{"id":23151,"date":"2016-12-13T14:00:00","date_gmt":"2016-12-13T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/eine-schlacht-ist-gewonnen-nicht-der-krieg\/"},"modified":"2023-09-27T16:09:46","modified_gmt":"2023-09-27T14:09:46","slug":"eine-schlacht-ist-gewonnen-nicht-der-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/eine-schlacht-ist-gewonnen-nicht-der-krieg\/","title":{"rendered":"Eine Schlacht ist gewonnen, nicht der Krieg"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\">Nach einem zw\u00f6lfmonatigen Wahlkampf, zwei Wahlg\u00e4ngen und einer durch das \u00f6sterreichische Verfassungsgericht angeordneten Wahlwiederholung gewann der ehemalige Parteichef der Gr\u00fcnen, Alexander Van der Bellen, Anfang des Monats die Pr\u00e4sidentschaftswahl und schlug damit Norbert Hofer, den Kandidaten der radikalen, rechtspopulistischen FP\u00d6 (Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs) mit 54 zu 46 Prozent.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Diesem eindeutigen Sieg kommt gro\u00dfe politische und symbolische Bedeutung zu, die weit \u00fcber die Landesgrenzen hinausgeht. Die Botschaft lautet klar und deutlich: Der Aufstieg der radikalen Rechtspopulist_innen kann aufgehalten werden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Van der Bellens Sieg ist einer unwahrscheinlichen Wahlkoalition aus Gr\u00fcnen, Liberalen, Sozialdemokrat_innen, Christ_innen, moderaten Konservativen und linken Kr\u00e4ften zu verdanken. In den Tagen kurz vor der Wahl bekam sie weitere Unterst\u00fctzung von hochrangigen Mitgliedern der Regierungsparteien.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Van der Bellen verk\u00f6rperte in diesem Wahlkampf paradoxerweise die internationalistischen, demokratischen Bewegungen, die sich im letzten Jahr mit der Ankunft von 90.000 Fl\u00fcchtlingen in \u00d6sterreich formierten, aber gleichzeitig auch das politische Establishment der Sozialdemokrat_innen (SP\u00d6) und der Volkspartei (\u00d6VP), das&nbsp; in seinem&nbsp; R\u00fcckzugsgefecht gegen\u00fcber der radikalen Rechten mehr und mehr deren ausl\u00e4nderfeindliche Agenda \u00fcbernommen hat.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die katastrophalen Ergebnisse der SP\u00d6 und \u00d6VP, deren Kandidaten im ersten Wahlgang gemeinsam nicht mehr als 25% der Stimmen auf sich vereinigten, signalisierte das Ende des bisherigen \u00f6sterreichischen Regierungssystems. So &nbsp;fiel es denn einem Kandidaten einer &nbsp;Oppositionspartei zu, dessen totalen Zusammenbruch zumindest hinauszuz\u00f6gern. Das kommt \u00fcbrigens in den in den Exit Polls erscheinenden <link http:\/\/derstandard.at\/2000048878204\/Verhinderung-des-anderen-Kandidaten-zentrales-Wahlmotiv?ref=rec>Wahlmotiven<\/link> deutlich zum Ausdruck: &nbsp;64% stimmten f\u00fcr Van der Bellen, um Hofer zu verhindern.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Als Bundespr\u00e4sident w\u00e4re Norbert Hofer dazu in der Lage gewesen, eine Neuwahl des Parlaments anzuordnen, was der Leitartikelverfasser der Wiener Tageszeitung <i>Der Standard<\/i> die \u201eOrb\u00e1nisierung \u00d6sterreichs\u201c nannte.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die FP\u00d6 ist eine rechtsnationalistische Partei, die sich durch Rassismus und besonders durch Antiislamismus auszeichnet. In einem essentiellen Aspekt unterscheidet sich ihr Nationalismus jedoch von dem anderer Parteien: Er bezieht sich nicht auf die eigene Nation. Die FP\u00d6 verk\u00f6rpert die deutschnationale Tendenz der \u00f6sterreichischen Rechten, die sich nach ihrer Beteiligung am Nazismus jahrzehntelang an den Rand des politischen Lebens gedr\u00e4ngt sah.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">In ihrem aktuellen <link https:\/\/www.fpoe.at\/fileadmin\/user_upload\/www.fpoe.at\/dokumente\/2015\/2011_graz_parteiprogramm_web.pdf>Parteiprogramm<\/link> bezeichnet die FP\u00d6 jene \u00d6sterreicher_innen, deren Muttersprache Deutsch ist, als Teil einer deutschen \u201eethnischen, sprachlichen und kulturellen Gemeinschaft\u201c. Die Partei sieht damit das unabh\u00e4ngige \u00d6sterreich als einen historischen Unfall oder eine \u201ekommunistische Erfindung\u201c, wie J\u00f6rg Haider es einmal formulierte und dabei auf den \u00f6sterreichisch-nationalen Widerstand der Kommunist_innen gegen die deutsche Okkupation anspielte. Diese Perspektive teilt die FP\u00d6 mit der einflussreichen Subkultur der deutschen Burschenschaften (Hofer ist Mitglied der <i>Burschenschaft Marko-Germania<\/i>), \u201eTraditionsvereinen\u201c, und neuen rechten Zeitschriften, die als Sprachrohr f\u00fcr rechtsradikale und neonazistische politische Hetze im Land dienen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Ihre Beziehung zum Deutschnationalismus und Nazismus ist es, die die FP\u00d6 in einen klaren Konflikt mit der Verfassung der zweiten \u00f6sterreichischen Republik und der Nachkriegsordnung Europas bringt. Dies muss nicht unbedingt kurzfristige Folgen nach sich ziehen, aber im Zusammenhang mit der Krise der Europ\u00e4ischen Union und dem Aufstieg der radikalen Rechten in Deutschland verleiht der Deutschnationalismus dem Anti-Europ\u00e4ismus der FP\u00d6 einen ganz speziellen politischen Charakter.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Dies ist zwar die \u201eversteckte Agenda\u201c der FP\u00d6, die ihren harten Kern zusammenh\u00e4lt und Intellektuelle und kulturelle Milieus an sich bindet. Jedoch ist, wie die Ergebnisse der Pr\u00e4sidentschaftswahl also zeigen, \u00d6sterreich nicht das rechtsextreme Land, als das es oft dargestellt wird. Der Wahlausgang illustriert vielmehr die Prekarisierung der europ\u00e4ischen Demokratien durch zwei Jahrzehnte neoliberale Austerit\u00e4tspolitik.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die FP\u00d6 ist also eine rechtsradikale Partei <link http:\/\/www.unitedagainstracism.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Cas-Mudde-Euro-elections-2014_CH-article.pdf>der \u201eneuen Art\u201c<\/link>, die zur selben EU-Parlamentsfraktion geh\u00f6rt wie der Front National, die Lega Nord, Geert Wilders\u2018 PVV und Vlaams Belang. Sie alle kombinieren ein autorit\u00e4res Gesellschaftskonzept mit einer nationalistischen Weltsicht und einem populistischen politischen Stil. Diese Politik funktioniert nur, wenn aufgrund einer Demokratiekrise Bedarf nach ihr entsteht.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Ergebnisse der \u00f6sterreichischen Pr\u00e4sidentschaftswahl zeigen, dass der Gegenkandidat der FP\u00d6, Van der Bellen, eine <link http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/bpwahl\/5129839\/Norbert-Hofer-der-Praesident-der-Maenner-und-Arbeiter?direct=5129826&#038;_vl_backlink=\/home\/politik\/bpwahl\/index.do&#038;selChannel=5909>Mehrheit<\/link> bei den Frauen, bei W\u00e4hler_innen mit h\u00f6heren Schul- und Universit\u00e4tsabschl\u00fcssen und bei privaten und \u00f6ffentlichen Angestellten f\u00fcr sich gewinnen konnte, w\u00e4hrend Hofer besonders bei weniger gebildeten m\u00e4nnlichen Arbeitern punktete, deren kurz- und mittelfristige Zukunftsperspektive sich am d\u00fcstersten darstellt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Diese Menschen haben tats\u00e4chlich jeden Grund dazu, pessimistisch zu sein. Das langfristige Sinken der Lohnquote f\u00fchrte zu sozialer Ungleichheit, die es im \u00d6sterreich der Nachkriegszeit so noch nicht gegeben hatte. In den zehn Jahren seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben sich die Lebensumst\u00e4nde f\u00fcr die sogenannte \u201eMittelschicht\u201c deutlich verschlechtert. Die Arbeitslosenrate stieg von 5 auf 9%; die erwartete H\u00f6he der Pensionen sank um etwa 25%. Die Zukunftsaussichten werden auch durch die steigende Zahl an Menschen in Teilzeitjobs oder anderen atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnissen getr\u00fcbt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\"><link http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/eu\/4978901\/Stimmung-fuer-Protestwahl-so-guenstig-wie-nie?_vl_backlink=\/home\/politik\/eu\/index.do>Eurobarometer-Daten<\/link> illustrieren die Unzufriedenheit der \u00d6sterreicher_innen mit dieser Situation und ordnen dies in den europ\u00e4ischen Trend ein: 54% der \u00d6sterreicher_innen geben an, dass vieles \u201ein die falsche Richtung laufen w\u00fcrde\u201c (im Vergleich zu 48% in der gesamten EU), 62% \u201ehaben kein Vertrauen in die nationale Regierung\u201c (66% in der gesamten EU) und 43% geben an, mit ihren Demokratien \u201enicht mehr zufrieden zu sein\u201c (45% in der EU).<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es w\u00e4re jedoch falsch, wie es im liberalen Mainstream nahegelegt wird, den Aufstieg der FP\u00d6 als ein Ph\u00e4nomen der Arbeiterklasse zu interpretieren. Die publizierten Daten erlauben keine umfassenden Aussagen \u00fcber die klassenspezifische Zusammensetzung ihrer W\u00e4hler_innenschaft. So werden die &nbsp;Stimmenanteile nicht einmal nach Einkommensh\u00f6he kategorisiert oder in \u201eUnternehmer_innen\u201c, \u201eleitende Angestellte\u201c oder \u201eAnleger_innen\u201c aufgeschl\u00fcsselt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Das betr\u00e4chtliche Ma\u00df an Unterst\u00fctzung, dessen sich die FP\u00d6 bei den Oberen Zehntausend erfreut, ist eines der bestgeh\u00fcteten Geheimnisse der Republik ist, das, wenn \u00fcberhaupt, nur selten an die Oberfl\u00e4che kommt. So berichtete etwa die konservative Wiener Tageszeitung <i>Die Presse<\/i> \u00fcber die wachsende Zustimmung zur FP\u00d6 bei Mitgliedern des exklusiven Clubs der \u00f6sterreichischen Industriellenvereinigung.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es ist irref\u00fchrend, zwischen sozialstrukturellen Daten und dem Wahlverhalten einen direkten Zusammenhang herzustellen, da zwischen beiden die Interpretation der eigenen sozialen Lage und der daraus resultierenden Bed\u00fcrfnisse steht, womit kulturelle und ideologische Faktoren ins Spiel kommen. Was sich hier deutlich \u00e4u\u00dfert, sind die Konturen einer politisch-kulturellen Spaltung der Gesellschaft. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">F\u00fcr die W\u00e4hler_innen waren folgende Wahlmotive am wichtigsten:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Van der Bellen: \u201eBessere Vertretung \u00d6sterreichs im Ausland\u201c (67%); \u201epro-europ\u00e4ische Haltung\u201c (65%); \u201erichtiges Amtsverst\u00e4ndnis\u201c (59%);<\/li>\n<li>Hofer: \u201eVersteht die Sorgen von Menschen wie mir\u201c (55%); \u201ekompetent\u201c (55%); \u201est\u00f6\u00dft wichtige Ver\u00e4nderung an\u201c (54%).<\/li>\n<\/ul>\n<p><span lang=\"DE\">Die beiden am wenigsten ausschlaggebenden&nbsp;Motive waren:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Van der Bellen: \u201eVersteht die Sorgen von Menschen wie mir\u201c (28%); \u201est\u00f6\u00dft wichtige Ver\u00e4nderung an\u201c (28%);<\/li>\n<li>Hofer: \u201eBessere Vertretung \u00d6sterreichs im Ausland\u201c (35%); \u201eer kann unparteiisch handeln\u201c (31%).<\/li>\n<\/ul>\n<p><span lang=\"DE\">F\u00fcr die eine H\u00e4lfte der W\u00e4hler_innen waren also Demokratie (\u201edas richtige Amtsverst\u00e4ndnis\u201c) und Internationalismus (\u201eBessere Vertretung \u00d6sterreichs im Ausland\u201c) entscheidend, w\u00e4hrend f\u00fcr die andere H\u00e4lfte Werte wie soziale Empathie (\u201eversteht die Sorgen von Menschen wie mir\u201c) und Ver\u00e4nderung im Vordergrund standen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die rechtpopulistische Spaltung der Gesellschaft in zwei Fronten \u2013 in Unterst\u00fctzer_innen einer liberalen Demokratie, die allerdings die Bev\u00f6lkerung der Unbarmherzigkeit des Marktes \u00fcberl\u00e4sst, &nbsp;und in jene, die aus diesem Grund der liberalen Demokratie den R\u00fccken kehren \u2013 hat sich in \u00d6sterreich bereits verh\u00e4rtet. Wir haben guten Grund dazu, der Zukunft gegen\u00fcber pessimistisch eingestellt zu sein. Sogar f\u00fcr Optimist_innen auf Seiten der Linken kann Van der Bellens Wahlsieg nur als Atempause gesehen werden und nicht als L\u00f6sung f\u00fcr die Krise der \u00f6sterreichischen Demokratie.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die FP\u00d6 hat nun also einen R\u00fcckschlag erlitten. Wer glaubt, dass damit ihre Dynamik durchbrochen wurde, liegt jedoch falsch. Ihr Kandidat, dem nahezu das gesamte politische Establishment entgegenstand, erhielt 46% der Stimmen. Im Gegensatz zu Van der Bellen w\u00e4hlten die meisten Menschen Hofer nicht haupts\u00e4chlich, weil sie dessen Gegner verhindern wollten, sondern weil sie Hofers Politik tats\u00e4chlich unterst\u00fctzen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der Aufstieg der FP\u00d6 in den letzten 25 Jahren illustriert die Wirkungslosigkeit der bisher angewendeten Strategien, sie zu bek\u00e4mpfen: vom Aktivismus linker Gruppen, f\u00fcr die antifaschistischer Stra\u00dfenkampf mit dem Kampf gegen den kapitalistischen Staat gleichbedeutend ist, \u00fcber Sozialdemokrat_innen, die die Gefahr, die von der fremdenfeindlichen Agenda der FP\u00d6 ausgeht, herunterspielen oder sie sogar selbst \u00fcbernehmen, bis zur D\u00e4monisierung der Partei in der liberalen Presse und den Bem\u00fchungen, einen Cordon Sanitaire der Political Correctness aufzubauen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Letztere Strategie wurde vom Wahlerfolg der FP\u00d6 derart verw\u00e4ssert, dass sogar Sozialdemokrat_innen eine Regierung mit der FP\u00d6 als Alternative zur abgehalfterten Koalition mit den Konservativen in Betracht ziehen. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung der Krise liegt jedoch nicht in der Sozialdemokratischen Partei. Was wir jetzt brauchen, ist die Entwicklung einer alternativen politischen Kraft, die nicht nur das dominante System kritisiert, sondern das Monopol der rechtsradikalen Opposition in Frage stellt. Leider f\u00fchrt diese Erkenntnis allein noch nicht zu einem politischen Projekt.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die Entwicklung einer neuen politischen Kraft w\u00fcrde die kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Strategie der Linken erfordern \u2013 nicht nur in \u00d6sterreich, sondern \u00fcberall, wo die radikale Rechte Aufwind hat.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Erforderlich ist zun\u00e4chst, den Fokus &nbsp;von der moralischen Verurteilung auf den politischen Kampf zu verlagern.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Bernie Sanders wies in seiner ersten Rede nach Trumps Wahlsieg v\u00f6llig zu Recht darauf hin, dass der designierte Pr\u00e4sident es geschafft hatte, echten und berechtigten Zorn f\u00fcr sich zu nutzen. Als berechtigt anerkennen, ist hier das Schl\u00fcsselwort.&nbsp; Der Zorn der Menschen entsteht, weil sie auf ihre&nbsp; Sorgen keine angemessenen politischen Antworten bekommen. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Es wurde bereits oft gesagt, dass das entscheidende Schlachtfeld mit der extremen Rechten in der Bew\u00e4ltigung der Massenarbeitslosigkeit und prek\u00e4ren Lebens- und Arbeitsverh\u00e4ltnisse liegt. Die Linke darf nicht nur Forderungen stellen, sondern muss auch zielf\u00fchrende Strategien zu deren Umsetzung anbieten. Das erfordert einen Bruch mit der herrschenden Logik und eine soziale Transformation auf &nbsp;sowohl nationaler als auch europ\u00e4ischer Ebene: eine sozio\u00f6konomische Transformation.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Wir m\u00fcssen der Behauptung der Rechtspopulist_innen widersprechen, sie seien \u201eSystemgegner_innen\u201c. Mit ihrem Programm, &nbsp;die liberale Demokratie in einen &nbsp;autorit\u00e4ren \u201eF\u00fchrerstaat\u201c zu verwandeln, wollen sie in Wirklichkeit daf\u00fcr sorgen, dass kein Widerstand laut werden kann. <\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Im Kampf gegen die radikale Rechte geht es tats\u00e4chlich um die Verteidigung der Demokratie. Dies kann jedoch nicht in Zusammenarbeit mit den herrschenden Kr\u00e4ften geschehen, die selbst die Demokratie immer mehr entwerten und politische Rechte abschaffen, die sich die Arbeiter_innenklasse hart erk\u00e4mpft hat. Die Linke muss sich mit allen Kr\u00e4ften verb\u00fcnden, die die Demokratie in der liberalen Demokratie verteidigen, ohne selbst zu Liberalen zu werden, so wie sie die&nbsp; Demokratie auf nationaler Ebene verteidigen muss, ohne selbst nationalistisch zu werden.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">&nbsp;Es ist offensichtlich, dass die Europ\u00e4ische Union in ihrer aktuellen Form Teil des Problems und nicht der L\u00f6sung ist. Wenn man jedoch glaubt, sich zwischen der&nbsp; Demokratisierung des Nationalstaats und der St\u00e4rkung der transnationalen Demokratie entscheiden zu m\u00fcssen, geht man von einem falschen Dilemma aus. Die Antwort auf die radikale Rechte ist ein Programm der europ\u00e4ischen Einheit zur Etablierung der Demokratie auf europ\u00e4ischer Ebene, das gleichzeitig die Selbstbestimmung der nationalen Komponenten der EU respektiert.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Die schwierigste Frage ist in diesem Zusammenhang die ethische Dimension der Fl\u00fcchtlingskrise, die im Mainstream-Diskurs wie in einer Camera Oscura erscheint. &nbsp;W\u00e4hrend behauptet wird, dass Europa \u2013 eine Region mit 500 Millionen Menschen \u2013 Schwierigkeiten dabei habe, 1,5 Millionen Fl\u00fcchtlinge zu integrieren, besteht das tats\u00e4chliche Problem der kommenden Jahrzehnte darin, wie sich Europa, das sich noch immer nicht von seiner kolonialen Attit\u00fcde befreit hat, in eine Welt mit 10 Milliarden Menschen integrieren wird.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der Kampf gegen die extreme Rechte muss daher eine kulturelle Revolution beinhalten, eine \u201eKatharsis\u201c, wie es Gramsci in seinen Gef\u00e4ngnisheften nennt. Die europ\u00e4ischen Gesellschaften k\u00f6nnen sich nur unter dem Dach eines neuen Weltverst\u00e4ndnisses emanzipieren, ohne das kein Fortschritt m\u00f6glich sein wird und atavistischer R\u00fcckschritt unvermeidlich ist.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">Der heutige Kampf gegen die populistische, radikale Rechte \u00e4hnelt einem Stellungskrieg. Der Kandidat der radikalen Rechten wurde in einem kleinen europ\u00e4ischen Staat geschlagen. Das bedeutet nicht das Ende des Kriegs, wir d\u00fcrfen aber glauben, dass wir ihn gewinnen k\u00f6nnen.<\/span><br \/>\n<span lang=\"DE\">&nbsp;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\" lang=\"DE\">Erstver\u00f6ffentlichung auf Englisch bei <link https:\/\/www.jacobinmag.com\/2016\/12\/austria-election-fpo-hofer-eu-europe-democracy-fascism\/>Jacobin<\/link><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die extreme Rechte \u00d6sterreichs hat einen R\u00fcckschlag erlitten. Wer glaubt, dass damit ihre Dynamik durchbrochen wurde, liegt jedoch falsch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23152,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-walter-baier-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23151"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27622,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23151\/revisions\/27622"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}