{"id":22869,"date":"2016-01-12T14:14:00","date_gmt":"2016-01-12T13:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/ausnahmslos\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:18","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:18","slug":"ausnahmslos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/ausnahmslos\/","title":{"rendered":"#ausnahmslos"},"content":{"rendered":"<p>In der Silvesternacht auf 2016 waren in K\u00f6ln und anderen deutschen St\u00e4dten viele Frauen sexualisierter Gewalt an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen ausgesetzt. Diese Taten m\u00fcssen z\u00fcgig und umfassend aufgekl\u00e4rt werden. Die Schutzl\u00fccken im Straftatbestand der sexuellen N\u00f6tigung\/Vergewaltigung m\u00fcssen endlich geschlossen werden.<br \/>\nWir fordern, dass den Betroffenen jetzt alle Unterst\u00fctzung und Hilfe zukommt, die sie ben\u00f6tigen. Wir stehen solidarisch mit all denjenigen, die sexualisierte Gewalt und Bel\u00e4stigung erfahren und erfahren haben.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Wer wir sind:<\/span><br \/>\nAls Feminist_innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen setzen wir uns seit vielen Jahren f\u00fcr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und f\u00fcr eine offene und faire Gesellschaft ein, engagieren uns gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt. Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, auch gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu stehen.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Daf\u00fcr setzen wir uns ein:<\/span><br \/>\nDer konsequente Einsatz gegen sexualisierte Gewalt jeder Art ist unabdingbar und von h\u00f6chster Priorit\u00e4t. Es ist f\u00fcr alle sch\u00e4dlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bev\u00f6lkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird.<br \/>\nSexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die T\u00e4ter die vermeintlich \u201eAnderen&quot; sind: die muslimischen, arabischen, Schwarzen oder nordafrikanischen M\u00e4nner \u2013 kurzum, all jene, die rechte Populist_innen als \u201enicht deutsch\u201c verstehen. Sie darf auch nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die Opfer (vermeintlich) wei\u00dfe Cis-Frauen sind. Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss jeden Tag ausnahmslos politische Priorit\u00e4t haben, denn sie ist ein fortw\u00e4hrendes Problem, das uns alle betrifft. 2014 ergab eine Erhebung der Agentur der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Grundrechte (FRA), dass mehr als die H\u00e4lfte aller Frauen bereits sexuell bel\u00e4stigt wurde und ein Drittel sexualisierte und\/oder physische Gewalt erlebte. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist j\u00e4hrlich mehr als 7.300 angezeigte Vergewaltigungen und sexuelle N\u00f6tigungen in Deutschland aus, das sind zwanzig jeden Tag. Die Dunkelziffer liegt weitaus h\u00f6her.<br \/>\nAlle Menschen sollen sich von klein auf, unabh\u00e4ngig von ihrer Ethnie, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentit\u00e4t, Religion oder Lebensweise, sicher f\u00fchlen und vor verbalen und k\u00f6rperlichen \u00dcbergriffen gesch\u00fctzt sein: egal ob auf der Stra\u00dfe, zu Hause, bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien Gesellschaft.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">F\u00fcr diese politischen L\u00f6sungen setzen wir uns ein:<\/span><br \/>\n1. Die Arbeit der Beratungsstellen muss gest\u00e4rkt und ihr Angebot ausgebaut werden, einschlie\u00dflich Therapiem\u00f6glichkeiten und besserem, schnelleren Zugang zu Therapiepl\u00e4tzen. Auch die Arbeit von Frauenh\u00e4usern muss gest\u00e4rkt und vor allem finanziell ausreichend abgesichert werden. Alle Beratungsstellen und -angebote m\u00fcssen barrierefrei sein.<br \/>\n2. Die Gesetzeslage muss angepasst werden: Sexuelle Bel\u00e4stigung ist in Deutschland immer noch keine eigenst\u00e4ndige Straftat. Und ob eine Vergewaltigung als strafbar gilt, wird zum Beispiel auch daran festgemacht, ob sich die betroffene Person ausreichend zur Wehr setzte.<br \/>\n3. Mehr \u00f6ffentliche Aufkl\u00e4rungsarbeit hilft, Gewalt zu vermeiden, und signalisiert den Betroffenen, dass sie sich Hilfe holen und mit gesellschaftlicher Unterst\u00fctzung rechnen k\u00f6nnen. Wir m\u00f6chten daf\u00fcr sensibilisieren, dass die Gefahr, Sexismus und sexualisierte Gewalt zu erleben, im engen sozialen Umfeld besonders gro\u00df ist und in allen gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.<br \/>\n4. Auch eine geschlechtersensible P\u00e4dagogik kann (sexualisierter) Gewalt vorbeugen. Dazu z\u00e4hlt nicht zuletzt die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Geschlechterstereotype und die Bedeutung von Sprache.<br \/>\n5. Polizei und Justiz m\u00fcssen geschult werden, damit es \u00fcberhaupt zur Strafverfolgung kommt und in diesen Prozessen sensibel und respektvoll mit Betroffenen umgegangen wird.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">F\u00fcr diese gesellschaftlichen L\u00f6sungen setzen wir uns ein:<\/span><br \/>\n1. Die Debatte \u00fcber sexualisierte Gewalt muss offen, kritisch und differenziert gef\u00fchrt werden. Dazu geh\u00f6rt die Analyse, Aufarbeitung und Bek\u00e4mpfung von soziokulturellen und weltanschaulichen Ursachen von Gewalt. Dringend muss auch \u00fcber Auswirkungen gesellschaftlicher Stigmatisierung von Betroffenen sexualisierter Gewalt gesprochen werden.<br \/>\n2. Betroffene sexualisierter Gewalt m\u00fcssen ernst genommen werden. Es darf keine T\u00e4ter_innen-Opfer-Umkehrung, wie in Form von Verhaltensregeln f\u00fcr Betroffene, und keine Verharmlosung geben.<br \/>\n3. Sexismus und Rassismus sind nicht Probleme \u201eder Anderen\u201d: Wir alle sind von struktureller Diskriminierung gepr\u00e4gt und m\u00fcssen erlernte Vorurteile erst einmal reflektieren, um sie abzulegen.<br \/>\n4. Wer Zeug_in von sexualisierter Gewalt und Sexismus wird, sollte nicht wegschauen, sondern eingreifen \u2013 von Hilfe und Beistand bei sexualisierten \u00dcbergriffen bis zum Einspruch gegen sexistische Spr\u00fcche, \u201eWitze\u201c oder Werbung.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">F\u00fcr diese medialen Ans\u00e4tze setzen wir uns ein: <\/span><br \/>\n1. Die mediale Berichterstattung \u00fcber sexualisierte Gewalt darf die Opfer nicht verh\u00f6hnen und die Taten nicht verschleiern. T\u00e4ter sollten nicht als \u201eSex-Gangster\u201d oder \u201eSex-Mob\u201d beschrieben \u2013 da sexualisierte Gewalt nichts mit Sex zu tun hat \u2013 und h\u00e4usliche Gewalt nicht als \u201eFamilien-\u201d oder \u201eBeziehungsdrama\u201d verharmlost werden.<br \/>\n2. Sexismus und andere Diskriminierungsformen m\u00fcssen als N\u00e4hrboden f\u00fcr sexualisierte Gewalt verstanden und als reale und bestehende Probleme anerkannt werden. Es muss ernst genommen werden, wie die mediale Darstellung u.a. weiblicher K\u00f6rper als Lustobjekte mit sexualisierter Gewalt verkn\u00fcpft ist. Sexismus darf weder im Alltag noch in der Werbung und in den Medien Platz haben.<br \/>\n3. Das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt darf nicht \u201eislamisiert\u201c und damit pauschal einer Religion und ihren \u2013 h\u00e4ufig vermeintlichen \u2013 Angeh\u00f6rigen zugeschrieben werden. Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter Generalverdacht gestellt. Redaktionen sollen rei\u00dferische und stigmatisierende Deutungen vermeiden, denn diese ziehen konkrete negative Folgen f\u00fcr Mitglieder unserer Gesellschaft nach sich.<br \/>\n4. Die Bildsprache ist frei von rassistischen und sexistischen Klischees zu halten. Bilder wirken unterbewusst und k\u00f6nnen selbst eine differenzierte Berichterstattung torpedieren.<br \/>\n5. Redaktionen m\u00fcssen vielf\u00e4ltiger werden. Nach wie vor sind nur ein Bruchteil der Journalist_innen in Deutschland nicht-deutscher Herkunft und Berufswege stehen vor allem Menschen mit formal hoher Bildung offen. M\u00e4nnlich, heterosexuell und wei\u00df dominierte Chefredaktionen tragen dazu bei, dass Themen, die andere Geschlechter, Ethnien und Minderheiten betreffen, nicht mit ausreichend Raum und Kompetenz behandelt werden.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Bitte <link http:\/\/ausnahmslos.org\/ - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">hier<\/link> unterzeichnen!<\/span><br \/>\n<span style=\"font-weight: bold; \">Verfasser_innen:<\/span>&nbsp;K\u00fcbra G\u00fcm\u00fc\u015fay, Anne Wizorek, Emine Aslan, Stefanie Lohaus, Teresa B\u00fccker, Keshia Fredua-Mensah, Gizem Ad\u0131yaman, Dudu K\u00fc\u00e7\u00fckg\u00f6l, Helga Hansen, Kristina Lunz, Nicole von Horst, Antje Schrupp, Sookee, Gesine Agena, Jasna Strick, Yasmina Banaszczuk, Lavinia Steiner, Katrin Gottschalk, Ninia LaGrande, Hengameh Yaghoobifarah, Makda Isak, Melahat Kisi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petition gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus, initiiert von feministischen Blogger_innen, Autor_innen und Aktivist_innen aus Deutschland nach den Attacken gegen Frauen zu Silvester in K\u00f6ln.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11549,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22869","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22869","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22869"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22869\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27566,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22869\/revisions\/27566"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22869"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22869"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22869"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}