{"id":23351,"date":"2018-03-29T13:45:00","date_gmt":"2018-03-29T11:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/oesterreichs-anschluss-an-nazi-deutschland\/"},"modified":"2023-09-27T16:10:32","modified_gmt":"2023-09-27T14:10:32","slug":"oesterreichs-anschluss-an-nazi-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/oesterreichs-anschluss-an-nazi-deutschland\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreichs Anschluss an Nazi-Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Am 12. M\u00e4rz j\u00e4hrte sich der \u201eAnschluss\u201c \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich, infolge dessen das nationalsozialistische Terrorregime auf \u00d6sterreich ausgedehnt wurde, zum 80. Mal. Erst in den 1980er-Jahren wurde durch die sogenannte Waldheim-Aff\u00e4re ein Umdenkprozess angesto\u00dfen, dass sich die \u00d6sterreicher_innen nicht nur als Opfer, sondern auch als T\u00e4ter_innen im Hinblick auf die Verbrechen des Nationalsozialismus sehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Problematik ist allerdings komplexer, als dass sie sich auf den Gegensatz von Opfern und T\u00e4ter_innen reduzieren lie\u00dfe. Der wichtigen, neuen Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber der T\u00e4ter_innenschaft fiel vielfach die \u00f6ffentliche Beachtung des \u00f6sterreichischen Widerstands zum Opfer, obwohl dieser bei der Errichtung der Zweiten Republik \u00d6sterreich eine essentielle Rolle spielte.<\/p>\n<p>Diese Debatte wieder aufzunehmen, erscheint heute umso notwendiger, als seit Dezember der Deutschnationalismus in Gestalt der rechtsextremen FP\u00d6 in der Regierung sitzt. Damit gewinnen Fragen des Selbstverst\u00e4ndnisses \u00d6sterreichs und der Interpretation seiner Geschichte eine dringende aktuelle politische Bedeutung. <\/p>\n<p>Die Panelist_innen kamen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Zug\u00e4ngen, so gab es Vortr\u00e4ge von Historiker_innen vom Dokumentationsarchiv des \u00d6sterreichischen Widerstands (<a href=\"https:\/\/www.doew.at\/\">D\u00d6W<\/a>) in Wien, aber auch von einer Ordensschwester.<\/p>\n<p><b>Winfried Garscha<\/b> (D\u00d6W) sprach zum Weg zum M\u00e4rz 1938 in der austrofaschistischen Diktatur, <b>Gerhard Baumgartner<\/b> (Wissenschaftlicher Leiter des D\u00d6W) zum \u00f6sterreichischen Widerstand, und hier auch zu bisher unerforschten Widerstandsgruppen wie den Burgenl\u00e4ndischen Roma. <b>Claudia Kuretsidis-Haider<\/b> (D\u00d6W) hielt eine Pr\u00e4sentation zur Entnazifizierung und Nachkriegsjustiz. Die Politikwissenschafterin <b>Tamara Ehs<\/b> sprach zu Abbruch und Scheitern der Entnazifizierung und Ent-Faschisierung. <\/p>\n<p>In einem Panel zu \u201eWie wir heute \u00fcber den Widerstand reden\u201c sprachen die Historikerin <b>Sissi Luif<\/b>, die Filmemacherin <b>Elisabeth Holzinger<\/b>, die Journalistin <b>Nina Horaczek<\/b> und <b>Tobias Schweiger<\/b> von den Jungen Gr\u00fcnen. <\/p>\n<p><b>Mario Kessler<\/b>, Historiker aus Berlin, hielt einen Vortrag \u00fcber deutsche und \u00f6sterreichische Kommunist_innen und ihre Flucht in die Vereinigten Staaten. <b>Sr. Ruth Beinhauer<\/b> hielt eine Pr\u00e4sentation zu Sr. Restituta Kafka, die von den Nazis wegen Widerstands zum Tode verurteilt wurde, und ihre kommunistischen Mitgefangenen. <\/p>\n<p><b>Bernhard Weidinger<\/b> (D\u00d6W) erkl\u00e4rte, warum man die FP\u00d6 als rechtsextreme Partei deklarieren kann. <b>Walter Baier<\/b>, politischer Koordinator von transform! europe, sprach zu Rechtsradikalismus und Nationalismus in Europa. <\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden Panel kamen Politiker_innen zu Wort: Zur Frage von Europa zwischen Neoliberalismus und Nationalismus sprachen <b>Joanna Gwiazdecka<\/b> (RLS, Prag), <b>Samuel Seitz<\/b> (Junge Linke), <b>Regina Gruber<\/b> (DiEM25) und <b>Joachim Tischler<\/b> (Europ\u00e4ische Linke).<\/p>\n<p>Die Schlussbemerkungen hielt <b>Mirko Messner<\/b>, Bundessprecher der KP\u00d6. <\/p>\n<p>Er\u00f6ffnet wurde das Symposium von <b>Barbara Steiner<\/b>, Direktorin von transform! europe. Hier ihre thematische Einleitung: <\/p>\n<p><b>Hitler wurde im austrofaschistischen \u00d6sterreich jubelnd begr\u00fc\u00dft<\/b><\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in \u00d6sterreich ein, und es wurde der politische Wechsel vom austrofaschistischen zum nationalsozialistischen Regime vollzogen; am 13. M\u00e4rz wurde die administrative Eingliederung von \u00d6sterreich als \u201eOstmark\u201c ins Deutsche Reich durchgef\u00fchrt. <\/p>\n<p>Der Feind stand aber nicht nur jenseits der Grenze. Die NSDAP erreichte in den letzten freien Regionalwahlen 1932 etwa ein Viertel der Stimmen und war nach der Sozialdemokratie die zweitst\u00e4rkste Oppositionspartei. <\/p>\n<p>Die Demokratie war in \u00d6sterreich seit 1933 ausgeschaltet, am 4. M\u00e4rz 1933 wurde das Parlament von der Regierung Dollfu\u00df lahmgelegt. Die seit Juni 1933 illegalen Nazis versuchten am 25. Juli 1934 einen Putsch, ver\u00fcbten Terroranschl\u00e4ge und unterwanderten dann die verschiedensten Institutionen des austrofaschistischen Staates, warteten nur auf ihre Chance zur Machtergreifung und mobilisierten im M\u00e4rz 1938 ihre Anh\u00e4ngerschaft. <\/p>\n<p>Die Wehrmachts-, SS- und Polizeikommandos marschierten am 12. M\u00e4rz unter Beifall und Jubel einer gro\u00dfen Zahl von \u00d6sterreicher_innen ein. Wir alle kennen die Bilder vom \u00fcberf\u00fcllten <a href=\"https:\/\/www.mediathek.at\/gedenkjahr-2018\/1938\/heldenplatz\/der-heldenplatz-am-15-maerz-1938\/\">Heldenplatz<\/a>, wo am 15. M\u00e4rz die Menschen Hitler am Balkon der Neuen Burg zujubeln. <\/p>\n<p>Schon am Abend des 11. M\u00e4rz beginnend, wurden in den darauf folgenden Wochen, insbesondere in Wien, von SA und SS rund 72.000 Menschen verhaftet, darunter Funktion\u00e4r_innen des St\u00e4ndestaats, Politiker_innen der Ersten Republik, Kommunist_innen, Intellektuelle \u2013 ein Drittel von ihnen Juden. Die meisten wurden in das KZ Dachau deportiert. <\/p>\n<h4><b>Die KP\u00d6 f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges, demokratisches \u00d6sterreich<\/b><\/h4>\n<p>Die KP\u00d6 war eine kleine Partei, die nicht im Nationalrat vertreten war. Ihre Mitgliederzahl wuchs jedoch rapide an nach dem kurzen B\u00fcrger_innenkrieg im Februar 1934, in dem die Arbeiter_innenbewegung und ihr bewaffneter Arm, der Schutzbund, den faschistischen Heimwehren unterlag. Die KP\u00d6 vertrat seit Beginn der Ersten Republik die These des unabh\u00e4ngigen \u00d6sterreichs gegen die in den 1920er-Jahren verbreitete Anschlussbewegung. Am 12. M\u00e4rz war sie die einzige politische Kraft, die zum aktiven Widerstand gegen die Besatzung, gegen das faschistische Regime und f\u00fcr die Wiedererrichtung eines \u201efreien, unabh\u00e4ngigen \u00d6sterreich\u201c aufrief, explizit auch an Sozialist_innen und Christ_innen gerichtet.<\/p>\n<p>Die KP\u00d6 wollte in der Nazizeit in einer Volksfront f\u00fcr ein demokratisches, unabh\u00e4ngiges \u00d6sterreich k\u00e4mpfen, das auch nicht zum Status Quo vor dem Anschluss zur\u00fcckkehren sollte, sondern den Weg in eine sozialistische Gesellschaft \u00f6ffnen sollte. Sie reihte sich mit dieser Strategie in die Reihe von Befreiungsfronten und -armeen im Widerstand gegen die Nazi-Okkupation ein, international. Sie sieht das freie, demokratische \u00d6sterreich als Antithese zum Nationalsozialismus. <\/p>\n<p>War es Naivit\u00e4t oder propagandistische Ausblendung, die sie den Jubel, die Anh\u00e4nger_innenschaft und den weite Teile der Gesellschaft vergiftenden Antisemitismus untersch\u00e4tzen lie\u00df?<\/p>\n<h4><b>Die Relevanz des Widerstands<\/b><\/h4>\n<p>Es gab sozialistischen, christlichen, konservativen, milit\u00e4rischen, gewerkschaftlichen und kommunistischen Widerstand, und das individuelle Widerstehen \u2013 was wir als zivilen Ungehorsam oder einfach Mitmenschlichkeit bezeichnen \u2013 war in vielen Facetten ausgepr\u00e4gt. Zahlenm\u00e4\u00dfig waren die Verluste des kommunistischen Widerstands am h\u00f6chsten. Immer ist festzustellen, dass durch die Kriegssituation die Geschlechterverh\u00e4ltnisse ersch\u00fcttert waren, Frauen ihren Platz in der \u00d6ffentlichkeit einnahmen. Frauen im Widerstand waren Mehrfachbelastungen ausgesetzt \u2013 es galt, die Familie und F\u00fcrsorgearbeiten mit Lohnarbeit und politischer Arbeit zu vereinen. <\/p>\n<p>Die Moskauer Deklaration der alliierten Au\u00dfenminister erkannte 1943,&nbsp;dass \u00d6sterreich das erste freie Land sei, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer gefallen ist. Doch w\u00f6rtlich hei\u00dft es in der Deklaration auch: \u201e\u00d6sterreich wird aber auch daran erinnert, dass es f\u00fcr die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung tr\u00e4gt, der es nicht entrinnen kann, und dass anl\u00e4sslich der endg\u00fcltigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.\u201c<\/p>\n<p>Besonders dem bewaffneten Widerstand der K\u00e4rntner Slowenischen Partisan_innen kam hier in der Bewertung nach Kriegsende gro\u00dfe Relevanz zu<a name=\"_ftnref1\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/typo3\/#_ftn1\"><sup><sup><span style=\"font-size:11.0pt; line-height:115%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif\">[1]<\/span><\/sup><\/sup><\/a>. Es ergab sich das Paradoxon, dass obwohl die Widerstandsk\u00e4mpfer_innen und die Partisan_innen verantwortlich waren f\u00fcr die rasch wieder gewonnene Unabh\u00e4ngigkeit \u00d6sterreichs, sie im befreiten \u00d6sterreich aber marginalisiert, als Kommunist_innen, Vaterlandsverr\u00e4ter_innen und Banditen verteufelt wurden.<\/p>\n<p>Die Kommunistin Irma Schwager, die in Frankreich in der R\u00e9sistance in der hoch gef\u00e4hrlichen sogenannten \u201eM\u00e4delarbeit\u201c t\u00e4tig war, antwortete an ihrem 90. Geburtstag auf die Frage ihres Enkels, dem Singer\/Songwriter Robert Rotifer, warum sie zur\u00fcckgekommen sei nach Wien, in diese Stadt, wo sie als J\u00fcdin und als Kommunistin bespuckt und verachtet worden war, wie aus der Pistole geschossen: \u201eWir sind zur\u00fcckgekommen, weil wir gewonnen haben.\u201c Er singt dar\u00fcber in dem Lied \u201e<a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZWXDjnRpBpI\">Irma La Douce<\/a>\u201c, welches er f\u00fcr ihr Begr\u00e4bnis geschrieben hat.<a name=\"_ftnref2\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/typo3\/#_ftn2\"><sup><sup><\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat die KP\u00d6 als einzige Partei aktiv ihre j\u00fcdischen Mitglieder aus dem Exil zur\u00fcckgeholt. Dies ist auch in der beeindruckenden Ausstellung im Wiener J\u00fcdischen Museum, \u201e<a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"http:\/\/www.jmw.at\/de\/exhibitions\/genosse-jude-wir-wollten-nur-das-paradies-auf-erden\">Genosse Jude<\/a>\u201c, dokumentiert. Doch die KP\u00d6, Gr\u00fcndungspartei der Zweiten Republik und Teil der provisorischen Regierung Renner, erreichte nicht die Wahlerfolge, die sie sich nach der gro\u00dfen Relevanz im Widerstand erhofft hatte. <\/p>\n<h4><b>Im Kalten Krieg: antifaschistischer Konsens wird zum antikommunistischen Konsens <\/b><\/h4>\n<p>Ehemalige NSDAP-Mitglieder waren nach 1945 vom Wahlrecht ausgeschlossen \u2013 jedoch nur bis 1947 bzw. 48 (passives Wahlrecht). Es erfolgen Amnestien f\u00fcr \u201eminderbelastete\u201c Nazis, eine schleppende und schlie\u00dflich eingestellte Entnazifizierung und Verfolgung von Kriegsverbrechen. Es wurde im Geiste des Kalten Krieges der antifaschistische Konsens abgel\u00f6st von einem antikommunistischen Konsens; ehemalige Nazis konnten sich nun auch als Opfer sehen und nach einer kurzen Anstandsfrist im neu errichteten \u00d6sterreich ihre Karrieren fortsetzen.<\/p>\n<p>Sinnbildlich daf\u00fcr ist Taras Borodajkewycz, dessen antisemitische Tiraden 1965 zu einer gro\u00dfen antifaschistischen Demonstration f\u00fchrten, in deren Verlauf der kommunistische Widerstandsk\u00e4mpfer Ernst Kirchweger von einem Mitglied des RFS (Ring Freiheitlicher Studenten) erschlagen wurde. <\/p>\n<p>Die Waldheim-Aff\u00e4re 1986 machte die Beteiligung vieler \u00d6sterreicher_innen an den Naziverbrechen zum \u00f6ffentlichen Thema und leitete einen Umbruch im \u00f6ffentlichen Diskurs ein. Franz Vranitzky gab 1991 als erster Bundeskanzler die Beteiligung von \u00d6sterreicher_innen an den Nazi-Verbrechen zu und entschuldigte sich in eindrucksvoller Weise. <\/p>\n<p>Ab 1992 beschloss der Nationalrat die Entsch\u00e4digung vertriebener Juden und J\u00fcdinnen und Zwangsarbeiter_innen, ab 2001 die Restitution.<\/p>\n<p>Bisher weitgehend ignorierte Opfergruppen wie Roma und Sinti, Schwule und Lesben, Menschen mit Behinderung, Opfer von klinischen Versuchen und \u201eEuthanasie\u201c und Zeugen Jehovas ebenso wie die Auswirkungen auf die Geschlechterverh\u00e4ltnisse wurden seither akademisch untersucht und medial gew\u00fcrdigt. <\/p>\n<p>Die Wehrmachtsausstellung 1995-1999 und 2001-2004 brachte den Mythos der \u201esauberen Wehrmacht\u201c zu Fall, indem sie bis dahin tabuisierte Massaker und Beteiligung am Vernichtungskrieg zur Schau brachte. Die Rehabilitierung von Deserteuren erfolgte erst 2009; ein Deserteursdenkmal in Wien wurde 2014 errichtet. <\/p>\n<h4><b>Der Opfer\/T\u00e4ter-Diskurs und der \u00f6sterreichische Widerstand \u2013 Relevanz heute<\/b><\/h4>\n<p>Die Ersetzung des Opferdiskurses durch den T\u00e4terdiskurs dr\u00e4ngt den kleinen, aber gerade deswegen bedeutsamen Widerstand neuerlich aus dem Blick. Dies zu korrigieren, wollen wir mit diesem Symposium versuchen.<\/p>\n<p>Einer antifaschistischen Politik, die Mehrheiten erreichen will, ist nicht mit plakativen Vereinfachungen gedient. Sie braucht ein differenziertes Bild auf die Gesellschaft und ihre Geschichte. Vor allem muss sie an den progressiven Traditionen ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Es herrscht in weiten Kreisen der liberalen, selbst in Teilen der konservativen \u00d6ffentlichkeit und in den Medien moralische Emp\u00f6rung \u00fcber die Kontinuit\u00e4ten des Nationalsozialismus \u00fcber Rechtsextremismus, Antisemitismus und Deutschnationalismus (weniger \u00fcber den Frauenhass und Rassimus?!) in den Reihen und im Umfeld der FP\u00d6. <\/p>\n<p>Die FP\u00d6 ist eine Partei, die im Nationalrat und der Regierung sitzt, deren Vertreter_innen sich jedoch der deutschen Nation zugeh\u00f6rig f\u00fchlen. Im Nationalrat und in der Regierung sitzt also eine Partei, die \u00d6sterreich als eine eigenst\u00e4ndige Nation ablehnt. <\/p>\n<p>Bei der Verdr\u00e4ngung der Geschichte und des Holocaust, dem Diskurs der Relativierung verh\u00e4lt es sich so wie in Elfriede Jelineks Roman \u201eKinder der Toten\u201c \u2013 es kehrt das Verdr\u00e4ngte als Unheimliches zur\u00fcck. Dass zuerst die Beteiligung an den Naziverbrechen verdr\u00e4ngt wurde und dann, w\u00e4hrend der Aufarbeitung, die Ursachen auch nicht bearbeitet wurden, sondern nur die Auswirkungen, l\u00f6st das Trauma nicht auf. <\/p>\n<p>Deshalb braucht es einerseits eine Verbindung mit Politiken, die ein Wiederaufleben des Faschismus verhindern. Andererseits ist die Betrachtung von Geschichte kein reiner Blick ins Vergangene, sondern immer auch Analyse und Interpretation f\u00fcr das Heute und die Zukunft. <\/p>\n<p>Wir brauchen bei der Gestaltung dieser Zukunft \u2013 und es kommt hier den Wissenschafter_innen genauso eine Verantwortung zu wie Journalist_innen, K\u00fcnstler_innen, Politiker_innen und anderen Intellektuellen \u2013 Allianzen und B\u00fcndnisse. <\/p>\n<div>\n<hr \/>\n<div id=\"ftn1\">\n<p><a name=\"_ftn1\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/typo3\/#_ftnref1\"><span style=\"font-size:11.0pt; line-height:115%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif\">[1]<\/span><\/a> \u201e\u00d6sterreich wird aber auch daran erinnert, dass es f\u00fcr die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung tr\u00e4gt, der es nicht entrinnen kann, und dass anl\u00e4sslich der endg\u00fcltigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<p><a name=\"_ftn2\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/typo3\/#_ftnref2\"><\/a> <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. M\u00e4rz organisierte transform.at gemeinsam mit anderen in Wien ein Symposium mit dem Titel \u201e\u00d6sterreich 1938 \u2013 2018. Der Opfer\/T\u00e4ter-Diskurs und der \u00f6sterreichische Widerstand\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13182,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23351","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-barbara-steiner-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23351"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23351\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27708,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23351\/revisions\/27708"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}