{"id":23777,"date":"2022-07-28T09:11:00","date_gmt":"2022-07-28T07:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/europaeische-industriepolitik-in-zeiten-des-klimawandels\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:02","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:02","slug":"european-industrial-policy-in-times-of-climate-change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/european-industrial-policy-in-times-of-climate-change\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Industriepolitik in Zeiten des Klimawandels"},"content":{"rendered":"<p><i>Das Interview mit Roland Kulke f\u00fchrte Ulrike Eifler, Bundessprecherin der BAG Betrieb &amp; Gewerkschaft und Stellvertretende Landessprecherin der Partei DIE LINKE in Duisburg.<\/i><\/p>\n<p><b>Ulrike Eifler: Die Europ\u00e4ische Kommission hat den <i>Green Deal<\/i> (GD) beschlossen. Ist dieser deiner Ansicht nach geeignet, um die Klimaschutzziele von Paris umzusetzen?&nbsp;<\/b><\/p>\n<p>Roland Kulke: <i>Fridays for Future<\/i>, <i>Greenpeace<\/i> und andere Umweltschutz-Organisationen sagen da ganz klar: Nein. Die anvisierten 55% CO2-Reduktion gegen\u00fcber 1990 sind klar zu wenig ambitioniert, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Und wir m\u00fcssen uns bewusst sein, dass die 1,5-Grad-Temperaturerh\u00f6hung, die in Paris als Ziel formuliert wurde, keinesfalls ein gutes Leben f\u00fcr die Menschen sichert. Wir sind bereits bei einer Temperaturerh\u00f6hung \u00fcber 1,1 Grad und wir erleben schon jetzt dramatische Einfl\u00fcsse auf das Klima. Die Linksfraktion im Europ\u00e4ischen Parlament (EP) fordert daher konsequent mindestens 65% CO2-Reduzierung bis 2030. Aber selbst die zu geringen 55% sind noch Augenwischerei, da in diese Senken von W\u00e4ldern und Mooren eingerechnet sind, deren Wirkung wissenschaftlich noch unklar ist. In Realit\u00e4t w\u00fcrden wir also mit dem GD nicht einmal die Minus 55% CO2-Reduktion erreichen.<\/p>\n<p><b>Gibt es in dem <i>Green Deal<\/i>&nbsp;auch eine soziale Komponente?<\/b><\/p>\n<p>Der Vize-Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Kommission und Sozialdemokrat Franz Timmermans hat einmal gesagt, dass das Soziale die Achilles Ferse des GD sei, und wo er Recht hat, hat er Recht. Klar ist, dass der GD wenig mit linken Vorstellungen eines \u201eNew Deals\u201c zu tun hat. Der New Deal in den 1930ern wurde wesentlich durch die Arbeiterinnen und Arbeiter vorangetrieben. Dass das \u201eNew\u201c im Europ\u00e4ischen&nbsp;<i>Green Deal<\/i>&nbsp;fehlt, ist kein Zufall \u2014 das ist viel mehr Programm. Es geht um die Top-Down-Implementierung einer gr\u00fcnen Wachstumsagenda. Am Anfang waren Digitalisierung und nachhaltigere kapitalistische Produktion die Zwillingsziele. Seit dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine ist nun als drittes Ziel die Militarisierung der EU als weiteres herausragendes Ziel daneben gesetzt worden. Von einer umfassenden sozialen Umorientierung unserer Wirtschaften ist weiterhin keine Rede mehr. Das \u201eEurop\u00e4ische Anti-Rassistische Netzwerk\u201c (EARN) spricht beim GD sogar von einem neokolonialistischen Projekt.<\/p>\n<p><b>Also winkst du beim <i>Green Deal<\/i>&nbsp;ab?<\/b><\/p>\n<p>Nein, jetzt kommt ein gro\u00dfes \u201eTrotzdem\u201c. Denn trotz alledem ist der GD ein Ansatzpunkt f\u00fcr linke Politik auf EU-Ebene genauso wie auf nationaler Ebene. Linke und progressive Akteure k\u00f6nnen mit den Argumenten, die die KOM selber benutzt, die sozialen und klimapolitischen Ziele zu versch\u00e4rfen suchen. Das grade im EP geforderte Verbot der Verbrennermotoren w\u00e4re im Bundestag wohl kaum durchsetzungsf\u00e4hig. Genau so treibt das EP gerade die St\u00e4rkung der Tarifvertr\u00e4ge voran. Auch hier steht die EU progressiver da als der Bundestag.<\/p>\n<p><b>Was sind die zentralen Bestandteile des <i>Green Deal<\/i>?<\/b><\/p>\n<p>Beim GD-Paket geht es darum, die EU-Gesellschaften bis 2050 klimaneutral zu machen \u2013 ein Mammutunternehmen. Der GD ist nicht ein einziges gro\u00dfes Gesetz, sondern ein Rahmen, der die Bandbreite f\u00fcr viele einzelne Gesetze bildet. Es geht dabei z.B. um Landwirtschaft, Wasserstoff, Renovierungen von H\u00e4usern, Windenergie auf See, Energieeffizienz, Methanverschmutzung, die Lenkung privater Investitionen (Taxonomie) oder um Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p>Im Moment k\u00e4mpft die Linke im EP z.B. darum, zu verhindern, dass Mieteri:nnen einen CO2-Preis f\u00fcr ihren Energieverbrauch in ihren Wohnungen zahlen m\u00fcssen. Genauso Teil der Auseinandersetzungen von \u201eETS-2\u201c ist die Frage, ob es noch h\u00f6here CO2-Abgaben auf privaten Verbrauch von Diesel und Benzin geben sollte. Auch hier versucht die Linksfraktion im EP diese Kosten abzuwehren. Der Grund ist, dass Menschen im l\u00e4ndlichen Raum schlicht und einfach keine Ausweichm\u00f6glichkeiten h\u00e4tten. Ein Auto auf dem Land, unter gegebenen Umst\u00e4nden, ist oftmals kein Luxus, keine \u201ekleine S\u00fcnde\u201c, sondern Notwendigkeit.<\/p>\n<p><b>Welche wesentlichen Fragen l\u00e4sst der <i>Green Deal<\/i>&nbsp;aus?<\/b><\/p>\n<p>Fragen der globalen Handelspolitik werden nicht thematisiert. Genauso wenig Fragen einer sozialeren und demokratischeren Wirtschaft. Zwar gibt es den <i>Just Transition Fund<\/i> und es soll einen <i>Sozialen Klimafond<\/i> geben, aber diese reichen in ihrer finanziellen Ausstattung bei Weitem nicht aus. Worum es nach dem Willen Von der Leyens geht, ist, die Volkswirtschaften innerhalb der physikalischen Grenzen, die uns die Klimaerhitzung vorgibt, maximal wettbewerbsf\u00e4hig zu machen. Das ist nicht genug, aber doch mehr als noch vor einigen Jahren zu erwarten war.<\/p>\n<p><b>Wahrscheinlich sind die Interessen der einzelnen L\u00e4nder in Bezug auf die Klimaschutzziele sehr unterschiedlich. Wie sehr unterscheiden sich diese von der Gesamtsstrategie der Europ\u00e4ischen Kommission?<\/b><\/p>\n<p>Die Energiesysteme der EU-Mitgliedstaaten haben ganz unterschiedliche historische Entwicklungswege genommen, und sind somit heute sehr unterschiedlich. W\u00e4hrend Deutschland kaum mehr 5% seiner Energie aus Atomstrom gewinnt, sind es in Frankreich fast 63%, in Italien und \u00d6sterreich hingegen null Prozent. Polen bezieht fast 70% seiner Elektrizit\u00e4t aus Kohle, wohingegen es in Spanien nicht einmal 5% sind. W\u00e4hrend Deutschland 2019 etwas mehr als die H\u00e4lfte seines Gases aus Russland bezog, ist Frankreich bei seinen Uran-Importen von seiner ehemaligen Kolonie Niger und dem von Russland abh\u00e4ngigen Kasachstan abh\u00e4ngig. Was wir also sehen: die Voraussetzungen der EU-Mitgliedsstaaten sind g\u00e4nzlich unterschiedlich. Es ist also einfach f\u00fcr die einen, den unbedingten Ausstieg aus der Nuklearenergie f\u00fcr alle zu fordern, oder ein Stopp von Gasimporten aus Russland. Was f\u00fcr die einen einfach ist, hat f\u00fcr die anderen fast prohibitive volkswirtschaftliche und damit auch soziale Kosten.<\/p>\n<p>Was klar ist, ist, dass die reichen L\u00e4nder in der EU wesentlich mehr \u201canpacken\u201d m\u00fcssen als bisher. Dem ewigen Exportweltmeister Deutschland f\u00e4llt die Umr\u00fcstung seines Energiesystem viel leichter als Bulgarien, das vor allem Arbeitskr\u00e4fte exportiert. Die Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern f\u00fchren aber nat\u00fcrlich auch zu unterschiedlichen Interessen gegen\u00fcber den Pl\u00e4nen der EU Kommission. Und so kam es zu den Auseinandersetzungen um die sog. <i>Taxonomie<\/i>.<\/p>\n<p><b>Wie beurteilst du denn den Versuch der Aufnahme von Gas- und Kernenergie in die Taxonomie der EU \u2013 wird hier nachhaltige Energie gef\u00f6rdert oder ist es doch nur Green Washing?<\/b><\/p>\n<p>In der EU gibt es ja das, je nachdem wen man fragt, geliebte oder gef\u00fcrchtete, franz\u00f6sisch-deutsche Tandem. Dieses hat bei der Frage der Lenkung privater Investitionen in die Energiewende leider richtig schlechte Arbeit geleistet. Deutschland ben\u00f6tigt Gas und Frankreich Uran. So kam es zu einem inoffiziellen Deal zwischen den Regierungen beider L\u00e4nder. Dieser f\u00fchrte dazu, dass Gas und Uran als gr\u00fcne Energielieferanten klassifiziert, und damit in die sog. <i>Taxonomie<\/i> aufgenommen werden sollen.<\/p>\n<p><b>Das klingt wenig vern\u00fcnftig.<\/b><\/p>\n<p>Sollten Uran und Gas als umweltgerechte Energiequellen angesehen werden, w\u00e4re das irrsinnig. Gas ist keine Br\u00fcckentechnologie. Bei Gasproduktion entweicht immer Methan, sei es bei Produktion vor Ort oder beim Transport. Vor allem das sogenannte \u201eFracking Gas\u201c produziert extreme Mengen Methangas. Dieses ist 25 mal so sch\u00e4dlich wie CO2. Rechnet man dies mit ein, so kommt Gas nicht viel besser weg als Steinkohle. \u00dcber die Umweltfreundlichkeit von Uran brauchen wir nicht wirklich reden.<\/p>\n<p>Die&nbsp;<i>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/i>&nbsp;berichtete&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/nachhaltigkeit-eu-taxonomie-windrad-russland-lindner-1.5540529\">\u00fcber weitere negative Hintergr\u00fcnde der Taxonomie-Verordnung<\/a>: Um als umweltfreundlich zu gelten muss \u201e\u2026ein Windkraft-Unternehmen [\u2026] mehr als 500 Mitarbeiter haben, und es muss \u201akapitalmarktorientiert\u2018 sein, also beispielsweise Anleihen oder Aktien ausgeben [\u2026].<\/p>\n<p>Da viele Kredite nicht als gr\u00fcn gelten d\u00fcrfen, k\u00f6nnte die&nbsp;<i>Gr\u00fcne Finanzierungsquote<\/i>&nbsp;bei einer Bank, die viele Windkraftprojekte finanziert, wom\u00f6glich bei null Prozent liegen. Eine Gro\u00dfbank, die wiederum Atom- und Gasunternehmen finanziert, hat dann wom\u00f6glich eine bessere&nbsp;<i>Gr\u00fcne Finanzierungsquote<\/i>. Ein solches Vorgehen w\u00fcrde nicht nur der Energiewende nachhaltig schaden, sondern auch zur weiteren Finanzialisierung unserer Wirtschaften f\u00fchren. F\u00fcr dieses Thema m\u00f6chte ich nur auf die Arbeiten von Angela Wigger oder Michael Hudson verweisen.<\/p>\n<p><b>Wie wichtig ist aus deiner Sicht eine Versorgungssicherheit mit Energie f\u00fcr das Gelingen der Energiewende?<\/b><\/p>\n<p>Eben sagte ich, dass Gas keine Br\u00fcckentechnologie ist. Das ist richtig. Genauso richtig ist aber leider auch, dass es kurzfristig ohne Gas nicht geht. Das ist ein wichtiger Punkt, der klar sein muss, und keine Wortklauberei. Gas ist sch\u00e4dlich, kann aber, anders als andere fossile Brennstoffe, schneller hoch und runtergefahren werden. Somit sind Gaskraftwerke auf dem Strommarkt leichter kombinierbar mit Erneuerbarer Energie (EE). Was hier vor allem wichtig ist, ist der schnellste Ausbau von Stromspeichern f\u00fcr EE. Hier fehlt weitgehend Infrastruktur.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber Versorgungssicherheit reden, m\u00fcssen wir zwischen Sicherheit f\u00fcr Menschen und Sicherheit f\u00fcr Unternehmen unterscheiden&nbsp;. Das Recht auf Energie ist bereits teilweise in UNO-Menschenrechtserkl\u00e4rungen gesichert (W\u00e4rme und Licht), muss aber in der EU noch durchgesetzt werden. Hier kann es aber nicht nur darum gehen, Boykotte auf dem R\u00fccken der normalen Leute zu vermeiden, sondern wichtig ist, massiv in&nbsp;<i>Gutes Wohnen<\/i>&nbsp;zu investieren. Und da hilft auch der Verweis darauf, dass das ja nur langfristig zur L\u00f6sung beitragen k\u00f6nnte, nicht weiter. Diese Ausrede h\u00f6ren wir seit Jahrzehnten. Hier m\u00f6chte ich auf die erfolgreiche Arbeit der \u201eRecht auf Energie Koalition\u201c in Br\u00fcssel verweisen, bei der&nbsp;<i>transform europe<\/i>&nbsp;seit einigen Jahren Mitglied ist.<\/p>\n<p><b>Die Versorgungssicherheit der Unternehmen ist etwas anderes.<\/b><\/p>\n<p>Hier m\u00fcssen wir konstatieren, dass die deutschen Unternehmen den Wandel drastisch verschlafen haben. CO2-neutraler Stahl soll jetzt gef\u00f6rdert werden, das ist gut, aber warum erst jetzt? H\u00e4tten die deutschen Unternehmen ihre finanziellen Ressourcen dazu benutzt, in Forschung und Entwicklung zu investieren, anstatt ihre Aktienbesitzer reicher zu machen, st\u00e4nden wir heute besser da.<\/p>\n<p>Und damit kommen wir zu einem grunds\u00e4tzlicheren Problem, das seit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine in den Medien als \u201edie falsche Struktur des deutschen Wachstumsmodells\u201c beschrieben w\u00fcrde. Zweifach w\u00e4re Deutschland von Autokratien bzw. Diktaturen abh\u00e4ngig. Billige fossile Rohstoffe w\u00fcrde aus Russland bezogen, und billige Vorprodukte und Absatzm\u00e4rkte w\u00fcrde man in China finden. Beides zeigt nun in Zeiten zugespitzter geopolitischer Konflikte die Grenzen seines Wachstums. Es ist Zeit zu erkennen, dass das deutsche Wachstumsmodell schlicht ge\u00e4ndert werden muss.<\/p>\n<p><b>Was war das letzte deutsche Unternehmen, das echte Innovationen am Markt unterbrachte?<\/b><\/p>\n<p>Das war SAP. Dieses, in den 1970ern gegr\u00fcndete Softwareunternehmen, ist das einzige gro\u00dfe deutsche Unternehmen, das seine Wurzeln nicht in der zweiten industriellen Revolution hat. Die deutsche Industrie stellte nette Produkte her, die zwar Profit bringen, aber in Deutschland wegen der weitgehenden Aussch\u00f6pfung der technologischen Entwicklungen in Sektoren der zweiten Industriellen Revolution auch keine Arbeitspl\u00e4tze mehr schafft. Deutschland leidet unter einer besonderen Art von \u201aHoll\u00e4ndischer Krankheit\u2018. Dieser Begriff bezeichnet L\u00e4nder, die einen Wirtschaftssektor haben, der so erfolgreich auf dem internationalen Markt ist, dass er den Rest der heimischen Wirtschaft erdr\u00fcckt. Was getan werden m\u00fcsste, w\u00e4re, die Profite aus der deutschen Automobil- und Chemieindustrie abzusch\u00f6pfen und in neue innovative und nachhaltige Sektoren zu lenken.<\/p>\n<p>Nur so k\u00f6nnen wir langfristig eine Wirtschaft aufbauen, die eine echte Versorgungssicherheit f\u00fcr Menschen und Unternehmen sichern. Dazu geh\u00f6rt eben auch ein R\u00fcckbau des deutschen Export\u00fcberschusses. Das f\u00e4llt selbstverst\u00e4ndlich schwer und ist nicht von heute auf morgen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><b>Welche Auswirkungen h\u00e4tte ein Gasembargo f\u00fcr den Ausbau der Erneuerbaren Energien?<\/b><\/p>\n<p>Es ist richtig: Wenn Gas von heute auf morgen abgestellt werden w\u00fcrde, w\u00fcrden weite Teile der deutschen Industrie zerst\u00f6rt werden. Aber genauso richtig ist, dass wir schnellstens von dieser Abh\u00e4ngigkeit der billigen, unsere Lebensgrundlagen zerst\u00f6renden, Energie loskommen m\u00fcssen. Hier gibt es eine wichtige Verbindung zwischen fossilen Energietr\u00e4gern, Erneuerbaren Energien (EE) und dem Fehlen einer echten Industriepolitik in der BRD und in der EU.<\/p>\n<p>Die Maschinen, die EE f\u00fcr uns liefern sollen, fallen nicht vom Himmel. Sie m\u00fcssen gebaut werden, am besten in der EU selber. Der Gr\u00fcne Wirtschaftsminister Robert Habeck verh\u00e4lt sich hier leider falsch. Er geht einerseits weltweit auf Shopping Tour, um Gas f\u00fcr Deutschland zu sichern (und zwar nur f\u00fcr Deutschland, von europ\u00e4ischer Solidarit\u00e4t war da nicht viel zu sp\u00fcren). Anderseits h\u00e4ufen sich in den Medien die Berichte, wie unter seiner \u00c4gide der letzte deutsche Hersteller von Rotorbl\u00e4ttern f\u00fcr Windr\u00e4der (Nordex) von den Besitzer:innen in den Ruin getrieben wird. Gleichzeitig fordert Habeck Familien auf, Energie zu sparen. Das passt vorne und hinten nicht zusammen.<\/p>\n<p><b>Wie aber sieht eine funktionierende Industrie aus?<\/b><\/p>\n<p>Diese muss die n\u00f6tige Infrastruktur und Maschinen f\u00fcr EE herstellen. Und daf\u00fcr ben\u00f6tigen wir, momentan, eben Gas. Aber wir d\u00fcrfen die Entscheidung, wie diese so wertvolle Ressource einzusetzen ist, nicht allein dem Gutd\u00fcnken der CEOs privater Unternehmen \u00fcberlassen. Wir ben\u00f6tigen demokratische Wirtschaftsplanung \u00fcber unsere nationalen Parlamente und vor allem \u00fcber das Europ\u00e4ische Parlament.<\/p>\n<p>Luc Trinagle (Generalsekret\u00e4r von <i>IndustriAll<\/i>, der Metallarbeiter-Gewerkschaft auf EU-Ebene) nannte im M\u00e4rz 2022 bei einer Konferenz des Europ\u00e4ischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vier Ziele, die wir in der EU gemeinsam verfolgen m\u00fcssen:<\/p>\n<ol type=\"1\">\n<li>Wir ben\u00f6tigen eine umfassende Fortbildungsagenda f\u00fcr Anbieter:innen in den vom Klimawandel betroffenen Sektoren.<\/li>\n<li>Wir ben\u00f6tigen ein <i>Mapping<\/i> der kommenden Entwicklungen, heruntergebrochen auf die lokale Ebene. Wir ben\u00f6tigen also eine Art Landkarte der durch Klimaerhitzung und <i>Green Deal<\/i> verursachten Ver\u00e4nderungen unserer Wirtschaften.<\/li>\n<li>Wir ben\u00f6tigen einen echten&nbsp;<i>Sozialen Dialog<\/i>, der aber nicht nur Arbeit- und Kapitalvertreter beinhalten darf, sondern die gesamte Zivilgelschaft abbilden muss. Dies kann als eine Absage gegen\u00fcber dem geschlossenen Korporatismus der 1970er gelesen werden.<\/li>\n<li>Als viertes Ziel gemeinsamen Handelns m\u00fcssen wir die territoriale Dimension beachten. Keine Region in der EU darf sich deindustrialisieren.<\/li>\n<\/ol>\n<p><b style=\"color: rgb(238, 0, 34); \">Urspr\u00fcnglich erschienen auf der Website der <a title=\"Opens external link in new window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/betriebundgewerkschaft.de\/europaeische-industriepolitik-in-zeiten-des-klimawandels\/\">Bundesargbeitsgemeinschaft Betrieb &amp; Gewerkschaft<\/a>.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, wird immer schwieriger. Warum es dazu eine transformative Industriepolitik braucht und warum es irrsinnig ist, Uran und Gas als umweltgerechte Energiequellen einzustufen, erkl\u00e4rt Roland Kulke von transform! europe im Gespr\u00e4ch mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Betrieb &#038; Gewerkschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15228,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2451,2460],"tags":[],"class_list":["post-23777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-interview","category-interview-de","topic-climate-and-ecology","topic-klimawandel-und-okologie","person-roland-kulke","person-roland-kulke-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23777"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27880,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23777\/revisions\/27880"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}