{"id":22831,"date":"2015-11-23T14:37:00","date_gmt":"2015-11-23T13:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/globale-klimagerechtigkeit-heisst-auch-bezahlung-konkreter-klimaschulden\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:15","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:15","slug":"globale-klimagerechtigkeit-heisst-auch-bezahlung-konkreter-klimaschulden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/globale-klimagerechtigkeit-heisst-auch-bezahlung-konkreter-klimaschulden\/","title":{"rendered":"Globale Klimagerechtigkeit hei\u00dft auch Bezahlung konkreter Klimaschulden"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Andererseits sind besonders die industrialisierten L\u00e4nder des globalen Nordens mit ihren viel zu hohen CO2-Emissionen meistens wesentlich weniger von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen. <\/span><br \/>\nBisher wurde der Gedankengang einer globalen Klimagerechtigkeit zwar h\u00e4ufig formuliert, jedoch oft nur in Sonntagsreden. Es wurde fast nie eine praktikable Methode angegeben, wie eine relevante und konkrete Kompensation nach dem Prinzip einer globalen Klimagerechtigkeit aussehen k\u00f6nnte. So lange es jedoch nur bei einer allgemeinen Forderung bleibt, ist dies folgenlos. Deshalb sollte die Forderung nach Anerkennung und Bezahlung konkret bezifferbarer und transparent nachvollziehbarer Klimaschulden als Ausgleich zwischen dem globalen Norden und S\u00fcden eine Antwort der weltweiten Klimabewegung sein, die ethisch geboten ist.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Hier wird nun \u2013 auf der Grundlage der <link http:\/\/edgar.jrc.ec.europa.eu\/overview.php?v=CO2ts1990-2013>CO2-Emissions-Daten<\/link> bis zum Jahr 2014 und der Bev\u00f6lkerungsdaten der UN [1]<\/span>&nbsp;aus dem Jahr 2010 \u2013 eine konkrete Berechnung aktueller Klimaschulden der gr\u00f6\u00dften Klimaschuldner-L\u00e4nder vorgestellt.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Die einfache und transparente Berechnungsmethode wurde bereits im <link de\/jahrbuch\/zeitschrift-072010\/news\/detail\/Journal\/the-costs-of-carbon-dioxide-emissions-a-just-basis-for-the-un-global-climate-summit-in-canc.html>transform! Journal Nr. 07\/2010<\/link> pr\u00e4sentiert. Sie geht auf einen globalen CO2-Budgetansatz zur\u00fcck, den das klimawissenschaftliche Beratungsgremium der Bundesregierung Deutschland im Jahr 2009 <link http:\/\/www.wbgu.de\/fileadmin\/templates\/dateien\/veroeffentlichungen\/sondergutachten\/sn2009\/wbgu_sn2009_en.pdf>publiziert<\/link> hat [2]<\/span>. Die ganze Betrachtung konzentriert sich der Einfachheit halber zun\u00e4chst auf die dominierenden CO2-Emissionen. F\u00fcr die anderen Treibhausgase kann ein entsprechender Ansatz etabliert werden.<br \/>\nWie aus dem nachfolgenden Diagramm ersichtlich ist, ergeben sich f\u00fcr die angegebenen L\u00e4nder bereits heute erstaunlich hohe j\u00e4hrliche Klimaschulden, obwohl f\u00fcr die Budgetbetrachtung keineswegs die historischen CO2-Emissionen seit der Industrialisierung Ber\u00fccksichtigung finden, sondern nur die CO2-Emissionen seit 1990! Die Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Vorgehensweise lautet: Erst ab 1990 \u2013 mit dem ersten IPCC-Bericht \u2013 ist die Tatsache des anthropogenen Klimawandels wissenschaftlich belegt und global publiziert. Au\u00dferdem wurde f\u00fcr 1 t CO2-Emission lediglich ein Wert von 40$ angesetzt. Die Tatsache, dass sich j\u00e4hrliche Klimaschulden in dieser H\u00f6he ergeben, unterstreicht die Dringlichkeit dieser Betrachtung. Sie w\u00fcrde auch die Aufkl\u00e4rung zum Thema Klimagerechtigkeit versachlichen und erh\u00e4rten. (Die kumulierten Klimaschulden bis 2013 sind noch gar nicht ber\u00fccksichtigt).<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RTEmagicC_Selinger2015_DE.png\" width=\"450\" height=\"616\" alt=\"\" \/><br \/>\n<span lang=\"DE\">Hier sind nur die top twelve Klima-Schuldner-L\u00e4nder aufgef\u00fchrt. Es gibt jedoch weitere 20 kleinere L\u00e4nder (vor allem OECD), die ebenfalls schon Klimaschulden haben. In der Summe w\u00e4re damit j\u00e4hrlich ein UN-Klimafonds i. H. von ca. 570 Mrd $ finanzierbar. Damit k\u00f6nnten relevante Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel in L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens gef\u00f6rdert werden. Strenge Kontroll- und Sanktionsm\u00f6glichkeiten sollten von Anfang an im Konzept vorgesehen sein.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">China und Indien haben andererseits noch keine Klimaschulden, da nach dem Gerechtigkeits\u00adprinzip deren hohe Bev\u00f6lkerungszahl zu hohen CO2-Guthaben f\u00fchrt. Allerdings ist bei China durchaus schon eine Ersch\u00f6pfung der Klimaguthaben in den n\u00e4chsten 10 Jahren zu erwarten, wenn die CO2-Emissionen auf dem heutigen hohen Level bleiben.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Dass die Anerkennung und Bezahlung konkreter Klimaschulden bei den global herrschenden kapitalistischen Machtverh\u00e4ltnissen derzeit wohl politisch unm\u00f6glich und utopisch erscheint, darf eine progressive und internationalistische Klimabewegung nicht dazu verleiten, auf eine derartige f\u00fcr sich selbst sprechende Forderung zu verzichten. Gleichzeitig darf diese Forderung jedoch auch nicht im Gegensatz zu vielen richtigen und wichtigen Forderungen der Klima\u00adbewegung gesehen werden (z. B. die Forderung nach radikalen Dekarbonisierungspl\u00e4nen [3]<\/span>, nach einem weitgehenden Umbau des Energie- und Transportsystems, nach einem radikalen Umbau der industrialisierten Landwirtschaft hin zu agrar\u00f6kologischen Prinzipien und die Forderungen nach einem Stop der desastr\u00f6sen Urwaldrodungen hin zu Wiederaufforstungen im gro\u00dfen Stil).<br \/>\n<span lang=\"DE\">Die globale Klimabewegung sollte diese Methode der Budgetbetrachtung der gerade noch mit dem 2<\/span><span style=\"font-family:Symbol\" lang=\"DE\">\u00b0<\/span><span lang=\"DE\">C-Ziel zu vereinbarenden Treibhausgasemissionen und die daraus transparent und einfach berechenbaren Klimaschulden wesentlich st\u00e4rker weltweit propagieren [4]<\/span>. Ziel muss es sein, zusammen z. B. mit der G77-Gruppe den Druck vor allem auf die Industriel\u00e4nder so stark zu erh\u00f6hen, dass auf Basis dieser Tatsachen trotz aller vorhersehbarer Widerst\u00e4nde angemessene Ausgleichszahlungen in der hier genannten Gr\u00f6\u00dfenordnung von L\u00e4ndern mit Klimaschulden an L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens durchgesetzt werden.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold; \">Anmerkungen:<\/span><\/p>\n<div>\n<div id=\"ftn1\">\n<div id=\"ftn1\"><span style=\"font-size: 10px;\" lang=\"EN-GB\">1.&nbsp;United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2013).<\/span><\/div>\n<div id=\"ftn2\"><span lang=\"DE\"><span style=\"font-size: 10px;\">2.<\/span>&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 10px;\" lang=\"EN-GB\">German Advisory Council on Global Change (WBGU), Special Report, July 2009,&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 10px;\"><span lang=\"DE\"><link http:\/\/www.wbgu.de\/fileadmin\/templates\/dateien\/veroeffentlichungen\/sondergutachten\/sn2009\/wbgu_sn2009_en.pdf - - \"Opens external link in new window\"><span lang=\"EN-GB\">Solving the climate dilemma: The budget approach<\/span><\/link><\/span><span lang=\"EN-US\">&nbsp;(pdf)<\/span><\/span><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 10px;\"><span lang=\"DE\">3.&nbsp;<\/span><span lang=\"DE\"><link http:\/\/www.350.org\/><span lang=\"EN-GB\">www.350.org<\/span><\/link><\/span><span lang=\"EN-GB\">;<\/span><\/span><span lang=\"DE\"><link http:\/\/gofossilfree.org\/><span style=\"font-size: 10px;\" lang=\"EN-GB\">http:\/\/gofossilfree.org<\/span><\/link><\/span><span lang=\"EN-GB\"> <span style=\"font-size: 10px;\">u.a.<\/span><\/span><\/div>\n<div id=\"ftn2\">\n<p style=\"margin-bottom:3.0pt; text-autospace:none\"><span style=\"font-size:10.0pt\" lang=\"DE\"><span style=\"font-size: 12px; \"><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"font-size: 10px;\">4.&nbsp;<link http:\/\/www.isw-muenchen.de\/download\/Klimagipfel-ny-hs-20140927.pdf>http:\/\/www.isw-muenchen.de\/download\/Klimagipfel-ny-hs-20140927.pdf<\/link><link http:\/\/www.isw-muenchen.de\/download\/klimagipfel-lima-hs-20141217.pdf>www.isw-muenchen.de\/download\/klimagipfel-lima-hs-20141217.pdf<\/link><link http:\/\/isw-muenchen.de\/2015\/06\/durchbruch-fuer-den-klimaschutz-beim-g7-gipfel-in-elmau-kaum-mehr-als-schall-und-rauch\/ - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">http:\/\/isw-muenchen.de\/2015\/06\/durchbruch-fuer-den-klimaschutz-beim-g7-gipfel-in-elmau-kaum-mehr-als-schall-und-rauch\/<\/link><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die globale Klimabewegung hat schon seit Jahren die weltweite Klima-Ungerechtigkeit thematisiert. Damit ist die Tatsache gemeint, dass die Haupt-Leidtragenden des anthropogenen Klimawandels viele L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens sind, die selbst kaum zum Problem des Klimawandels beigetragen haben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11448,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22831","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-helmut-selinger-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22831","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22831"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22831\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22837,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22831\/revisions\/22837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11448"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}