{"id":22870,"date":"2016-01-13T14:07:00","date_gmt":"2016-01-13T13:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/sprache-hat-bedeutung\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:18","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:18","slug":"sprache-hat-bedeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/sprache-hat-bedeutung\/","title":{"rendered":"Sprache hat Bedeutung"},"content":{"rendered":"<p>Vor ein paar Wochen entstand eine Petition, die dazu aufruft, den Begriff \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c (mehr zum Begriff \u201eFl\u00fcchtling\u201c weiter unten) zum Unwort des Jahres zu bestimmen. Ich unterst\u00fctze diese Petition inhaltlich, auch wenn das Unwort dieses Jahr schon gew\u00e4hlt wurde.<br \/>\nWie wichtig es ist, \u00fcber die Begriffe zu sprechen, die wir zu Migrationsthemen verwenden, zeigt eben dieses Wort, \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c: <br \/>Erstens spielt die kritiklose \u00dcbernahme der Idee, dass der (eigentlich nicht so akute) Anstieg von Migrationsbewegungen gen Europa eine Krise darstellt, <span style=\"font-weight: bold;\">genau jenen in die H\u00e4nde<\/span>, welche schon immer die Konzepte <span style=\"font-style: italic;\">Migration<\/span> und <span style=\"font-style: italic;\">Fl\u00fcchtende*<\/span> (ich benutze den Stern als Ausdruck der vielen unterschiedlichen individuellen Formen&nbsp;von und Gr\u00fcnden&nbsp;f\u00fcr Migration) als <span style=\"font-weight: bold;\">problematisch<\/span> konnotiert haben. Diese kritiklose \u00dcbernahme eines Worts ist dann die implizite Akzeptanz eines Diskurses, welcher Migrant_innen* diskriminiert sowie <span style=\"font-weight: bold;\">rassistische und kulturalistische Kategorien von \u00dcberlegenheit<\/span> (die \u201eEingeborenen\u201c\/\u201cBeheimateten\u201c und ihre \u201eHeimat\u201c) und Unterlegenheit (die Menschen, welche nur aufgrund ihrer Existenz eine Krise darstellen).<br \/>\nZweitens <span style=\"font-weight: bold;\">naturalisiert<\/span> die Zuschreibung von Migrationsbewegungen als Krise die Vorstellung, dass Migration etwas unkontrollierbares, passives, eine <span style=\"font-weight: bold;\">Naturgewalt<\/span> ist, auf die <span style=\"font-weight: bold;\">nur reagiert<\/span> werden kann \u2013 dasselbe gilt f\u00fcr problematische Begriffe wie \u201eWelle\u201c,\u201eStrom\u201c und andere, welche im Zuge der medialen Debatte zu Fl\u00fcchtenden* verwendet wurden. Diese Naturalisierung <span style=\"font-weight: bold;\">verschleiert die aktive Rolle<\/span>, welche Europa, auf sehr verschiedene Arten, \u00f6konomisch und geo-politisch, in der Herbeif\u00fchrung und Mitbegr\u00fcndung der Migrationsursachen spielt. Ebenso, und genauso wichtig, verschleiert sie, wie <span style=\"font-weight: bold;\">Grenzregime und rassistische \u00f6ffentliche Diskurse aktiv Migration st\u00f6ren\/verhindern<\/span> und eine inklusive Kultur und Polity verhindern.<br \/>\nDrittens ist es von Bedeutung, <span style=\"font-weight: bold;\">wie wir zwischen Fl\u00fcchtenden* und Migrant_innen* unterscheiden<\/span>. Durch den Fokus auf die rechtliche Differenz zwischen den beiden Kategorien reproduzieren und <span style=\"font-weight: bold;\">verst\u00e4rken wir das Konzept von \u201eakzeptablen\u201c und \u201eunakzeptablen\u201c Migrant_innen*<\/span> &#8211; n\u00e4mlich dass Menschen, welche vor Krieg und Verfolgung fl\u00fcchten \u201elegitime\u201c Migrant_innen* sind. Solche, die aufgrund sozio-\u00f6konomischer Ungerechtigkeiten oder vielen, vielf\u00e4ltigen anderen Gr\u00fcnden fl\u00fcchten oder einfach auf der Suche nach besseren Chancen sind, werden in diesem Diskurs als \u201eillegitim\u201c abgestempelt. Ich m\u00f6chte hiermit nicht die von der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention gew\u00e4hrten Rechte und Verpflichtungen hinterfragen \u2013 mir geht es vielmehr um die gesellschaftliche Legitimit\u00e4t eines breiten Spektrums von Migrationsgr\u00fcnden.<br \/>\nHinzu kommt noch der problematische Begriff \u201eFl\u00fcchtling\u201c (\u201e-ling\u201c ist eine hierarchisierende Verkleinerungsform und es gibt kaum positiv konnotierte W\u00f6rter, die so enden) und, ohne es zu wissen\/zu wollen nehmen wir Teil an einem Diskurs, welcher daf\u00fcr verantwortlich ist \u2013 und dies <span style=\"font-weight: bold;\">jeden Tag immer wieder reproduziert<\/span> \u2013 die Grenzen, sowohl physisch als auch imaginiert, um Europa zu ziehen.<br \/>\nWenn uns <span style=\"font-weight: bold;\">Inklusion<\/span>, ein <span style=\"font-weight: bold;\">grenzenloses Europa<\/span> wichtig sind, wenn uns wichtig ist, uns unserer <span style=\"font-weight: bold;\">Privilegien und Verantwortung f\u00fcr eine ungerechte und manchmal sogar m\u00f6rderische europ\u00e4ische Politik bewusst zu sein<\/span>, dann m\u00fcssen wir in unseren Diskussionen auch das Thema Sprache einbeziehen und es \u2013 neben Bildung \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr Migration und die Gr\u00fcnde f\u00fcr die rassistischen Antworten auf Migration \u2013 zu einer Priorit\u00e4t machen.<br \/>\nWir m\u00fcssen <span style=\"font-weight: bold;\">wachsam sein und bleiben gegen\u00fcber den Ausdr\u00fccken und Begriffen, die wir Migrant_innen* zuschreiben<\/span>. Dar\u00fcber nachzudenken, wie und wo wir zwischen Migrant_innen* und Fl\u00fcchtenden* unterscheiden, ist ein guter Beginn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wir mit unserer Sprache zu Flucht und Migration bewusster umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11567,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22870","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-matthias-koetter"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22870"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27567,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22870\/revisions\/27567"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11567"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}