{"id":22838,"date":"2015-12-03T11:33:00","date_gmt":"2015-12-03T10:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/klimafluechtlinge-werden-zum-haupttreiber-kuenftiger-migration\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:15","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:15","slug":"klimafluechtlinge-werden-zum-haupttreiber-kuenftiger-migration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/klimafluechtlinge-werden-zum-haupttreiber-kuenftiger-migration\/","title":{"rendered":"Klimafl\u00fcchtlinge werden zum Haupttreiber k\u00fcnftiger Migration"},"content":{"rendered":"<p>R\u00fcckversicherungen decken Risiken von Erstversicherungen aus Gro\u00dfereignissen ab, etwa Naturkatastrophen wie \u00dcberschwemmungen, Erdbeben, Waldbr\u00e4nde. Grundlage f\u00fcr ein renditetr\u00e4chtiges Gesch\u00e4ft ist dabei eine m\u00f6glichst exakte Berechnung von Risiken und Wahrscheinlichkeiten aller Art. Weltgr\u00f6\u00dfter R\u00fcckversicherer ist die Munich RE, ihre wissenschaftlich fundierten Prognosen gelten als sehr treffsicher. Seit geraumer Zeit analysiert sie auch die wahrscheinlichen Auswirkungen des Klimawandels. Munich RE-Chef Nikolaus von Bomhard zur aktuellen Fl\u00fcchtlingswelle und den zu erwartenden Klimafl\u00fcchtlingen: \u201eIch f\u00fcrchte, wir sehen bislang lediglich die Spitze des Eisbergs. Schon jetzt sind etwa 60 Millionen Fl\u00fcchtlinge weltweit unterwegs. Die Zahl wird steigen, wenn es nicht gelingt, die stetig zunehmenden Konflikte in so vielen L\u00e4ndern einzud\u00e4mmen, und wenn der Klimawandel voranschreitet. Der Klimawandel hat das Potenzial, zu einem Haupttreiber k\u00fcnftiger Wanderbewegungen zu werden\u201c (<i>Der Spiegel<\/i>, 24.10.15).<br \/>\nUN-Fl\u00fcchtlingskommissar Antonio Guterres prognostizierte bereits 2009 auf der Klimakonferenz in Kopenhagen, dass der Klimawandel in naher Zukunft zum Haupttreiber f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswanderungen werde. Nach Greenpeace sind schon heute mehr als 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Auswirkungen des Klimawandels. Da sie als Klimamigranten eingestuft werden und nicht unter die Kriterien der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention fallen, sind sie nicht in den UNHCR-Fl\u00fcchtlings-Statistiken enthalten. Wobei sich die Fluchtursachen h\u00e4ufig \u00fcberlappen, in sich verst\u00e4rkende Wechselwirkung treten. Darauf weist Entwicklungsminister Gerd M\u00fcller hin: \u201eEs ist kaum bekannt, dass Syrien in der Zeit von 2006 bis 2011 unter der schlimmsten D\u00fcrre seit 100 Jahren litt. Kenner der Region sagen, dass diese D\u00fcrre ein Brandbeschleuniger in der Syrienkrise war\u201c (<i>Handelslbatt<\/i>, 1.11.15).<br \/>\nNach Ansicht des Staatsrechtlers Reinhard Merkel ist es dringend notwendig, den rechtlichen Status dieser zus\u00e4tzlichen, klimabedingten Migrant_innen zu kl\u00e4ren, denn sie werden in einer Dimension auftreten, die eine Abweisung durch die reichen Staaten zur Illusion macht. Ganz abgesehen davon, dass diese auch hier in einer moralischen Verpflichtung stehen, da sie mit ihrem \u201eAmerican Way of Life\u201c die Hauptverursacher der Klimakatastrophe sind. UN-Generalsekret\u00e4r Ban Ki-moon zitierte 2009 in einem Bericht f\u00fcr die Generalversammlung wissenschaftlich fundierte Prognosen zu den erwartbaren Zahlen der klimabedingten Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me: sie schwanken zwischen 50 und 350 Millionen bis 2050 (<i>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/i>, 27.9.15). \u00c4hnlich in einer Studie von Greenpeace: Dieser zufolge werden in den n\u00e4chsten 30 Jahren 200 Millionen Menschen aus ihrer Heimat fl\u00fcchten m\u00fcssen, wenn sich der Klimawandel fortsetzt wie bisher (auch nach Gerd M\u00fcller rechnen \u201eExperten mit 200 Millionen Klimafl\u00fcchtlingen weltweit\u201c). \u201eDas Thema Klimafl\u00fcchtlinge weist in unertr\u00e4glicher Form auf eine doppelte Ungerechtigkeit hin\u201c,&nbsp;<link https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/klimawandel\/folgen-des-klimawandels\/klimafluchtlinge-rechtlos-heimatlos>erkl\u00e4rte Andree B\u00f6hling, Klimaexperte von Greenpeace<\/link>. \u201eW\u00e4hrend die \u00c4rmsten dieser Welt, die an der Klimaerw\u00e4rmung unschuldig sind, als Erste heftig durch die Erw\u00e4rmung getroffen werden, verleugnen die Industriestaaten als Hauptverursacher bisher die Existenz der Klimafl\u00fcchtlinge und schotten sich mit geltendem Fl\u00fcchtlingsrecht dagegen ab\u201c.<\/p>\n<h5>Wasser bis zum Hals<\/h5>\n<p>Mehr noch. Die reichen Staaten schotten sich nicht nur gegen die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me ab. Sie machen auch die Schotten dicht gegen die damit verbundenen Meeresfluten. In den Niederlanden entwickelt man derzeit mit Hochdruck neue Deichsysteme und testet mit gigantischen Wellen-Maschinen, ob die bestehenden Deiche steigenden Meeresspiegeln und Jahrtausendfluten gewachsen w\u00e4ren. Die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung lebt in Holland unterhalb des Meeresspiegels. 25 Millionen Euro hat die Wellenmaschine gekostet, zig Milliarden haben die Niederlande seit der Jahrhundertflut 1953 investiert, um sich vor dem Meer zu sch\u00fctzen. Mehr als 100 Milliarden sollen bis 2100 in den K\u00fcstenschutz investiert werden. (vgl. <i>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/i>, 31.10.15).<br \/>\nDerartige K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen kann sich das bettelarme Bangladesch mit seiner 160 Millionen-Bev\u00f6lkerung und einem Jahres-BIP von gerade mal 113 Milliarden Dollar nicht leisten. Den Menschen wird bei fortschreitender Klimakatastrophe deshalb das Meerwasser im wahrsten Sinne bis zum Hals stehen. Bei einem Meeresspiegelanstieg um einen Meter werden 17 Prozent der Fl\u00e4che von Bangladesch \u00fcberschwemmt. Man kann sich ausmalen, was das f\u00fcr eine Fluchtbewegung ausl\u00f6sen wird.<br \/>\nTrotz dieser alarmierenden Szenarien gibt es keine Anzeichen, dass es auf dem Weltklimagipfel in Paris zu einem echten Durchbruch kommt. Schon das vorangehende G-20-Gipfeltreffen in Antalya war nur zu einem d\u00fcrren Bekenntnis zum Klimaschutz f\u00e4hig. Paris ist mit die letzte M\u00f6glichkeit, mit radikalen Beschl\u00fcssen und deren Umsetzung das 2-Grad-Ziel einzuhalten.<br \/>\nDie Zeichen der Zeit weisen eher in eine andere Richtung. Mit Blick auf die UN-Klima-Konferenz in Paris beschwichtigt die Deutsche Bank in einem Kommentar Anleger in \u00d6laktien, die sich Sorgen um eine Carbon Bubble wegen einer \u201eambitionierten Klimapolitik\u201c machen (Carbon Bubble: Spekulationsblase, die sich aus der Unvereinbarkeit des vereinbarten 2-Grad-Klimazieles sowie der weiteren Ausbeutung der vorhandenen fossilen Brennstoffe ergibt): \u201eWas ist dran an der Carbon Bubble? Wie gro\u00df ist das Risiko, dass die Bewertung traditioneller Energiekonzerne aufgrund einer ambitionierten Klimaschutzpolitik stark sinkt? Es mag viele Gr\u00fcnde f\u00fcr Investoren geben, weniger als bislang oder nicht mehr in \u201efossile Energiekonzerne\u201c zu investieren und stattdessen andere Anlageformen zu pr\u00e4ferieren. Auf eine ambitionierte, verl\u00e4ssliche und international umfassende Klimaschutzpolitik sowie eine global sinkende Nachfrage nach fossilen Energietr\u00e4gern sollte man als Begr\u00fcndung dabei nicht allzu sehr vertrauen. Eine Carbon Bubble ist in einem solchen Umfeld unwahrscheinlich \u2026\u201c. Geradezu zynisch, wenn man bedenkt, zu welchen Katastrophen die geltende Klimapolitik f\u00fchrt.<br \/>\nMunich RE-Chef Bomhard im <i>Spiegel<\/i>-Interview (24.10.15): \u201eEin globales Klimaabkommen mit verbindlichen CO2-Reduktionszielen wird die k\u00fcnftige Migration nach Europa weit st\u00e4rker begrenzen als neue Grenzz\u00e4une oder Patrouillenschiffe im Mittelmeer. Von Paris k\u00f6nnen und m\u00fcssen auch deshalb positive Signale ausgehen. Entscheidend sind am Ende aber weniger die Verpflichtungen auf dem Papier als vielmehr das Handeln der Politik. Das generelle Dilemma ist die Kurzsichtigkeit der Politik, der es so unglaublich schwerf\u00e4llt, \u00fcber die Legislaturperiode hinaus zu planen und zu handeln. Sie muss endlich die Ursachen der Migration angehen, und der Klimawandel geh\u00f6rt dazu\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-size: 10px;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 23. November auf: <link http:\/\/isw-muenchen.de\/2015\/11\/klimafluechtlinge-werden-zum-haupttreiber-kuenftiger-migration\/ - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">http:\/\/isw-muenchen.de\/2015\/11\/klimafluechtlinge-werden-zum-haupttreiber-kuenftiger-migration\/<\/link><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten 30 Jahren werden 200 Millionen Menschen aus ihrer Heimat fl\u00fcchten m\u00fcssen, wenn sich der Klimawandel fortsetzt wie bisher.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22839,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22838","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-fred-schmid-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22838","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22838"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27559,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22838\/revisions\/27559"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22839"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}