{"id":23782,"date":"2022-07-04T11:29:49","date_gmt":"2022-07-04T09:29:49","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-nato-und-die-schaffung-des-feindes\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:04","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:04","slug":"die-nato-und-die-schaffung-des-feindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/analysis\/die-nato-und-die-schaffung-des-feindes\/","title":{"rendered":"Die NATO und die Schaffung des Feindes"},"content":{"rendered":"<p>Die NATO versucht derzeit, sich unter dem Euphemismus \u201eGlobal NATO\u201c selbst neu zu definieren, versteckt dabei jedoch kaum ihr Vorhaben, erneut die Grenzen (die Mauern) einer Blockpolitik zu st\u00e4rken. In diesem Szenario gibt es ein &quot;Anderes&quot;, einen &quot;Feind&quot; als Gegner, der schlie\u00dflich das Bestehen der NATO und vor allem die enormen Verteidigungsausgaben rechtfertigt, die die Existenz der NATO mit sich bringt.&nbsp;<\/p>\n<p>Wer das Dokument <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/NSC-1v2.pdf\"><i>National Security Strategic Guidance<\/i><\/a> von US-Pr\u00e4sident Joe Biden aus dem Jahr 2021 gelesen hat, kann daraus klar und deutlich den folgenden Schluss ziehen: Die USA versuchen verzweifelt zu etwas zur\u00fcckzukehren, was sie die \u201efr\u00fchere\u201c USA nennen, als sie als Herrscher der \u201eP.A.X. Imperator\u201c die westliche Hemisph\u00e4re nach dem Zweiten Weltkrieg definierten und ihren H\u00f6hepunkt w\u00e4hrend des Kalten Krieges erreichten, auf den die frisch erstarkte NATO nostalgisch zur\u00fcckblickt.&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Mauerfall verlor die NATO ihre Daseinsberechtigung; es war und ist aber klar, dass eine Milit\u00e4rorganisation ihre Existenz rechtfertigen muss, indem sie sich als starke Verteidigungsmacht gegen einen Feind oder eine Bedrohung positionieren muss. Dieser echte und ideologische Gegenpol stellte w\u00e4hrend des Kalten Krieges der Kommunismus dar. <b>Nachdem dieses Kapitel jedoch geendet hatte, wer konnte nun als Feind dienen? Wer ist der Gegner, gegen den wir uns bis auf die Z\u00e4hne bewaffnen m\u00fcssen?<\/b> Wer k\u00f6nnte dieser Gegenspieler sein, gegen den sich der Westen vereinigen k\u00f6nnte unter der Schirmherrschaft des Pentagon? Die Schaffung eines Gegners, seine Entmenschlichung, seine \u00dcberzeichnung und seine Verfolgung sind die \u00fcblichen Merkmale kriegstreiberischen Denkens, das \u2013 und das d\u00fcrfen wir niemals vergessen \u2013 auf eine Politik der Dominanz, die in sich reaktion\u00e4r ist, abzielt. <\/p>\n<p>Die USA verliert derzeit nicht nur ihren Status als dominante Weltmacht, sondern auch jenen des m\u00e4chtigsten Landes der Welt. Ich m\u00f6chte hier nicht die materiellen Gr\u00fcnde analysieren, die die Militarisierung des Westens und die neue NATO-Strategie provozieren, sondern die beiden den \u00dcberbau betreffenden Ideen, die herangezogen werden, um sie kulturell und ideologisch zu rechtfertigen: die Konstruktion des \u201eAnderen\u201c, das bek\u00e4mpft werden muss und die rassistische \u00dcberlegenheit, die dabei eingesetzt wird.<\/p>\n<h2>Eine kurze Geschichte des \u201eAnderen\u201c<\/h2>\n<p>Es ist bekannt, dass im Kalten Krieg der Kommunismus der Feind war, gegen den der Westen eine antikommunistische Ideologiemaschinerie in Gang setzte, die von politischer Verfolgung wie etwa zur Zeit der McCarthy-\u00c4ra bis hin zur Produktion einer Unzahl an Filmen f\u00fchrte, die das gemeinsam erdachte B\u00f6se verdichtete, das mit der UdSSR verbunden war, um das Wettr\u00fcsten zu rechtfertigen. W\u00e4hrend des Kalten Krieges wurden zwei Milit\u00e4rdoktrinen eingef\u00fchrt, die wir uns genauer ansehen sollten, da sie auf gewisse Weise noch heute von Bedeutung sind:&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">In der Doktrin <b><i><a href=\"https:\/\/www.nato.int\/acad\/fellow\/94-96\/sutyagin\/03.htm\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">Mutual Assured Destruction<\/a><\/i><\/b> (oder MAD \u2013 \u201e<i>Gleichgewicht des Schreckens<\/i>\u201d) gingen die US-Amerikaner:innen von der Annahme aus, dass angesichts der bestehenden Atomwaffenarsenale der Erstschlag eines jeden der beiden Kriegsgegner zur gegenseitigen Zerst\u00f6rung f\u00fchren w\u00fcrde. Obwohl das heute sehr irrational erscheinen mag, ist dies die Doktrin, mit der eine Politik der Abschreckungswaffen gemacht wird.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">US-Pr\u00e4sident Dwight D. Eisenhower ging 1954 noch einen Schritt weiter, als der den Vorschlag der <b><i><a href=\"https:\/\/www.nato.int\/docu\/stratdoc\/eng\/intro.pdf\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">Massive Retaliation<\/a><\/i><\/b><i>&nbsp;(&quot;Massive Vergeltung&quot;)&nbsp;<\/i>einbrachte, der festgelegte, dass auf jede milit\u00e4rische Aktion des Gegners mit einem viel h\u00e4rteren, also \u00fcberproportionalen Gegenschlag reagiert werden w\u00fcrde. Man ging davon aus, dass dies eine abschreckende Wirkung haben w\u00fcrde, da dieser massive Gegenschlag den Feind in Angst und Schrecken versetzen und somit l\u00e4hmen w\u00fcrde.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span lang=\"DE\">Auch wenn diese beiden Milit\u00e4rdoktrinen antiquiert erscheinen, dienen sie der NATO noch immer als Ausrede, um ihre riesigen R\u00fcstungsausgaben weiter zu erh\u00f6hen und ihr Atomwaffenarsenal nicht zu verkleinern.<\/span><\/b>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Nach dem Mauerfall wurde von der Regierung Clinton der folgende Fahrplan mit dem Konzept der <b><i>Schurkenstaaten<\/i><\/b> (\u201eRogue States\u201c) vorgelegt, wodurch einer Liste von Staaten, die die USA als Bedrohung sahen, der Stempel des Feindstaates aufgedr\u00fcckt wurde, zuallererst Nordkorea, Irak, Iran und Libyen. Mit der Zeit kamen noch weitere Staaten dazu, ohne dass jedoch transparente Kriterien definiert wurden und daher nie klar war, warum manche Staaten zum Feind geh\u00f6rten und andere nicht. Es bestand immer der Verdacht, dass das Label <i>Schurkenstaat<\/i> als perfekte Ausrede herangezogen wurde, um Raketenabwehrgeschosse gegen nicht-atomare Bedrohungen abzufeuern und die geostrategische Kontrolle \u00fcber Energiequellen zu bewahren, was aber nie explizit gesagt wurde.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Die Angriffe vom 11. September \u00f6ffneten einer neuer Definition des \u201eAnderen\u201c T\u00fcr und Tor; es ging nun um die <b><i><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/topic\/axis-of-evil\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">Achse des B\u00f6sen<\/a><\/i><\/b><i> (\u201eAxis of Evil\u201c)<\/i>. Dieser Begriff, der von US-Pr\u00e4sident George W. Bush 2002 gepr\u00e4gt wurde, spielte auf die Achsenm\u00e4chte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs und den Begriff des <i>Evil Empire<\/i> der Reagan-\u00c4ra, mit dem sein Vorg\u00e4nger die UdSSR meinte, an. Diese neue Achse des B\u00f6sen (die anderen; die, die zerst\u00f6rt werden sollten) umfasste den Iran, Irak und Nordkorea. Als Feind wurden \u201eStaaten, die Terrorismus beg\u00fcnstigen\u201c bezeichnet und so wurde der Terrorist zum neuen Gegner, der bek\u00e4mpft werden musste, was den Weg f\u00fcr viele Invasionen freimachte und eine nie dagewesene Einschr\u00e4nkung von Rechten und Freiheiten zu Friedenszeiten bedeutete.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Diese Doktrin blieb fast bis zum heutigen Tag in Kraft. Joe Biden k\u00fcndigte nun eine neue Doktrin an, mit einem anderen Feind: <b><i><a href=\"https:\/\/eu.usatoday.com\/story\/news\/politics\/2021\/02\/19\/joe-biden-warns-democracy-under-assault-authoritarian-regimes\/4504629001\/\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">autorit\u00e4re Staaten vs. demokratische Staate<\/a>n<\/i><\/b>. Das ist die zentrale Idee hinter seiner strategischen Agenda, die nicht einmal zu verh\u00fcllen versucht, dass es in dem gesamten Vorschlag darum geht, <b>China zu bek\u00e4mpfen<\/b>. Um dies zu erreichen, versucht dieser Vorschlag, einen Keil zwischen die liberalen Demokratien und den Rest der Welt zu treiben. Der von Biden organisierte <i>Summit for Democracy<\/i> geriet zu einem Fiasko. Er stellte einen Versuch der USA dar, die Welt in zwei Bl\u00f6cke zu teilen. Dabei ist China der Feind, den es zu besiegen gilt, da es sich bei dem Land um einen \u201eautorit\u00e4ren Staat\u201c handelt \u2014 eine Definition, die sich China nur mit Russland teilt.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch zweifelhafter, aber \u00e4hnlich wirkungsvoll ist das Konzept <b>Westen gegen Osten,<\/b> bei dem letzterer als imagin\u00e4rer Feind zu bek\u00e4mpfen sei, mit kolonialen und rassistischen Untert\u00f6nen, die sich nur schwer ignorieren lassen.<\/p>\n<nav>\n<h2><b>Das &quot;Andere&quot;, der Feind<br \/><\/b><\/h2>\n<p>Eine Denkerin, die sich mit der Konstruktion des &quot;Anderen&quot; als feindliche Bedrohung, die zerst\u00f6rt werden muss, sehr tiefgehend besch\u00e4ftigt hat, war die Philosophin Hannah Arendt. Sie warnte davor, dass uach bei der Analyse des Nationalsozialismus &quot;<i>die Dinge viel komplizierter seien als diese Idee des alles oder nichts, die in Wirklichkeit vereinfacht und verdreht, anstatt zu erkl\u00e4ren<\/i>.&quot;<sup>2<\/sup><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Dasselbe k\u00f6nnte man auf die vereinfachende Konstruktion anwenden, mit der die Pentagon-Exegeten das Vorurteil gegen den abstrakten Feind (Kommunist:innen, Putin, China, Venezuela, Terrorismus und im weiteren Sinne jeder, der diese nicht verurteilt) charakterisieren: ein \u201esie\u201c gegen das es ein \u201ewir\u201c gibt (die Guten, in offiziellen Texten und Kriegspropaganda die USA und deren Verb\u00fcndete), das unter st\u00e4ndiger Bedrohung steht. <b>Nach Arendt vereinfachen und verdrehen sie die Realit\u00e4t, um sie an die Interessen des Kapitalismus anzupassen, der sie unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend sie sich selbst als Opfer geben. Dieser Punkt ist besonders wichtig, das er die Grundfesten f\u00fcr die massive Unterst\u00fctzung darstellt, die sie brauchen, um den Hass in Richtung des \u201eAnderen\u201c zu lenken.<\/b><\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Ein f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis dieser Idee sehr wichtiger Text ist <i>Der reaktion\u00e4re Geist<\/i> von Corey Robin, der das Gedankengut der US-amerikanischen Republikanischen Partei analysiert und feststellt, dass zum ersten Mal in der Geschichte die herrschende Klasse ihre Agenda auf ihrer selbstzugeschriebenen Opferrolle aufbaut.<span style=\"font-size: 10px;\"><sup>1<\/sup><\/span><\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Dabei handelt es sich um die extreme Rechte, die an all jene appelliert, die das Gef\u00fchl haben, etwas verloren zu haben. Da sie den Klassenkampf nicht verstehen, suchen sie ihre Identit\u00e4t oder identifizieren sich einfach mit ihrem verlorenen Platz auf der Welt. Robin ruft uns in Erinnerung, dass konservatives Denken auf der Erfahrung aufbaut, Macht zu haben (oder gehabt zu haben), bedroht zu sein und Macht zur\u00fcckzugewinnen. Es geht darum, an der Macht und der Ordnung der Dinge festzuhalten (das Wort Ordnung bedeutet hier Hierarchie); das \u201ewir\u201c ist in ihrer Version st\u00e4ndig von au\u00dfen bedroht (tats\u00e4chlich oder nur fiktiv: Kommunist:innen, Chines:innen, Immigrant:innen, arabische Terrorist:innen, Feminist:innen etc.) und wird daher zum Opfer stilisiert.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Ich spreche immer von der moralischen und ethischen Rechtfertigung ihres Militarismus, nicht von dem, was wirklich ist, sondern von dem, was die Rechten als Realit\u00e4t darstellen, wiederholen, beschw\u00f6ren und bezeichnen. Ich spreche von einem ideologischen Konstrukt, einem reinen \u00dcberbau, der die Funktionsweise des Kapitals verbirgt, verschleiert und verdeckt. Aber die Tatsache, dass die Rechten die Realit\u00e4t falsch darstellen, bedeutet nicht, dass ihre Botschaft nicht in der kollektiven Vorstellungswelt, an die sie gerichtet ist, wirkt. Sie richtet sich an diejenigen, die etwas Materielles oder ihren Platz in der Welt verloren haben oder zumindest das Gef\u00fchl haben, etwas verloren zu haben. <b>Indem die M\u00e4chtigen die Opferrolle einnehmen, hegemonisieren sie das Ressentiment der Subalternen durch einen Prozess der umgekehrten Identifikation, und dabei gelingt es ihnen, das gesamte kulturelle, politische und mediale Spektrum in Richtung reaktion\u00e4rer und sogar gewaltt\u00e4tiger Positionen zu lenken.<\/b><\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span lang=\"DE\">Die Konstruktion des Feindes ist eine Projektion<\/span><\/b><span lang=\"DE\"> und l\u00e4sst sich am besten durch Analysen von Rassismus und Sklaverei verstehen, in denen der Wunsch nach \u00dcberlegenheit durch umgekehrte Identifikation funktioniert: Wenn ich eine:n Sklav:in habe, bin ich ihr oder sein Meister. Selbst wenn ich nichts habe, werde ich immer \u00fcber einem schwarzen Mann oder einer Frau stehen. Das Wesen der Ausbeutung und die Rechtfertigung von Gewalt wirken zusammen: Um das \u201eWir\u201c treu um die M\u00e4chtigen zu vereinen, behaupten sie, die \u201eAnderen\u201c w\u00e4ren dazu imstande, uns oder unseren Platz in der Welt zu zerst\u00f6ren.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p class><span lang=\"DE\">Judith Butler erinnert in ihrem Essay <\/span><i>Die Macht der Gewaltlosigkeit<\/i> <span lang=\"DE\">bei der Analyse dieser Projektion an Sigmund Freud:<\/span><\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p class><span lang=\"DE\"> <i>\u201eDiese Betrachtung des Anderen als Tr\u00e4ger der Zerst\u00f6rung ist nur eine der vielen Arten von Zerst\u00f6rung, der Einstufung des Anderen als nicht betrauerbar, eben weil er als nicht lebendig betrachtet wird. In der nationalen Lebensweise, die von \u201erassischen\u201c und ethnischen Phantasmagorien durchdrungen ist, gehen Projektion und Selbstverteidigung oft Hand in Hand und verrichten ihr zerst\u00f6rerisches Werk gemeinsam.<\/i>\u201c<sup>3<\/sup><\/span>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><span lang=\"DE\">Eine weitere US-amerikanische Autorin, Literaturnobelpreistr\u00e4gerin und Autorin von \u201eDie Herkunft der anderen\u201c (The Origin of Others\u201c), Toni Morrison, fragt:<br \/> <\/span><\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p><i><span lang=\"DE\">\u201eWorin liegt das Entlastende an diesem Konstrukt, seine Verf\u00fchrungskraft, sein (soziale, psychologische und \u00f6konomische) Macht? Ist es die Faszination der Zugeh\u00f6rigkeit, der Teilhabe an etwas, das gr\u00f6\u00dfer und somit auch st\u00e4rker ist, als man selbst? Spontan neige ich zu der Ansicht, dass die Fremden, die Andersartigen gesellschaftlich und psychologisch ben\u00f6tigt werden, um das selbstentfremdete Ich zu stabilisieren.\u201c <\/span><\/i><sup><span lang=\"DE\">4<\/span><\/sup><i><span lang=\"DE\">&nbsp;<\/span><\/i><\/p>\n<\/div>\n<p class>Es gibt jedoch nicht nur Menschen, die sich aus Angst, echte oder angenommene Privilegien zu verlieren, oder aus einem Wunsch, zur herrschenden Gruppe zu geh\u00f6ren, mit dem St\u00e4rkeren identifizieren. Diese Perversion geht \u00fcber den kriegstreiberischen Diskurs, den die NATO der Welt aufzwingt, hinaus: In ihren Augen bedeutet Mitleid mit dem fremden und verhassten Anderen zu haben m\u00f6glicherweise selbst zum Anderen zu werden. Das \u00fcbernehmen auch die Medien so eifrig im Dienste des rassistischen Diskurses, in dem das Anderssein ein Synonym f\u00fcr Bedrohung darstellt.<\/p>\n<h2>Die NATO als kriegstreiberischer Ausdruck der Vorherrschaft<\/h2>\n<p><span lang=\"DE\">Was dieses Konstrukt kaum zu verstecken vermag, ist die Selbstwahrnehmung der NATO als Inhaberin der Vorherrschaft, die die Namen der Feinde des Westens nennt. Ein weiterer Philosoph, Alain Badiou, dr\u00fcckte dies in seiner gro\u00dfartigen Analyse der arabischen Aufst\u00e4nde und der Reaktion des Westens darauf aus:<\/span><\/p>\n<div class=\"indent\">\n<p><span lang=\"DE\">\u201e<i>Letztlich haben unsere Regierungen und Medien eine einfache Interpretation der Aufst\u00e4nde in der arabischen Welt geboten. Was sie zum Ausdruck gebracht haben, ist das, was man als Sehnsucht nach dem Westen bezeichnen k\u00f6nnte; der Wunsch, endlich in die zivilisierte Welt integriert zu werden, die die unverbesserlichen Nachfahren der rassistischen Kolonialherren des Westens so selbstbewusst vertreten<\/i>.\u201c<span style=\"font-size: 10px; \"><sup style=\"font-size: 12px; \">5<\/sup><\/span><\/span>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><span lang=\"DE\">Wenn man Badious Argumentation und seinen Worten folgt, k\u00f6nnte man zu dem Schluss kommen, dass hinter der Kategorisierung des \u201eAnderen\u201c die Angst der wohlhabenden Eliten steht, dass etwas Anderes als eine <i>ma\u00dflose Liebe zu den imperialen Zivilisationen<\/i> auftauchen oder ihre Macht untergraben k\u00f6nnte. Die, die nicht zum Westen geh\u00f6ren, wer immer das genau sein mag, m\u00fcssen wie wir sein, ein Spiegel, oder zumindest den Anstand haben, uns zu beneiden und so sein zu wollen wie &quot;wir&quot;, sonst stellen sie eine Herausforderung dar, die wir als Bedrohung interpretieren: Wer nicht wie wir ist, gilt als nicht gleichberechtigt, als Nicht-Person, als nicht betrauerbar, wie Butler sagen w\u00fcrde.<\/span>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Sie verbergen kaum ihren verletzten Stolz dar\u00fcber, nicht mehr die alleinigen Herrscher:innen der Welt zu sein. Sie wissen, dass sie heute nicht in Friedenszeiten leben, dass der Feminismus, der Antirassismus, der Klassenkampf und die Bewegungen unserer Zeit sie verdr\u00e4ngen, sie l\u00e4cherlich machen.<\/span>&nbsp;<br \/><span lang=\"DE\"><\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Die NATO wird weitere Kriege anzetteln; das ist ihr verzweifelter und gewaltt\u00e4tiger Kontrollmechanismus. Sie wird eine Sprache verwenden, die nicht mehr t\u00e4uscht, wie sie es einst tat: Die wei\u00dfen M\u00e4nner der westlichen Bourgeoisie als Ma\u00dfstab der Welt passen nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Ohne ihre Waffen g\u00e4be es sie nicht mehr, deshalb benutzen sie sie. Das ist die NATO: <i>White Supremacy<\/i><\/span><span class=\"external-link\"><span style=\"font-size:9.0pt\" lang=\"DE\"> <\/span><\/span><span lang=\"DE\">im Niedergang.<\/span><\/p>\n<p><b>Bibliographie:<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-top:6.0pt; text-align:justify\">1) vgl. Arendt, H. (1986). <i>Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalit\u00e4t des B\u00f6sen. <\/i>M\u00fcnchen: Piper. (eigene \u00dcbersetzung)<\/p>\n<p style=\"margin-top:6.0pt; text-align:justify\"> 2) vgl. Robin, C. (2018). <i>Der reaktion\u00e4re Geist: von den Anf\u00e4ngen bis Donald Trump.<\/i> Berlin: Ch. Links Verlag.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"margin-top:6.0pt; text-align:justify\">3) vgl. Butler, J. (2020) <i>Die Macht der Gewaltlosigkeit: \u00dcber das Ethische im Politischen<\/i>. Berlin: Suhrkamp Verlag. (eigene \u00dcbersetzung)<\/p>\n<p style=\"margin-top:6.0pt\">4) Morrison, T. (2020). <i>Die Herkunft der anderen: \u00fcber Rasse, Rassismus und Literatur. <\/i><span lang=\"EN-US\">Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.<br \/> <\/span><span lang=\"EN-US\"><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-top:6.0pt; text-align:justify\"><span lang=\"EN-US\">5) vgl. Badiou, A. (2012). <i>The Rebirth of History<\/i>. London \/ New York, ed. Verso. (eigene \u00dcbersetzung)<\/span><\/p>\n<\/nav>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marga Ferr\u00e9, Co-Pr\u00e4sidentin von transform! europe, kommentiert die von der NATO angef\u00fchrte Militarisierung des Westens und analysiert deren ideologische Grundlage. In diesem Zusammenhang weist sie auf die Konstruktion des &#8220;Anderen&#8221; als Feind und die \u201erassische\u201c Vorherrschaft hin, die beide bek\u00e4mpft werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19860,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[2453,8,61],"tags":[],"class_list":["post-23782","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-analyse","category-analysis","category-article","person-marga-ferre-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23782"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23782\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27885,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23782\/revisions\/27885"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19860"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}