{"id":23374,"date":"2019-02-05T19:00:52","date_gmt":"2019-02-05T18:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/der-kampf-geht-weiter\/"},"modified":"2023-09-27T16:10:43","modified_gmt":"2023-09-27T14:10:43","slug":"der-kampf-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/der-kampf-geht-weiter\/","title":{"rendered":"Der Kampf geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Seit 4. Dezember streiken die Studierenden und mobilisieren gegen hohe Studiengeb\u00fchren und Amtsmissbrauch an den Universit\u00e4ten. Die Proteste sind die Folge aggressiver neoliberaler Reformen, die ab 2010 umgesetzt wurden, als das Land von der mitte-rechten Demokratischen Partei regiert wurde. 2015 kam die Sozialistische Partei an die Macht, die auch heute die Regierung stellt, und ein \u00e4u\u00dferst umstrittenes Hochschulgesetz verabschiedete. Dieses Gesetz sorgte daf\u00fcr, dass die Kosten f\u00fcr die Ausbildung an den \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten im Laufe der Jahre zu einem immer geringeren Ma\u00df vom Staat getragen und zunehmend den Studierenden bzw. deren Familien aufgeb\u00fcrdet &nbsp;werden. Dies hatte zur Folge, dass die Anzahl der Studierenden an den \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten dramatisch sank, obwohl sie vor den Reformen jedes Jahr gestiegen war. W\u00e4hrend im Jahr 2014 noch 142.707 Studierende an den \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten gemeldet waren, waren es 2017 nur noch 115.093, was einer Reduktion um 20% in einem Zeitraum von drei Jahren gleichkommt.<\/p>\n<p>Die Studierenden begannen schlie\u00dflich zu Protesten gegen diese Reformen aufzurufen \u2013 oft im Rahmen spontaner Demonstrationen. Die Bewegung f\u00fcr die Universit\u00e4t (L\u00ebvizja P\u00ebr Universitetin) schaffte es, Studierende in mindestens vier Fakult\u00e4ten zu mobilisieren. Nach drei Wochen andauernder massiver Proteste im Dezember entschloss sich die Regierung dazu, einigen wenigen Forderungen der Studierenden nachzukommen. Beispielsweise wurden die Geb\u00fchren f\u00fcr Bachelorstudieng\u00e4nge gesenkt \u2013 jene f\u00fcr Masterstudieng\u00e4nge jedoch nicht. In Albanien sind die Geb\u00fchren f\u00fcr Masterstudieng\u00e4nge drei- bis viermal h\u00f6her als f\u00fcr Bachelorprogramme. Da sich die Regierung weigert, Masterstudierende finanziell zu unterst\u00fctzen, sind ihre Studiengeb\u00fchren fast so hoch wie an Privatuniversit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Um die finanziellen Mittel f\u00fcr die Forderung der Studierenden aufzutreiben, wurde eine Verdoppelung des Budgets der \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten verlangt, was eine Reduktion der Studiengeb\u00fchren und andere notwendige Investitionen in die Universit\u00e4ten erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Die Regierung \u2013 die noch vor zwei Wochen ein Gesetz zur Senkung des Steuersatzes f\u00fcr gro\u00dfe Unternehmen verabschiedete \u2013 zeigte sich jedoch nicht bereit, dieses Budget zu erh\u00f6hen. Im Gegenteil versucht sie nun, die Senkung der Bachelorstudiengeb\u00fchren durch eine Begrenzung der Studierendenzahlen im kommenden Studienjahr auszugleichen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus fordern die Studierenden eine Demokratisierung des Universit\u00e4tsalltags. Sie verlangen bei der Wahl der Hochschulleitung das gleiche Mitbestimmungsrecht f\u00fcr Studierende wie f\u00fcr Professor_innen. Die \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten Albaniens leiden nicht nur unter der neoliberalen Regierungspolitik, sondern an ihrer nahezu feudalen internen Organisation. Rektor_innen und Dekan_innen haben weitreichende Befugnisse und betreiben gemeinsam mit Universit\u00e4tsangestellten Vetternwirtschaft, kontrollieren den Universit\u00e4tsalltag und sind in die abartigsten Korruptions- und Amtsmissbrauchshandlungen verstrickt: Professor_innen, die f\u00fcr gute Noten Geld verlangen, Studierende unter Drohungen zum Kauf ihrer B\u00fccher zwingen und Dekan_innen und Rektor_innen bei Korruptionsvorhaben im gro\u00dfen Stil unterst\u00fctzen. Da die Regierung Angst hat, dass eine Demokratisierung der Universit\u00e4ten ihre Beziehung zu den \u201aFeudalherr_innen\u2018 an den Universit\u00e4ten gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, weigert sie sich, eine Wahlreform durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die Regierung weigert sich zudem, das Hochschulgesetz zur\u00fcckzunehmen. Dieses Gesetz wurde von den Betreiber_innen einiger Privatuniversit\u00e4ten ausgearbeitet und erm\u00f6glicht es letzteren, sich gemeinsam mit \u00f6ffentlichen Unis um staatliche Subventionen zu bewerben. Dies f\u00fchrte zur Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren an den \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten. Au\u00dferdem m\u00fcssen sich diese kommerzieller ausrichten, Werbung f\u00fcr Sponsor_innen machen anstatt kritisches Denken f\u00f6rdern, die Studieng\u00e4nge st\u00e4rker an die Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft anpassen und ihre Studierenden verst\u00e4rkt wie Kund_innen behandeln. Die Regierung verbreitete dar\u00fcber hinaus, dass Hochschulbildung kein Grundrecht sei, sondern nur eine Servicedienstleistung, f\u00fcr die jede_r selbst aufkommen solle. Deshalb ist es umso beeindruckender, dass die Proteste, bei denen stets das Recht auf kostenlose bzw. leistbare Hochschulbildung betont wird, in nur wenigen Wochen die neoliberale Hegemonie durchbrochen und eine neue Hegemonie geschaffen haben.<\/p>\n<p>Kurz nach Beginn der Proteste zeigte sich der Gro\u00dfteil der TV-Expert_innen solidarisch mit den Studierenden und ihren Anliegen. Sie unterst\u00fctzten die Forderung einer deutlichen Senkung der Studiengeb\u00fchren und kritisierten das neoliberale Hochschulgesetz als Hauptgrund f\u00fcr die Proteste. Die gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei \u2013 die mitte-rechte Demokratische Partei \u2013 hat interessanter Weise ihren Ton nun versch\u00e4rft und verspricht, dass sie im Falle einer neuerlichen Regierungs\u00fcbernahme die Universit\u00e4ten geb\u00fchrenfrei machen werde.<\/p>\n<p>Am 8. Januar setzten die Studierenden ihre Proteste fort. Am fr\u00fchen Morgen besetzten sie verschiedene Fakult\u00e4ten und organisierten zwei Stunden lang Versammlungen. Im Anschluss daran fand ein Marsch zu den Regierungsgeb\u00e4uden im Zentrum Tiranas statt. Trotz der K\u00e4lte demonstrierten sie mehr als drei Stunden lang und k\u00fcndigten an, ihren Streik und ihre Proteste so lange fortzuf\u00fchren, bis die Regierung all ihre Forderungen erf\u00fclle. Diese umfassen: 1) Die Abschaffung des Hochschulgesetzes; 2) eine Reduktion der Studiengeb\u00fchren in allen universit\u00e4ren Studieng\u00e4ngen; 3) die Verdoppelung&nbsp; des Budgets der \u00f6ffentlichen Universit\u00e4ten; 4) gleiches Wahlrecht f\u00fcr Studierende wie f\u00fcr Professor_innen und 5) ein Verbot der staatlichen Finanzierung von Privatuniversit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Aktuell bezeichnen sogar rechte und neoliberale Politiker_innen (so sie nicht Regierungsmitglieder sind) Hochschulbildung als Grundrecht.&nbsp; In den vergangenen Wochen gewannen die Studierenden auch die Unterst\u00fctzung der Verb\u00e4nde der Universit\u00e4tsangestellten. Auch sie fordern die Aufhebung des Hochschulgesetzes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur aktuellen Lage und Entwicklung der Studierendenproteste in Albanien.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19318,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[1673],"class_list":["post-23374","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","tag-westbalkan","person-arlind-qori-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23374"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27730,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23374\/revisions\/27730"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}