{"id":23715,"date":"2021-12-07T12:26:13","date_gmt":"2021-12-07T11:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/gegengipfel-bei-der-cop26-die-zukunft-gehoert-dem-oeffentlichen-nahverkehr\/"},"modified":"2023-09-27T16:11:43","modified_gmt":"2023-09-27T14:11:43","slug":"gegengipfel-bei-der-cop26-die-zukunft-gehoert-dem-oeffentlichen-nahverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/gegengipfel-bei-der-cop26-die-zukunft-gehoert-dem-oeffentlichen-nahverkehr\/","title":{"rendered":"Gegengipfel bei der COP26 \u2013 Die Zukunft geh\u00f6rt dem \u00f6ffentlichen Nahverkehr"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge der Klimakonferenz COP26 in Glasgow verabschiedeten 24 Staaten und einige Autobauer eine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2021\/nov\/10\/cop26-car-firms-agree-to-end-sale-of-fossil-fuel-vehicles-by-2040\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">Erkl\u00e4rung<\/a>, in der sie sich verpflichten, bis 2040 (oder fr\u00fcher) aus dem Verbrennungsmotor auszusteigen. So l\u00f6blich auch diese Erkl\u00e4rung der Unterzeichnerstaaten als ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, umso kritikw\u00fcrdiger ist doch die Stille in Bezug auf den notwendigen Ausbau des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs (\u00d6PNV). Auch im Koalitionsvertrag der neuen deutschen Bundesregierung ist fast nichts zum Thema \u00d6PNV zu lesen. Dies ist ein gravierendes Problem, denn der Umstieg vom Verbrenner auf Elektroautos wird viele Herausforderungen mit Blick auf den Klimawandel nicht l\u00f6sen: Elektroautos beseitigen nicht die Fl\u00e4chenprobleme in unseren St\u00e4dten, und sie sind ressourcenintensiv und energieintensiv in der Herstellung. So stimmte das Europaparlament am 24. November 2021 in der <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/TA-9-2021-0468_DE.pdf\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">Entschlie\u00dfung zu kritischen Rohstoffen<\/a> daf\u00fcr, neue Abbaugebiete f\u00fcr kritische Rohstoffe wie Lithium und Kobalt (die u.a. in den Batterien von Elektroautos verbaut werden) zu erschlie\u00dfen. Jedoch m\u00fcsste es, wie Klimaschutzorganisationen zu Recht kritisieren, vielmehr darum gehen, den Materialverbrauch der EU insgesamt zu senken, und nicht darum, neue Abbaugebiete zu erschlie\u00dfen. Au\u00dferdem w\u00e4re eine Senkung des Materialverbrauchs der EU die Chance, die Regionen des Globalen S\u00fcdens aus der extraktivistischen Abh\u00e4ngigkeit zu entlassen.<\/p>\n<h2>Ausbau des \u00d6PNV nach der Pandemie<\/h2>\n<p>Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch einhalten zu k\u00f6nnen, muss \u00fcberall auf der Welt der \u00d6PNV fl\u00e4chendeckend ausgebaut werden. Drei Viertel aller Emissionen aus dem Verkehrssektor stammen aus dem stra\u00dfengebundenen Verkehr, so dass klar ist, dass hier gro\u00dfe CO2-Einsparungen realisiert werden m\u00fcssen. Einmal durch den fl\u00e4chendeckenden Ausbau des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs (\u00d6PNV), der bezahlbar oder sogar kostenfrei angeboten werden sollte, und andererseits durch den Ausbau des G\u00fcterverkehrs auf der Schiene.<\/p>\n<p>Der \u00d6PNV hat \u00fcberall auf der Welt unter den Folgen der einbrechenden Fahrgastzahlen aufgrund der Pandemie gelitten: die Besch\u00e4ftigten waren und sind einem h\u00f6heren gesundheitlichen Risiko als Besch\u00e4ftigte in anderen Sektoren ausgesetzt, und die Einnahmen aufgrund sinkender Fahrgastzahlen brachen ein und stellen die Finanzierung des \u00d6PNV grunds\u00e4tzlich in Frage. Der derzeitige Boom bei den Elektroautos darf nun aber nicht dazu f\u00fchren, dass der \u00d6PNV vernachl\u00e4ssigt oder sogar in Frage gestellt wird. Nein, ganz im Gegenteil brauchen wir eine Reduzierung der Zahl der Autos in unseren St\u00e4dten und einen besseren, bezahlbaren bzw. kostenlosen \u00d6PNV. So forderte bei einer gemeinsamen Veranstaltung bei COP 26, organisiert von der International Transport Workers\u2018 Federation und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Br\u00fcssel, der Gouverneur der indonesischen Hauptstadt Jakarta, Anies Baswedan, dass die Investitionen der Regierungen weltweit in den \u00d6PNV dringend angehoben werden m\u00fcssten. Der Wiederaufbau nach der COVID-19-Pandemie m\u00fcsse den \u00d6PNV ganz oben auf die Tagesordnung setzen, denn der \u00d6PNV transportiere nicht nur Menschen von A nach B, nein, vielmehr \u201everbinde\u201c der \u00d6PNV die Menschen vor Ort. Jakarta habe sich das Ziel gesetzt, bis 2030 die Zahl der Fahrten, die mit dem \u00d6PNV zur\u00fcckgelegt werden, zu verdoppeln und in den n\u00e4chsten Jahren zum weltweiten Vorbild f\u00fcr den Ausbau des st\u00e4dtischen \u00d6PNV zu werden. Im Innenstadtbereich sei zus\u00e4tzlich eine verkehrsberuhigte Zone geplant.<\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p style=\"font-size: 12px;\"><i>Die International Transport Workers\u2018 Federation startete 2021 ihre Kampagne <a href=\"https:\/\/thefutureispublictransport.org\/#share\" title=\"Opens internal link in current window\">\u201eThe Future is Public Transport\u201c<\/a><\/i><\/p>\n<\/div>\n<h2>\u00d6PNV zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Hand<\/h2>\n<p>Am Beispiel von Glasgow, wo die diesj\u00e4hrige Klimakonferenz COP26 stattfand, l\u00e4sst sich auch gut erkl\u00e4ren, wie wichtig es ist, den \u00d6PNV zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Hand zu \u00fcberf\u00fchren. In Glasgow wurde in den 80er Jahren das Busangebot privatisiert, mit der absurden Folge, dass drei verschiedene Unternehmen in der Stadt von 600.000 Einwohner*innen den \u00d6PNV mit Bussen anbieten. Seitdem sind die Preise konstant gestiegen, und f\u00fcr viele Menschen schlicht eine zu hohe finanzielle Belastung. Seitdem hat sich auch das Angebot verschlechtert, sowohl, was die Taktung angeht als auch die Abstimmung des Busverkehrs mit anderen Verkehrstr\u00e4gern. Die lokale Initiative <a href=\"https:\/\/www.getglasgowmoving.org\/\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">\u201eGet Glasgow Moving\u201c<\/a> k\u00e4mpft seit Jahren daf\u00fcr, dass der Busverkehr in Glasgow wieder zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Hand kommt, denn einige Buslinien sind eingestellt worden, weil sie sich aus Sicht der privaten Unternehmen \u201enicht gerechnet\u201c haben. Und das in einer Stadt, die ganz besonders von Armut betroffen ist und wo ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung \u00fcber kein Auto verf\u00fcgt und somit voll auf den \u00d6PNV angewiesen ist. Gleichzeitig erhalten private Busunternehmen in Schottland jedes Jahr 314 Millionen Pfund an \u00f6ffentlichen Subventionen. Dies ist einfach unfair und zeigt, dass der \u00d6PNV in die \u00f6ffentliche Hand geh\u00f6rt, denn er ist Teil der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht den Profitinteressen von privaten Unternehmen untergeordnet werden. Diese Forderungen wurden im Rahmen der Veranstaltung bei COP26 auch von Jennifer McCarey vom Glasgow Trade Union Congress (TUC) erhoben: die Busse m\u00fcssten zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Hand, denn seit der Privatisierung sei das System immer dysfunktionaler geworden. Es gelte, global zu denken und lokal zu handeln.<\/p>\n<p>Wie es gehen kann, zeigt die schottische Stadt Edinburgh, wo der Busverkehr in \u00f6ffentlicher Hand ist, das Angebot des \u00d6PNV um Welten besser und die Ticketpreise nur halb so hoch sind wie in Glasgow.<\/p>\n<h2>Kostenloser Nahverkehr f\u00fcr Alle \u2013 nicht nur f\u00fcr Delegierte der Klimakonferenz<\/h2>\n<p>Am 10. November 2021, im Rahmen des Gegengipfels von COP26 (Peoples\u2018 Summit) organisierte die Glasgower Initiative \u201eGet Glasgow Moving\u201c gemeinsam mit Friends of the Earth Schottland eine Demonstration, \u00fcber die breit in der lokalen Presse berichtet wurde. Unter anderem kritisierten die Demonstrant*innen, dass die Delegierten zur Klimakonferenz COP26 in Glasgow einen \u201efree pass\u201c, also ein Ticket f\u00fcr die kostenlose Nutzung des \u00d6PNV erhielten, und au\u00dferdem schicke, neue Elektrobusse angeschafft worden waren, die den Eindruck erwecken sollten, Glasgow w\u00fcrde in den Klimaschutz investieren. Die Demonstrant*innen forderten, den \u00d6PNV zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Hand zu bringen, und den \u201efree pass\u201c auch f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung nach Ende der Klimakonferenz bereitzustellen, um das Recht auf Mobilit\u00e4t f\u00fcr Alle zu verwirklichen.Die Diskussion zur Rolle der \u00f6ffentlichen Hand bei der Sicherstellung der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge ist in vollem Gange \u2013 sp\u00e4testens, seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 \u2013 2008 und sp\u00e4testens, seitdem Labour im Manifesto \u201eFor the Many, Not the Few\u201c ganz prominent und vielbeachtet Stellung bezog. Die LINKE. in Deutschland setzt sich ebenfalls f\u00fcr den \u00d6PNV in kommunaler Hand ein und fordert, die R\u00fcckf\u00fchrung in die \u00f6ffentliche Hand durch einen Rekommunalisierungsfonds zu unterst\u00fctzen. Damit das Recht auf klimafreundliche Mobilit\u00e4t f\u00fcr Alle auch verwirklicht werden kann.<\/p>\n<p><b>Urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht auf der Website der <a href=\"https:\/\/www.rosalux.eu\/de\/article\/2056.gegengipfel-bei-cop26-die-zukunft-geh%C3%B6rt-dem-%C3%B6ffentlichen-nahverkehr.html#_ftnref1\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens internal link in current window\">Rosa-Luxemburg-Stiftung Br\u00fcssel<\/a>.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Analyse von Manuela Kropp, Projektleiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung Br\u00fcssel.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":14749,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2458],"tags":[550],"class_list":["post-23715","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-artikel","tag-cop26","person-manuela-kropp-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23715"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27840,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23715\/revisions\/27840"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}