{"id":23041,"date":"2016-08-01T12:42:00","date_gmt":"2016-08-01T10:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/linke-in-europa-werden-aktiv-gegen-energiearmut\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:36","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:36","slug":"linke-in-europa-werden-aktiv-gegen-energiearmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/linke-in-europa-werden-aktiv-gegen-energiearmut\/","title":{"rendered":"Linke in Europa werden aktiv gegen Energiearmut"},"content":{"rendered":"<p>Im Hinblick auf die Energiepolitik in Europa verspricht das kommende Jahr viel Spannung und intensive Auseinandersetzungen um die zuk\u00fcnftige Ausrichtung der Energiewende in Europa. Mit der \u00dcberarbeitung der Erneuerbare Energien Richtlinie (Ende 2016) und einem Entwurf der EU-Kommission zur Neugestaltung des Energiemarktdesign werden sich bestehende Auseinandersetzungen \u00fcber die Schaffung des EU-Energiebinnenmarkts (vgl. Fiedler 2015a) weiter zuspitzen.<br \/>\nDie Europ\u00e4ische Kommission plant das politische Projekt des EU-Energiebinnenmarkts zu vertiefen und die daf\u00fcr notwendigen Barrieren, allen voran die national unterschiedlichen F\u00f6rdermodelle, Subventionen und Preisregulierungen, zu \u00fcberwinden, sowie Standards- und Marktzugangsregeln anzugleichen und die grenz\u00fcberschreitende Energieinfrastruktur auszubauen. Ziel ist ein gemeinsamer Markt, in dem Strom und Gas ungehindert als Ware \u00fcber staatliche Grenzen hinweg gehandelt werden k\u00f6nnen. So soll sowohl die Versorgungssicherheit garantiert, als auch die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Nachhaltigkeit von der Energieproduktion bis hin zum Endverbrauch gef\u00f6rdert werden.<br \/>\nGleichzeitig geht es der fossilen Energiewirtschaft darum, im Rahmen des Energiebinnenmarkts europaweit Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkte f\u00fcr nukleare und fossile Energien zu etablieren, die zumindest f\u00fcr die nahe Zukunft die aufstrebenden erneuerbaren Energien&nbsp; bremsen und die eigenen Profite absichern sollen. Durch die Anpassung des Erneuerbaren Energien Gesetzes in Deutschland durch die schwarz-rote Bundesregierung kommt es in Deutschland schon jetzt dazu, dass die Erneuerbaren in ihrer Entwicklung ausgebremst werden. Betroffen sind insbesondere Projekte auf lokaler Ebene. Doch auch die Forschungsinvestitionen in Technologie gehen insgesamt zur\u00fcck. <span style=\"font-weight: bold;\">In diesem Kontext haben die Rosa-Luxemburg Stiftung Br\u00fcssel und DIE LINKE-Delegation im Europaparlament, unter Teilnahme des Netzwerks transform! europe, zur <link http:\/\/www.transform-network.net\/de\/kalender\/calendar-2016\/news\/detail\/Calendar\/the-future-of-renewables-and-the-electricity-market-in-the-european-union.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">strategischen Diskussion<\/link> \u00fcber die Europ\u00e4ische Energieunion geladen.<\/span><\/p>\n<h5>ERSTE SCHRITTE IN RICHTUNG EINES LINKEN NETZWERKS ZU EUROP\u00c4ISCHER ENERGIEPOLITIK<\/h5>\n<p>Ein zentrales Problem in den Auseinandersetzungen \u00fcber Energiepolitik auf europ\u00e4ischer Ebene ist, dass es den fortschrittlichen sozialen und \u00f6kologischen Kr\u00e4ften an einer gemeinsamen energiepolitischen Vision mangelt. Dabei w\u00e4re ein gemeinsames strategisches Vorgehen bei den anstehenden Konflikten \u00fcber die Europ\u00e4ische Energieunion und den Energiebinnenmarkt dringend erforderlich, um die Energiewende in Europa zuk\u00fcnftig nicht allein an den Interessen der gro\u00dfen Konzerne auszurichten.<br \/>\nIn dieser Hinsicht war der Workshop ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Kreis der Teilnehmenden deckte eine gro\u00dfe Spannbreite ab: So waren mit Cornelia Ernst von der LINKEN, Neoklis Sylikiotis von der zypriotischen AKEL und den spanischen Abgeordneten Paloma L\u00f3pez Bermejo von Izquierda Unida und Xabier Benito Ziluaga von Podemos, mehrere Abgeordnete des Europ\u00e4ischen Parlaments aus der linken GUE\/NGL-Fraktion vertreten. Ebenso nahm Eva-Bulling-Schr\u00f6ter als Energie- und Klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag sowie weitere energiepolitische Expert_innen von der deutschen LINKEN, der d\u00e4nischen Rot-Gr\u00fcnen Einheitsliste, der griechischen Syriza, der franz\u00f6sischen Parti de Gauche, der ungarischen Linkspartei und der \u00f6sterreichischen KP\u00d6 an der Diskussion teil. Zus\u00e4tzlich beteiligten sich zahlreiche Vertreter_innen zivilgesellschaftlicher Organisation an dem Workshop, unter anderem waren die NGOs Greenpeace, Friends of the Earth, Oxfam, Corporate Europe Observatory und die European Consumer Organisation (BEUC), sowie der Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbund (ETUC) und der Europ\u00e4ische Gewerkschaftsverband f\u00fcr den \u00d6ffentlichen Dienst (EPSU), vertreten. Mit einem Vertreter der European Renewable Energies Federation (EREF), waren auch die \u2018gr\u00fcne Kapitalfraktion\u2019 (vgl. Haas\/Sander 2013, Fiedler 2015b) der Erneuerbaren Energiewirtschaft an der Diskussion beteiligt.<br \/>\nIn den aufkommenden Diskussionen zeigte sich, in welchen Fragen eine gemeinsame Allianz m\u00f6glich erscheint und wo Differenzen in den Interessen und Zielen bzgl. der Ausgestaltung der EU-Energiepolitik liegen. Diskutiert wurde anhand eines Positionspapiers (ein sogenanntes non-paper) der vier anwesenden Europaabgeordneten der GUE\/NGL-Fraktion. Dabei standen die Fragen im Vordergrund, wie sich die linke Fraktion im Europaparlament in Bezug auf das neue Energiemarktdesign und die \u00dcberarbeitung der Erneuerbare Energien Richtlinie positionieren sollte und wie L\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderungen der Energiearmut sowie den Ausstieg aus der Kohleverstromung aussehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<h5>ENERGIEWENDE VON LINKS GEGEN ENERGIEARMUT<\/h5>\n<p>Laut der Abgeordneten Cornelia Ernst haben bis zu 125 Millionen Menschen in der EU Probleme, ihre Energierechnung zu bezahlen. Bis zu 12 Prozent der EU-B\u00fcrger_innen sind von Energiearmut betroffen. F\u00fcr den Abgeordneten Neoklis Sylikiotis ist das grundlegende Problem, dass Energie unter der herrschenden europ\u00e4ischen Politik immer mehr zur Ware wird. Aus einer linken Perspektive sollte Energie aber ein Gemeinschaftsgut sein. Ziel ist deshalb, einen gleichberechtigten Zugang aller zu Energie zu garantieren, um Energiearmut wirksam zu bek\u00e4mpfen. Von mehreren Seiten wurde daher betont, dass eine soziale und \u00f6kologische Energiewende nur gegen die Interessen der multinationalen Energiekonzerne umgesetzt werden kann. Dabei muss aber auch darauf geachtet werden, dass die Energiewende selbst nicht von den gro\u00dfen Energiekonzernen vereinnahmt wird, wie der Klimaaktivist Fabian H\u00fcbner in seinem Input betonte.<br \/>\nEiner der gr\u00f6\u00dften Konflikte \u00fcber die europ\u00e4ische Energiepolitik ist der \u00fcber die H\u00f6he und Verbindlichkeit von gemeinsamen Zielen zum Ausbau von erneuerbaren Energien. W\u00e4hrend sich die EU Staats- und Regierungschefs lediglich darauf verst\u00e4ndigten, den Anteil am Energiekonsum von Erneuerbaren bis 2030 auf 27 Prozent zu steigern, setzt sich das Europ\u00e4ische Parlament f\u00fcr ein verbindliches Minimumziel von 30 Prozent ein. Insbesondere linke Kr\u00e4fte k\u00e4mpften allerdings f\u00fcr ein weitaus h\u00f6heres verbindliches Ziel von 40 Prozent erneuerbare Energien&nbsp;bis zum Jahr 2030.<br \/>\nBesteht im Hinblick auf die Notwendigkeit einer schnellen Energiewende gro\u00dfe Einigkeit, so bleibt doch umstritten, wer aus einer linken Perspektive die Tr\u00e4ger der Energiewende sein sollten. W\u00e4hrend z.B. J\u00f6rg M\u00fchlenhoff von der Verbraucherorganisation BEUC vor allem eine aktivere Rolle von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern in der Energiewende als sogenannte &#8216;Prosumenten&#8217; (= Wortsch\u00f6pfung aus Produzenten und Konsumenten) betonte und ein Recht auf Marktpartizipation einforderte, machten die Vertreter des Gewerkschaftsverbunds EPSU sowie die Energieexperten von Syriza und der Parti de Gauche die Rolle von staatlich-kontrollierten Unternehmen stark. Im Zuge der von der EU-Troika verlangten Austerit\u00e4tspolitik in Griechenland ist die Verteidigung der \u00f6ffentlichen Kontrolle \u00fcber die Energiekonzerne die einzige M\u00f6glichkeit um zu verhindern, dass noch mehr Menschen von der Energieversorgung ausgeschlossen werden, wie Giorgos Chondros von Syriza betonte.<br \/>\n\u00dcbereinstimmung bestand darin, dass es ein Recht auf Energie geben sollte und Energie als Gemeinschaftsgut und nicht als Ware gedacht wird. Die Rolle von Public-Private-Partnerships in der Energiewende, die im Input von Dirk Hendricks von dem Energiewirtschaftsverband EREF angesprochen wurde, war kein Gegenstand der Diskussion. Nahezu Konsens in der Diskussion war daher auch, dass eine weitere Privatisierung und Deregulierung des Energiesektors verhindert werden muss. Gemeinsam gefordert wurde eine \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge anstatt Profitorientierung. Das kann zumindest theoretisch sowohl durch lokale Energiedemokratie-Projekte, kommunale Stadtwerke, aber auch durch Energiekonzerne unter staatlicher Kontrolle garantiert werden. Der Abgeordnete Xabier Benito Ziluaga machte in diesem Zusammenhang allerdings deutlich, dass die Liberalisierung im Zuge der Binnenmarktintegration genau diese Ans\u00e4tze bedroht. Er schlug deshalb vor, dass EU-Mittel zur F\u00f6rderung von B\u00fcrgerenergie zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen.<br \/>\nOffen blieb allerdings die Frage, ob es versucht werden sollte, das Projekt des Energiebinnenmarkts durch gezielte Intervention sozialer zu gestalten, wie von der NGO Client Earth gefordert, oder ob das politische Projekt des Energiebinnenmarkts stattdessen als Ganzes abgelehnt werden sollte, da unter den bestehenden Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen jede weitere Europ\u00e4isierung und Zentralisierung in Energiefragen ein Schritt in die falsche Richtung w\u00e4re. Auf die ungleiche strukturelle Machtverteilung in den EU-Staatsapparaten machte dann auch Pascoe Sabido von Corporate Europe Observatory aufmerksam, der vorrechnete, dass 71 Prozent aller Treffen des EU-Energieministers und des Vizeminister der Energieunion im letzten Jahr mit Vertreter_innen der Unternehmens- und Industrielobby stattfanden. Davon haupts\u00e4chlich mit Sektor-Organisationen und Konzernen, die dem Lager der \u201agrauen Kapitalfraktionen\u2018, also der nuklearen und fossilen Energiewirtschaft zuzurechnen sind.<\/p>\n<h5>KOHLEAUSSTIEGSGESETZ STATT KAPAZIT\u00c4TSM\u00c4RKTE<\/h5>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurde \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Energie-Mix in Europa diskutiert. Es wurde darauf verwiesen, dass nach Art. 194(2) AEUV der nationale Energie-Mix der Verantwortung der Mitgliedstaaten unterliegt. Laut der Europaabgeordneten Cornelia Ernst macht eine gemeinsame Energieunion daher nur Sinn, wenn man sich dieser Herausforderung stellt. Trotz der g\u00fcltigen prim\u00e4rrechtlichen Bestimmungen haben die energiepolitischen Entscheidungen auf europ\u00e4ischer Ebene allerdings schon jetzt einen gro\u00dfen Einfluss auf den nationalen Energie-Mix. So w\u00fcrde eine europ\u00e4ische Einigung in Bezug auf Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkte dazu f\u00fchren, dass die \u201agrauen Kapitalfraktionen\u2018 (siehe oben) massiv gest\u00e4rkt werden w\u00fcrden. Die Energiewende w\u00fcrde noch st\u00e4rker ausgebremst werden. Anstelle von Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkten f\u00fcr nukleare und fossile Energie forderten die Teilnehmenden deshalb ein Kohleausstiegsgesetz.<br \/>\nDass die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse f\u00fcr diesen Schritt allerdings noch weiter verschoben werden m\u00fcssen, zeigt das Scheitern des geplanten Klimaschutzbeitrags f\u00fcr Kohlekraftwerke in Deutschland, welches laut der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schr\u00f6ter auf Druck der Industriegewerkschaft BCE und der fossilen Energiewirtschaft verhindert wurde. Vertreter der europ\u00e4ischen Gewerkschaften ETUC und EPSU wiesen deshalb auch darauf hin, dass die Interessen der Besch\u00e4ftigten in der nuklearen und fossilen Energiewirtschaft nicht au\u00dfen vor gelassen werden d\u00fcrften in strategischen \u00dcberlegungen. Training und Weiterbildungsma\u00dfnahmen w\u00fcrden da nicht gen\u00fcgen, vielmehr braucht es einen europ\u00e4ischen Fonds f\u00fcr den notwendigen Strukturwandel im Sinne einer &#8216;just transition&#8217;. Insgesamt fehlt es an einem sozialen Dialog und einer Industriepolitischen Strategie in Bezug auf Energiefragen. Dabei geht es nicht nur um Jobs in der fossilen Industrie und Energiewirtschaft, sondern um den Arbeitsmarkt als Ganzes. Schlie\u00dflich ist die Art und Weise, wie wir produzieren und leben, auch davon gepr\u00e4gt, welche Energieressourcen wir nutzen. In Bezug auf das neue Energiemarktdesign und die geplante Dekarbonisierng wurde vorgeschlagen, auf eine Evaluierung der Folgeabsch\u00e4tzung in Bezug auf Besch\u00e4ftigung zu bestehen.<br \/>\nTara Connolly von Greenpeace betonte, dass es in Bezug auf die Auseinandersetzung um Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkte einen guten Kompromiss ben\u00f6tigt. Die Strategie sollte sein, Atom- und Kohlestrom aus dem Energiemarkt zu dr\u00e4ngen. Auch der Vertreter von EREF sprach sich f\u00fcr einen regulierten Auslauf der fossilen Energietr\u00e4ger aus. \u00dcber die Rolle von Gas im zuk\u00fcnftigen Energie-Mix wurde hingegen \u00fcberraschend wenig gesprochen. Corporate Europe Observatory merkte beil\u00e4ufig an, dass seit zwei Jahren vermehrt Treffen zwischen Vertreter_innen der gr\u00fcnen Kapitalfraktionen und der Gasindustrie stattfinden; das k\u00f6nnte zumindest ein Indiz f\u00fcr zuk\u00fcnftige B\u00fcndnisse sein jenseits von linken Strategieoptionen.<br \/>\nZwar waren sich alle Teilnehmenden darin einig, dass die zuk\u00fcnftige Energieversorgung Europas ma\u00dfgeblich von erneuerbaren Energien gepr\u00e4gt sein sollte, allerdings gab es unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen dar\u00fcber, welche Energietr\u00e4ger denn als erneuerbar klassifiziert werden sollten und ob vor allem dezentral oder zentral ausgelegte Anlagen gef\u00f6rdert werden sollten. In Bezug auf die Frage nach der richtigen Technologie machte Marc-Olivier Herman von Oxfam sich daf\u00fcr stark, dass Biokraftstoffe nicht mehr als erneuerbare Energietr\u00e4ger im Sinne der Richtlinie gelten sollten. So w\u00fcrden diese die Treibhausgase sogar erh\u00f6hen und bestehende Konflikte \u00fcber Land nicht nur im globalen S\u00fcden anheizen. Auch die Konkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln wurde hervorgehoben. Jean-Claude Simon, Energieexperte von der Parti de Gauche, betonte hingegen in einem schriftlichen Kommentar die Rolle von Biogas f\u00fcr den Verkehrssektor. Mit der franz\u00f6sischen Perspektive eines sehr hohen Anteils an Atomstrom im Energie-Mix, sprach sich der Vertreter der franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei daf\u00fcr aus, die wichtige Rolle zu ber\u00fccksichtigen, die Atomstrom derzeit (noch) spielt. An dieser Stelle wird deutlich, dass es noch einigen Diskussionsbedarf auch innerhalb der linken GUE\/NGL-Fraktion im Europaparlament gibt.<\/p>\n<h5>ZENTRALE ERGEBNISSE DES WORKSHOPS<\/h5>\n<p>Nichtsdestotrotz wurden in der Abschlussdiskussion die Gemeinsamkeiten deutlich gemacht. So wurde erkl\u00e4rt, dass eine gemeinsame energiepolitische Vision nicht an einem liberalisierten EU-Energiebinnenmarkt orientiert sein sollte, in dem vor allem die Interessen der gro\u00dfen Energiekonzerne eingeschrieben sind. Stattdessen sollte eine linke Vision auf ein demokratisch kontrolliertes, dezentrales Energiesystem abzielen. Dabei stellt sich die entscheidende Frage, mit welchen Strategien diese Vision verwirklicht werden kann und welche m\u00f6glichen Allianzen geschmiedet werden k\u00f6nnen, um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen. \u00dcbereinstimmend wurde die Herausforderung der steigenden Energiearmut als ein entscheidendes Thema identifiziert, um soziale und \u00f6kologische Kr\u00e4fte und Interessen zusammenzubringen.<br \/>\nAn praktischen Schritten wurde hier hervorgehoben, dass \u00f6ffentliche Investitionen und Mittel aus dem EU-Koh\u00e4sionsfonds genutzt werden k\u00f6nnen, um die Energiearmut zu bek\u00e4mpfen, z.B. durch die F\u00f6rderung von Energieeffizienz im Bausektor. Au\u00dferdem wurde \u00fcber einen kostenfreien Basistarif f\u00fcr jeden Haushalt diskutiert, wobei hier angebracht wurde, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen h\u00e4ufiger einen h\u00f6heren Energieverbrauch aufweisen, aufgrund niedrigerer Energieeffizienz. Dadurch w\u00fcrden sie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig st\u00e4rker belastet werden. Die Alternative hierzu w\u00e4re ein Aussetzen der Steuer auf Energie f\u00fcr Haushalte mit niedrigem Einkommen. F\u00fcr die linken Kr\u00e4fte wird es allerdings trotz guter Ideen eine schwierige Aufgabe, Mehrheiten f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Energiearmut zu organisieren. So wurde ein Abschnitt zu Energiearmut aus dem am 23. Juni 2016 im Europaparlament beschlossenen Fortschrittsbericht \u201eErneuerbare Energiequellen\u201c mehrheitlich abgelehnt, wie die zust\u00e4ndige Berichterstatterin Paloma Lopez Bermejo der GUE\/NGL-Fraktion erkl\u00e4rte.<br \/>\nAls n\u00e4chste Schritte wurden deshalb vereinbart, das Positionspapier der vier Europaabgeordneten der linken GUE\/NGL-Fraktion weiterzuentwickeln und damit die gemeinsame Diskussion fortzusetzen mit dem Ziel, sich zun\u00e4chst innerhalb der GUE\/NGL auf eine Strategie zu verst\u00e4ndigen und mittelfristig eine gemeinsame Vision zu erarbeiten, um f\u00fcr die kommenden Auseinandersetzungen \u00fcber die Energieunion und den Energiebinnenmarkt handlungsf\u00e4hig zu sein. Au\u00dferdem wurde beschlossen, eine europ\u00e4ische Arbeitsgruppe zu Energiearmut zu gr\u00fcnden. Neben dem Fokus auf die parlamentarischen Vorhaben wird es allerdings mindestens genauso wichtig werden, eine gesellschaftliche Mehrheit f\u00fcr eine sozial-\u00f6kologische Energiewende zu formen. Der Strategie-Workshop war daher einer von vielen notwendigen Schritten.<br \/>\n<b>Verweise:<br \/> <\/b>&#8211; Fiedler, Malte (2015a).&nbsp;<link http:\/\/de.rosalux.eu\/publikationen\/die-entstehung-des-eu-energiebinnenmarktes\/ _blank - \"Opens internal link in current window\">The Making of the EU Internal Energy Market<\/link>. Policy Paper, Rosa-Luxemburg-Stiftung Brussels Office.<br \/> &#8211; Fiedler, Malte (2015b). When the Windmill Turns: From Renewable Power to Shifting Power Relations? Competing Hegemony Projects over the making of the EU Internal Energy Market. Master Thesis. Berlin School of Economics and Law.<br \/> &#8211; Haas, Tobias &amp; Sander, Hendrik (2013).&nbsp;<link https:\/\/www.rosalux.de\/publication\/39094\/gruene-basis.html _blank - \"Opens external link in new window\">Gr\u00fcne Basis: Gr\u00fcne Kapitalfraktionen in Europa. Eine empirische Untersuchung<\/link>. STUDIEN Rosa-Luxemburg-Stiftung.<br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Quelle: <link http:\/\/de.rosalux.eu\/themen\/sozial-oekologischer-umbau\/linke-in-europa-werden-aktiv-gegen-energiearmut\/>http:\/\/de.rosalux.eu\/themen\/sozial-oekologischer-umbau\/linke-in-europa-werden-aktiv-gegen-energiearmut\/<\/link><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die linken Kr\u00e4fte auf europ\u00e4ischer Ebene stellen sich dem wachsenden Problem der Energiearmut. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des strategischen Workshops \u201eDie Zukunft der erneuerbaren Energien und des Strommarktdesigns in der EU\u201c, der am 27. Juni 2016 im Europ\u00e4ischen Parlament in Br\u00fcssel stattfand.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23042,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[1666],"class_list":["post-23041","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","tag-energie","person-malte-fiedler-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23041"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27602,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23041\/revisions\/27602"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}