{"id":23083,"date":"2016-10-10T10:46:00","date_gmt":"2016-10-10T08:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-wahlen-in-berlin-2016\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:41","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:41","slug":"die-wahlen-in-berlin-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-wahlen-in-berlin-2016\/","title":{"rendered":"Die Wahlen in Berlin 2016"},"content":{"rendered":"<h5><span lang=\"DE\">Die Wahlergebnisse im \u00dcberblick<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Die SPD blieb mit 21,6 Prozent zwar st\u00e4rkste Partei, verlor jedoch knapp sieben Prozent ihrer W\u00e4hler_innen und erreichte so in Berlin ein neues historisches Tief. Das gilt auch f\u00fcr die CDU, die erstmals mit 17,6 Prozent unter 20 Prozent blieb. Auch die Gr\u00fcnen verloren leicht und landeten mit 15,2 Prozent hinter der LINKEN auf Platz vier. Die LINKE konnte ihr Ergebnis mit 15,6 Prozent im Vergleich zum Ergebnis von 2011 deutlich verbessern \u2013 sie liegt im Osten bei 25 Prozent und im Westen bei 10 Prozent. Letzteres ist neu. Der LINKEN ist nunmehr auch in Berlin wie auch zuvor schon in Hamburg und Bremen gelungen, vermehrt fr\u00fchere Gr\u00fcn-W\u00e4hler_innen an sich zu binden. Die Piraten blieben deutlich unter der 5-Prozent-H\u00fcrde. Ihre W\u00e4hler_innen sind zu einem erheblichen Teil zur LINKEN abgewandert, nachdem die Partei an sich schon zerfallen war und ein Teil der Parteiprominenz sich f\u00fcr die LINKE ausgesprochen hatte. Daf\u00fcr schafften die Liberalen (FDP) erneut den Einzug in das Abgeordnetenhaus. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die eigentliche Gewinnerin der Wahl ist jene Partei, die sich als Gegnerin dieser parlamentarischen Demokratie versteht \u2013 die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD). Sie gewann zwar nicht in H\u00f6he der ostdeutschen Fl\u00e4chenl\u00e4nder mit \u00fcber 20 Prozent, konnte aber \u00fcber 230.000 W\u00e4hler_innen an sich binden, von denen knapp 70.000 zuvor Nichtw\u00e4hler waren. Es gelingt damit vor allem der AfD, Menschen, die sich von politischen Prozessen verabschiedet haben, zumindest bei Wahlen wieder politisch einzubinden. Knapp 40.000 AfD-W\u00e4hler_innen kamen von der CDU, 24.000 von der SPD, 16.000 von der LINKEN, 4.000 von den Gr\u00fcnen, 46.000 von anderen Parteien. Die Ergebnisse der AfD bei den Berliner Wahlen haben gezeigt, dass diese Partei auch in der Lage ist, vor allem in den peripheren Regionen der Metropolen, und gerade dort, wo sich soziale Probleme b\u00fcndeln, nicht nur Fu\u00df zu fassen, sondern wie in Marzahn-Hellersdorf mit 0,1 Prozent vor der LINKEN st\u00e4rkste Partei zu werden. Sie wird auf Dauer auch in den st\u00e4dtischen Regionen, die von soziostruktureller und kultureller Abwertung betroffen sind, weiter Fu\u00df fassen. <\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Besonderheiten von Berlin<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Um die besondere Rolle Berlins sowie das Ergebnis zu verstehen, ist es hilfreich, einige wahlpolitisch relevante Besonderheiten der Stadt zu kennen. Berlin ist Land und Kommune zugleich und au\u00dferdem Sitz der Bundesregierung. Wenn in Berlin gew\u00e4hlt wird, dann werden an diesem Tag sowohl die Abgeordneten des Landesparlaments (des Berliner Abgeordnetenhauses) als auch die Kommunalpolitiker der 12 Bezirke (die Bezirksverordneten) gew\u00e4hlt. Auf kommunaler Ebene gilt seit 2006 das Wahlrecht ab 16 Jahren. Die Zahl der Abgeordnetenhausmandate liegt gesetzlich bei 130, wobei 78 Mandate in Wahlkreisen nach relativer Mehrheit und die restlichen Mandate den Parteien je nach Wahlergebnis \u00fcber geschlossene Listen der Parteien vergeben werden. Dar\u00fcber hinaus sind sogenannte \u00dcberhangmandate m\u00f6glich, die bei Differenzen zwischen Repr\u00e4sentanz durch Direktmandate und den \u00fcber die Parteilisten abgebildeten Verh\u00e4ltnissen einen Ausgleich schaffen. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Seit 2011 wird Berlin wird von einer gro\u00dfen Koalition regiert, einer Notl\u00f6sung, weil Koalitionsgespr\u00e4che zwischen SPD und Gr\u00fcnen scheiterten und die Ergebnisse der Linken 2011 f\u00fcr eine Fortsetzung einer rot-roten Koalition nicht reichten, wobei eine Fortsetzung dieser Koalition in der Partei die LINKE selbst umstritten war. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Angetreten zu den Berliner Wahlen sind \u00fcber 20 Parteien. Es war jedoch klar, dass nur ein Teil die 5-Prozent-H\u00fcrde auf Landesebene sowie die 3-Prozent-H\u00fcrde auf Kommunaler Ebene \u00fcberspringen w\u00fcrde. Bereits im Vorfeld der Wahlen zeigte sich eine Konzentration auf sieben Parteien: Sozialdemokratie (SPD), Konservative (CDU), Gr\u00fcne, LINKE, Piraten, Liberale (FDP) und Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD). Sp\u00e4testens ab Juli 2016 wurden der CDU nur noch Werte unter 20 Prozent und der SPD unter 25 Prozent zugeschrieben, d.h. eine Fortsetzung dieser Konstellation schien ab dem Sommer 2016 allein rechnerisch nicht mehr m\u00f6glich und wurde seit damals auch von Seiten des regierenden SPD-B\u00fcrgermeisters nicht mehr angestrebt. Er selbst wollte, wie auch die Mehrheit der Berliner_innen, ein Ende der Gro\u00dfen Koalition und sprach sich f\u00fcr ein rot-gr\u00fcnes B\u00fcndnis aus, ohne allerdings \u00f6ffentlich zu machen, dass rot-gr\u00fcn allein rechnerisch nicht reicht, sondern nur mit der LINKEN als rot-rot-gr\u00fcnes B\u00fcndnis m\u00f6glich ist. Hinsichtlich der Koalitionsbildung sind die Berliner_innen gespalten \u2013 nur 49 Prozent sehen darin eine gute L\u00f6sung, wobei die zur\u00fcckhaltende Zustimmung auch mit dem neuen Charakter von Dreierkoalitionen begr\u00fcndet werden kann, die f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse auf Landesebene und mehr noch auf Bundesebene eher ungew\u00f6hnlich sind. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die eigentlich spannende Frage im Vorfeld der Wahlen betraf das Abschneiden der AfD nach ihren H\u00f6henfl\u00fcgen bei allen davorliegenden Landtagswahlen \u2013 nicht zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern mit 23 Prozent (\u00e4hnlich hoch wie zuvor in Sachsen-Anhalt mit 24 Prozent).<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Was waren die Themen des Wahlkampfes?<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Anders als bei den \u00fcbrigen Landtagswahlen 2015\/2016 dominierten die Landesthemen, wobei gerade die Probleme der Berliner Fl\u00fcchtlingspolitik von der Bearbeitung auf Bundesebene kaum zu trennen sind. Die Bilder \u00fcber die desastr\u00f6sen Zust\u00e4nde vor der Erstaufnahmestelle von Fl\u00fcchtlingen in Berlin \u2013 des Landesamtes f\u00fcr Gesundheit und Soziales (Lageso) \u2013 wurden zum sichtbaren Symbol der Unf\u00e4higkeit und Unwilligkeit der Konservativen, den Satz von Angela Merkel \u201eWir schaffen das\u201c strukturell und finanziell zu untersetzen. Das Thema der Registrierung und Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen wurde vom zust\u00e4ndigen Senator der CDU zun\u00e4chst untersch\u00e4tzt, dann so bearbeitet, dass Fl\u00fcchtlingsheime vor allem dort eingerichtet wurden, wo es der eigenen Klientel nicht schadete, bis der Umgang mit den Problemen den gesamten Senat in eine Legitimit\u00e4tskrise st\u00fcrzte. W\u00e4hrend die Gesellschaft sich offen zeigte, wurde durch die Verwaltung bei der Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen ein restriktiver Kurs gefahren. Weder der SPD-B\u00fcrgermeister, noch die SPD-Integrationssenatorin agierten angemessen und verantwortungsvoll. Ohne Unterst\u00fctzung der Berliner Zivilgesellschaft w\u00e4re die Handlungsunf\u00e4higkeit und Unwilligkeit des Senats noch st\u00e4rker auf den Schultern der Fl\u00fcchtlinge ausgetragen worden, bei gleichzeitiger \u201eVerehrenamtlichung\u201c staatlicher Aufgaben. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ein weiteres zentrales Thema von Berlin ist die soziale Polarisierung der Stadt, auch wenn 80 Prozent ihre wirtschaftliche Situation als gut und nur 19 Prozent als schlecht bewerten. Berlin ist die Stadt mit der zweith\u00f6chsten Zahl von Sozialhilfe-Bezieher_innen; jedes 5. Kind in Berlin lebt in Armut \u2013 der h\u00f6chste Satz bundesweit. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert mit 17,4 Prozent im Vergleich zum Bundesdurchschnitt auf hohem Niveau. Zugleich f\u00fchren die Mietexplosionen vor allem in den Innenstadtbezirken oder den angrenzenden \u201ehippen\u201c Szene-Bezirken zu Gentrifizierungs- und Segregationsprozessen, die das soziale und kulturelle Auseinanderdriften der Stadt zur Folge haben und abgeh\u00e4ngte Regionen zunehmend sichtbar pr\u00e4gen. So ist es kein Zufall, dass gerade einer der Berliner Ostbezirke, dessen W\u00e4hler_innen (die heute andere sind als fr\u00fcher) lange Zeit das politische \u00dcberleben der Linken retteten, der letztlich von der Berliner Bev\u00f6lkerung (\u201eWir fahren ins Ghetto\u201c) sozial und kulturell abgewertet oder besser abgeschrieben wurde, von der AfD gewonnen werden konnte. Aber nicht nur in diesem Bezirk schreiten Abwertungsprozesse voran, die zunehmend auch durch den Zuzug von Menschen gepr\u00e4gt werden, die sich die (hippen) Innenstadtbezirke nicht mehr leisten k\u00f6nnen, die \u00fcber geringere Finanzmittel verf\u00fcgen und so zur Konzentration sozial Schwacher in bestimmten Region beitragen. Diese Entwicklung f\u00fchrte in den letzten Jahren zur Herausbildung sozialer Brennpunkt-Regionen, in denen dann 2015 vom CDU-Senator Fl\u00fcchtlingsheime angesiedelt wurden. Die soziale K\u00e4lte oder Ignoranz dieser Entwicklungen auch durch andere Parteien des Landesparlamentes \u00f6ffnete den Raum f\u00fcr das Anwachsen rechter, fremden- und ausl\u00e4nderfeindlicher Stimmungen, denen von den Linken vor Ort viel zu schwach begegnet werden konnte.&nbsp; Die Linken dort fanden bei ihren Genoss_innen zu wenig Unterst\u00fctzung, man konzentrierte sich im Wahlkampf auf die gewinnbaren Regionen. Dahinter steht jedoch ein grunds\u00e4tzliches Problem der Linken, dass unter den Bedingungen einer regional abnehmenden Pr\u00e4senz von LINKEN vor Ort bestimmte Regionen zum Teil als nicht mehr erreichbar \u2013 das trifft dann eher auf gro\u00dfe Bundesl\u00e4nder zu \u2013 \u201eabgeschrieben\u201c werden, z.B. in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, mit der Folge politischer Leerstellen, die dann von der AfD besetzt werden.&nbsp; <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Zu den weiteren Berliner Themen geh\u00f6rten die Verkehrsprobleme der Berliner S-Bahn, das Termin-Chaos bei den B\u00fcrger\u00e4mtern, der unregulierte Tourismus in den Innenstadtbezirken sowie der unsensible Umgang mit Events im Stadtgebiet und letztlich die never-ending-story des Berliner Flughafens.<\/span><\/p>\n<h5><span lang=\"DE\">Wie ist das Ergebnis im Einzelnen zu bewerten? Perspektiven f\u00fcr die LINKE<\/span><\/h5>\n<p><span lang=\"DE\">Es gibt die bundesweit einzigartige Situation einer mit etwas \u00fcber 20 Prozent den \u201ef\u00fchrenden\u201c&nbsp; B\u00fcrgermeister stellenden Partei und drei Verfolger-Parteien zwischen 15&nbsp; und 20 Prozent. Es gibt die AfD als 15-Prozent-Partei in der Hauptstadt und einer der wichtigsten Metropolen des Landes. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Betrachtet man die Ergebnisse von Sozialdemokrat_innen, LINKEN und Gr\u00fcnen, so gab es zwar in der Vergangenheit bereits rechnerische Mehrheiten, die sich aber zu keinem links-gr\u00fcnen Projekt zusammenbinden lie\u00dfen. Die Frage ist also: Wenn es zu einer rot-rot-gr\u00fcnen Koalition kommt, was ist das Projekt dieser Koalition? Und: Wie ist die linke Handschrift von sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und Solidarit\u00e4t erkennbar? <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die wahlentscheidenden Themen bieten hierzu reichlich Anhaltspunkte. Als wichtigste Themen wurden am Wahlabend soziale Gerechtigkeit von ca. 50 Prozent der W\u00e4hler_innen genannt, Wirtschaft und Arbeit von ca. 30 Prozent, Schule und Bildung von ca. 25 Prozent und Mieten bzw. Wohnen von ca. knapp 20 Prozent. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das Problem vor allem f\u00fcr die LINKE in dieser Dreierkonstellation ist die Ersch\u00f6pfung und Ideenlosigkeit der Sozialdemokrat_innen, die ohne erkennbares Projekt, z.B. dem einer sozialen Stadt, in den Wahlkampf zog. Folglich sanken die&nbsp; Kompetenzwerte der SPD zu sozialer Gerechtigkeit um 8 Prozent. Dennoch verf\u00fcgt sie \u00fcber die h\u00f6chsten Werte zum Thema soziale Gerechtigkeit. Die Gr\u00fcnen agierten als \u201eCatch all-Party\u201c mit einem Mix vager politischer Aussagen (Hoff, S. 12) und in der Schlussphase mit einem Kampf gegen Rechts. Hoff beschreibt in seiner Analyse, dass die Gr\u00fcnen mit ihrer Kampagne, Programmatik und personellen Aufstellung auch jederzeit offen f\u00fcr andere Regierungskonstellationen waren, und schlussfolgert, dass diese in einer rot-rot-gr\u00fcnen Regierungskonstellation deshalb der schwierigste Partner seien (Hoff, ebenda). <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Damit wird vor allem der LINKEN die Aufgabe zufallen, beide Koalitionspartner in ein Projekt zu&nbsp; dr\u00e4ngen, Berlin als soziale, demokratische und weltoffene Metropole zu entwickeln und dies durch konkrete Projekte und Ma\u00dfnahmen zu \u00fcbersetzen. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die LINKE ging mit keiner geringen Frage in den Wahlkampf: \u201eWem geh\u00f6rt die Stadt?\u201c, und setzte stark auf ihre Kernkompetenz \u2013 auf soziale Gerechtigkeit. Sie besetzte zentral die Wohnungs- und Mietenfrage und untersetzte sie mit Forderungen f\u00fcr einen neuen sozialen Wohnungsbau mit Wohnungen, die bezahlbar sind, f\u00fcr die Entwicklung und Verteidigung von Instrumenten, die weitere Mietsteigerungen verhindern sollen, f\u00fcr Milieuschutz von Wohnkiezen, um weitere Gentrifizierungsprozesse vor allem in den Innenstadtlagen zu verhindern. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Wohnungsfrage ist eine Kern- und Lernfrage der LINKEN und muss es auch in den n\u00e4chsten Jahren bleiben. 2004 hatte sie in der rot-roten Regierung dem Verkauf der gr\u00f6\u00dften st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaft (GSW) mit \u00fcber 64.000 Wohnungen zugunsten der Haushaltssanierung nach dem Zusammenbruch der Berliner Landesbanken zugestimmt \u2013 der S\u00fcndenfall der LINKEN unter rot-rot. Deshalb ist der Umgang mit der Wohnungs- und Mietenfrage der Linken seit 2011 zentral f\u00fcr die Wahrnehmung und Glaubw\u00fcrdigkeit der Partei. Hier wird sie in einer m\u00f6glichen Dreierkonstellation rot-rot-gr\u00fcn zeigen m\u00fcssen, dass sie nicht nur \u2013 aber gerade in dieser Frage \u2013 dazu gelernt hat und dass ihre linken Forderungen hierzu durchsetzungsf\u00e4hig sind. D.h. vor allem die Wohnungs- und Mietenfrage wird zum Lackmustest der Linken: Sie muss dieses Thema zentral besetzen und ebenso vor Ort dranbleiben. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Da hierzu die Forderungen der LINKEN grunds\u00e4tzlich anschlussf\u00e4hig sind mit wahlprogrammatischen Aussagen von SPD und Gr\u00fcnen, k\u00f6nnte dies eines der zentralen zu entwickelnden Projekte dieser Koalition werden. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Zwei weitere m\u00f6gliche oder notwendige Projekte sind die Widerherstellung der Arbeitsf\u00e4higkeit der B\u00fcrgerverwaltungen und B\u00fcrger\u00e4mter. Die Stadt m\u00fcsse wieder funktionieren \u2013 so die Worte aller drei Spitzenkandidaten von SPD, Gr\u00fcnen und LINKEN \u2013, sie m\u00fcsse sich wieder den B\u00fcrger_innen zuwenden. Mehr noch, der Satz der Wahlkampagne der LINKEN 2016: \u201eW\u00e4hlt die Linke und die Stadt geh\u00f6rt euch\u201c muss nunmehr glaubw\u00fcrdig mit Leben erf\u00fcllt werden. Das bedeutet, Entscheidungsprozesse zu \u00f6ffnen \u2013 wie das etwa mit den B\u00fcrgerhaushaltssachen ja mal versucht wurde. Es geht letztlich um eine Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses von repr\u00e4sentativer und direkter Demokratie. Denn nicht zuletzt spielt das staatliche bzw. beh\u00f6rdliche Versagen bis hin zu den Verwaltungen, die mit der Integration von Fl\u00fcchtlingen betraut waren und sind, der politischen Rechten in die H\u00e4nde. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Deshalb sollte als drittes Projekt das Projekt gesellschaftlicher Integration als Projekt gelebter und gestalteter Solidarit\u00e4t auf die Tagesordnung gesetzt und konkret bearbeitet werden. Berlin hat die Chance, mit einer aktiven B\u00fcrgergesellschaft, die zu einem Gro\u00dfteil die Fl\u00fcchtlingsarbeit seit dem Sommer 2015 \u00fcbernommen hat, w\u00e4hrend der Berliner Senat versagte, nunmehr gesellschaftliche Integration zu gestalten. D.h. Ma\u00dfnahmen gegen die sich fortsetzenden Entsicherungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhang erodieren lassen, die Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr jene bereitstellen, die dieser bed\u00fcrfen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie Fl\u00fcchtlinge sind <a name=\"_GoBack\"><\/a>oder schon seit Jahren als Sozialhilfebezieher_innen abgeschrieben wurden. Das bedeutet aber auch: Der neue Senat muss bereit sein, in Konflikt mit der Bundesregierung zu treten und sie f\u00fcr seine Positionen politisch zu aktivieren.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wenn es nun aus linker Sicht auch um eine andere politische Kultur gehen soll, ist es gerade jetzt wichtig, die Kontakte zur Zivilgesellschaft, zu den vielen ehrenamtlich Arbeitenden auszubauen und hierzu die vorhandenen und durch sie unter rot-rot erk\u00e4mpften Instrumente st\u00e4rkerer Partizipation bei der Gestaltung von Politik und bei Entscheidungsprozessen zu nutzen. Das aber bedeutet, die eigene Mitgliedschaft zu aktivieren und die unter rot-rot sichtbar gewordene Unf\u00e4higkeit der Linken, die Balance zwischen Regierungspersonal und Partei herzustellen, so dass eine Aktivierung von links zur Schaffung auch neuer demokratischer Instrumente m\u00f6glich wird. Dabei gilt es gerade jene Regionen im Blick zu behalten, die weder hip noch sexy, sondern nur ziemlich arm dran sind.<\/span><br \/>\n<i>Anmerkung: Die Wahlauswertung st\u00fctzt sich zu gro\u00dfen Teilen auf den Wahlnachtbericht von Benjamin Hoff vom 19. September 2016, siehe <link http:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/wahlanalysen\/RLS-Berlin-Wahl-9-2016.pdf>http:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/wahlanalysen\/RLS-Berlin-Wahl-9-2016.pdf<\/link><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ergebnisse der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September verbinden sich aus linker Sicht mit frohen Botschaften in Bezug auf die eigenen Wahlergebnisse, aber auch mit ernsthafter Besorgnis mit Blick auf die hohen Zustimmungswerte der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23084,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23083","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-cornelia-hildebrandt-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23083"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27609,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23083\/revisions\/27609"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}