{"id":23618,"date":"2020-06-24T14:31:59","date_gmt":"2020-06-24T12:31:59","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/europaeischer-automobilsektor-wir-brauchen-eine-mobilitaetswende\/"},"modified":"2023-09-27T16:11:11","modified_gmt":"2023-09-27T14:11:11","slug":"europaeischer-automobilsektor-wir-brauchen-eine-mobilitaetswende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/europaeischer-automobilsektor-wir-brauchen-eine-mobilitaetswende\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ischer Automobilsektor \u2013 wir brauchen eine Mobilit\u00e4tswende!"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise trifft alle Sektoren der Wirtschaft, auch die Automobilindustrie. 12 Millionen Besch\u00e4ftigte in der EU arbeiten im Automobilsektor \u2013 direkt in der Produktion oder in der Zulieferindustrie. Dieser macht damit 7% des BIP der EU aus.[1] Die Bedeutung der Automobilindustrie in einer Reihe von EU-Mitgliedstaaten wird angesichts des Anteils der Autofertigungs-Jobs am verarbeitenden Gewerbe deutlich (s. Grafik unten).<\/p>\n<p>Der notwendige Umbau des Sektors betrifft daher Millionen  Besch\u00e4ftigte und eine gut organisierte Autolobby. So hat der europ\u00e4ische Verband der  Automobilindustrie mitten in der  Coronakrise (25. M\u00e4rz 2020) gefordert, <a href=\"https:\/\/www.acea.be\/uploads\/news_documents\/COVID19_auto_sector_letter_Von_der_Leyen.pdf\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">die strengeren CO2-Grenzwerte f\u00fcr PKW  erstmal auszusetzen<\/a>. Dabei ist der Verkehrssektor der einzige  Sektor in der EU, in dem die CO2-Emissionen in den letzten Jahren sogar  gestiegen sind.[2] Dieser Sektor muss also dringend umgebaut  werden, ansonsten k\u00f6nnen wir die Klimaerhitzung nicht einmal  verlangsamen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p style=\"font-size: 16px; \"><b>Anteil der direkt Besch\u00e4ftigten in der Automobilindustrie (EU-Mitgliedsstaaten, 2017)<\/b><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"546\" width=\"600\" data-htmlarea-file-uid=\"117472\" src=\"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/csm_share_of_direct_automotive_employment_in_the_eu_by_country_7250ff19a7.jpg\" style=\"\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"font-size: 10px; \">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.acea.be\/statistics\/tag\/category\/share-of-direct-automotive-employment-in-eu-by-country\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">European Automobile Manufacturers Association<\/a> (ACAE), basierend auf den Daten von Eurostat<\/p>\n<p>Doch nicht nur der Verband der europ\u00e4ischen Automobilindustrie steht einem Umbau des Sektors ablehnend gegen\u00fcber, sondern auch viele Besch\u00e4ftigte. So beklagte in <b>Deutschland <\/b>die Gewerkschaft IG Metall, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung vom 3. Juni 2020 nur Kaufpr\u00e4mien f\u00fcr Elektroautos enth\u00e4lt und keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Verbrenner.[3] Die IG Metall argumentiert nachvollziehbarerweise mit drohenden Jobverlusten. Im &quot;Auto-Produktionsland&quot; <b>Slowakei <\/b>sind durch Automatisierung und E-Mobilit\u00e4t 40% der Jobs in der Autoindustrie bedroht, so dass die Unternehmen immer gr\u00f6\u00dferen Druck auf die Besch\u00e4ftigten aus\u00fcben (k\u00f6nnen) und die Arbeitsbedingungen kontinuierlich verschlechtern.[4] Hier sind bisher (Stand: 1. Juni 2020) keine Hilfen f\u00fcr den Automobilsektor beschlossen worden, auch wenn Volkswagen und Jaguar daf\u00fcr bei der slowakischen Regierung geworben haben. <b>Ungarn <\/b>hat bisher (Stand: 1. Juni 2020) ebenfalls keine direkten Hilfen beschlossen, gew\u00e4hrt aber Garantien f\u00fcr Kredite und Zusch\u00fcsse f\u00fcr Kreditr\u00fcckzahlungen. <b>Frankreich <\/b>hingegen beschloss am 26. Mai 2020 ein Paket von acht Milliarden Euro f\u00fcr E-Autos und Verbrenner (u.a. Kaufpr\u00e4mien) und einen weiteren Kredit von f\u00fcnf Milliarden f\u00fcr Renault.[5]<\/p>\n<p>Auch ohne Corona: Die Automobilindustrie ist \u2013 weltweit \u2013 schon seit einigen Jahren in der Krise und verzeichnet sinkende Absatzzahlen.[6] Hier war schon vor der Pandemie ein Umsteuern dringend geboten: f\u00fcr Klimaschutz und Besch\u00e4ftigungssicherheit durch klimafreundliche Produkte.<\/p>\n<p>Eine vermeintlich \u00f6kologische L\u00f6sung f\u00fcr den Automobilsektor wird sowohl von der europ\u00e4ischen Politik als auch von der deutschen Regierung gef\u00f6rdert: das <b>Elektroauto<\/b>. Die europ\u00e4ische Kommission schlug am 27. Mai 2020 in ihrem Wiederaufbauprogramm Investitionen in Batterien und der F\u00f6rderung von einer Million Ladestationen f\u00fcr Elektroautos EU-weit vor.[7] Auch in der europ\u00e4ischen Industriestrategie vom 10. M\u00e4rz 2020 k\u00fcndigte die europ\u00e4ische Kommission an, die europ\u00e4ische Batterieallianz auszubauen.[8] Doch so klimafreundlich, wie das E-Auto oft dargestellt wird, ist es nicht. Der \u00f6kologische &quot;Rucksack&quot;, der bei der Produktion insbesondere von Batterien und Karosserien entsteht, ist enorm. Der Vergleich zwischen Elektroautos und Verbrennern f\u00e4llt abh\u00e4ngig von Nutzungsdauer und verwendetem Strom-Mix unentschieden aus.[9] F\u00fcr beide gilt: F\u00fcr die \u00d6kobilanz ist es sinnvoll, kleine, leichte, verbrauchsarme Autos zu bauen, und die einmal produzierten Fahrzeuge so lange und mit so vielen Menschen wie m\u00f6glich zu nutzen.[10] Und mit Elektroautos steht man genauso im Stau wie mit Verbrennern. Auf das Platzproblem in unseren St\u00e4dten sind Elektroautos keine Antwort. <b>Wir brauchen einen Ausbau der Alternativen zum Automobil \u2013 \u00f6ffentlichen Personennahverkehr (\u00d6PNV), Fernverkehr mit der Bahn, Radverkehr und G\u00fcterverkehr auf der Schiene.<\/b> Mit solch einem Umbau k\u00f6nnten tausende Jobs an den verschiedenen Produktionsstandorten in der EU geschaffen werden: f\u00fcr Deutschland w\u00e4ren das zum Beispiel ca. 100.000 Arbeitspl\u00e4tze im Schienenfahrzeugbau, in der Waggon- und Triebwagenproduktion sowie in Ausbesserungswerken. Weitere 100.000 Jobs k\u00e4men in der Entwicklung und Ausweitung der Produktion von E-Bus-Systemen, Klein- und Rufbussen sowie spezialisierten Nutzfahrzeugen hinzu, und noch einmal ca. 100.000 Arbeitspl\u00e4tze in der Produktion von Cargo- und E-Bikes.[11]<\/p>\n<p>Wir brauchen einen grundlegenden Umbau des Automobilsektors hin zu nachhaltiger Mobilit\u00e4t \u2013 daf\u00fcr m\u00fcssen gesetzliche Vorgaben erlassen und vonseiten des Staates Geld in die Hand genommen werden, um den \u00d6PNV und den Fernverkehr auf der Schiene zu f\u00f6rdern. Mit einem linken Green New Deal m\u00fcssen wir einerseits eine schnelle soziale und \u00f6kologische Transformation der Auto-Modelle erreichen, und zum anderen eine mittelfristige Konversion der Autoindustrie hin zu klimafreundlicher Mobilit\u00e4t wie der Produktion von Fahrzeugen f\u00fcr den \u00d6PNV und den Schienenverkehr.[12] Um das durchzusetzen, m\u00fcssen sich Klimabewegungen und Gewerkschaften zusammentun, und zwar auch auf europ\u00e4ischer Ebene, damit nicht ein EU-Produktionsstandort gegen den anderen ausgespielt werden kann. Ans\u00e4tze f\u00fcr B\u00fcndnisse dazu gibt es bereits: In Deutschland unterst\u00fctzen beispielsweise <i>Students for Future <\/i>den Kampf der Gewerkschaft ver.di f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen im \u00d6PNV. Das ist ein Anfang.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 700; \">Fu\u00dfnoten<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>European Sector Skills Council, Automotive Industry<\/li>\n<li>European Environment Agency, Greenhouse Gas Emissions by aggregated sector&nbsp;(08\/06\/20).<\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/konjunktur-autoindustrie-spd-101.html\">Tagesschau,&nbsp;Thomas Kreutzmann: Die Wut auf die SPD in der Autokrise, 07\/06\/20<\/a><\/li>\n<li>Marianne Arens, \u2018Changes in the car industry threaten Slovakian workers\u2019, 13\/02\/2020, in: World Socialist Website.<\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.lw.com\/thoughtLeadership\/COVID-19-EU-State-Aid-Granted-to-the-Automotive-Sector\">Latham &amp; Watkins: Public Finance Support (State Aid) Granted to the Automotive Sector<\/a><\/li>\n<li>Stephan Krull, \u2018Autokrieg \u2013 Krise und Zukunft einer Schl\u00fcsselindustrie\u2019,&nbsp;<i>Sozialismus<\/i>, 5\/2017.<\/li>\n<li>COM,&nbsp;<i>Europe\u2019s moment: Repair and Prepare for the Next Generation<\/i>, 27\/05\/2020, COM(2020) 456.<\/li>\n<li>KOM,&nbsp;<i>Eine neue Industriestrategie f\u00fcr Europa<\/i>, Brussels, 10\/03\/2020, COM(2020) 102.<\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwjN7MPTvfXpAhUDy6QKHehJB98QFjAGegQIBxAB&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.eea.europa.eu%2Fpublications%2Felectric-vehicles-from-life-cycle%2Fdownload&amp;usg=AOvVaw06467HBp0uyJf0QPpMieSH\"><i>Electric vehicles from life cycle and circular economy perspectives<\/i>, European Environment Agency, Report No. 13\/2018, 57.<\/a>&nbsp;<\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/power-shift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Studie-Weniger-Autos-mehr-globale-Gerechtigkeit.pdf\">PowerShift,&nbsp;<\/a><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/power-shift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Studie-Weniger-Autos-mehr-globale-Gerechtigkeit.pdf\">Merle Groneweg and Laura Weis:&nbsp;<\/a><i><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/power-shift.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Studie-Weniger-Autos-mehr-globale-Gerechtigkeit.pdf\">Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit<\/a><\/i><\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.zeitschrift-luxemburg.de\/mietendeckel-der-mobilitaet\/\">Zeitschrift LuXemburg, Mario Candeias: \u2018Der Mietendeckel der Mobilit\u00e4t\u2019,&nbsp;<i>Zeitschrift Luxemburg<\/i>, May 2020<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Opens internal link in current window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/start\/nachrichten\/detail\/mobilitaetswende-und-sozial-oekologische-transformation-der-autoindustrie\/\">Die Linke., Bernd Riexinger: Mobilit\u00e4tswende und sozial-\u00f6kologische Transformation der Autoindustrie, 05\/05\/2020<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise trifft alle Sektoren der Wirtschaft, auch die Automobilindustrie. 12 Millionen Besch\u00e4ftigte in der EU arbeiten im Automobilsektor \u2013 direkt in der Produktion oder in der Zulieferindustrie. 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