{"id":22889,"date":"2016-02-17T13:02:00","date_gmt":"2016-02-17T12:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/elisabeth-gauthier-franzoesin-oesterreicherin-europaeerin-weltbuergerin\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:24","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:24","slug":"elisabeth-gauthier-franzoesin-oesterreicherin-europaeerin-weltbuergerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/elisabeth-gauthier-franzoesin-oesterreicherin-europaeerin-weltbuergerin\/","title":{"rendered":"Elisabeth Gauthier \u2013 Franz\u00f6sin, \u00d6sterreicherin, Europ\u00e4erin, Weltb\u00fcrgerin"},"content":{"rendered":"<p>Es f\u00e4llt mir sehr schwer, offizielle Abschiedsworte zu sprechen, weil ich Elisabeth \u2013 oder Liesl, wie sie bei uns in \u00d6sterreich hie\u00df \u2013 seit mehr als 40 Jahren kenne. Gemeinsam sammelten wir \u2013 sie, die junge antifaschistische Lehrerin, aktiv im Bund Demokratischer Lehrer, und ich, der Vorsitzende des Kommunistischen Studentenverbands \u2013 die ersten Erfahrungen beim Bilden breiter politischer Allianzen.&nbsp;<br \/>\nAls Elisabeth nach Frankreich \u00fcbersiedelt und in das Zentralkomitee der PCF gew\u00e4hlt worden war, rissen die politische Verbindung zur alten Heimat und unsere pers\u00f6nliche Verbindung nicht ab.<br \/>\nEs gibt politische und ethische Themen, die uns in immer wandelnder Form durch das ganze Leben begleiten. Elisabeth Gauthiers Lebensthema war die in \u00d6sterreich im Zeichen des Kalten Kriegs und des Antikommunismus abgebrochene Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Durch die Aff\u00e4re Waldheim wurde dies zur europ\u00e4ischen Aff\u00e4re. So sehr sie die Indolenz des offiziellen \u00d6sterreich emp\u00f6rte, so sehr \u00fcberraschten und begeisterten sie die Demonstrationen, in denen im Jahr 2000 hunderttausende \u00d6sterreicher_innen gegen die Bildung der schwarz-blauen Regierung protestierten. Unerm\u00fcdlich berichtete sie in ihrer Wahlheimat \u00fcber dieses \u201eandere \u00d6sterreich\u201c, organisierte Begegnungen von Sch\u00fcler_innen und Student_innen, sprach auf Symposien und hielt Vortr\u00e4ge.<br \/>\nElisabeth war Franz\u00f6sin, \u00d6sterreicherin, Europ\u00e4erin und Weltb\u00fcrgerin: Auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre begegneten wir einander wieder, wo sie den Geist der Solidarit\u00e4t in der Vielfalt auf eine Weise lebte, wie dies wenige schaffen. Es folgten die Europ\u00e4ischen Sozialforen in Florenz, Paris und Athen, zu deren Erfolgen sie durch die Klarheit ihres eigenen Standpunkts und die F\u00e4higkeit, andere Meinungen zu respektieren und zu einer Synthese zu vereinigen, entscheidend beitrug.<br \/>\nIn Porto Alegre war es auch, wo sie mich, damals Herausgeber einer linken Wochenzeitung, in die Gr\u00fcndung des Netzwerks <i>transform!<\/i> einbezog.<br \/>\nAls Direktorin von Espaces Marx hatte Elisabeth Gauthier auch einen nicht geringen Anteil an der Gr\u00fcndung der Partei der Europ\u00e4ischen Linken, doch ihr bedeutendster europ\u00e4ischer Beitrag bestand in der Beteiligung an der Schaffung des Netzwerks <i>transform!<\/i>, dessen Vorstand sie bis zu ihrem Lebensende angeh\u00f6rte.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Als Autorin besch\u00e4ftigte sie zuletzt das Thema des alarmierenden Aufstiegs des Rechtspopulismus in Europa, dem sie ein mit Joachim Bischoff und Bernard M\u00fcller gemeinsam verfasstes B\u00fcchlein widmete. Die Schlussfolgerung, zu der sie gelangte, war keine bequeme. Im Rechtstrend erkannte sie die Unzul\u00e4nglichkeiten der politischen Linken bei der Beantwortung der enormen gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche in den entwickelten kapitalistischen Gesellschaften.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Sie begr\u00fc\u00dfte Syrizas Erfolg mit gro\u00dfem Enthusiasmus und zeigte sich trotz aller Schwierigkeiten und offenen Fragen mit der griechischen Linken solidarisch.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ihre Aufmerksamkeit \u2013 und dies war das Thema des gro\u00dfen Artikels, den sie in ihren letzten Lebenstagen fertigstellte \u2013 widmete sie zuletzt einer Strategie der radikalen Linken, die an die heutige Herausforderung angepasst ist. Mit diesem Artikel, den sie unter den Bedingungen ihres sich verschlechternden Gesundheitszustandes auf Franz\u00f6sisch und Deutsch fertigstellen konnte, hinterlie\u00df sie uns ein politisches Testament.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ich hatte das Privileg mit Elisabeth bis zu den letzten Momenten ihres wachen Lebens in Kontakt zu sein. Es waren ernste politische und pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che, die wir am Telefon f\u00fchrten, bisweilen aber auch leicht und heiter. Obwohl sie bis zuletzt gegen ihre Krankheit k\u00e4mpfte, war es doch ein vorsichtiger, langer Abschied. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir alle f\u00fchlen uns durch ihr Weggehen einsamer und \u00e4rmer. Es bleibt das Werk, und es bleibt die Erinnerung. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Liebe Elisabeth, als Kollegin, als Genossin und als Freundin wirst Du uns immer in Erinnerung bleiben.<\/span><br \/>\n+++<br \/>\nNachrufe und Kondolenzschreiben&nbsp;siehe&nbsp;<link http:\/\/www.transform-network.net\/blog\/blog-2016\/news\/detail\/Blog\/elisabeth-gauthier.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">hier<\/link>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. Februar verstarb Elisabeth Gauthier nach kurzer, schwerer Krankheit. Sie war Gr\u00fcndungsmitglied und Direktorin von Espaces Marx, Mitglied des Nationalkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs und Gr\u00fcndungs- und Vorstandsmitglied von transform! europe. Im Folgenden Walter Baiers Abschiedsrede bei Elisabeths Begr\u00e4bnis am 17. Februar in Corbeil-Essonnes.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22890,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22889","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-walter-baier-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22889"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27576,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22889\/revisions\/27576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}