{"id":22961,"date":"2016-04-20T09:17:00","date_gmt":"2016-04-20T07:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/franzoesische-gewerkschaften-gegen-das-arbeitsgesetz\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:29","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:29","slug":"franzoesische-gewerkschaften-gegen-das-arbeitsgesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/franzoesische-gewerkschaften-gegen-das-arbeitsgesetz\/","title":{"rendered":"Franz\u00f6sische Gewerkschaften gegen  das Arbeitsgesetz"},"content":{"rendered":"<h5><span lang=\"DE\">Ein Gesetz f\u00fcr Wettbewerb und Sozialdumping<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Im Allgemeinen \u00e4hnelt der Gesetzesentwurf seinen verschiedenen Pendants, die in anderen Staaten, haupts\u00e4chlich im europ\u00e4ischen S\u00fcden, bereits Anwendung finden: K\u00fcndigungen von Einzelpersonen und Massenentlassungen sollen durch das neue Arbeitsgesetz leichter durchzuf\u00fchren sein \u2013 ob diese nun wirtschaftlich motiviert sind oder nicht. Tarifvertr\u00e4ge und Arbeitnehmer_innenrechte werden durch die St\u00e4rkung von Betriebsvereinbarungen, mithilfe derer Arbeitszeiten verk\u00fcrzt und somit L\u00f6hne reduziert werden, eingeschr\u00e4nkt bzw. beschnitten. All dies geschieht vor dem Hintergrund ungebrochen hoher Arbeitslosigkeit. Das erwartete Wirtschaftswachstum ist haupts\u00e4chlich auf den gesunkenen \u00d6lpreis und den schwachen Euro zur\u00fcckzuf\u00fchren. Gleichzeitig werden in anderen Bereichen Verhandlungen gef\u00fchrt, wie etwa zum Thema Arbeitslosenversicherung, wof\u00fcr die Regierung wieder einmal die M\u00f6glichkeiten degressiver Ausgleichszahlungen erforscht. Wie gesagt, auch dies ist keine \u00dcberraschung, da \u00e4hnliche Reformen bereits andernorts durchgef\u00fchrt wurden.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Gespaltene Gewerkschaften<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Obwohl sie anfangs noch geeint auftraten, fanden sich die Gewerkschaften bald in zwei Str\u00f6mungen gespalten wieder<a href=\"file:\/\/\/T:\/newsletter\/2016\/3_2016\/DE%20Vroni\/Bericht%20Verveine%20Angeli%20DE%20final.docx#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup><span style=\"font-size:11.0pt; line-height:115%; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;\" lang=\"DE\">[1]<\/span><\/sup><\/sup><\/a>, wie wir sie nun die letzten Jahre \u00fcber kennen. Diese anf\u00e4ngliche Geschlossenheit sorgte zumindest daf\u00fcr, dass die Diskussionen der Gewerkschaften zu den komplexen Themen des Arbeitnehmer_innenrechts von Angestellten und jungen Menschen wahrgenommen wurden. Der Hauptgrund f\u00fcr die Spaltung r\u00fchrt daher, dass der moderatere Teil der Gewerkschaftsbewegung (der die Reform unterst\u00fctzt) darauf hofft, so dazu imstande zu sein, Betriebsvereinbarungen zu schlie\u00dfen. Aufgrund der gro\u00dfen Meinungsunterschiede ist es bisher oft unm\u00f6glich, Mehrheiten zu finden. Das neue Arbeitsrecht f\u00fchrte zu neuen Br\u00fcchen besonders innerhalb des CFDT (Franz\u00f6sischer Demokratischer Gewerkschaftsbund), der immer bei den Demonstrationen vertreten ist.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Durchstarten mit einer Petition der Au\u00dfenseiter_innen<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die Petition gegen das neue Arbeitsrecht schaffte es innerhalb weniger Tage, mehr als eine Million Unterst\u00fctzer_innen zu gewinnen. Sie verlieh jenen Gewerkschaften gr\u00f6\u00dfere Glaubw\u00fcrdigkeit, die sich am entschlossensten gegen das neue Gesetz stellten (CGT, FSU, FO, Solidaires und andere) und die au\u00dferdem schlau genug waren, nicht davon auszugehen, dass das Arbeitsrecht eine Materie sei, die allein die Gewerkschaften und Arbeitnehmer_innen betreffe. So haben wir die Entstehung einer breiten globalen Front erlebt, die Gewerkschaften, Internet-Aktivist_innen, Menschen an den R\u00e4ndern der Sozialistischen Partei und andere Aktivist_innen umfasst. Dieser ungew\u00f6hnlich erfolgreiche Schnellstart erm\u00f6glichte es, einen durchaus bedeutenden Anteil insbesondere junger Menschen zu mobilisieren: Studierende, Sch\u00fcler_innen, aber auch junge Menschen, die in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen stehen oder arbeitslos sind. Auch Angestellte kleiner Unternehmen sind unter ihnen, von denen manche zum ersten Mal vor zehn Jahren demonstriert hatten, als die Bewegung die Einf\u00fchrung des <i>contrat premi\u00e8re embauche<\/i> [Ersteinstellungsvertrag], einer neuen Art Arbeitsvertrag, der junge Menschen zu billigen Arbeitskr\u00e4ften machen sollte, verhinderte. All diese jungen Menschen, die bisher keine Ber\u00fchrungspunkte mit den Gewerkschaften hatten, nehmen seit Anfang M\u00e4rz an den Demonstrationen teil. Sie sind auch die Aktivist_innen hinter <i>Nuit Debout<\/i> (Demonstrationen, die die ganze Nacht \u00fcber dauern) und bedienen sich der Ideen freier K\u00fcnstler_innen, Aktivist_innen der Basisbewegungen, ehrenamtlicher Journalist_innen und sind vom Film <i>Merci patron!<\/i> inspiriert, der eine Art Ode an den Klassenkampf darstellt.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Was ist in diesem Zusammenhang die Rolle der Gewerkschaften?<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die Gewerkschaften, die sich gegen das neue Arbeitsrecht stellen, blieben trotz verschiedenster Man\u00f6ver seitens der Regierung, die besonders auf die Proteste der Studierenden und Sch\u00fcler_innen abzielten, als geeinte Front erhalten. Jungen Menschen wurden bedeutende Zugest\u00e4ndnisse gemacht; im Kern blieb das neue Arbeitsrecht jedoch unver\u00e4ndert. Derzeit stehen die Gewerkschaften vor der Herausforderung, einmal mehr ihre Basis, ihre Aktivist_innen und generell Arbeitnehmer_innen mobilisieren zu m\u00fcssen, obwohl noch vor wenigen Monaten niemand mit einer berufsgruppen\u00fcbergreifenden Bewegung gerechnet h\u00e4tte. Die gesellschaftliche Protestbewegung der Gegenwart wurde bisher von landwirtschaftlichen Bewegungen oder solchen der Taxifahrer_innen dominiert; dar\u00fcber hinaus gab es nur die bemerkenswerte Ausnahme des Handels, der sich gegen Sonntagsarbeit stellt, und des symbolischen Air France-Konflikts \u2013 Konflikte, die direkt mit den aktuellen Herausforderungen verbunden sind.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir sind also momentan mit der Situation konfrontiert, dass die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung das neue Arbeitsrecht zwar ablehnt, es sich aber gleichzeitig als schwierig darstellt, eine Massenmobilisierung und einen Streik der Arbeitnehmer_innen zu organisieren, um so der Gesetzes\u00e4nderung den Todessto\u00df zu versetzen. Die Gewerkschaften im \u00f6ffentlichen Sektor sind als Schwergewichte zwar dabei, aber viele Arbeitnehmer_innen dieses Bereichs bringen sich nicht aktiv ein, da sie von der Reform nicht pers\u00f6nlich betroffen sind. Die Gewerkschaften der Privatangestellten wollen zwar etwas bewirken, haben jedoch gro\u00dfen Nachholbedarf. Viele Unternehmen haben sich den Demonstrationen angeschlossen; noch sind es aber nicht genug.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Ein Netz des Widerstands<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Weder die gewerkschafts\u00fcbergreifende Kooperation \u00fcbernimmt heute eine leitende Rolle, noch eine bestimmte Berufsgruppe, die die Dauerhaftigkeit der Bewegung mit einem Streik demonstrieren k\u00f6nnte. Die heutige Situation ist Ausdruck eines kontinuierlichen Widerstands, der einer ganzen Anzahl von Bewegungen zuteil ist. Die gewerkschafts\u00fcbergreifende Kooperation vereint diese Bewegungen, indem sie zu einem berufsgruppen\u00fcbergreifenden Streik aufruft; die Demonstrationen der Studierenden und Sch\u00fcler_innen stellen ein weiteres Werkzeug dar. Einige Sektoren diskutieren, wie sie ihre unterschiedlichen Interessen besser kombinieren k\u00f6nnten (z.B. Diskussion zu den Tarifvertr\u00e4gen der Eisenbahnbediensteten), und \u00fcberlegen, mit einem ausgedehnten Streik einen Beitrag zu dieser Bewegung zu leisten. Die Nuit Debout-Demonstrationen ziehen in Paris, den Pariser Vororten und einer Anzahl anderer St\u00e4dte in der Region Aufmerksamkeit auf sich. Auch wenn sich diese Demonstrationen nun globaler Themen annehmen, die die Demokratie und gesellschaftlichen Wandel betreffen, gingen sie urspr\u00fcnglich aus der Bewegung gegen das neue Arbeitsrecht hervor. So wurden sie zu einem Ort des Austausches und der Ermutigung, an dem individuelle K\u00e4mpfe vereint werden. Eine solche Situation, kombiniert mit den institutionellen Problemen einer Regierung, die nur die Unterst\u00fctzung einer kleinen Minderheit im Land genie\u00dft, l\u00e4sst die M\u00f6glichkeit eines Sieges offen. Sie kennzeichnet auch die Ankunft einer neuen Generation auf der politischen und gesellschaftlichen B\u00fchne, die zuk\u00fcnftiges Engagement verspricht. Sie kann der Gewerkschaftsbewegung neues Leben einhauchen, wenn es Letzterer gelingt, die Kraft dieser neuen Generationen zu nutzen und ihre Forderungen und eigenst\u00e4ndige Denk- und Handlungsweise zu ber\u00fccksichtigen.<\/span><\/p>\n<div><span style=\"font-weight: bold;\">Anmerkung<\/span><br \/>\n<a name=\"_ftn1\"><\/a><link file:\/\/\/T:\/newsletter\/2016\/3_2016\/DE%20Vroni\/Bericht%20Verveine%20Angeli%20DE%20final.docx#_ftnref1><span lang=\"DE\">[1]<\/span><\/link><span lang=\"DE\">&nbsp;Die Rede ist hier einerseits vom&nbsp;CFDT, der CFTC, der CGC &nbsp;und der UNSA, und andererseits von der CGT, der FSU, FO und Solidaires.<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Verabschiedung ihrer x-ten Arbeitsrechtsreform rechnete die franz\u00f6sische Regierung mit einer durch innere K\u00e4mpfe und Niederlagen (besonders beim Thema Pensionen) zerm\u00fcrbten Gewerkschaftsbewegung. Wie falsch sie damit lag, zeigt sich jetzt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22962,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22961","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-verveine-angeli-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22961"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22961\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27588,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22961\/revisions\/27588"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}