{"id":22973,"date":"2016-03-30T10:43:00","date_gmt":"2016-03-30T08:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/produktion-und-commons\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:31","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:31","slug":"produktion-und-commons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/produktion-und-commons\/","title":{"rendered":"Produktion und Commons"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Der Workshop wurde am 11.-12. M\u00e4rz in Rom abgehalten und stellte ein zweites Treffen zum Thema Commons dar, ein Arbeitsschwerpunkt von transform! europe. Mehr als 30 Wissenschafter_innen, Aktivist_innen und Arbeiter_innen, sowie Personen mit Erfahrung im Bereich der Selbstverwaltung aus Griechenland, Frankreich, England, Bosnien, Kroatien, Serbien, Deutschland, Belgien, \u00d6sterreich, Italien, den USA und Argentinien nahmen an der Veranstaltung teil.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der Workshop wurde in den R\u00e4umlichkeiten von Officine Zero abgehalten, einem Symbol f\u00fcr den Kampf der Arbeiter_innen f\u00fcr die Erhaltung von Arbeitspl\u00e4tzen. Im Zuge des Workshops wurde das erste <b>eBook zum Thema Commons<\/b> pr\u00e4sentiert, das die Inputs des Treffens zum Thema \u201eSocial Reappropriation\u201c (\u201egesellschaftliche Wiederaneignung\u201c) umfasst. Es steht nun auf der Website von <span style=\"font-style: italic;\">transform! europe<\/span> zum <link de\/publikationen\/publications-2016\/news\/detail\/Publications\/socialisation-and-commons-in-europe.html>Download<\/link> bereit.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Wovon sprechen wir?<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">An den beiden Tagen fanden vier Sitzungen statt. Die erste Sitzung mit dem Titel \u201eWovon sprechen wir?\u201c umfasste Beitr\u00e4ge von Dario Azzellini (Universit\u00e4t Linz, \u00d6sterreich), Gianni Rinaldini (Stiftung Claudio Sabattini, Italien), Andres Ruggeri (Universidad de Buenos Aires, Argentinien), Theo Karyotis (Solidarit\u00e4tsnetzwerk Vio.Me, Griechenland), Yannis Barkas (Solidarity4All, Griechenland), Marina Sitrin (CUNY, USA) und Aloscia Castronovo (Wissenschafterin und Mitglied des Solidarit\u00e4tsnetzwerk der Officine Zero, Italien).<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">In dieser ersten Sitzung ging es darum, die Beziehung zwischen Arbeit und Commons zu beschreiben, wobei man von den Erfahrungen ausging, die in selbstverwalteten Fabriken gemacht wurden. Viele K\u00e4mpfe im Bereich der Commons kreisen um die Produktion von Konsumg\u00fctern (etwa Energie oder Wasser) oder Agrarerzeugnisse. Welche k\u00f6nnten die Kriterien bei der Definition eines Commons im Bereich Produktion sein?<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir begannen mit den Erfahrungswerten aus Argentinien, die Andres Ruggeri (Universidad de Buenos Aires) im Rahmen seines Beitrags darlegte. Er erl\u00e4uterte das Ph\u00e4nomen der \u201ezur\u00fcckeroberten Fabriken\u201c, von denen es in Argentinien nun mehr als 300 gibt. Ruggeri erkl\u00e4rte, dass diese Betriebe nicht von der Wirtschaftskrise betroffen seien, sondern zu einer Form der Alternativwirtschaft geh\u00f6rten. <br \/> In Europa gibt es nur wenige solcher \u201ezur\u00fcckeroberten\u201c Unternehmen (Griechenland: Vio.Me, Italien: RiMaflow und Officine Zero, Frankreich: La Fabrique du Sud und SCOP TI). Der Wille der Arbeiter_innen zur Weiterf\u00fchrung eines insolventen Unternehmens als Genossenschaft besteht jedoch durchaus h\u00e4ufig. Auch wenn diese Umwandlung eher einer Unternehmens\u00fcbernahme \u00e4hnelt, illustriert dieses Ph\u00e4nomen das starke Bestreben der Arbeiter_innen, die Ressourcen zu kontrollieren, um ihre Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Auf der Basis der Erfahrungen im kleinen Rahmen kann man nat\u00fcrlich kein gro\u00dfangelegtes industrielles Modell entwickeln. Diese Erfahrungen kritisieren allerdings das bestehende Modell, das es auf unserem Kontinent nicht schafft, Grundrechte und Arbeitspl\u00e4tze zu garantieren.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Gro\u00dfe Industrieunternehmen, die Teil eines vergesellschafteten Produktionsprozess waren und oft vom Staat gef\u00fchrt wurden, sind nun oft Gegenstand von Privatisierungen und anschlie\u00dfender Stilllegung. Selbstverwaltung stellt eine Alternative und ein anderes Wirtschaftsmodell dar, das eine Beziehung zwischen Menschen und einen kooperativen Raum erm\u00f6glicht, basierend auf der Achtung der Umwelt und der menschlichen Beziehungen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Zur\u00fcckerobern ist nicht einfach<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die zweite Sitzung mit dem Titel \u201eZur\u00fcckerobern ist nicht einfach\u201c umfasste Beitr\u00e4ge von Benoit Borrits (Association pour l&#8217;Autogestion, Frankreich), Theodora Kotsaka (Nicos Poulantzas Institut, Griechenland), Nefeli Rea Tzanetakou (ENKLO), Ilektra Bethymouti (Arbeitsmedizinisches Zentrum von Vio.Me, Griechenland), Nina Rajkovic (Organisation f\u00fcr Arbeiterinitiativen und Demokratisierung, Kroatien), Vida Knezevic und Marko Miletic (Kontekst Collective, Serbien), Emin Eminagic (Radnicki Universitat, Bosnien), Jasmina Husanovic (Arbeiter_innenuniversit\u00e4t Tuzla), Emina Busuladizic (DITA in Tuzla, Bosnien) und Aloscia Castronovo (Officine Zero, Italien).<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Im Zuge dieser Sitzung wurde dar\u00fcber diskutiert, dass die \u00dcbernahme eines Unternehmens durch die Arbeiter_innen oft in einem rauen und wirtschaftlich schwierigen Kontext vonstattengeht. Der Impuls zur Selbstverwaltung entsteht h\u00e4ufig nach einer tats\u00e4chlichen Firmenpleite; oftmals aber auch als Reaktion auf die absichtliche Schlie\u00dfung einer Fabrik durch die kapitalistisch handelnde Unternehmensf\u00fchrung. In einem solchen Zusammenhang kann eine Unterbrechung der Unternehmensaktivit\u00e4ten und Produktion zu einem Verlust von Kund_innen bzw. firmeninterner Expertise f\u00fchren. Das bedeutet, dass die Arbeitnehmer_innen Schwierigkeiten dabei haben werden, verlorene M\u00e4rkte zur\u00fcckzugewinnen und neue Kund_innen zu finden. Dar\u00fcber hinaus sind Arbeitergenossenschaften bei Banken nicht gern gesehen, was es ihnen erschwert, Kredite zur Unternehmensfinanzierung zu bekommen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Wie man Commons schafft<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die dritte Sitzung mit dem Titel \u201eWie man Commons schafft\u201c umfasste Beitr\u00e4ge von Elisabetta Cangelosi (Bef\u00fcrworterin der interfraktionellen Gruppe zu Commons im EP, Italien), Francine Mestrum (Global Social Justice, Belgien), Alan Tuckman (Workers\u2019 Control, UK), Massimo de Angelis (Professor f\u00fcr politische \u00d6konomie an der University of East London, UK), Yannis Barkas (Solidarity4All, Griechenland), Elisa Gigliarelli (Officine Zero, Italien) und Orestis Varkarolis (Netzwerk der Arbeitergenossenschaften Athen, Griechenland).<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">W\u00e4hrend dieser Sitzung wurde diskutiert, inwiefern Arbeiter_innengenossenschaften weder selbstverwaltete Unternehmen darstellen, noch ihr Output tats\u00e4chlich zu den Commons z\u00e4hlt. Diese Art der Organisation ist eine Mischform, die im Privateigentum verankert ist, auch wenn sie einige Regeln des Kapitalismus bricht, denn nur Mitglieder der Kooperative k\u00f6nnen w\u00e4hlen und nicht alle Arbeiter_innen. Wie dies auch von verschiedenen Schriftsteller_innen betont wurde, sind Arbeiter_innengenossenschaften auf einen Markt angewiesen, um zu \u00fcberleben, was sie in eine Reihe mit ihren kapitalistischen Mitbewerber_innen stellt. \u00dcber Jahre hinweg wurden daher Konsumgenossenschaften als L\u00f6sung des Problems angesehen. In Italien haben sich diese jedoch nicht gem\u00e4\u00df ihrem urspr\u00fcnglichen Gedanken entwickelt, werden oft von Kriminellen infiltriert und behandeln Arbeiter_innen oft schlechter als kapitalistisch funktionierende Unternehmen. <\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">In Richtung einer offensiven Strategie<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die letzte Sitzung mit dem Titel \u201eIn Richtung einer offensiven Strategie\u201c umfasste die Beitr\u00e4ge von Chantal Delmas (Espaces Marx, Frankreich), Anna Curcio (Universit\u00e4t Bologna, Italien), Birgit Daiber, Tomasone Federico (Rosa Luxemburg Stiftung, Br\u00fcssel), Benoit Borrits (Association pour l&#8217;Autogestion, Frankreich) und Alessandro Splendori (Officine Zero, Italien).<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Beitr\u00e4ge drehten sich um die Tatsache, dass Unternehmens\u00fcbernahmen durch Arbeiter_innen stets aus einer defensiven Position <a name=\"_GoBack\"><\/a>heraus vollzogen werden, n\u00e4mlich um Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten. Diese \u00dcbernahmen beweisen, dass Arbeit ohne Chef_innen und Gesellschafter_innen keine Utopie ist. Au\u00dferdem zeigt sich, dass Arbeiter_innengenossenschaften widerstandsf\u00e4higer und im Durchschnitt erfolgreicher sind als andere Unternehmen. Diese \u00dcbernahmen bieten also eine unmittelbare M\u00f6glichkeit, den Kapitalismus zu umgehen und kapitalistisch funktionierende Unternehmen abzuschaffen. Allein die Frage bleibt offen, wie wir aus der defensiven Rolle in eine offensive Rolle schl\u00fcpfen k\u00f6nnen, um so dem Kapitalismus ein Ende zu setzen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Fazit<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">In allen Sitzungen regten die Beitr\u00e4ge offene Diskussionen an und st\u00e4rkten die Verkn\u00fcpfung zwischen den unterschiedlichen europ\u00e4ischen Erfahrungswerten. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Einer der Hauptpunkte, der aus der Debatte hervorging, ist, dass diese Erfahrungen breite Kritik an einem Wirtschaftssystem \u00e4u\u00dfern, das den Arbeitenden&nbsp;die Last der globalisierten kapitalistischen Akkumulation auferlegt hat.&nbsp;<\/span><br \/>\nEin weiterer Aspekt, den die Commons st\u00e4rken k\u00f6nnen, ist der Kampf gegen die Fragmentierung der Arbeitswelt und f\u00fcr eine gesellschaftliche Neuordnung, um so gen\u00fcgend Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und ein wirksames Gegengewicht zur Macht der Finanz darstellen zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<span lang=\"DE\">Gegen Ende des Workshops wurde der Vorschlag vorgebracht, diesen Dialog mit den Repr\u00e4sentant_innen der Arbeitswelt fortzuf\u00fchren, angefangen bei den Gewerkschaften. Der n\u00e4chste Workshop soll in Br\u00fcssel stattfinden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wie bereits nach dem Seminar zur gesellschaftlichen Wiederaneignung m\u00f6chten wir die Beitr\u00e4ge der Redner_innen sammeln und im Rahmen eines zweiten <span style=\"font-style: italic;\">transform!<\/span> Commons eBook ver\u00f6ffentlichen.<\/span><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7bPgjU6ZIMU?list=PLnZfFw4qyshO18KxGoAAn0uQCI9wJ-Gt5\" frameborder=\"0\" height=\"315\" width=\"560\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge eines zweit\u00e4gigen Workshops diskutierten Aktivist_innen und Sozialwissenschafter_innen aus ganz Europa konkrete M\u00f6glichkeiten zur \u00dcberwindung der kapitalistischen Organisation der Produktion und die Selbstverwaltung von Fabriksarbeiter_innen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22974,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-22973","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-roberto-morea-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22973"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27590,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22973\/revisions\/27590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}