{"id":23502,"date":"2019-11-25T17:25:52","date_gmt":"2019-11-25T16:25:52","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-kunst-den-kapitalismus-zu-veraendern-eine-transformatorische-streitschrift\/"},"modified":"2023-09-27T16:10:57","modified_gmt":"2023-09-27T14:10:57","slug":"die-kunst-den-kapitalismus-zu-veraendern-eine-transformatorische-streitschrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-kunst-den-kapitalismus-zu-veraendern-eine-transformatorische-streitschrift\/","title":{"rendered":"\u201eDie Kunst, den Kapitalismus zu ver\u00e4ndern\u201c \u2013 Eine transformatorische Streitschrift"},"content":{"rendered":"<p>Diese Kunst, so Wolfgang Kessler, mehr als 20 Jahre Chefredakteur des <i>Publik-Forums <\/i>\u2013 einer linksorientierten katholischen Zeitschrift \u2013 entsteht aus den Bed\u00fcrfnissen der Menschen im kreativen offenen Prozess, offen auch f\u00fcr originelle Adaptionen oder Neusch\u00f6pfungen, fantasievoll \u00fcber die Zeit hinausdenkend. Kunst braucht Fertigkeit und entsteht zugleich nur als Ergebnis freien Denkens und ebensolcher Praxen. <\/p>\n<p>Die Kunst, Dinge grundlegend zu ver\u00e4ndern, beschreibt einen Spannungsbogen zwischen der Freiheit und Fertigkeit des Handelns und dem ungeheuren Druck zur Ver\u00e4nderung angesichts all der Abgr\u00fcnde heutiger Gesellschaften, die sich selbst zu zerst\u00f6ren droht. Kessler vergleicht deshalb \u201edie Kunst, den Kapitalismus zu ver\u00e4ndern\u201c, mit der F\u00e4higkeit, \u201eam offenen Herzen des Systems zu operieren\u201c. <\/p>\n<p>Warum dieses System zu ver\u00e4ndern ist, entwickelt er aus der systemimmanenten Logik des Kapitalismus und dessen janusk\u00f6pfigem Fortschritt am Beispiel digitaler Entwicklungen. Wer denkt schon beim Googeln, das Sekunden dauert, beim online-Zugang zum Wissen an die Kosten dieses Zugangs. Kessler zwingt uns, solche Widerspr\u00fcche mitzudenken. Er setzt sich mit vermeintlichen Auswegen auseinander \u2013 mit den \u201eSchmiermitteln\u201c heutiger Gesellschaft. Selbst in westlichen Gesellschaften ist Wohlstand f\u00fcr immer weniger Menschen erreichbar. Das individuelle Freiheitsversprechen des Neoliberalismus verkehrt sich f\u00fcr viele in Angst vor dem Abstieg. F\u00fcr Kessler w\u00e4chst aus der Logik des Kampfes aller gegen alle die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung demokratischer Systeme. Er beschreibt neue Formen von Diktatur infolge digitaler Transformationen der Gesellschaft, neue Herrschaftsmechanismen, politisch abgesichert durch die Entwertung der Demokratie. Er zeichnet das Bild einer zerrissenen Gesellschaft, bei denen viele Menschen das Gef\u00fchl haben, dass \u201eder Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegbricht\u201c. Es sind Verunsicherungen, die sich sozial, politisch und kulturell nachweisen lassen und den Wunsch nach vermeintlich \u201eguten alten Zeiten\u201c bef\u00f6rdern, in denen alles \u00fcberschaubar und unter Kontrolle schien. <\/p>\n<p>Aber diese Bilder sind f\u00fcr Wolfgang Kessler nur ein Teil seiner Zeit-Diagnosen, die viel komplexer sind und in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit immer wieder auch Neues entstehen lassen. Es gibt Aufbr\u00fcche, die zu Alternativen treiben. Sie k\u00fcndigen sich im Heute an. Das Morgen ist heute schon m\u00f6glich und gestaltbar als Politik gerechter \u00dcberg\u00e4nge. Langsam, aber konsequent m\u00fcssen diese \u00dcberg\u00e4nge sein, solidarisch bereichernd f\u00fcr alle. Die Politik \u2013 so ist sich Kessler sicher \u2013 \u201ewird nur dann akzeptiert, wenn sie die individuelle Wahlfreiheit der Menschen respektiert und ein m\u00f6glichst dichtes soziales Netz kn\u00fcpft, das niemand durchfallen l\u00e4sst und allen die Chance er\u00f6ffnet, das eigene Leben neu zu gestalten\u201c. Es geht um \u00dcberg\u00e4nge, die pragmatisch sind und radikal, die an Alltagsn\u00f6ten ankn\u00fcpfen und die Eigentumsfrage konkret stellen. <\/p>\n<p>Wolfgang Kessler l\u00e4dt uns dazu ein, mit ihm f\u00fcnf Alternativen zu diskutieren und verbindet sie mit konkreten Projekten im Hier und Heute: <u>Alternative 1<\/u>: ein gutes Leben f\u00fcr Alle mit einem Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Steuerreform mit Grundeinkommen; <u>Alternative 2:<\/u> Befreiung vom Diktat der Rendite, vor allem wenn es um Gesundheit, Pflege, Mobilit\u00e4t, Wasser und Energie geht; <u>Alternative 3<\/u>: eine Umweltdividende f\u00fcr alle \u2013 eine Klimarevolution f\u00fcr eine Wirtschaft des Lebens; <u>Alternative 4<\/u>: freier Welthandel nur f\u00fcr \u00f6ko-faire Waren als Alternative zu Freihandel und Protektionismus; und <u>Alternative 5<\/u>: Vertrauen und Einkommen f\u00fcr die Menschen \u2013 Befreiung von Hunger und Armut. Diese Alternativen verbindet er mit bestehenden Projekten wie z.B. dem j\u00e4hrlich gezahlten \u00d6kobonus (der Umweltdividende) der Stadt Basel, oder der CO<sup>2<\/sup>-Steuer in British Columbia, die zugleich mit einer Senkung der Einkommenssteuer f\u00fcr Geringverdiener verbunden wird. Zu den Alternativen z\u00e4hlt er auch das Verbot von spekulativem Handel mit Grund und Boden, die Gew\u00e4hrleistung des Rechts auf Wohnen notfalls \u00fcber Enteignung (mit Entsch\u00e4digung), die Einf\u00fchrung der Finanztransaktionssteuer, der zollfreie Import von Biobaumwolle, die 91% weniger Wasser verbraucht, neue Versuche eines bedingungslosen Grundeinkommens in den L\u00e4ndern Afrikas um jene unmittelbar zu unterst\u00fctzen, die in kriegs- und krisengesch\u00fcttelten Regionen wie im irakischen Mossul den Wiederaufbau ihres Landes voranbringen wollen. <\/p>\n<p>Es geht ihm dabei um Aufbr\u00fcche im konkret Machbaren mit Blick auf das notwendig zu Ver\u00e4ndernde, um transformatorische Realpolitik. Kessler verbindet dies konsequent mit Selbstver\u00e4nderung. Ausstiege und Umstiege sind m\u00f6glich \u2013 und ebenso Mobilisierung, eine neue Gemeinschaftlichkeit, die anders \u00fcber Konsum nachdenkt, die mobilisierend erfolgreich sein kann, wie die &nbsp;Volksbewegungen f\u00fcr einen \u00f6kologischen Umbau der Landwirtschaft in Bayern haben es gezeigt: Rettet die Bienen, rettet das, was zu einem guten Leben geh\u00f6rt und diskutiert selbst dar\u00fcber, was das ist und wie man das macht. Und: Sagt es anderen, dass es geht! Dies ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieses Buches.<\/p>\n<p><b>Die Kunst, den Kapitalismus zu ver\u00e4ndern. Eine Streitschrift <br \/> Publik-Forum Edition, 128 pages <br \/>Oberursel, Publik-Forum-Verlagsgesellschaft, 2019<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: normal\">\n<p style=\"margin-bottom:8.0pt; line-height:107%\">\n<p><b>urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht von <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1127913.fantasievoll-ueber-die-zeit-hinausdenken.html?sstr=Hildebrandt\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">Neues Deutschland<\/a><\/b> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Linke \u00fcber Alternativen nachdenken, verbinden sie es normaler Weise mit K\u00e4mpfen. Schon Marx und Engels verstanden die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften als Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen. Wolfgang Kessler zeigt, dass es auch einer Kunst in diesen K\u00e4mpfen bedarf, der Kunst, den Kapitalismus emanzipatorisch und solidarisch zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23503,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[],"class_list":["post-23502","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","person-cornelia-hildebrandt-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23502"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27754,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23502\/revisions\/27754"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}