{"id":23047,"date":"2016-09-08T10:17:00","date_gmt":"2016-09-08T08:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/arbeitsmarktreform-und-moegliche-renaissance-einer-gewerkschaftlich-gefuehrten-sozialen-bewegung\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:36","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:36","slug":"arbeitsmarktreform-und-moegliche-renaissance-einer-gewerkschaftlich-gefuehrten-sozialen-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/arbeitsmarktreform-und-moegliche-renaissance-einer-gewerkschaftlich-gefuehrten-sozialen-bewegung\/","title":{"rendered":"Arbeitsmarktreform und m\u00f6gliche Renaissance einer gewerkschaftlich gef\u00fchrten sozialen Bewegung"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Um das Ausma\u00df an Zerst\u00f6rung zu begreifen, das dieses Gesetz nach sich zieht, lohnt es sich, einen kurzen historischen \u00dcberblick \u00fcber die Thematik zu geben. Ironischerweise wurde das Gesetz n\u00e4mlich von einer sozialistischen Regierung bef\u00fcrwortet und durchgesetzt. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das franz\u00f6sische Arbeitsrecht besteht aus einer Sammlung von Vorschriften, die die Beziehung zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber_innen regeln. Es entstand als Folge der Katastrophe von Courri\u00e8res in Nordfrankreich im Jahr 1906, bei der 1099 Minenarbeiter_innen ums Leben kamen.<a name=\"_GoBack\"><\/a><\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es ging dabei darum, die Arbeit an die Menschen anzupassen und nicht die Menschen an die Arbeit. Das 3&#215;8-Prinzip (8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden Schlaf) wurde nicht zum Nutzen der Firmenchefinnen und -chefs eingef\u00fchrt, sondern zum Nutzen der Menschen selbst, so dass diese von und mit ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wenn also Pr\u00e4sident Hollande feststellt, dass \u201ewir uns an die Bed\u00fcrfnisse der Unternehmen anpassen m\u00fcssen\u201c, kommt dies einer Gegenrevolution gleich. An dieser Aussage ist rein gar nichts zeitgem\u00e4\u00df und sie hat nichts mit der Krise zu tun. Er gab selbst zu: \u201e[Das neue Arbeitsgesetz] wird arbeitsmarkttechnisch noch viele Monate lang nicht greifen. Es geht dabei vielmehr darum, ein neues gesellschaftliches Modell einzurichten\u201c. Damit stellte er klar, dass die Arbeitslosigkeit blo\u00df einen Vorwand darstellt und dass es das Ziel der Reform war und ist, mit dem bestehenden Grundprinzip des Arbeitsrechts zu brechen. Das neue Arbeitsgesetz soll daher als das gesehen werden, was es tats\u00e4chlich ist: eine neoliberale Neubewertung jahrzehntelanger K\u00e4mpfe der Gewerkschaften und der Linken, die dem Schutz der Arbeiter_innen dienten. Sogar Arbeitgeber_innen waren vom Inhalt des Gesetzes \u00fcberrascht. Es geht n\u00e4mlich deutlich weiter als alle bisherigen Versuche der Rechten, das Arbeitsrecht zu \u00e4ndern.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Man muss immer wieder betonen, dass es in einem Unternehmen so etwas wie Gleichheit zwischen den Vertragsparteien, den Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen, nicht gibt. Arbeitsgesetze m\u00fcssen \u2013 auch in Zukunft! \u2013 universal bleiben, ganz unabh\u00e4ngig von der Gr\u00f6\u00dfe, der Branche und den speziellen Eigenschaften des Unternehmens. Sie m\u00fcssen <i>\u00fcber<\/i> den Vertr\u00e4gen, Vereinbarungen und Ausnahmeregelungen stehen \u2013 und ihnen nicht untergeordnet sein. Dies ist in der Universellen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte und der EU- Grundrechts-Charta, sowie einigen anderen Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation festgeschrieben.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">W\u00e4hrend der viermonatigen Mobilisierung gegen das Gesetz erinnerten die Gewerkschaften immer wieder daran, dass das franz\u00f6sische Arbeitsrecht historischer Ausdruck des gesellschaftlichen Machtgleichgewichts ist. Man k\u00f6nnte sogar sagen, dass es die soziale \u00f6ffentliche Ordnung definiert und f\u00fcr die rechtsstaatliche Ordnung innerhalb von Firmen sorgt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Aus Artikel 1 der Pr\u00e4ambel des neuen Arbeitsgesetzes geht hervor, dass mit dem Gesetz das Arbeitsrecht von Grund auf ge\u00e4ndert werden soll. So wird darin etwa festgestellt, dass \u201edie Freiheiten und Grundrechte der Menschen\u201c unter Umst\u00e4nden eingeschr\u00e4nkt werden k\u00f6nnen, \u201ewenn die gute Unternehmensf\u00fchrung dies gebietet\u201c. Nachdem man also den Notstand f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ausgerufen hat, soll dieser nun auch f\u00fcr die Arbeiter_innen gelten.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Im Folgenden m\u00f6chte ich nun konkrete Beispiele anf\u00fchren, die die tiefgr\u00fcndigen Ver\u00e4nderungen betreffen, die das neue Gesetz vorsieht. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das neue Arbeitsgesetz wird den Unternehmen mehr Flexibilit\u00e4t einr\u00e4umen. So k\u00f6nnen sie etwa die gesetzlich beschr\u00e4nkte Arbeitszeit f\u00fcr Arbeitnehmer_innen \u00fcberschreiten. Derzeit legt das franz\u00f6sische Arbeitsrecht im Rahmen der 35-Stunden-Arbeitswoche fest, dass Vollzeit-Arbeitnehmer_innen t\u00e4glich maximal 10 Stunden und w\u00f6chentlich maximal 48 Stunden arbeiten d\u00fcrfen. Das von der Regierung verabschiedete Arbeitsgesetz w\u00fcrde diese Arbeitszeitdeckelung auf 12 Stunden erh\u00f6hen, \u201ef\u00fcr den Fall, dass ein erh\u00f6htes Arbeitspensum anf\u00e4llt oder die Organisation des Unternehmens dies erfordert.\u201c<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das neue Arbeitsgesetz w\u00fcrde es dem Arbeitsministerium sogar erlauben, die w\u00f6chentliche Arbeitszeitbegrenzung auf 60 Stunden anzuheben, wenn \u201ebesondere Umst\u00e4nde\u201c dies notwendig machten. Gleichzeitig w\u00fcrde das Gesetz Bonuszahlungen an Arbeitnehmer_innen, die mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten, deutlich verringern.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Bedeutung kommt Bestimmungen des Gesetzes zu, die Schadenersatzsummen f\u00fcr Arbeitnehmer_innen nach \u201eungerechtfertigten K\u00fcndigungen\u201c reduzieren w\u00fcrden. Franz\u00f6sische Arbeitnehmer_innen, die ihren Arbeitsplatz \u201eohne angemessenen Grund\u201c verlieren, haben das Recht darauf, auf gerichtlichem Wege Schadenersatz zu fordern. Wenn sie von ihren Arbeitgeber_innen also blo\u00df aus Profitgr\u00fcnden gek\u00fcndigt werden, m\u00fcssen die Arbeitgeber_innen diesen Arbeitnehmer_innen eine Ausgleichszahlung anbieten, deren H\u00f6he sich an der Besch\u00e4ftigungsdauer orientiert.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das neue Arbeitsgesetz w\u00fcrde die H\u00f6he der Schadenersatzzahlungen sehr stark beschr\u00e4nken. Einer Arbeitnehmerin etwa, die 20 Jahre lang in einem Unternehmen besch\u00e4ftigt war, w\u00fcrde so nur eine Schadenersatzzahlung in der H\u00f6he von 12 Monatsl\u00f6hnen zustehen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der Entwurf w\u00fcrde auch die Regelungen betreffend K\u00fcndigungen \u00e4ndern. Dadurch w\u00fcrde es Unternehmen einfacher gemacht, Arbeitnehmer_innen aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden zu entlassen. Das franz\u00f6sische Recht sah bisher vor, dass Unternehmen, die Arbeitnehmer_innen k\u00fcndigen wollen, eine g\u00fcltige Rechtfertigung daf\u00fcr vorbringen m\u00fcssen \u2013 mit dem neuen Arbeitsgesetz w\u00e4re die Erkl\u00e4rung, dass dies schlicht und einfach \u201ewirtschaftlich notwendig\u201c sei, genug.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Am umstrittensten ist m\u00f6glicherweise die Tatsache, dass es das verabschiedete Gesetz Unternehmen erm\u00f6glichen w\u00fcrde, \u201eVereinbarungen\u201c auf Unternehmensebene zu schlie\u00dfen. Diese Vereinbarungen w\u00fcrden es erm\u00f6glichen, allgemein g\u00fcltige Standards zu L\u00f6hnen, Arbeitszeit und anderen Aspekten der Anstellungsvertr\u00e4ge zu unterschreiten. Wenn Unternehmen in der Vergangenheit solche Unternehmensvereinbarungen verhandelten, mussten sie belegen, dass diese f\u00fcr die Abwendung von Insolvenz oder Entlassungen notwendig seien.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Nun k\u00f6nnten Unternehmen, die ihre Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit ausweiten und neue M\u00e4rkte erobern m\u00f6chten, ihre Arbeitnehmer_innen mittels dieser Unternehmensvereinbarungen zu Zugest\u00e4ndnissen zwingen, auch wenn diese die Bestimmungen der Kollektivvertr\u00e4ge oder bestehendes Arbeitsrecht verletzen w\u00fcrden. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde es das Gesetz f\u00fcr Unternehmen einfacher machen, Vereinbarungen mit Arbeitnehmer_innenvertreter_innen auszuhandeln, wenn diese von 30 Prozent der Arbeitnehmer_innen unterst\u00fctzt werden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">F\u00fcr franz\u00f6sische Arbeitnehmer_innenorganisationen stellen diese Unternehmensvereinbarungen den problematischsten Aspekt des verabschiedeten Gesetzes dar. Wie Philippe Martinez, der Chef der CGT (Frankreichs gr\u00f6\u00dftem Gewerkschaftsbund), feststellt \u201egr\u00fcndet sich der Widerstand [der CGT] gegen dieses Gesetz haupts\u00e4chlich darin, dass es jedem Unternehmen erm\u00f6glicht, sein eigenes Gesetzbuch zu schreiben.\u201c<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">So gesehen w\u00fcrde es die \u201eHierarchie der Rechtsnormen\u201c auf dem franz\u00f6sischen Arbeitsmarkt aufheben. Im franz\u00f6sischen Arbeitsrecht stand traditioneller Weise das Arbeitsgesetzbuch, der <i>Code du Travail<\/i>, ganz oben. Es gab den rechtlichen Rahmen f\u00fcr Arbeitsvertr\u00e4ge vor, die dann genauer von den Kollektivvertr\u00e4gen reguliert wurden, die auf Branchenebene ausverhandelt wurden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Jetzt wird diese Hierarchie auf den Kopf gestellt: Unternehmensvereinbarungen, die mit Arbeitnehmer_innen getroffen werden, die Mitglieder von Gewerkschaften sind oder auch nicht, w\u00fcrden zum zentralen Thema der Kollektivvertragsverhandlungen werden. Das neue Gesetz w\u00fcrde es daher erm\u00f6glichen, einen anhaltenden Angriff auf die vertraglichen Standards des Arbeitsgesetzbuches auszu\u00fcben.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Insgesamt w\u00fcrden diese Ver\u00e4nderungen den Arbeitgeber_innen gro\u00dfen Nutzen bringen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Aus Unternehmensperspektive ist das franz\u00f6sische Arbeitsrecht n\u00e4mlich von \u201estrengen\u201c gesetzlichen Bestimmungen und kostspieligen beh\u00f6rdlichen Vorschriften gepr\u00e4gt: Von den K\u00fcndigungsbestimmungen, der Arbeitszeitbeschr\u00e4nkung bis zum hoch angesetzten Mindestlohn nimmt die Gesch\u00e4ftswelt das Arbeitsrecht als inakzeptable Belastung wahr. Das neue Arbeitsgesetz w\u00fcrde einen gro\u00dfen Schritt in Richtung einer Entlastung darstellen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ganz allgemein ist das verabschiedete Gesetz den verschiedenen Gesetzes\u00e4nderungen, die in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten Anwendung gefunden haben, nicht un\u00e4hnlich: K\u00fcndigungen und Massenentlassungen werden damit vereinfacht, ob diese nun wirtschaftlich motiviert sind, oder nicht. Kollektivvertr\u00e4ge und Arbeitnehmer_innenrechte werden zum Vorteil von Unternehmensvereinbarungen, die Arbeitszeitbeschr\u00e4nkungen aufheben und gleichzeitig L\u00f6hne verringern, beschnitten. All das geschieht vor dem Hintergrund hoher Arbeitslosigkeit. Das erwartete Wirtschaftswachstum h\u00e4ngt haupts\u00e4chlich mit dem niedrigen \u00d6lpreis und dem schwachen Euro zusammen. Gleichzeitig werden auch andere Aspekte verhandelt, wie etwa die Arbeitslosenversicherung, wof\u00fcr die Regierung einmal mehr eine absteigende Ausgleichszahlung vorsieht. Dies ist nat\u00fcrlich keine wirkliche \u00dcberraschung, da solche Reformen anderswo bereits umgesetzt wurden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Obwohl die Gewerkschaftsbewegung anfangs geeint auftrat, fand sie sich bald in zwei Teile gespalten wieder \u2013 ein Zustand, der sich nun schon seit einigen Jahren h\u00e4lt. Ihre zumindest anf\u00e4ngliche Einigkeit f\u00fchrte jedoch dazu, dass die Diskussion zwischen den Gewerkschaften \u00fcber komplexe Themen des Arbeitsrechts von Arbeitnehmer_innen und jungen Menschen wahrgenommen wurde. Der haupts\u00e4chliche Grund f\u00fcr diese Spaltung liegt darin, dass das moderatere Segment der Gewerkschaftsbewegung (von dem gesagt wird, es unterst\u00fctze die Reformen) dazu imstande sein m\u00f6chte, Unternehmensvereinbarungen zu unterzeichnen, wenn gro\u00dfe Differenzen es den Mehrheiten unm\u00f6glich machen, Gruppen zu bilden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ein wichtiges Detail ist, dass die Bewegung von einigen wenigen Aktivist_innen, die sich weit abseits der Gewerkschaften bewegen, anhand einer Online-Petition initiiert wurde. Mit der Petition gegen das neue Arbeitsgesetz schaffte man es innerhalb weniger Tage, mehr als eine Million Unterschriften zu sammeln. Der Erfolg der Petition verlieh jenen Gewerkschaften Glaubw\u00fcrdigkeit, die den st\u00e4rksten Widerstand gegen das neue Gesetz an den Tag legten (CGT, FSU, FO, Solidaires und andere) und die wiederum das Arbeitsgesetz als ein Thema wahrnahmen, das \u00fcber den Wirkungsbereich der Gewerkschaften und Arbeitnehmer_innen hinausgeht. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir haben die Entstehung einer breiten globalen Front erlebt, die Gewerkschaften, Online-Aktivist_innen, Menschen an den R\u00e4ndern der sozialistischen Partei und lokale Aktivist_innen umfasst. Dieser ungew\u00f6hnliche Ausgangspunkt machte es m\u00f6glich, bedeutende Gruppen, besonders junge Menschen, zu mobilisieren: Studierende, aber auch junge Arbeitnehmer_innen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen oder arbeitslose Jugendliche und Angestellte in kleinen Betrieben. Einige von ihnen hatten zum ersten Mal vor 10 Jahren f\u00fcr die Bewegung demonstriert, die schlie\u00dflich schaffte, den <i>Contrat Premi\u00e8re Embauche<\/i> (\u201eVertrag zur Ersteinstellung\u201c), den Entwurf eines billigen Arbeitsvertrags f\u00fcr junge Arbeitnehmer_innen, abzuwenden. All diese jungen Menschen, die sonst nichts mit den Gewerkschaften zu tun haben, nahmen an den Demonstrationen Anfang M\u00e4rz teil. Sie stellen auch die Aktivist_innen hinter den Nuit Debout-Demonstrationen dar. Die Nuit Debout kombiniert die Ideen von K\u00fcnstler_innen, Aktivist_innen von Basisorganisationen, ehrenamtlichen Journalist_innen und dem Film \u201eMerci patron\u201c, der eine Art Loblied an den Klassenkampf darstellt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Gewerkschaften, die sich gegen das Arbeitsgesetz stellen, blieben trotz verschiedener Man\u00f6ver seitens der Regierung geeint und n\u00e4hren sich haupts\u00e4chlich aus dem Widerstand der Studierenden. Jungen Menschen gegen\u00fcber wurden im neuen Arbeitsgesetz bereits deutliche Zugest\u00e4ndnisse einger\u00e4umt, der Kern des Gesetzes blieb jedoch unver\u00e4ndert. Die Gewerkschaften hatten es zwar mit einer Mehrheit der \u00d6ffentlichkeit zu tun, die sich gegen das Arbeitsgesetz stellte. Sie hatten aber gleichzeitig Schwierigkeiten dabei, die Arbeitnehmer_innen zum Streiken zu mobilisieren und somit dem Gesetz den Todessto\u00df zu versetzen. Die Gewerkschaftshochburgen gab es zwar noch, jedoch brachten sie sich nicht in einem gro\u00dfen Ma\u00df ein, da sie die Reform nicht direkt betrifft. Einige private Unternehmen nahmen ebenfalls an den Demonstrationen teil, jedoch nicht gen\u00fcgend.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es gab keine Linie, die von einer gewerkschafts\u00fcbergreifenden Kooperation vorgegeben worden w\u00e4re, oder eine Berufsbranche, die die Langlebigkeit der Bewegung durch Streiks h\u00e4tte demonstrieren k\u00f6nnen. Die Situation war eher jene eines gleichm\u00e4\u00dfigen Widerstands, der sich in zahlreichen Bewegungen \u00e4u\u00dfert.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die gewerkschafts\u00fcbergreifende Kooperation einte diese Bewegungen, indem sie branchen\u00fcbergreifende Streiks forderte. Demonstrationstage f\u00fcr Studierende stellten ein weiteres Instrument dar. Einige Sektoren denken dar\u00fcber nach, wie sie ihre Interessen besser kombinieren und sich durch ausgedehnte Streiks in diese Bewegung einbringen k\u00f6nnen. Die <i>Nuit Debout<\/i>-Demonstrationen stellen sicher, dass die Bewegung in Paris und den Vororten, sowie einigen St\u00e4dten der Region Aufmerksamkeit bekommt. Diese <i>Nuit Debout<\/i>-Demonstrationen sprechen auch globale Themen an, wie Demokratie und gesellschaftlichen Wandel. Sie gingen jedoch aus der Bewegung gegen das neue Arbeitsgesetz hervor. So wurden sie zu einem Ort des Austausches, der Ermutigung und der Vereinigung der K\u00e4mpfe. Diese Umst\u00e4nde k\u00f6nnen im Zusammenspiel mit den institutionellen Problemen, die sich einer schw\u00e4chelnden Minderheitsregierung stellen, einen Sieg erm\u00f6glichen. Sie kennzeichnen auch die Ankunft einer neuen Generation auf der gesellschaftspolitischen B\u00fchne, das Versprechen eines zuk\u00fcnftigen Engagements und neues Leben f\u00fcr die gewerkschaftliche Bewegung. Nat\u00fcrlich nur, wenn diese die Kraft dieser neuen Generation nutzen kann. Sie muss ihre Forderungen und die Tatsache ber\u00fccksichtigen, dass die neue Generation unabh\u00e4ngig denkt und handelt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die gewerkschafts\u00fcbergreifende Kooperation forderte eine weitere Demonstration nach der Sommerpause im September. Obwohl das Gesetz bereits im Juli verabschiedet wurde, ist es f\u00fcr die Gewerkschaften wichtig, weiterhin \u00f6ffentlichen Raum zu besetzen, wenn auch nur punktuell. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Noch ist es zu fr\u00fch, um zu sagen, ob die Bewegung Bestand haben wird. Fest steht jedoch, dass der Gewerkschaftsbewegung damit kein Todessto\u00df versetzt wurde. Unabh\u00e4ngig von der kommenden Demonstration \u2013 die erste nach der Verabschiedung des Gesetzes \u2013 gehen die Gewerkschaften aus der Sache jedenfalls gest\u00e4rkt hervor. Die Beziehung, die sie mit den neuen sozialen Bewegungen wie <i>Nuit Debout<\/i> aufbauen konnte, wird m\u00f6glicherweise Fr\u00fcchte tragen. Diese werden sich uns aber erst in der Zukunft offenbaren; besonders in Bezug auf die bessere Einbindung von Arbeitnehmer_innen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen, die auf den franz\u00f6sischen Pl\u00e4tzen gut vertreten sind.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das franz\u00f6sische Arbeitsrecht, der \u201eCode du Travail\u201c, wird seit 30 Jahren immer wieder und immer weiter untergraben. Das sogenannte \u201eArbeitsgesetz\u201c, das am 20. Juli von der franz\u00f6sischen Regierung verabschiedet wurde, stellt jedoch den bisher schlimmsten Angriff auf das Arbeitsrecht dar.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23048,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[1675],"class_list":["post-23047","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","tag-arbeit","person-maxime-benatouil-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23047"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27603,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23047\/revisions\/27603"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}