{"id":23095,"date":"2016-10-17T08:23:00","date_gmt":"2016-10-17T06:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/marxismus-feministisch-umschreiben\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:42","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:42","slug":"marxismus-feministisch-umschreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/marxismus-feministisch-umschreiben\/","title":{"rendered":"Marxismus feministisch umschreiben"},"content":{"rendered":"<p>Realisiert werden konnte die Tagung aber nur durch Mithilfe zahlreicher unterst\u00fctzender Organisationen (siehe Programmheft) und ehrenamtlicher helfender H\u00e4nde aus dem \u00f6sterreichischen Netzwerk \u201ePlattform 20000Frauen\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcber 500 TeilnehmerInnen aus 29 Nationen und 6 Kontinenten zeigt die beindruckende Breite der Zug\u00e4nge, wobei Europa mit 22 Nationen vertreten war. Im Gegensatz zur Berliner Konferenz war es gelungen, den Osten und S\u00fcden Europas einzubinden.<\/p>\n<p>Die Abstracts sind im nebenstehenden Programmheft (PDF) downloadbar. Audio- und Videomitschnitte&nbsp;<a title=\"Opens external link in new window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLE8NFEU2PRpN-mimWcF0RoqsYzK-F_o4-\">hier<\/a>.&nbsp;<\/p>\n<p>Folgend ein Bericht der Journalistin Brigitte Theissl, der in der <a title=\"Opens external link in new window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000045658367\/Marxismus-feministisch-umschreiben\">Online-Ausgabe von \u201ediestandard\u201c<\/a> erschien.&nbsp;<\/p>\n<h3>Marxismus feministisch umschreiben<\/h3>\n<p><span style=\"font-style: italic; \">Von&nbsp;Brigitte Thei\u00dfl<\/span><\/p>\n<p><b>Die zweite internationale Marxismus-Feminismus-Konferenz brachte linke Theoretikerinnen und Aktivistinnen aus aller Welt nach Wien.<\/b><\/p>\n<p>Begriffe wie &quot;Frauenbefreiung&quot; und &quot;Unterwerfungsverh\u00e4ltnisse&quot; sind in Texten der modernen Gender Studies \u00e4u\u00dferst selten anzutreffen. &quot;Eine marxistische Feministin zu sein, bedeutet in meinem Umfeld, ein Dinosaurier zu sein&quot;, so formulierte es eine schwedische Aktivistin im Schlussplenum der Wiener Konferenz. Ihre Sorge um ein g\u00e4nzliches Verschwinden des marxistischen Feminismus \u2013 bzw. feministischen Marxismus \u2013 erschien zumindest angesichts des Interesses an der Veranstaltung unbegr\u00fcndet: Rund f\u00fcnfhundert Personen, darunter viele junge Studierende, registrierten die Veranstalterinnen an drei Konferenztagen im Atelierhaus der Akademie der bildenden K\u00fcnste. \u00c4hnlichen Andrang verzeichnete man schon im vergangenen Jahr in Berlin, wo der Kongress auf Initiative von Frigga Haug zum ersten Mal stattfand.<\/p>\n<h5>Theorie und Praxis <\/h5>\n<p>Das dicht gedr\u00e4ngte Konferenzprogramm teilte sich in die beiden Themenstr\u00e4nge marxistisch-feministische Theoriebildung und Organisierung, in den parallellaufenden Streams pr\u00e4sentierten Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen aus Europa, aber auch aus Argentinien, Brasilien, den USA, S\u00fcdafrika und Australien ihre Analysen, darunter so bekannte Denkerinnen wie Gayatri Chakravorty Spivak, postkoloniale Theoretikerin und Professorin an der New Yorker Columbia University, und die Londoner Universit\u00e4tsprofessorin Nira Yuval-Davis. TeilnehmerInnen, die mit den Werken von Karl Marx, Rosa Luxemburg, Antonio Gramsci und Denkern der Frankfurter Schule nicht im Detail vertraut waren, bot das hohe Niveau der theoretischen Reflexionen wenig Anschlussm\u00f6glichkeiten \u2013 Diskussionen, die auf konkretes politisches Handeln abzielten, standen ohnehin nicht im Zentrum des Kongresses. <\/p>\n<p>Kritik an einem Zuviel an Theorie war schon in Berlin laut geworden, Kritik, der Frigga Haug die Notwendigkeit einer St\u00e4rkung marxistisch-feministischer Theorie als Werkzeug gesellschaftlicher Transformation entgegenstellte. Der Arbeitsbegriff und Care-Arbeit, Fragen der Intersektionalit\u00e4t, Neuer Materialismus und <a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/de\/blog\/article\/what-is-ecofeminism\/\">\u00d6kofeminismus<\/a> wurden im Rahmen der Konferenz ebenso diskutiert wie marxistisch-feministische Analysen von Mutterschaft, Anti-Fundamentalismus und Anti-Rassismus, Illegalit\u00e4t, Bildung, und sexistischer Islamophobie. Gerade im Stream &quot;Feminist Organising beyond Europe&quot;, in dem Aktivistinnen etwa \u00fcber feministische K\u00e4mpfe in der T\u00fcrkei und gewerkschaftliche Organisation in Brasilien berichteten, fehlte die Zeit, im Anschluss l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Gemeinsamkeiten nachzusp\u00fcren. Feride Eralp, Teil des Istanbuler Feministischen Kollektivs und w\u00e4hrend des Kriegs in Kobane als Freiwillige in der Grenzstadt Suru\u00e7 im Einsatz, fragte in ihrem brandaktuellen Vortrag danach, wie Krieg und M\u00e4nnlichkeit sich gegenseitig formieren und wie frauenbewegter Widerstand in einer von &quot;grenz\u00fcberschreitenden Hasspolitiken&quot; gepr\u00e4gten Gesellschaft aussehen kann. <\/p>\n<h5>Marxistisch-feministisches Manifest <\/h5>\n<p>Frigga Haug, ehemalige Professorin f\u00fcr Soziologie, Vorsitzende des Berliner Instituts f\u00fcr kritische Theorie und Mitglied der Linkspartei, arbeitet seit \u00fcber vierzig Jahren daran, Marxismus und Feminismus miteinander zu vers\u00f6hnen \u2013 oder anders formuliert: deren Spannungen produktiv zu machen. Feminismus ist ohne eine Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise f\u00fcr sie ebenso wenig denkbar wie ein Marxismus, der keine Kritik der Geschlechterverh\u00e4ltnisse miteinschlie\u00dft. &quot;Es leuchtet ein, dass Geschlechterverh\u00e4ltnisse Produktionsverh\u00e4ltnisse sind und nicht zus\u00e4tzlich hinzukommen&quot;, lautet These drei eines Manifests, das von Haug formuliert und auf der Wiener Konferenz zur Diskussion gestellt wurde. <\/p>\n<p>Das Manifest soll Basis einer z\u00fcnftigen Zusammenarbeit und einer Verst\u00e4ndigung dienen und machte deutlich, dass der marxistische im Gegensatz zum postmodernen Feminismus weder Scheu vor einem vereinnahmenden &quot;Wir&quot; noch vor einem \u2013 zumindest strategisch gefassten \u2013 essentialistischen Frauenbegriff hat. Bei dieser Frage wurde dennoch eine Trennlinie sichtbar, die innerhalb feministischer Kontexte h\u00e4ufig entlang der unterschiedlichen Generationen verl\u00e4uft. Der Vorschlag einer jungen Theoretikerin, die formulierten Thesen zu erweitern (&quot;Marxismus-Feminismus verwehrt sich gegen ein naturalisierendes Verst\u00e4ndnis von Geschlecht wie gegen ein Postulieren von Zweigeschlechtlichkeit als \u00fcberhistorische ontologische Gegebenheit&quot;) erhielt viel Applaus im Saal, stie\u00df jedoch auf wenig Gegenliebe bei Frigga Haug, die schon in ihrem einleitenden Vortrag einen polemischen Seitenhieb auf die &quot;sechzehn Geschlechter&quot;, die man mittlerweile einnehmen k\u00f6nne, unterbrachte. <\/p>\n<h5>Berlin \u2013 Wien \u2013 Lund <\/h5>\n<p>Auch wenn der Austausch zwischen Generationen und ihren spezifischen Erfahrungen zu kurz kam, wie eine Aktivistin kritisierte, hatten auf der Konferenz AktivistInnen und TheoretikerInnen s\u00e4mtlicher Altersstufen zusammengefunden, wie das auf feministischen Veranstaltungen nur noch selten der Fall ist. Von Frigga Haug, Nora R\u00e4thzel, Heidi Ambrosch und anderen an der Wiener Konferenz beteiligten Organisatorinnen wird die Staffel nun voraussichtlich an Aktivistinnen in Lund weitergeben, um dort 2018 die dritte internationale Marxismus-Feminismus-Konferenz auszurichten. <\/p>\n<p>Schon die Organisation selbst bietet die M\u00f6glichkeit, sich an neoliberalen Verh\u00e4ltnissen abzuarbeiten: Hinter der Initiative steht keine finanzkr\u00e4ftige Organisation, es liegt an den verschiedenen einzelnen Unterst\u00fctzerInnen, abermals eine so gro\u00dfe, international ausgerichtete Veranstaltung zu stemmen. &quot;Einen marxistisch-feministischen Kongress zu organisieren und darin unterschiedliche Umg\u00e4nge mit Kooperation und Konflikt zu finden, ist ein Mittel unserer Aufgabe, unseren Widerstand in eine best\u00e4ndige marxistisch-feministische Bewegung zu \u00fcbersetzen&quot;, gibt These zw\u00f6lf die Marschroute vor.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic; \">Quelle: <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000045658367\/Marxismus-feministisch-umschreiben\">http:\/\/derstandard.at\/2000045658367\/Marxismus-feministisch-umschreiben<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBr\u00fccken bauen \u2013 Visionen verr\u00fccken und st\u00e4rken \u2013 Alternativen entwickeln\u201c lautete die Klammer der 2. marxistisch-feministischen Konferenz, die von 7.-9. Oktober 2016 im Atelier der Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien durchgef\u00fchrt und ma\u00dfgeblich von transform! europe materiell getragen wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23096,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23095","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23095","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23095"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23095\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27611,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23095\/revisions\/27611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23096"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23095"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23095"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23095"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}