e4ischen Union diktiert worden sind. Nach eingehender Pr\u00fcfung der verbreitetsten prek\u00e4ren Bedingungen stellt sich heraus, dass Frauen vermehrt im Rahmen von Ausbildungsvertr\u00e4gen besch\u00e4ftigt sind (28.000 Ausbildungsvertr\u00e4ge wurden zwischen 2012 und 2014 mit Frauen und 13.700 mit M\u00e4nnern abgeschlossen), \u00f6fter in Teilzeit arbeiten (im Jahr 2013 waren 26% der weiblichen Angestellten teilzeitbesch\u00e4ftigt; 73% aller Teilzeitjobs wurden an Frauen vergeben). Dar\u00fcber hinaus vergr\u00f6\u00dferte sich die Gehaltsschere zwischen 2008 und 2013 von 16% auf 19%. W\u00e4hrend die Durchschnittspension der M\u00e4nner bei 1.288 Euro liegt, bel\u00e4uft sich jene der Frauen nur auf 874 Euro. Zudem zeigt sich, dass Elternschaftsurlaub quasi g\u00e4nzlich von Frauen in Anspruch genommen wird: weniger als 2% der M\u00e4nner entscheiden sich f\u00fcr eine solche Freistellung vom Arbeitsplatz. Spanische Arbeitnehmer haben ebenfalls Anspruch auf Vaterschaftsurlaub, der jedoch auf 13 Tage begrenzt ist. \u00c4hnliche geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich, wenn wir uns andere Arten der Freistellung (z.B. Pflegeurlaube) ansehen: 2013 waren 95% jener Menschen, die sich zur Kinderbetreuung freistellen lie\u00dfen, und 85% der Personen, die Pflegeurlaub nahmen, Frauen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Ver\u00e4nderung durch einen verfassungsgebenden Prozess<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Diese Situation zeigt ganz klar, dass die traditionellen Ma\u00dfnahmen der spanischen \u00f6ffentlichen Politik daran gescheitert sind, Gleichberechtigung herzustellen, und dass neue politische Ma\u00dfnahmen, die auf die Austerit\u00e4tspolitik abgestimmt sind, die geschlechtsspezifische Diskriminierung verst\u00e4rken. Um diese Situation zu \u00e4ndern, brauchen wir ein entschiedeneres Vorgehen. Aus rechtlicher Sicht ist eine tiefgr\u00fcndige Gesetzes\u00e4nderung \u2013 auch auf Verfassungsrang \u2013 n\u00f6tig: um Anerkennung und Respekt f\u00fcr die Rechte der Arbeitnehmer_innen zu erreichen, um die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bereich Arbeit sowohl de jure als auch de facto zu beseitigen und um damit die grundlegenden Barrieren loszuwerden, die das Verhalten der Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_innen beeinflussen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Um dies zu erreichen, sollten Verfassungsgesetze und andere Bestimmungen beispielsweise auf die Vermeidung prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse und die Einf\u00fchrung von Garantien zur Schaffung von w\u00fcrdevollen und stabilen Arbeitsverh\u00e4ltnissen ausgerichtet sein, wobei jene Arbeitnehmer_innen besonderen Schutz genie\u00dfen sollen, die bereits diskriminiert werden (<i>Izquierda Unida<\/i> und die <i>Fundaci\u00f3n&nbsp;por la&nbsp;Europa de los Ciudadanos <\/i>entwickeln derzeit einen Vorschlag zu einer solchen \u201eArbeitsplatzgarantie\u201c). Dar\u00fcber hinaus ist es n\u00f6tig, Gesetze f\u00fcr eine geteilte Verantwortung im Bereich Pflegearbeit auf Verfassungsebene einzuf\u00fchren, um der Geschlechtertrennung in der Dom\u00e4ne Arbeit entgegenzuwirken.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Diese beiden Ziele k\u00f6nnten im Zuge eines verfassungsgebenden Prozesses erreicht werden, der einen der wichtigsten politischen Vorschl\u00e4ge darstellt, die wir in Spanien durchsetzen wollen<a name=\"_GoBack\"><\/a>.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie weithin bekannt, wurde Spanien und im Besonderen der spanische Arbeitsmarkt nicht nur von wirtschaftlichen und politischen Krisen, sondern auch von den Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen hart getroffen. Die Arbeitslosenrate stieg dramatisch und die soziale Ungleichheit nahm zu, wie auch das Armutsrisiko. Die Arbeitslosenrate erh\u00f6hte sich von 8,2% im Jahr 2008 auf 26,1% 2013 und lag 2014 bei 24,1%.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22522,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22521","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-adoracion-guaman-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22521"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22521\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27499,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22521\/revisions\/27499"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}