{"id":22852,"date":"2015-12-10T11:52:00","date_gmt":"2015-12-10T10:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/solidaritaetszustand-statt-ausnahmezustand\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:16","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:16","slug":"solidaritaetszustand-statt-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/solidaritaetszustand-statt-ausnahmezustand\/","title":{"rendered":"&#8220;Solidarit\u00e4tszustand&#8221; statt Ausnahmezustand"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Die Angriffe von Paris, Beirut, Bamako, Tunis und der Absturz eines russischen Zivilflugzeugs \u00fcber der Sinai-Halbinsel, die Entwicklungen in Br\u00fcssel und Kriegsspekulationen geistern durch die Medien und bestimmen die europ\u00e4ische Politik. Diese Ereignisse werden jedoch gleichzeitig zur Rechtfertigung des neuen Grenzregimes, der neuen Gesetzgebung zur Kriminalisierung von zivilem Ungehorsam und Widerstand, sowie dem Stopp der transnationalen Klima- und Antirassismus-Mobilisierungen herangezogen. Die vertrackte politische Situation droht nicht nur, die Gesellschaften und die Menschheit immer mehr zu spalten, sondern auch ihren innewohnenden Widerstand zu ersticken. Es liegt jedoch bei uns: Wir k\u00f6nnen diese Entzweiung zulassen und ihre Folgen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte auf uns nehmen. Wir k\u00f6nnen jedoch auch den Solidarit\u00e4tszustand ausrufen und den Kampf f\u00fcr Frieden, Freiheit und W\u00fcrde anerkennen und unterst\u00fctzen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">In diesem Zusammenhang ist es zuerst wichtig, die Fl\u00fcchtlings- und Migrant_innenbewegungen als solche anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Die Menschen, die vor Krieg, Armut und Gewalt fl\u00fcchten, sind bis an die Grenzen Europas gereist und haben dabei furchtlos ihr Leben riskiert. Die Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden vereinte sie in ihrem Mut. Zahlreiche Hoffnungsm\u00e4rsche (#marchesofhope) stellten den Beginn einer breiten und transnationalen Solidarit\u00e4tswelle dar. Wir sind der Ansicht, dass sich dies in gemeinsam durchgef\u00fchrten politischen Aktionen niederschlagen soll und daher alle Einzelpersonen, Organisationen, Kollektive und zivilgesellschaftliche Bewegungen aufgerufen werden sollen, ihre Kr\u00e4fte zu einem ersten wichtigen Schritt am Weltmigrationstag, dem 18. Dezember, zu vereinigen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Darstellung der Fl\u00fcchtlingskrise aus der Perspektive der Herrschenden dient als ein nahezu perfekter Deckmantel f\u00fcr die eigentliche Krise. Es handelt sich dabei um eine politische Krise, die von Jahrzehnten der gescheiterten europ\u00e4ischen Politik&nbsp; <\/span>auf nationaler, europ\u00e4ischer, sowie internationaler Ebene verursacht wurde. Austerit\u00e4t, Nationalismus und Rassismus, die Spaltung in Nord und S\u00fcd, die Zerschlagung des Sozialstaates und die generelle Prekarisierung des Lebens wurden ohne viel Aufhebens durchgesetzt, wobei der Demokratie eine rein dekorative Rolle zukam.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Nur ihre Einbettung in eine Kultur der Angst kann eine derartig falsche Logik zum Erfolg f\u00fchren. Vor dem Terror fliehende Menschen zu Terrorist_innen zu erkl\u00e4ren, wenn sich jedoch herausstellt, dass alle der Angreifer_innen in Europa gelebt hatten, stellt ein perfektes Beispiel daf\u00fcr dar, wie keines der eigentlichen Probleme aufgegriffen wird, sondern nur der Status Quo versch\u00e4rft wird. Demonstrant_innen werden jedoch von der Stra\u00dfe verbannt. Genau jene Menschen, die von unseren Gesellschaften am meisten beraubt wurden, werden unter Generalverdacht gestellt und davon abgehalten, sich politisch zu organisieren.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wie in einer Orwellschen Dystopie reagieren die politischen Entscheidungstr\u00e4ger_innen Europas und \u00fcberall auf der Welt auf blinde Gewalt mit verst\u00e4rkter \u00dcberwachung, erh\u00f6hten Sicherheitsbestimmungen, mehr Kontrollen, Unterdr\u00fcckung und Gewalt. Milit\u00e4reins\u00e4tze, Krieg, Bombardements und Waffenhandel haben menschliche, kulturelle und politische Trag\u00f6dien und dramatische Folgen f\u00fcr den weltweiten Frieden nach sich gezogen. Europa unterst\u00fctzt jedoch weiterhin Diktaturen und Regimes, vernachl\u00e4ssigt die tats\u00e4chliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr demokratische Kr\u00e4fte und Aktivist_innen, die in vielen Staaten am Mittelmeer oder im S\u00fcden f\u00fcr Freiheit und Frieden k\u00e4mpfen, um sich ausschlie\u00dflich ihren eigenen geopolitischen Interessen und ihrer finanziellen kapitalgesteuerten Agenda zu widmen. Politik f\u00fcr einige wenige, auf Kosten der gro\u00dfen Mehrheit \u2013 so lautet ihre Devise. Der Wirtschafts- und Handelskrieg zur Durchsetzung des neoliberalen Marktes hat ganze Wirtschaften zerst\u00f6rt und \u00fcberall auf der Welt wertvolle Ressourcen ausgebeutet.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Anstatt diese Katastrophe zu verhindern, f\u00fchrt das aktuelle politische Klima, wie es sich im Mainstream manifestiert (von der Abriegelung der europ\u00e4ischen Grenzen, die durch die Angriffe von Paris gerechtfertigt wurden, bis zu den wiederauferstandenen Kriegsherren), zu einer rechtsextremen Denkweise, die von einem verbreiteten Konzept der westlichen kulturellen Hegemonie unterst\u00fctzt wird und so eine d\u00fcstere Welt ohne Alternative in Aussicht stellt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">So ausweglos die Lage auch scheinen mag; wer sich in St\u00e4dten, D\u00f6rfern und Nachbarschaften genauer umsieht, findet die Antwort. Obwohl dieser von oben erkl\u00e4rte \u201eAusnahmezustand\u201c scheinbar l\u00e4hmend wirkt, entsteht Widerstand in unterschiedlichster Form und Dimension: Von den Umweltrechtsbewegungen, den feministischen Bewegungen, Menschenrechtsaktivist_innen, selbstorganisierten \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, bis zu den gro\u00dfartigen Menschen von Paris, die auf die Stra\u00dfe gingen und die Ausgangssperre ignorierten, um zu demonstrieren und sich mit den Migrant_innen und Fl\u00fcchtlingen solidaris<a name=\"_GoBack\"><\/a>ch zu zeigen \u2013 es reichen schon einige wenige Lichtblicke, um die Finsternis zu durchbrechen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Aktuell wird eine Kultur der Angst gen\u00e4hrt, die die europ\u00e4ische und globale Norm darstellen soll. Eine Kultur, die darauf abzielt, uns nach anstrengenden und kaum erf\u00fcllenden Arbeitstagen vor den Fernsehger\u00e4ten abstumpfen zu lassen. Eine Kultur, die uns wegsehen lassen soll, wenn Ungerechtigkeiten geschehen und uns gegen\u00fcber den heutigen globalen Herausforderungen ein Gef\u00fchl der Machtlosigkeit geben soll.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es ist f\u00fcr uns von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit, unsere Solidarit\u00e4t sichtbar zu machen und das Monopol der Angst zu brechen. Wir wollen unsere Augen offen halten und Freund_innen suchen \u2013&nbsp; <\/span>und uns nicht&nbsp; mit unsichtbaren Feinden abfinden. Wir wollen die Realit\u00e4t des Lebens, der Ungerechtigkeit und des Kampfes f\u00fchlen, dar\u00fcber reflektieren und entsprechend handeln.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir schlagen vor, uns unter dem Stichwort des Solidarit\u00e4tszustands zu vereinigen. Unsere Kampagnen, Aktionen und Stimmen sollen zu einer gemeinsamen Denkweise geb\u00fcndelt werden, die direkt ins Herz der Angelegenheit trifft. Wenn wir die Angst in unseren Gesellschaften \u00fcberhandnehmen lassen, wird sie auch unsere Zukunft verschlingen. Schaffen wir gemeinsam einen Raum der kollektiven Solidarit\u00e4t und des Widerstands. Tun wir uns zusammen und holen wir uns im Namen unserer Zukunft unsere Realit\u00e4t zur\u00fcck.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">\u201eIch stelle mich gegen eine Kultur der Angst und erkl\u00e4re hiermit feierlich den Solidarit\u00e4tszustand!\u201c \u2013 dieser Satz stellt f\u00fcr uns einen Ausgangspunkt dar. Verbreiten wir diesen Gedanken gemeinsam!<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Lasst uns \u00fcberall auf der Welt den #Solidarit\u00e4tszustand ausrufen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir sehen euch. Wir danken euch.<\/span>\n<link http:\/\/stateofsolidarity.net\/>stateofsolidarity.net<\/link>\n<span lang=\"DE\">Die ersten Unterzeichnenden:<\/span><br \/>\n<i>Alexandros Georgoulis (Greece), Angelina Giannopoulou (Greece), Anitta Kynsilehto (Finnland), Benjamin Bender (Germany) , Dimitris Kousouris (Greece), Gabriela Andreevska (Macedonia), George Souvlis (Greece), Katalin Erd\u00f6di (Hungary), Katerina Anastasiou (Austria\/Greece), Katerina Kavalidou (Greece), Lana Simpraga (Serbia),&nbsp;Luca&nbsp;L\u00e1szl\u00f3 (Hungary),&nbsp;Lucile Gem\u00e4hling (France\/Germany),&nbsp;Maher Kofafe (Syria),&nbsp;Maria Jaidopulu Vrijea (Greece),&nbsp;Marios Avgoustatos (Greece),&nbsp;Maxime Benatouil (France),&nbsp;Melina Kerou (Austria\/France),&nbsp;Moira Bernardoni (Austria),&nbsp;Piera Muccigrosso (Italy),&nbsp;Raffaela Bollini (Italy),&nbsp;Ronan Burtenshaw (Ireland),&nbsp;Sanja Burlovi\u0107 (Croatia),&nbsp;Sara Lali\u0107 (Croatia),&nbsp;Stavroula Drakopoulou (Greece),&nbsp;Walter Baier (Austria),&nbsp;Yiannis Stouraitis (Austria\/Greece) <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Europa den Ausnahmezustand ausruft, erkl\u00e4ren Aktivist_innen \u00fcberall in Europa den #Solidarit\u00e4tszustand \/ #stateofsolidarity<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11500,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22852","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22852"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22852\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27563,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22852\/revisions\/27563"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11500"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}