{"id":23450,"date":"2019-07-06T16:49:00","date_gmt":"2019-07-06T14:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/nach-der-niederlage-neue-herausforderungen-fuer-die-radikale-linke-nach-den-europawahlen\/"},"modified":"2023-09-27T16:10:50","modified_gmt":"2023-09-27T14:10:50","slug":"nach-der-niederlage-neue-herausforderungen-fuer-die-radikale-linke-nach-den-europawahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/nach-der-niederlage-neue-herausforderungen-fuer-die-radikale-linke-nach-den-europawahlen\/","title":{"rendered":"Nach der Niederlage. Neue Herausforderungen f\u00fcr die radikale Linke nach den Europawahlen."},"content":{"rendered":"<p>Die <b>radikale Linke<\/b> ist nunmehr die kleinste Fraktion im Europ\u00e4ischen Parlament. Sie hat im Vergleich zu 2014 ca. 20% ihrer Mandate verloren. Mit 5,46% erreicht sie eine W\u00e4hlerInnenzustimmung, die jener zum Ende der 1980er Jahre gleicht. Dies allerdings unter den Bedingungen eines klaren Rechtsrucks. Die Linksparteien blieben vor allem in Spanien, Frankreich und Deutschland weit unter ihren Erwartungen. <\/p>\n<p>Innerhalb der Fraktion der radikalen Linken bildet die spanische <i>Unidos Podemos<\/i> dennoch mit 6 Abgeordneten die st\u00e4rkste Partei &#8211; gemeinsam mit der griechischen <i>Syriza<\/i>. Aus Deutschland entsendet <i>DIE LINKE<\/i> 5 VertreterInnen, hinzu kommt ein Abgeordneter der <i>Tierschutzpartei<\/i>. Mit je zwei Sitzen sind der portugiesische <i>Bloco <\/i>und die portugiesische linksgr\u00fcne Allianz unter Einschluss der KommunistInnen, <i>Sinn F\u00e9in<\/i> und die zyprische AKEL vertreten. \u00dcber je einen Sitz verf\u00fcgen die schwedische <i>V\u00e4nsterpartiet<\/i>, die d\u00e4nische <i>Einheitsliste<\/i>, die finnische <i>Linkspartei <\/i>und die belgische Arbeiterpartei PTB-PVDA. Das gilt auch f\u00fcr die tschechische KS\u010cM, die damit jedoch weiter an Einfluss verliert. Nicht mehr im Europ\u00e4ischen Parlament (EP) vertreten sind die italienischen Linken, die 2014 mit der <i>Liste Tsipras<\/i> ins EP eingezogen sind. Die slowenische <i>Levica <\/i>hat es mit 6,3% W\u00e4hlerInnenunterst\u00fctzung nicht geschafft. Ob sich M\u00e9lenchon\u2018s <i>La France Insoumise<\/i> mit ihren 6 Abgeordneten der Fraktion der radikalen Linken anschlie\u00dfen wird, ist derzeit noch offen. <\/p>\n<p style=\"color: rgb(240, 0, 0); font-size: 16px; \"><b style=\"font-size: 12px;\">Unsere Nachwahlanalysen finden Sie <a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/focus\/overview\/ep-2019-the-european-left-one-mouth-many-voices\/\">hier<\/a>;<\/b><\/p>\n<p>Konservative und SozialdemokratInnen verlieren ebenfalls je knapp 20% ihrer Mandate[<u>1<\/u>], sie bleiben aber st\u00e4rkste Fraktionen: 182 Sitzen gehen an die Konservativen (EVP), 153 an die SozialdemokratInnen (S&amp;D).<\/p>\n<p>Mit den Gr\u00fcnen und Liberalen gewinnen explizit zwei Pro-EU-Parteienfamilien. Die Gr\u00fcnen haben nunmehr 75 und die Liberalen &#8211; dank der Entscheidung Macrons, sich dieser Fraktion zuzuordnen &#8211; 108 Sitze. Die Rechtsparteien der <i>Europ\u00e4ischen Konservativen und Reformer<\/i> (EKR) und die noch weiter rechtsstehenden Fraktionen <i>Europa der Freiheit und der direkten Demokratie<\/i> (EFDD) und die neu gegr\u00fcndete Fraktion <i>Identit\u00e4t und Demokratie<\/i> (ID) erhalten insgesamt 178 Sitze, wobei sich die endg\u00fcltige Formierung der Rechtsfraktionen erst nach erfolgtem Brexit zeigen wird. Wenn hierzu noch weitere Parteien wie die FIDEZS hinzugez\u00e4hlt werden, kommen sie auf 25% der W\u00e4hlerInnen. <\/p>\n<p>Damit gibt es im EP neben Konservativen und SozialdemokratInnen\/ Sozia\u00adlistInnen mit ca. 25% einen Pro-EU-Block mit Gr\u00fcnen und Liberalen und einen stark nationalistisch orientierten Anti-EU-Rechtsblock. Zugleich zeigt das Wahlergebnis, dass die Rechtsparteien weniger stark wurden, als sie selbst erhofft hatten. Dennoch gibt es im EP eine klare rechte Schlagseite, die \u00fcber die Erh\u00f6hung von 22% (2014) auf 25% (2019) hinausgeht, vor allem, wenn hierzu der Einfluss der Rechtsparteien in den nationalen Regierungen und \u00fcber den Europ\u00e4ischen Rat ber\u00fccksichtigt wird. Die politische Rechte ist in Belgien, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Italien, Polen an der Regierung oder Teil der Regierung. In Italien und Frankreich wurden bei den Europawahlen die <i>Lega <\/i>bzw. Le Pens <i>Rassemeblement National<\/i> (RN) st\u00e4rkste Parteien. Und: Sie nehmen mit der Verschiebung der Agenda l\u00e4ngst Einfluss auf nationale und europ\u00e4ische Politik.&nbsp; <\/p>\n<p>Zugleich wurden jedoch mit Liberalen und Gr\u00fcnen jene Parteien verst\u00e4rkt gew\u00e4hlt, die klare Pro-EU-Positionen vertreten und sich f\u00fcr eine Vertiefung der EU-Politik aussprechen. Dies ist mit Blick auf das Brexit-Paradoxon nicht unwichtig. Einerseits r\u00fcckten angesichts des Brexit-Chaos nahezu alle Parteien \u2013 ungeachtet ihrer politischen Ausrichtung \u2013 von ihrer Anti-EU-Position und vor allem von ihren Exit-Positionen im Wahlkampf ab. Andererseits wurde die Brexit-Partei mit \u00fcber 30% der W\u00e4hlerInnenstimmen st\u00e4rkste Partei in Gro\u00dfbritannien. <\/p>\n<p>Die <b>Wahlbeteiligung <\/b>lag EU-weit bei <b>50,93%<\/b> \u2013 das sind deutlich mehr als 2014 mit 43,09%, wobei die Differenzen zwischen den einzelnen EU-L\u00e4ndern traditionell sehr gro\u00df sind. So lag die Wahlbeteiligung in der Slowakei bei nur 22,74%, in Portugal bei 31,40%, in Spanien \u00fcber 60%. In L\u00e4ndern mit Wahlpflicht liegt die Beteiligung zum Teil \u00fcber 80%. Bemerkenswert (mehr als 10%) erh\u00f6ht hat sich die Wahlbeteiligung in Tschechien (28,72%), Deutschland (61,41%), Ungarn (43,36%), Rum\u00e4nien (51,07%) und Spanien (64,30%).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"262\" width=\"519\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/csm_graph_3_2423ec0d86.jpg\" data-htmlarea-file-uid=\"116801\" style=\" \" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"font-size: 10px; \">Quelle: <a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/election-results.eu\/european-results\/2019-2024\/\">Webseite des Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a>,<\/p>\n<p style=\"font-size: 12px; \"><b>GUE\/NGL<\/b>: <i>European United Left\/ Nordic Green  Left<\/i> (radikale Linke); <span class=\"external-link\"><b>S&amp;D<\/b>: Group of the <i>Progressive Alliance of Socialists and Democrats<\/i> (SozialdemokratInnen); <\/span><span class=\"external-link\"><span class=\"external-link\"><b>ALDE<\/b>: <i>Alliance of  Liberals and Democrats for Europe<\/i> (Liberale); <\/span><\/span><b><span class=\"external-link\">EPP<\/span><\/b><span class=\"external-link\">: <i>European People\u2019s Party<\/i> (Konservative); <\/span><span class=\"external-link\"><b>ECR<\/b>: <i>European Conservatives and Reformists<\/i> (Rechtsfraktion); <b>EFDD<\/b>: <i>Europe of Freedom and Direct Democracy<\/i> (<\/span><span class=\"external-link\"><span class=\"external-link\">Rechtsfraktion<\/span>), <b>ID<\/b>: <i>Identity and Democracy <\/i>(<\/span><span class=\"external-link\"><span class=\"external-link\">Rechtsfraktion<\/span>); <\/span><b>NI<\/b>: nicht zugeordnet;<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderte Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse<\/h2>\n<p>In den n\u00e4chsten Wochen und Monaten ist ein verst\u00e4rkter Kampf um die Frage der Gestaltung der k\u00fcnftigen EU zu erwarten: Vertiefung der EU und hierzu die Schaffung neuer EU-Institutionen und Instrumente oder R\u00fcckbau der EU-Institutionen, R\u00fcckverlagerung von Kompetenzen auf die Ebene nationaler Regierungen bis hin zum Bruch europ\u00e4ischer Vertr\u00e4ge und Richtlinien unter Inkaufnahme angedrohter Sanktionen. Dieser Kampf wird von rechts vor allem auf jenen Feldern gef\u00fchrt werden, die den demokratischen Charakter der EU weiter infrage stellen und die Menschenrechtspositionen und ihre reale Durchsetzung schw\u00e4chen. Die Widerspr\u00fcche, die sich hierzu zwischen den Fraktionen und herrschenden Bl\u00f6cken herausbilden, m\u00fcssen in weiteren Analysen herausgearbeitet werden, ebenso die Risse innerhalb und zwischen den herrschenden Bl\u00f6cken. <\/p>\n<p>Betrachtet man die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse der einzelnen Fraktionen mit Blick auf m\u00f6gliche Mehrheitsverh\u00e4ltnisse u.a. zur Wahl des EU-Kommissionspr\u00e4sidenten, so wird klar, dass die beiden bisherigen gro\u00dfen Fraktionen der Konservativen und SozialdemokratInnen mit 44% der Abgeordneten nicht mehr wie bisher als informelle ,gro\u00dfe Koalition\u2018 agieren k\u00f6nnen. Wenn es also um die Wahl des EU-Kommissionspr\u00e4sidenten (und sp\u00e4ter um die Wahl des EZB-Pr\u00e4sidenten) geht, w\u00fcrde eine Kooperation von EVP und S&amp;D nicht ausreichen. Eine Mehrheitsbildung unter Ausschluss der europaskeptischen Fraktion EKR und der beiden Rechtsfraktionen ID und EFDD erfordert entweder die Einbeziehung der Gr\u00fcnen oder der Liberalen. Das kann nur durch die Er\u00f6ffnung von Angeboten funktionieren \u2013 thematisch, strukturell oder personell. Da weder Macron noch die Gr\u00fcnen sich f\u00fcr Manfred Weber ausgesprochen haben, wird noch ein anderes Problem deutlich. Innerhalb beider Fraktionen verlieren die VertreterInnen aus Deutschland, Italien und Frankreich an Gewicht. In welchem Ma\u00dfe das jedoch politikwirksam wird, ist derzeit noch unklar. <\/p>\n<p>Auch ein theoretisch m\u00f6gliches B\u00fcndnis von Konservativen und Rechtsblock verf\u00fcgt nicht \u00fcber eine Mehrheit im Europaparlament. F\u00fcr die Konservative und SozialdemokratInnen bedeutet dies, dass sie sich PartnerInnen suchen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><u>Wenn also eine Mehrheit von Konservativen und SozialdemokratInnen im EP ohne den rechten Block erreicht werden soll, haben sie daf\u00fcr folgende M\u00f6glichkeiten:<\/u><\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p>a)&nbsp;&nbsp; eine ,gro\u00dfe liberale Koalition\u2018 zu bilden zusammen mit den Liberalen, die grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Fortsetzung der bisherigen Politik und zugleich f\u00fcr eine Vertiefung der EU stehen \u2013 in Auseinandersetzung mit den Rechtsparteien. &nbsp;Dieses Projekt st\u00fcnde \u2013 ohne die bisherige Politik grunds\u00e4tzlich zu ver\u00e4ndern \u2013 immerhin f\u00fcr verst\u00e4rkte EU-Integration und Zusammenarbeit vor allem auf den Feldern der Wirtschafts- und Au\u00dfenpolitik, oder<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"indent\">\n<p>b)&nbsp;&nbsp; eine ,gro\u00dfe gr\u00fcne Koalition\u2018 zusammen mit den erstarkten Gr\u00fcnen zu bilden. In einer solchen Konstellation best\u00fcnde die M\u00f6glichkeit, ein gr\u00fcn-soziales oder gr\u00fcn-neoliberales Projekt zu entwickeln, als europ\u00e4ischen ,Motor\u2018 f\u00fcr einen ,gr\u00fcnen\u2018 Kapitalismus. In welchem Ma\u00dfe sich dieser ,Motor\u2018 in Richtung einer sozial-\u00f6kologischen Transformation gestalten l\u00e4sst, wird ma\u00dfgeblich von der St\u00e4rke und Ausrichtung sozialdemokratischer\/sozialistischer Parteien abh\u00e4ngig sein und von der St\u00e4rke einer europ\u00e4isch mobilisierungs- und durchsetzungsf\u00e4higen radikalen Linken.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"indent\">\n<p>c)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch die M\u00f6glichkeit des Agierens mit wechselnden Mehrheiten. Ein solcher Ansatz sichert den Konservativen ein weitestgehendes Festhalten am Status quo mit erforderlichen gr\u00fcnen Anpassungen und partiellen Vertiefungen der EU. Dies k\u00f6nnte insbesondere in der Au\u00dfen-, Klima sowie der Friedens- und Sicherheitspolitik geschehen \u2013 letztlich stehen auch die Gr\u00fcnen in Europa f\u00fcr eine wehrhafte Verteidigung europ\u00e4ischer Werte.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Ergebnisse der Europawahlen: 2014 und 2019 im Vergleich (in % der Stimmen)<\/b> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"167\" width=\"526\" 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style=\"\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"font-size: 10px; \"><span style=\"font-size:10.0pt; line-height:107%\" lang=\"DE\">Quelle: Daten europ\u00e4isches Parlament, eigene Zusammenstellung<\/span><\/p>\n<h2>Zu den Linken <\/h2>\n<p>Betrachtet man den linken Teil des Parteienspektrums, so kommen die Linksparteien, die SozialdemokratInnen, Sozialisten und Gr\u00fcne zusammen lediglich auf knapp 35%. Das schw\u00e4chste Element in diesem Teil des politischen Spektrums bilden die radikalen Linken.<\/p>\n<table style=\"width: 677px; height: 242px;\">\n<caption style=\"font-size: 16px;\" class=\"align-center\"><b>Wahlergebnisse<\/b><\/caption>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>GUE\/NGL<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>Gr\u00fcne\/EFA<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>S&amp;D<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>ALDE<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>EPP<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>ECR<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>EFDD<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>ENF\/ID<\/b><\/td>\n<td class=\"align-center\"><b>NI<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>2019 in %<\/b><\/td>\n<td>5,46<\/td>\n<td>9,99<\/td>\n<td>20,37<\/td>\n<td>14,38<\/td>\n<td>24,23<\/td>\n<td>8,26<\/td>\n<td>5,73<\/td>\n<td>9,72<\/td>\n<td>0,93<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>2014 Sitze<\/b><\/td>\n<td><span style=\"color: rgb(15, 0, 0);\">6<\/span>,92<\/td>\n<td>6,66<\/td>\n<td>25,43<\/td>\n<td>8,92<\/td>\n<td>29,43<\/td>\n<td>9,32<\/td>\n<td>6,39<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<td>6,92<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>Diff.<\/b><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-1,46<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(7, 184, 31);\"><span style=\"color: rgb(7, 184, 31);\">+3,3<\/span>3<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-5,06<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(7, 184, 31);\">+5,46<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-5,2<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-1,06<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-0,66<\/span><\/td>\n<td>9,72<\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-5,99<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>2019 Sitze<\/b><\/td>\n<td>41<\/td>\n<td>75<\/td>\n<td>153<\/td>\n<td>108<\/td>\n<td>182<\/td>\n<td>62<\/td>\n<td>43<\/td>\n<td>75<\/td>\n<td>7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>2014 Sitze<\/b><\/td>\n<td>52<\/td>\n<td>50<\/td>\n<td>191<\/td>\n<td>69<\/td>\n<td>221<\/td>\n<td>70<\/td>\n<td>48<\/td>\n<td>&#8212;<\/td>\n<td>52<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"align-center\"><b>Diff.<\/b><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-11<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(7, 184, 31);\">+25<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-38<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(7, 184, 31);\">+41<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-39<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-8*<\/span><\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-5<\/span><\/td>\n<td>75<\/td>\n<td style=\"color: rgb(15, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(240, 14, 14);\">-45<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"font-size: 10px; \">Quelle: <a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.election-results.eu\/european-results\/2019-2024\/\">Europ\u00e4isches Parlament<\/a><i>;<\/i><\/p>\n<p><i>*Anmerkung: Bei der Berechnung der Sitze von EKR, EFDD und ENF muss ber\u00fccksichtig werden, dass ein Teil der Parteien zwischen diesen Fraktionen wechselte. Es ist deshalb sinnvoller, die Gesamtzahl der Mandate dieser Fraktionen zu ber\u00fccksichtigen. D.h. EKR+EFDD 2014 = 118; EKR+EFDD+ENF\/ID 2019 = 178;<\/i><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 10.0pt\">\n<p>Die <b>Parteien der radikalen Linken<\/b> der bisherigen konf\u00f6deralen Fraktion der Vereinten Europ\u00e4ischen Linken\/Nordischen Gr\u00fcnen Linken (GUE\/NGL) konnten lediglich 5,46% der Stimmen auf sich vereinen und k\u00f6nnen 41 Abgeordnete in das Europaparlament entsenden, wenn sich <i>La France Insoumise<\/i> (LFI) der Fraktion anschlie\u00dfen. Sollten die derzeitigen Verhandlungen zwischen den nationalen Delegationen und LFI scheitern, wird die im Wahlkampf praktizierte Spaltung der Linken auf EP-Ebene fortgesetzt \u2013 und dies angesichts einer schwachen Linken, deren W\u00e4hlerInnenpotential seit 1989 mit wenigen Ausnahmen bei nicht mehr als ca. 5% liegt. Dies bedeutet, dass es Linksparteien seit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus nicht gelang, sich aus ihrer Defensive herauszu\u00adar\u00adbeiten. Zugleich haben sich die Wirkungsbedingungen zur Durchsetzung linker Politik durch den Rechtsruck in der EU und letztlich der Schw\u00e4che der sozialdemokratischen und sozia\u00adlistischen Parteien \u2013 trotz Erfolge einzelner Parteien \u2013 verschlechtert. Mit dem Ende der Nachkriegsperiode haben nun auch die westeurop\u00e4ischen kommunistischen Parteien ihre gesellschaftliche Bedeutung und Relevanz als bedeutsame Kraft im Kampf gegen Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg verloren.&nbsp; <\/p>\n<p>Der griechische Zweig (MeRA25) des B\u00fcndnisses von DiEM25 scheiterte mit 2,99% an der Drei-Prozent-H\u00fcrde, um ins EP einziehen zu k\u00f6nnen. Yanis Varoufakis ist in Deutschland angetreten und konnte 130.072 Stimmen, d.h. 0,3% der W\u00e4hlerInnenstimmen auf sich vereinen. In Griechenland waren es ca. 140.000 W\u00e4hlerInnen \u2212 zu wenig f\u00fcr einen Einzug. M\u00f6glicherweise verweist dies jedoch auch auf ein grundlegendes Problem zur Implementierung und Legitimierung transnationaler Listen. Zumindest war der hier versuchte Weg von Varoufakis zur Bildung einer solchen Liste in Konkurrenz zur <i>LINKEN <\/i>\u2013 trotz Bekanntheitsgrad ihres Spitzenkandidaten \u2013 nicht erfolgreich.&nbsp; <\/p>\n<p>Zur geschw\u00e4chten Position der radikalen Linken kommt hinzu, dass auch eine neue Fraktion der GUE\/NGL nur unter der Bedingung einer f\u00f6deralen Struktur gebildet werden kann \u2013 zu weit auseinander gehen die Positionen zur Rolle der Linken im EP, zum Politikverst\u00e4ndnis, zu Strategie und Organisierung und auch zu einzelnen Themenfeldern. Eine europ\u00e4isch ausgerichtete Strategieentwicklung wird dar\u00fcber hinaus durch die Dominanz national orientierter linker Politik-Ans\u00e4tze und ihre Verl\u00e4ngerung auf die europ\u00e4ische Ebene zus\u00e4tzlich erschwert. So ist die Arbeit an einer gemeinsamen Agenda der f\u00f6deralen Fraktion oft nur bei einzelnen Fragen \u2013 insbesondere der sozialen Frage oder der Frage hinsichtlich internationaler Handelsabkommen (TTIP) \u2013 m\u00f6glich. Der Anspruch, mit einer Stimme zu sprechen, widerspricht ihrem f\u00f6deralen Charakter. <\/p>\n<p>Um das Ausma\u00df der Ver\u00e4nderungen noch besser verstehen zu k\u00f6nnen, soll ein Blick auf die Verluste und Gewinne geworfen werden. Im Vergleich zu 2014 f\u00fchren die Verluste von 11 Sitzen bei den Linken, 38 Sitze bei den SozialdemokratInnen und 39 Sitze bei den Konservativen zu je 20% Verlust ihrer fr\u00fcheren W\u00e4hlerInnen \u2013 vor allem in den Kernl\u00e4ndern der EU. Anders bei Gr\u00fcnen und Liberalen: F\u00fcr die Gr\u00fcnen bedeutet der Gewinn von 25 Sitzen, die Erh\u00f6hung ihrer Mandate um 50%. Die Liberalen konnten die Zahl ihrer Sitze mehr als verdoppeln. <\/p>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Ergebnisse der Europawahlen: 2014 und 2019 im Vergleich (in Anzahl der MandatInnen)<\/b> <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/CUDm-Ki9CzS0AAAAAElFTkSuQmCC-4\" style=\"\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"font-size: 10px; \">Quelle: <a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/election-results.eu\/european-results\/2019-2024\/\">Webseite des europ\u00e4ischen Parlaments<\/a>, eigene Darstellung;<\/p>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Anteil der W\u00e4hlerInnen bei den Europawahlen der Fraktionen GUE\/NGL, SozialdemokratInnen\/SozialistInnen, Gr\u00fcnen, Liberalen und Konservativen von 1979 bis 2019 (in %)<br \/><\/b><\/p>\n<table style=\"width: 622px; height: 281px; \">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>Fraktion im EP<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p><b>&nbsp;1979<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p><b>1984<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p><b>1989<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>&nbsp;<b>1994<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>&nbsp;<b>1999<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>&nbsp;<b>2004<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p><b>2009<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>&nbsp;<b>2014<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>&nbsp;<b>2019<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>GUE\/<br \/> NGL<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p>10.7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>9.4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p>5.4 <span style=\"font-size: 12px; \">(GUE)&nbsp;<\/span> <br \/> 2.7 <span style=\"font-size: 12px; \">(KdL*)<\/span> <\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>4.9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>6.7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>5.60<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>4.76<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>6.92<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>5.46<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>S&amp;D<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p>27.3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>30.0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p>34.7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>34.9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>28.8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>27.30<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>25.00<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>25.43<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>20.37<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>Gr\u00fcne\/<br \/> EFA<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p>&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>4.6<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p>5.8 <span style=\"font-size: 12px;\">(Gr.)<\/span><br \/> 2.5 <span style=\"font-size: 12px; \">(RBW**)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>4.1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>7.7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>5.80<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>7.47<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>6.66<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>9.99<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>ALDE<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p>9.8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>7.1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p>9.5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>7.8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>8.0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>12.00<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>11.41<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>8.92<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>14.38<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"72\">\n<p><b>EVP<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"58\">\n<p>26.3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>25.3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"62\">\n<p>23.4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"54\">\n<p>27.5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"55\">\n<p>37.2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"50\">\n<p>36.70<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>36.01<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>29.43<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"57\">\n<p>24.23<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>*KdL: <i>Koalition der Linken<\/i>; **RBW: <i>Regenbogen-Fraktion<\/i>;<\/p>\n<p><span style=\"font-size:10.0pt; line-height:107%\" lang=\"DE\">Quelle: Wikipedia\/ eigene Berechnung und Darstellung;<\/span> <\/p>\n<h2>Was hat sich im Vergleich zu 2014 ver\u00e4ndert?<\/h2>\n<p>Zu den Kontinuit\u00e4ten geh\u00f6rt der Trend der abnehmenden Bindungen der ehemaligen Gro\u00dfparteien-Familien: Sozialdemokratische\/sozialistische und konservative Parteien schw\u00e4chen sich deutlich ab und verlieren systematisch an gesellschaftlicher Bindungskraft. Bei den Europawahlen 1994 erreichten die SozialdemokratInnen insgesamt noch knapp 35% der W\u00e4hlerInnen \u2013 aktuell sind es nur noch ca. 20%. Die konservativen Parteien bewegen sich heute \u2013 im Jahr 2019 \u2013 mit ca. 24% der Stimmen auf dem Niveau von 1989. <\/p>\n<p>Erstmalig seit den Europawahlen 1979 bleiben die beiden Gro\u00dfparteien zusammen unter 50%. Damit m\u00fcssen sie, um Mehrheiten zu erreichen, auf andere Parteienfamilien zugehen. Wenn sie dies unter Ausschluss der Rechtsparteien und -fraktionen tun wollen, m\u00fcssen sie die Unterst\u00fctzung der Gr\u00fcnen oder Liberalen herstellen. Beide der Pro-Europ\u00e4ischen Parteienfamilien k\u00f6nnten damit immerhin zu einer Modernisierung der EU-Institutionen und zu einem moderaten Politikwechsel beitragen: Gr\u00fcne Modernisierung, Liberale Vertiefung der EU, St\u00e4rkung des EU-Rechts sowie der Einflussnahme von EU-Institutionen auf nationale Politiken \u2013 bis hin zur Schaffung neuer Instrumente. Dies jedoch in Auseinandersetzung mit der politischen Rechten, so dass gleicherma\u00dfen mit versch\u00e4rften Auseinandersetzungen bis hin zu Blockaden zu rechnen ist. <\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Europawahlen 2014 verwiesen auf eine politische Polarisierung: In den Kernl\u00e4ndern und in den n\u00f6rdlichen EU-L\u00e4ndern wandte sich der Protest gegen die vorherrschende Politik nach rechts zugunsten rechtspopulistischer und rechtskonservativer Parteien. In den s\u00fcdlichen L\u00e4ndern f\u00fchrte der Protest nach links, vor allem in L\u00e4ndern wie Griechenland, Spanien und Portugal. Selbst in Italien reichte die Kraft, wieder ins EP einzuziehen \u2013 dank <i>Liste Tsipras<\/i>. 2019 besteht diese Polarisierung nicht mehr. Der Protest f\u00fchrt nicht mehr nur im Norden, sondern auch in den s\u00fcdlichen und mittelosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern der EU zur erfolgreichen Herausbildung neuer Rechtsparteien, die es zu einem Teil 2014 so nicht gab. <i>Lega <\/i>ist nicht mehr <i>Lega Nord<\/i> \u2013 sie wurde st\u00e4rkste Kraft in ganz Italien und kehrte mit den Europawahlen die nationalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse um. Zugleich stagniert im Unterschied zur erstarkenden, bzw. sich verfestigenden Rechten die Entwicklung der Linken. <\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Europawahlen 2019 zeigen eine Polarisierung der Parteienfamilien nicht mehr entlang der Auseinandersetzungen um die Austerit\u00e4ts- und Sozialpolitik, sondern um die Frage nach Vertiefung oder R\u00fcckbau der EU bis hin zur Freihandelszone, zu einer sich st\u00e4rker ,gr\u00fcn\u2018 und ,digital\u2018 \u2013 also Zukunftsfragen zuwendenden \u2013 Entwicklung der EU oder einer EU, die mit st\u00e4rkeren Interventionsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr nationale Regierungen oder Parlamente am Bisherigen festh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Parteien der radikalen Linken sind im Unterschied zu 2014 nicht unter einem Spitzenkandidaten geeint, sondern gespalten in den Wahlkampf gegangen. Drei gegeneinander konkurrierende europ\u00e4ische Projekte: <i>Maintenant le Peuple<\/i> (MLP), DiEM25 und die <i>Europ\u00e4ische Linkspartei<\/i> (EL) haben eine Niederlage erfahren. Da alle Parteienprojekte in ihrer Diversit\u00e4t von Herkunft, Politik- und Organisationsverst\u00e4ndnis, Strategie und Kampagnenausrichtung verloren haben, lassen sich einfache Antworten nicht formulieren. Es gelang ihnen nicht, sich auf die neu auspr\u00e4gende politische Situation u.a. mit neuen Konfliktdimensionen einzulassen und diese gemeinsam strategisch und vor allem europ\u00e4isch zu bearbeiten. <\/p>\n<p>Zwischen 2014 und 2019 vollzog sich der Wandel von Konfliktlinien in Europa auch vor dem Hintergrund einer sich gravierend ver\u00e4ndernden globalen Situation. &nbsp;Angesichts dieser Entwicklungen und die offene Sicht auf das Brexit-Chaos war die Zustimmung zur EU au\u00dferordentlich hoch. <br \/> Die Daten von Eurobarometer vom November 2018 verweisen auf folgende Entwicklungen: In den Jahren 2011\/2012 \u2013 dem Zeitpunkt der st\u00e4rksten Mobilisierung sozialer Bewegungen gegen die Austerit\u00e4tspolitik der EU \u2013 bis zum Jahr 2014 z\u00e4hlten vor allem in Spanien, Portugal und Griechenland die Arbeitslosigkeit sowie die \u00f6ffentlichen Finanzen zu den wichtigsten Herausforderungen auf europ\u00e4ischer Ebene. Diese Konfliktkonstellation half den Linken 2014 erfolgreich zu sein. Nach 2015 hat sich jedoch die Gewichtung der wichtigsten Aufgaben der EU verschoben, zun\u00e4chst zugunsten der Bearbeitung von Terrorismus und Einwanderung. Deutlich niedriger gewichtet als 2014 waren ab 2015 die Probleme: Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Situation in der EU und staatliche Finanzen. Die sich ver\u00e4ndernde Bedeutung der Klimakrise zeigte sich zu diesem Zeitpunkt als deutlich zunehmende, aber noch nicht polarisierende Konfliktdimension. <\/p>\n<p>Befragt, was in den L\u00e4ndern der EU auf <u>nationaler Ebene<\/u> wichtig zu bearbeiten w\u00e4re, zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild: 2014 dominieren die Probleme von wirtschaftlicher Entwicklung, Arbeitslosigkeit und \u00f6ffentlichen Finanzen. Ende 2018 lagen unterschiedliche Themenfelder, die nationaler Bearbeitung bed\u00fcrfen, dicht beieinander: Arbeitslosigkeit, steigende Preise und Inflation, Migration, die wirtschaftliche Situation und die Pensionen. Ende 2018\/Anfang 2019 gibt es keine herausragenden polarisierenden Themen \u2013 mit Ausnahme der Migrationsfrage. Die Klimakrise wird Ende 2018 als eine auf nationaler Ebene zu bew\u00e4ltigende Aufgabe bei Eurobarometer noch nicht genannt, auch wenn sie in einzelnen L\u00e4ndern l\u00e4ngst seit langem pr\u00e4sent ist. Klimaschutz als europ\u00e4isch zu bew\u00e4ltigender Aufgabe erh\u00e4lt dagegen wachsendes Gewicht. <\/p>\n<p>Anfang 2019 werden als die wichtigsten Themen, die auf <u>europ\u00e4ischer Ebene<\/u> zu bearbeiten sind: Wirtschaft, Finanzen, Arbeitslosigkeit, Klima und Umwelt werden nahezu gleichwertig gewichtet \u2013 <b>die Situation ist offen!<\/b> Zugleich verweist die Tendenz vor allem auf europ\u00e4ischer Ebene, dass die Klimafrage zu einer neuen polarisierenden Frage werden kann. An der Kraft der Linken wird es liegen, ob sie auch sozial-\u00f6kologisch definiert wird. <\/p>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Die wichtigsten Probleme der EU<\/b><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"379\" width=\"827\" data-htmlarea-file-uid=\"116799\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/csm_graph_1_578d847e5f.jpg\" style=\"\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Quelle: Standard-Eurobarometer 90, Autumn 2018, p. 13; <\/p>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Die wichtigsten Probleme des &#8216;eigenen&#8217; Landes <br \/><\/b><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"381\" width=\"831\" data-htmlarea-file-uid=\"116800\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/csm_graph_2_fabc5a86d0.jpg\" style=\"\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Quelle: Standard-Eurobarometer 90, Autumn 2018, p. 17; <\/p>\n<h2>Was bedeuten diese Wahlen und was bedeuten sie f\u00fcr die Linken? Zusammenfassende \u00dcberlegungen <\/h2>\n<p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der zuvor beschriebene Rechtsruck vollzieht sich weiter unter den Bedingungen der schw\u00e4cher werdenden bisherigen Volksparteien. Die Rechtsverschiebung der Politik wird auf europ\u00e4ischer Ebene schon jetzt sichtbar und manifestiert sich vor allem in Fragen der Migrations- und Fl\u00fcchtlingspolitik \u2013 insbesondere bei der Grenzsicherung. So erfolgte zum Beispiel der Abbruch des Europ\u00e4ischen Seenotrettungsprogramms <i>Sophia<\/i>, welches ma\u00dfgeblich von den Konservativen und SozialdemokratInnen gemeinsam beschlossen wurden. Das erkl\u00e4rte Ziel, die EU und ihre Instrumente zu ver\u00e4ndern, wird Teil h\u00e4rtester Auseinandersetzungen. Die Frage, welche Institutionen weiterhin \u00fcber welche Kompetenzen verf\u00fcgen sollen, wird dabei im Zentrum stehen. Das hei\u00dft es wird nicht nur um policy making-Prozesse, also um konkrete Themenfelder gehen, sondern auch um die Fragen der Vertr\u00e4ge, der Institutionen, die st\u00e4rker direkter Gegenstand der Auseinandersetzungen sein werden.&nbsp; <\/p>\n<p>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Gr\u00fcnen konnten gewinnen, weil ihnen der Umgang mit Zukunftsfragen am ehesten zugetraut wird. Das betrifft die Klimafragen, das betrifft aber auch die Fragen der Digitalisierung, und hier insbesondere die Kritik des Urheberrechts mit der M\u00f6glichkeit der Installierung von Upload-Filtern. Es betrifft aber auch den Umweltschutz wie beispielsweise der Umgang mit Glyphosat. Zu allen diesen Themen waren Gr\u00fcne auf europ\u00e4ischer Ebene und vor allem in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden dialogf\u00e4hig. Die Gr\u00fcnen konnten dabei eine Offenheit gegen\u00fcber neuen Themen sowie ihr Image, Umweltschutz- und Klimaschutzpartei zu sein, gut f\u00fcr sich nutzen. Sicher, auch die Linken hatten Umwelt- und Klimaschutz auf ihrer Agenda \u2013 u.a. Ausdruck dessen ist die Verabschiedung des Klima-Manifestes der GUE\/NLG kurz vor den Wahlen. Aber um als glaubhafter Repr\u00e4sentant f\u00fcr dieses Thema zu stehen, kam es zu kurzfristig. Die Wahlplattform der EL benannte das Thema zwar, aber ohne es zu entwickeln. Die Ideen des Wahlprogramms von LFI wurden nicht Teil eines europ\u00e4ischen linken Umwelt- und Klimadiskurses.<\/p>\n<p>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eine europ\u00e4ische Linke muss f\u00fcr eine sozial-\u00f6kologische Agenda und Wende stehen. Dabei darf sie jedoch keine Konzepte von anderen \u00fcbernehmen. Sie muss ihre Agenda zusammen mit sozialen Bewegungen, Initiativen und weiteren zivilgesellschaftlichen AkteurInnen eigenst\u00e4ndig weiterentwickeln und in einem innerlinken Diskussionsprozess bringen. Dazu aber braucht es dringend neue und offene R\u00e4ume f\u00fcr breitest m\u00f6gliche linke Diskurse und B\u00fcndnisse, die daraus erwachsen. Der sozialen Frage kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu. Worin auf diesem Themenfeld der konkrete europ\u00e4ische Gebrauchswert der Linken besteht, wurde im Wahlkampf nicht sichtbar.<\/p>\n<p>Die Linke muss mit diesem Ergebnis ihre eindeutige Niederlage nicht nur annehmen, sondern nach den Ursachen dieser Niederlage fragen. Einfache Antworten gibt es nicht. Es hat nicht eine der unterschiedlichen Strategien oder Parteitypen der radikalen Linken verloren, sondern alle. Einzig der portugiesische <i>Linksblock <\/i>und die wallonische Arbeiterpartei (PTB) bilden eine Ausnahme, die es verdient, studiert zu werden. Verloren haben insbesondere die spanische <i>Podemos<\/i>, <i>La France Insoumise<\/i>, <i>DIE LINKE<\/i>, <i>Syriza <\/i>und die KS\u010cM. Hinter diesen konkreten Niederlagen stehen v\u00f6llig unterschiedliche politische Bedingungen und konkrete nationale Konfliktlagen sowie politische Kulturen. Die Frage, die sich stellt, ist jedoch jene nach strukturellen und strategischen Gemeinsamkeiten, nach neuen Formen strategischer Kooperationen zur Entwicklung einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Strategie und Agenda. Die Mehrheit der Linken hat bei diesen Europawahlen nationale Wahlk\u00e4mpfe gef\u00fchrt \u2013 auch vor dem Hintergrund der nationalen St\u00e4rke gegen\u00fcber ihrer europ\u00e4ischen Schw\u00e4che. Aber nur wenige haben auf diese Weise gewonnen. So verliert die europ\u00e4ische Linke ihren Gebrauchswert. <\/p>\n<p>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Linke muss sich mit ihren Methoden des Politischen, den Formen des Politischen auseinandersetzen, darunter mit der Frage, warum ihnen bei Ver\u00e4nderungen von Konfliktlagen in dynamischen Zeiten sich ver\u00e4ndernder Mobilisierungen ein notwendiger Strategiewechsel zu wenig gelingt. Sie muss sich die Frage stellen, was die Funktion einer 5%-Partei im Europaparlament ist und was diese angesichts der Herausforderungen leisten m\u00fcsste. Sie muss sich national und europ\u00e4isch neu befragen.<\/p>\n<p>&nbsp; &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><span style=\"font-size:11.0pt; line-height: 107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif\" lang=\"DE\">[1] Alle nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf Angaben auf der <a href=\"https:\/\/europawahlergebnis.eu\/\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">Webseite des Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a> (abgerufen am 27.6.2019).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts weitreichender Ver\u00e4nderungen der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse innerhalb der EU braucht die Linke neue Strategien. 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