{"id":23674,"date":"2021-04-15T08:52:24","date_gmt":"2021-04-15T06:52:24","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/nach-dem-neoliberalismus-was\/"},"modified":"2023-10-10T12:41:43","modified_gmt":"2023-10-10T10:41:43","slug":"nach-dem-neoliberalismus-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/artikel\/nach-dem-neoliberalismus-was\/","title":{"rendered":"Nach dem Neoliberalismus \u2026 Was?"},"content":{"rendered":"<p><i>Walden Bello ist Mitbegr\u00fcnder und Senior Analyst der in Bangkok ans\u00e4ssigen NGO\u00a0<\/i><a href=\"https:\/\/focusweb.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Focus on the Global South<\/i><\/a><i>\u00a0und International Adjunct Professor of Sociology an der State University of New York in Binghamton. Im Jahr 2003 erhielt er die Auszeichnung Right Livelihood Award, die auch als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird, und 2008 wurde ihm von der International Studies Association die Auszeichnung Outstanding Public Scholar Award verliehen. Die folgende Rede hielt Bello am 11.\u00a0M\u00e4rz 2021 bei der von\u00a0<\/i><i>transform!Danmark organisierten\u00a0Konferenz\u00a0<\/i><a href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/calendar\/event\/how-to-combat-climate-warming-green-capitalism-or-system-change-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>How to Combat Climate Warming\u00a0\u2013 Green Capitalism or System Change?<\/i><\/a><i>\u00a0(Wie kann die Klimaerw\u00e4rmung bek\u00e4mpft werden\u00a0\u2013 Gr\u00fcner Kapitalismus oder Systemwandel?).<\/i><\/p>\n<p>Die Coronapandemie ist bereits die zweite gr\u00f6\u00dfere Krise der Globalisierung innerhalb eines Jahrzehnts. Die erste war die globale Finanzkrise von 2008-2009, nach der es Jahre dauerte, bis sich die Weltwirtschaft auch nur ansatzweise davon erholen konnte.<\/p>\n<p>In der Krise von 2008 ging ein Papierverm\u00f6gen im Wert von mehreren Billionen Dollar in Rauch auf, doch wurden um die au\u00dfer Kontrolle geratenen Finanzakteur*innen, die die Krise ausgel\u00f6st hatten, kaum Tr\u00e4nen vergossen. Die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft waren umso schwerwiegender. Viele Millionen Menschen verloren ihre Arbeitspl\u00e4tze\u00a0\u2013 allein in China betraf das in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2008 ganze 25\u00a0Millionen Menschen. Der Luftfrachtverkehr ging in nur einem Jahr um 20\u00a0Prozent zur\u00fcck (was gut f\u00fcr das Klima war). Globale Versorgungsketten, deren Glieder sich vielfach in China befanden, erlitten schwerwiegende Unterbrechungen. Der\u00a0<i>Economist\u00a0<\/i>lamentierte: &#8220;<a href=\"https:\/\/www.economist.com\/international\/2009\/02\/19\/turning-their-backs-on-the-world\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Integration der Weltwirtschaft befindet sich an nahezu jeder Front im R\u00fcckzug.<\/a>&#8221;<\/p>\n<p>Doch entgegen den Erwartungen des\u00a0<i>Economist<\/i>\u00a0und zum Bedauern derjenigen, die die Krise der Globalisierung begr\u00fc\u00dft hatten, wurden m\u00f6gliche Reformen rasch beiseitegeschoben und man kehrte nach dem Tiefpunkt der Rezension 2009 umgehend zum\u00a0<i>business as usual<\/i>\u00a0zur\u00fcck. Auch wenn die Welt in eine Phase eintrat, die orthodoxe \u00d6konominnen und \u00d6konomen als &#8220;s\u00e4kulare Stagnation&#8221; (<span class=\"external-link\"><i>secular stagnation<\/i>)\u00a0<\/span>bezeichnen, ein langsames Wachstum also mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit, nahmen die exportorientierte Produktion \u00fcber klimasch\u00e4dliche globale Versorgungsketten und der Welthandel ihren Vormarsch wieder auf.<\/p>\n<h2>Konnektivit\u00e4t: das neue Schlagwort<\/h2>\n<p>Waren die Kohlendioxidemissionen in den tiefsten Krisenzeiten r\u00fcckl\u00e4ufig, so haben sie jetzt ihren Aufw\u00e4rtstrend wieder aufgenommen.\u00a0Der Luftfrachtverkehr nahm wieder zu und die Zahl der Flugreisen ist noch gigantischer gestiegen. Nach einem R\u00fcckgang von 1,2\u00a0Prozent im Jahr 2009 haben Flugreisen zwischen 2010 und 2019 j\u00e4hrlich um 6,5\u00a0Prozent zugenommen. Die &#8220;Konnektivit\u00e4t&#8221; im Transport und insbesondere im Lufttransport galt als Schl\u00fcssel f\u00fcr die erfolgreiche Globalisierung. Wie es der Generaldirektor der m\u00e4chtigen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.iata.org\/en\/pressroom\/pr\/2018-10-24-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung<\/a>\u00a0IATA formulierte:<\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p>&#8220;<i>Ein R\u00fcckgang der Nachfrage nach Konnektivit\u00e4t im Flugbetrieb setzt qualitativ hochwertige Arbeitspl\u00e4tze und die wirtschaftliche Aktivit\u00e4t aufs Spiel, die von der globalen Mobilit\u00e4t abh\u00e4ngt. [\u2026] Die Regierungen m\u00fcssen verstehen, dass die Globalisierung unserer Welt in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu Wohlstand verholfen hat. Wenn Globalisierung mit Protektionismus verhindert wird, gehen Chancen verloren.&#8221;<\/i><\/p>\n<\/div>\n<h2>China, Globalisierung und Konnektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Globalisierung mag eine Erholung verbucht haben, so fragil diese auch sein mag\u00a0\u2013 doch kommen sie die Finanzkrise und die darauffolgende globale Stagnation hinsichtlich ihrer Legitimation teuer zu stehen, insbesondere in den USA und Europa, wo Bewegungen der Rechten die Situation ausgenutzt haben, um eine nationalistische Wirtschaftsagenda voranzubringen. In der Zwischenzeit ergriff China angesichts des R\u00fcckzugs des Westens in den wirtschaftlichen Nationalismus und Isolationismus die Gelegenheit, um sich selbst als neuen Champion der Globalisierung zu pr\u00e4sentieren. Im Januar\u00a02017 erkl\u00e4rte Pr\u00e4sident Xi Jinping in Davos, dass &#8220;die Weltwirtschaft der gro\u00dfe Ozean ist, dem man nicht entkommen kann&#8221; und in dem China &#8220;schwimmen gelernt&#8221; hatte. Er forderte die politischen und wirtschaftlichen K\u00f6pfe der Welt auf, &#8220;sich an die Globalisierung anzupassen und sie zu lenken, ihre negativen Auswirkungen abzufedern und ihre Vorteile in alle L\u00e4nder und alle Nationen zu bringen.&#8221;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bot Xi an, seine Worte mit einem eine Trillion\u00a0USD schweren Mega-Programm zu untermauern: der\u00a0<i>Belt and Road Initiative<\/i>\u00a0(BRI), die die sagenumwobenen &#8220;Seidenstra\u00dfen&#8221; heraufbeschwor, die in der fr\u00fchen Neuzeit den Handel zwischen China und Europa gepr\u00e4gt hatten. Dieses ambitionierte Programm, das den Bau von D\u00e4mmen, Stra\u00dfen und Eisenbahnlinien, den Einsatz von Kohlekraftwerken und extraktive Vorhaben umfasst, sollte das unterst\u00fctzen, was Peking als &#8220;globale Konnektivit\u00e4t&#8221; bezeichnet. Obwohl die urspr\u00fcngliche Idee darin bestand, Asien mit Europa zu &#8220;verbinden&#8221;, wurde die BRI 2015 f\u00fcr alle L\u00e4nder der Welt ge\u00f6ffnet, sodass die Rede nun nicht mehr von einem G\u00fcrtel und einer Stra\u00dfe war, sondern von vielen Routen, sogar einer &#8220;Polar-Seidenstra\u00dfe&#8221;.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die Globalisierungsanh\u00e4nger*innen Beifall klatschten, waren andere skeptischer. Einige sahen die ganze Angelegenheit schlicht als Exportmethode f\u00fcr das Problem der \u00dcberkapazit\u00e4ten, das die chinesische Schwerindustrie belastete, wobei L\u00e4nder mit Darlehen in umfangreiche, kapitalintensive Projekte gelockt werden sollten.\u00a0<a href=\"https:\/\/focusweb.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Focus on the Global South<\/i><\/a>, die Organisation, der ich angeh\u00f6re, beschrieb die BRI als<\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p><i>&#8220;anachronistische \u00dcbertragung der technokratisch-kapitalistischen, staatssozialistischen und developmentalistischen Mentalit\u00e4t, die den Hoover-Damm in den USA, die massiven Bauprojekte in der stalinistischen Sowjetunion, die Drei-Schluchten-Talsperre in China, den Narmada-Staudamm in Indien und das Wasserkraftprojekt Nam Theun 2 in Laos hervorgebracht hat, ins 21.\u00a0Jahrhundert. All diese Beispiele zeugen von dem, was Arundhati Roy als &#8216;Krankheit des Gigantismus&#8217; der Moderne bezeichnet hat.&#8221;<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p>Im Jahr 2019, bevor Corona zuschlug, schien es trotz eines sich intensivierenden Handelskrieges zwischen China und den USA noch keine Alternative zur Globalisierung zu geben.<\/p>\n<header>\n<h2>Diese Zeit ist wirklich anders<\/h2>\n<\/header>\n<p>Der Finanzkrise von 2008 gelang es nicht, der Globalisierung ein Ende zu setzen. Stattdessen brachte sie eine neue Phase der Globalisierung hervor: die &#8220;Konnektivit\u00e4t&#8221;. Doch auch diese Phase ist jetzt vorbei. Da nun L\u00e4nder die Reisen von Menschen und den Transport von Waren beschr\u00e4nken und globale Versorgungsketten entweder freiwillig oder durch Fakten demontiert werden, lautet die gro\u00dfe Frage: Was wird die Globalisierung\/Konnektivit\u00e4t als neues &#8220;Paradigma&#8221; ersetzen?<\/p>\n<div id=\"c1939\" class=\"frame frame-default frame-type-textmedia frame-layout-0\"><a id=\"c1982\"><\/a><\/p>\n<div class=\"ce-textpic ce-left ce-intext ce-nowrap\">\n<div class=\"ce-gallery\" data-ce-columns=\"1\" data-ce-images=\"1\">\n<div class=\"ce-row\">\n<div class=\"ce-column\">\n<figure class=\"image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-embed-item\" src=\"https:\/\/www.transform-network.net\/fileadmin\/user_upload\/icon-66-2.gif\" alt=\"\" width=\"94\" height=\"87\" \/><b style=\"background-color: #ffffff;\">Krisen f\u00fchren nicht immer zu gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Es ist die Synergie zwischen zwei Elementen, einer systemischen Krise und der psychologischen Reaktion der Menschen darauf.<\/b><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c1941\" class=\"frame frame-default frame-type-textmedia frame-layout-0\"><a id=\"c1979\"><\/a><\/p>\n<div class=\"ce-textpic ce-center ce-above\">\n<div class=\"ce-bodytext\">\n<p>Krisen f\u00fchren nicht immer zu gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Es ist die Interaktion oder Synergie zwischen zwei Elementen, einem objektiven, also einer systemischen Krise, und einem subjektiven, also der psychologischen Reaktion der Menschen darauf, die hierf\u00fcr entscheidend ist. Die globale Finanzkrise von 2008 war eine tiefgreifende Krise des Kapitalismus, doch hatte das subjektive Element, die Entfremdung der Menschen vom System, noch keine kritische Masse erreicht. Wegen des Booms, der durch schuldenfinanzierte Verbraucher*innenausgaben \u00fcber die vorangegangenen zwei Jahrzehnte hinweg entstanden war, hat die Krise die Menschen zwar schockiert, doch waren sie weder w\u00e4hrend der Krise noch unmittelbar danach vom System entfremdet.<\/p>\n<p>Heute ist die Lage anders. Die Unzufriedenheit und Entfremdung vom Neoliberalismus waren im globalen Norden bereits hoch, bevor das Coronavirus zuschlug. Dies ist der Unf\u00e4higkeit der etablierten Eliten geschuldet, die sinkenden Lebensstandards und die in die H\u00f6he schnellende Ungleichheit in dem tr\u00fcbseligen Jahrzehnt, das auf die Finanzkrise folgte, aufzuhalten. In den USA wurde diese Periode in der \u00f6ffentlichen Meinung als eine Zeit res\u00fcmiert, in der die Elite die Rettung der gro\u00dfen Banken der Rettung von Millionen bankrotter Hauseigent\u00fcmer*innen und der Beendigung der umfassenden Arbeitslosigkeit vorzog, w\u00e4hrend sich die Erfahrung der Menschen in einem Gro\u00dfteil von Europa, insbesondere in S\u00fcd- und Osteuropa, in einem einzigen Wort erfassen l\u00e4sst: Austerit\u00e4t.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Die Coronapandemie hat sich ihren Weg durch ein bereits destabilisiertes globales Wirtschaftssystem gebahnt, das sich in einer tiefen Legitimit\u00e4tskrise befindet.<\/p>\n<p>Damit ist das subjektive Element, das f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung vonn\u00f6ten ist, die psychologische kritische Masse, nun vorhanden. Sie ist ein Wirbelsturm, der nur darauf wartet, von konkurrierenden politischen Kr\u00e4ften eingefangen zu werden. Die Frage ist, wem das gelingen wird. Das globale Establishment wird nat\u00fcrlich versuchen, die &#8220;alte Normalit\u00e4t&#8221; zur\u00fcckzuholen. Doch wurde mittlerweile schon zu viel \u00c4rger, zu viel Groll, zu viel Unsicherheit freigesetzt. Und es gibt keine M\u00f6glichkeit, den Geist zur\u00fcck in die Flasche zu zwingen. Auch wenn sie \u00fcberwiegend hinter den Erwartungen zur\u00fcckblieben, haben die massiven steuerlichen und monet\u00e4ren Interventionen der kapitalistischen Staaten in den Jahren\u00a02020 und 2021 den Menschen gezeigt, was unter einem anderen System mit anderen Priorit\u00e4ten und Werten m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus liegt im Sterben; die Frage ist nur, ob sein Ableben rasant oder &#8220;langsam&#8221; vonstattengehen wird, wie es Dani Rodrik beschreibt.<\/p>\n<header>\n<h2>Wer wird den Tiger reiten?<\/h2>\n<\/header>\n<p>Meiner Ansicht nach sind nur die Linke und die extreme Rechte in diesem Wettlauf, ein anderes System herbeizuf\u00fchren, ernstzunehmende Konkurrenten. Progressive Kr\u00e4fte haben in den letzten Jahrzehnten eine Reihe aufregender Ideen und Paradigmen f\u00fcr den Weg zu einem wahren Systemwandel entwickelt und hervorgebracht, die \u00fcber den linken Keynesianismus hinausreichen, der Joseph Stiglitz und Paul Krugman zugeschrieben wird. Zu diesen wahrhaft radikalen Alternativen z\u00e4hlen der Green New Deal, der partizipative Sozialismus, Degrowth, Deglobalisierung, \u00d6kofeminismus, Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t und &#8220;Buen Vivir&#8221;, das &#8220;Gute Leben&#8221;.<\/p>\n<p>Das Problem ist aber, dass diese Strategien noch nicht in eine kritische Masse \u00fcberf\u00fchrt wurden. Sie haben keine Bodenhaftung.<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnlich wird das damit begr\u00fcndet, dass die Menschen &#8220;noch nicht daf\u00fcr bereit&#8221; seien. Noch wichtiger ist aber wahrscheinlich die Erkl\u00e4rung, dass die meisten Menschen diese dynamischen Str\u00f6mungen der Linken noch immer mit Mitte-links assoziieren. An der Basis, wo es darauf ankommt, erkennen die Massen noch nicht den Unterschied, der zwischen diesen Strategien und ihren F\u00fcrsprecher*innen auf der einen und den Sozialdemokrat*innen in Europa und der Demokratischen Partei in den USA auf der anderen Seite besteht, die in das diskreditierte neoliberale System verwickelt waren und versucht haben, ihm ein &#8220;progressives&#8221; Gesicht zu geben. Viele Menschen verorten das Gesicht der Linken noch immer bei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der Sozialistischen Partei (SP) in Frankreich und der Demokratischen Partei in den USA, deren Vergangenheit wenig inspirierend ist, um es vorsichtig auszudr\u00fccken.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c1952\" class=\"frame frame-default frame-type-textmedia frame-layout-0\"><a id=\"c1980\"><\/a><\/p>\n<div class=\"ce-textpic ce-left ce-intext ce-nowrap\">\n<div class=\"ce-gallery\" data-ce-columns=\"1\" data-ce-images=\"1\">\n<div class=\"ce-row\">\n<div class=\"ce-column\">\n<figure class=\"image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"image-embed-item\" src=\"https:\/\/www.transform-network.net\/fileadmin\/user_upload\/icon-66-2.gif\" alt=\"\" width=\"94\" height=\"87\" \/><b style=\"background-color: #ffffff;\">Es ist ein trauriges Verm\u00e4chtnis der Kapitulation gegen\u00fcber dem neoliberalen Narrativ, das es entschlossen abzulegen gilt.<\/b><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c1950\" class=\"frame frame-default frame-type-textmedia frame-layout-0\">\n<div class=\"ce-textpic ce-center ce-above\">\n<div class=\"ce-bodytext\">\n<p>Kurz gesagt hat der grundlegende Kompromiss von Mitte-links mit dem Neoliberalismus dem gesamten fortschrittlichen Spektrum geschadet, auch wenn die Kritik des Neoliberalismus und der Globalisierung in den 1990er und 2000er Jahren urspr\u00fcnglich von der nicht dem Mainstream angeh\u00f6renden, nichtstaatlichen Linken ausging. Es ist ein trauriges Verm\u00e4chtnis der Kapitulation gegen\u00fcber dem neoliberalen Narrativ, das es entschlossen abzulegen gilt, wenn sich fortschrittliche Kr\u00e4fte mit der nun \u00fcbersch\u00e4umenden Wut und Abneigung der Massen verbinden und sie in eine positive, befreiende Kraft umwandeln wollen.<\/p>\n<h2>Vorteil f\u00fcr die extreme Rechte<\/h2>\n<p>Ungl\u00fccklicherweise ist es die extreme Rechte, die derzeit am besten positioniert ist, um die globale Unzufriedenheit f\u00fcr sich auszunutzen, denn selbst vor der Pandemie schon hatten rechtsextreme Parteien damit begonnen, sich Elemente antineoliberaler Haltungen und Programme der unabh\u00e4ngigen Linken opportunistisch herauszupicken\u00a0\u2013 wie zum Beispiel die Kritik der Globalisierung, die Ausweitung des &#8220;Wohlfahrtsstaates&#8221; und die umfassendere staatliche Intervention in die Wirtschaft\u00a0\u2013 und sie in ein rechtes Bezugssystem zu stellen.<\/p>\n<p>So musste Europa erleben, wie radikale rechte Parteien\u00a0\u2013 darunter Marine Le Pens\u00a0<i>Rassemblement National<\/i>\u00a0in Frankreich, die\u00a0<i>D\u00e4nische Volkspartei<\/i>, die\u00a0<i>Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs<\/i>\u00a0oder Viktor Orb\u00e1ns\u00a0<i>Fidesz\u00a0<\/i>\u2013 sich zumindest rhetorisch von Teilen ihrer alten neoliberalen Programme abwandten, in denen von der Liberalisierung und geringeren Besteuerung die Rede war, die sie einst unterst\u00fctzt hatten, um nun zu verk\u00fcnden, sie seien f\u00fcr den Wohlfahrtsstaat und einen h\u00f6heren Schutz der Wirtschaft vor internationalen Verpflichtungen, wenn auch ausschlie\u00dflich zugunsten von Menschen mit der &#8220;richtigen Hautfarbe&#8221;, der &#8220;richtigen Kultur&#8221;, der &#8220;richtigen&#8221; ethnischen Herkunft, der &#8220;richtigen Religion&#8221;. Im Grunde ist dies die alte &#8220;nationalsozialistische&#8221; Formel, die (rhetorisch) klasseninklusiv, aber rassistisch ist und auf Kulturexklusivismus setzt\u00a0\u2013 was aber leider in unseren schwierigen Zeiten funktioniert, wie die unerwartete Serie von Wahlerfolgen der extremen Rechten zeigt, die gro\u00dfe Sektoren der proletarischen Basis der Sozialdemokratie auf ihre Seite gezogen hat.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich versprechen rechte Parteien und Regierungsformen auch f\u00fcr das Klima nichts Gutes\u00a0\u2013 was sich in den weltweiten Auswirkungen der vier Jahre einer verleugnenden Klimapolitik von Donald Trump gezeigt hat. Rechtsextreme Parteien in Europa m\u00fcssen in Klimafragen m\u00f6glicherweise etwas vorsichtiger sein, weil dort in der Bev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dfere Einigkeit \u00fcber das Klima herrscht, doch l\u00e4sst sich mit Sicherheit sagen, dass Klimaschutz nicht ihre Priorit\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Da die Vereinigten Staaten der &#8220;1000-Pfund-Gorilla&#8221; der globalen Politik sind, der sogenannte &#8220;Anf\u00fchrer der freien Welt&#8221;, m\u00f6chte ich kurz ein paar Worte zu den j\u00fcngsten Entwicklungen dort sagen. Der Sturm auf das US-Kapitol am 6.\u00a0Januar unterstreicht die massive Bedrohung, die von der extremen Rechten ausgeht, die jetzt die Republikanische Partei dominiert\u00a0\u2013 einst eine Mitte-rechts-Partei.<\/p>\n<p>Was bei diesen Wahlen besonders auff\u00e4llt, ist, dass 47,2\u00a0Prozent der W\u00e4hler*innen f\u00fcr Trump gestimmt haben\u00a0\u2013 trotz seines schrecklichen Missmanagements der Pandemie, seiner L\u00fcgen, seiner wissenschaftsfeindlichen Einstellung, seiner Spaltungspolitik und seiner offenkundigen N\u00e4he zu wei\u00dfen nationalistischen Gruppen wie dem\u00a0<i>Ku Klux Klan<\/i>\u00a0und den\u00a0<i>Proud Boys<\/i>. 2020 erhielt Trump \u00fcber 11\u00a0Millionen Stimmen mehr als 2016.<\/p>\n<p>57\u00a0Prozent der wei\u00dfen W\u00e4hler*innen (56\u00a0Prozent der Frauen, 58\u00a0Prozent der M\u00e4nner) unterst\u00fctzten Trump mit ihrer Stimme. Die Solidarit\u00e4t unter Wei\u00dfen nimmt weiter zu und ist inzwischen die definierende Ideologie der Republikanischen Partei\u00a0\u2013 mehr noch als die Ablehnung von Steuern, die Opposition gegen Abtreibung und eine uneingeschr\u00e4nkte Verteidigung des Marktes.<\/p>\n<p>In der Tat war die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Republikanische Partei schon vor Trump \u00fcberwiegend wei\u00df.<\/p>\n<p>Was Trump in den letzten Jahren als Pr\u00e4sident gelang, war weniger die Transformation einer bereits ethnisch polarisierten W\u00e4hler*innenschaft als vielmehr die Mobilisierung seiner rassistischen und faschistischen Basis, die Republikanische Partei nahezu komplett zu \u00fcbernehmen. Und genau darin liegt jetzt die Gefahr: in der neofaschistischen Mobilisierung durch eine wei\u00dfe, rassistische Partei einer wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung, die, wenn man sich die Zahlen anschaut, im Verh\u00e4ltnis r\u00fcckl\u00e4ufig ist und aufgrund ihres eigenen Verlustes der demographischen Hegemonie vor weiteren Wahlniederlagen steht.<\/p>\n<p>Trotz der Tatsache, dass die politische Macht in den USA an Pr\u00e4sident Joe Biden und die Demokratische Partei \u00fcbergegangen ist, herrscht in Wirklichkeit in diesem Land mittlerweile ein Zustand des unerkl\u00e4rten B\u00fcrger*innenkrieges, in dem die oppositionelle Republikanische Partei jetzt die Partei der wei\u00dfen Vorherrschaft ist und die Demokratische Partei als Partei der People of Colour gilt.<\/p>\n<p>Sind die Entwicklungen in den USA ein Vorbote f\u00fcr die Zukunft Europas?<\/p>\n<h2>\u2026\u00a0doch sollte die Linke nicht abgeschrieben werden<\/h2>\n<p>Allerdings w\u00e4re es t\u00f6richt, die Linke abzuschreiben. Die Geschichte ist von komplexen dialektischen Bewegungen gepr\u00e4gt und erlebt oft unerwartete Entwicklungen, die Chancen f\u00fcr jene er\u00f6ffnen, die mutig genug sind, sie zu ergreifen, jenseits der Konventionen zu denken und bereit sind, den Tiger auf seinem unberechenbaren Weg zur Macht zu reiten\u00a0\u2013 und dazu z\u00e4hlen viele Linke, insbesondere der j\u00fcngeren Generation. In diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich uns allen zum Schluss die unvergesslichen Worte von Antonio Gramsci in Erinnerung rufen:\u00a0<i>&#8220;Pessimismus des Verstandes. Optimismus des Willens.&#8221;<\/i><\/p>\n<p>Vielen Dank!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Neoliberalismus liegt im Sterben, und nur die radikale Linke und die extreme Rechte stehen als Anw\u00e4rter*innen bereit, ein neues System herbeizuf\u00fchren, erkl\u00e4rte der Soziologieprofessor und Tr\u00e4ger des Alternativen Nobelpreises Walden Bello bei der j\u00fcngsten Klimakonferenz.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19703,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[2458],"tags":[],"class_list":["post-23674","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","person-walden-bello-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23674"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29016,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23674\/revisions\/29016"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19703"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}