{"id":23059,"date":"2016-09-07T10:39:00","date_gmt":"2016-09-07T08:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/fluechtlinge-werden-zu-studierenden\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:37","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:37","slug":"fluechtlinge-werden-zu-studierenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/fluechtlinge-werden-zu-studierenden\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge werden zu Studierenden"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Der Ort der Sommerakademie war nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt: Die Ministerin wollte damit ein Symbol f\u00fcr den Frieden setzen. Die Kurse wurden in der Stadt Olympia abgehalten, dem Austragungsort der Olympischen Spiele in der Antike. W\u00e4hrend der Spiele waren damals alle Kriege ausgesetzt worden, die zu jener Zeit gef\u00fchrt wurden. Mit dem gew\u00e4hlten Datum nahm man au\u00dferdem auf die heurigen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro Bezug, an denen erstmals ein aus Fl\u00fcchtlingen und Asylwerber_innen bestehendes Team teilnahm.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Kurse, die am Campus der Internationalen Olympischen Akademie abgehalten wurden, wurden von 29 Studierenden im Alter zwischen 18 und 30 Jahren besucht. Sie stammten aus dem Iran, Irak, Afghanistan, Mali und Griechenland. Um die Voraussetzungen f\u00fcr die Teilnahme an der Sommerakademie zu erf\u00fcllen, mussten die Studierenden Englischkenntnisse vorweisen und im attischen Raum \u2013 dem Umland Athens \u2013 ans\u00e4ssig sein; au\u00dferdem wurde auf eine ausgeglichene Geschlechterbilanz geachtet.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Migrant_innen, die an der Initiative teilnahmen, kamen aus Einrichtungen in der N\u00e4he Athens. F\u00fcr sie stellte die Sommerschule eine M\u00f6glichkeit dar, ihren Status als Fl\u00fcchtling abzulegen und ins Studierendenleben einzutauchen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Das Programm<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die Kurse wurden von P\u00e4dagog_innen gehalten, die vom Europarat entsandt worden waren, und behandelten die Themen Menschenrechte und B\u00fcrger_innenrechte. Auch griechische Universit\u00e4tsdozent_innen hielten auf freiwilliger Basis Griechisch- und Englischkurse, sowie Kurse zu den Themen Kultur und europ\u00e4ische Geschichte und \u2013 um den Veranstaltungsort zu w\u00fcrdigen \u2013 Sport.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Abseits der Kurse bot die Sommerschule die Gelegenheit, Kontakte zu kn\u00fcpfen. Auch auf pers\u00f6nlicher Ebene fanden die Studierenden und Lehrenden \u2013 deren Altersunterschied teilweise nur gering war \u2013 zusammen. Es gab gemeinsame Abendessen und Feste, bei denen unter der Anleitung der Studierenden traditionelle T\u00e4nze aus deren Herkunftsl\u00e4ndern getanzt wurden,&nbsp; was zur \u00dcberwindung der Sprach- und Kulturbarriere beitrug.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Schulen in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Vorgestellt wurde auch die beeindruckende Initiative des griechischen Bildungsministeriums, in jeder Fl\u00fcchtlingsunterkunft Schulen f\u00fcr Kinder bis 6 Jahre und Klassen in nahegelegenen Schulen f\u00fcr Kinder im Pflichtschulalter einzurichten. <br \/> Wir sind uns nat\u00fcrlich alle dar\u00fcber im Klaren, ganz besonders auch die griechische Regierung, dass die Fl\u00fcchtlingskrise in Griechenland ein weitaus komplexeres Eingreifen und wirtschaftliche und soziale Ma\u00dfnahmen erfordert, die \u00fcber ein alleiniges Engagement Griechenlands hinausgehen. Dieses Signal hat jedoch gro\u00dfe politische Bedeutung: In Kultur und Bildung zu investieren bedeutet, B\u00fcrger_innenbewusstsein zu entwickeln und gibt Menschen soziale Freiheit; ein universales Recht.<br \/> <\/span><\/p>\n<h5> Die Sommerakademie &amp; transform!<\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Das griechische Ministerium anerkennt den jahrelangen Einsatz der Stiftung transform! europe im Kampf f\u00fcr ein Europa, in dem Menschenrechte respektiert werden, und wollte uns auch in diese Initiative einbinden. Auch an der Schlussdiskussion, bei der es um die Frage ging, wie dieses Projekt Verbreitung finden k\u00f6nnte, nahmen wir teil.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Bei der Schlussveranstaltung waren die Vize-Bildungsministerin, der Generalsekret\u00e4r f\u00fcr Migrant_innen, die Rektoren der Universit\u00e4ten Thessaloniki, Patras und Thessalien, der Vize-Rektor der Universit\u00e4t Athen, der Vize-Pr\u00e4sident der Freien Universit\u00e4t Griechenlands, der Pr\u00e4sident des Wissenschaftlichen Komitees f\u00fcr Bildung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, Vertreter_innen des Ministeriums, Lehrende der Universit\u00e4t und ein Vertreter des Europarats anwesend. Dabei wurden den anwesenden Studierenden auch die Funktionsweise des griechischen Universit\u00e4tssystems sowie die Zugangsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studierende erl\u00e4utert. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">transform! europe dankte im Zuge des eigenen Beitrags der Initiative, da sie Fl\u00fcchtlingen gegen\u00fcber einen alternativen Ansatz w\u00e4hlt. Ganz besonders aber bedankte sich transform! bei der griechischen Bev\u00f6lkerung, die auch im Augenblick gr\u00f6\u00dfter Not ihre Arme ausbreitet und ihr Herz \u00f6ffnet. So \u00e4u\u00dferte das Land eine Seele, die Europa fremd zu sein scheint.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Europa muss zwischenmenschliche Beziehungen wertsch\u00e4tzen<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Der Mittelmeerraum, die Wiege unserer Zivilisation, ist ein Ort, an dem sich immer schon unterschiedliche&nbsp; Kulturen vermischten und dies auch heute noch tun. Grund daf\u00fcr sind die Migrationsbewegungen von Menschen, die aus Not oder aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden das Mittelmeer und die Landesgrenzen \u00fcberqueren. Europa stellte jahrzehntelang einen Stabilit\u00e4tsfaktor zwischen Nahost und dem Mittelmeerraum dar; heute ist das anders. Wenn Europa \u00fcberleben m\u00f6chte, muss es wieder diese zentrale Vermittlungsposition einnehmen und die zwischenmenschlichen Beziehungen wertsch\u00e4tzen, die diese gegenseitigen Einfl\u00fcsse aufbauen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir leben in einer seltsamen Zeit, in der sich Kapital und Geld frei bewegen k\u00f6nnen, die Menschen jedoch dazu gezwungen werden, in ihrer aktuellen Situation zu verharren. Sie haben so keine M\u00f6glichkeit, eine bessere Zukunft f\u00fcr sich und ihre Familie zu suchen. Die Europ\u00e4ische Union finanziert einerseits Forschungs- und Austauschprojekte zwischen den Universit\u00e4ten der Mitgliedsl\u00e4nder, w\u00e4hrend sie es ablehnt, Studierende aufzunehmen und zu integrieren, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gr\u00fcnden die Universit\u00e4ten ihrer Heimatl\u00e4nder verlassen haben.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Von Integration profitieren alle<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Das Pilotprogramm im Rahmen dieser Sommerakademie zielt darauf ab, dieser Heuchelei ein Ende zu setzen und den Wert anzuerkennen, den die Integration dieser Studierenden in unsere Universit\u00e4tssysteme f\u00fcr uns hat. Mit dieser Verbindung wird schlie\u00dflich auch eine direkte Beziehung mit den Herkunftsl\u00e4ndern der Studierenden hergestellt, so wie das auch der Fall bei europ\u00e4ischen Emigrant_innen war, die sich auf ihrer Suche nach einer besseren Zukunft im Ausland niederlie\u00dfen. Sie stellten ebenfalls eine Beziehung her, die sich sowohl \u00fcber wirtschaftliche Verbindungen etablierte, als auch zu Erfolgen f\u00fchrte, die der kulturelle Austausch mit sich brachte.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Kultur, Schule und Universit\u00e4t spielen in diesem Integrationsprozess eine wichtige Rolle. Daher ist es das Ziel des griechischen Bildungsministeriums, diese Praxis \u2013 die auch transform! unterst\u00fctzt \u2013 zu verbreiten und auch an anderen Universit\u00e4ten umzusetzen, um so die Teilnahme einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von jungen Migrant_innen und europ\u00e4ischen Studierenden zu erm\u00f6glichen.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Mit geschichtlichem und kulturellem Wissen zu einer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t <\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Auch ich habe an einer Vorlesung \u00fcber griechische Geschichte teilgenommen. Dabei hat sich meine \u00dcberzeugung gefestigt, dass mithilfe von Wissen \u00fcber die Geschichte und Kultur eines jeden Landes eine echte europ\u00e4ische Identit\u00e4t entsteht, die die kollektive Identit\u00e4t bereichert. F\u00fcr eine solche Identit\u00e4t braucht es junge Menschen, um ein alternatives Modell nicht nur von einem kulturellen, sondern auch einem wirtschaftlichen Standpunkt aus aufzubauen. Die Lebensumst\u00e4nde der Migrant_innen und der europ\u00e4ischen B\u00fcrger_innen zu \u00e4ndern bedeutet, den Nutzen der hegemonischen Logik in den menschlichen Beziehungen auszuschalten. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, eine Allianz mit jenen aufzubauen, die vor Krieg und Hunger fliehen und in Europa eine Chance sehen, ihren Traum zu leben. Bei der Schaffung eines gemeinsamen Europas und einer besseren Welt hat Antonio Gramsci nicht an Aktualit\u00e4t verloren. Er forderte im Dunkel seiner Zeit die jungen Menschen mit folgenden Worten zur Fortbildung auf: \u201eBildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit\u201c.<a name=\"_GoBack\"><\/a><\/span><br \/>\n<i><span lang=\"DE\">Aus dem Italienischen von Veronika Peterseil<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von 18. bis 28. August fand im griechischen Olympia eine Sommerakademie mit dem Thema \u201eBeyond the refugee crisis \u2013 studying in Europe\u201c statt, wo griechische Student_innen und junge Fl\u00fcchtlinge zusammentrafen. Unterst\u00fctzt wurde die Initiative von der griechischen Vize-Bildungsministerin Sia Anagnostopoulou, vom Europarat und der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Athen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23060,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23059","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-roberto-morea-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23059"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27605,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23059\/revisions\/27605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}