{"id":23803,"date":"2022-11-30T12:02:00","date_gmt":"2022-11-30T11:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/das-15-grad-ziel-ist-tot-hoffnung-kann-nur-von-der-globalen-klimagerechtigkeitsbewegung-kommen\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:13","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:13","slug":"das-15-grad-ziel-ist-tot-hoffnung-kann-nur-von-der-globalen-klimagerechtigkeitsbewegung-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/bericht\/das-15-grad-ziel-ist-tot-hoffnung-kann-nur-von-der-globalen-klimagerechtigkeitsbewegung-kommen\/","title":{"rendered":"Das 1,5-Grad-Ziel ist tot &#8211; Hoffnung kann nur von der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung kommen"},"content":{"rendered":"<p>Roland Kulke berichtet von dem Seminar \u201c<a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"https:\/\/www.transform-network.net\/index.php?id=934&amp;tx_news_pi1%5Bnews_preview%5D=10863&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;no_cache=1\">Climate Justice for Africa: Building a Global Solidarity Movement<\/a>\u201d, das am 21. und 22. November online stattfand und von <i>transform! europe<\/i>, Egypt&#8217;s Socialist People&#8217;s Alliance, Global Justice Now und Acci\u00f3n Ecol\u00f3gica Ecuador organisiert wurde:<\/p>\n<p>Die UN-Klimakonferenz (auch bekannt als Konferenz der Vertragsparteien des UNFCCC oder COP27) ging am 20. November 2022 in Sharm el-Sheikh, \u00c4gypten, zu Ende. Das bedeutendste Ergebnis der COP27 ist die Einrichtung des Fonds f\u00fcr Sch\u00e4den und Verluste (<a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"https:\/\/www.unep.org\/news-and-stories\/story\/cop27-ends-announcement-historic-loss-and-damage-fund\">Loss and Damage Fund<\/a>) durch die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens nach drei Jahrzehnten des Kampfes, der den von der Klimaerw\u00e4rmung am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4ndern sofortige finanzielle Unterst\u00fctzung bieten wird. Dies ist eine echte Errungenschaft, da der Fonds Menschen in armen Regionen und L\u00e4ndern der Welt entsch\u00e4digen k\u00f6nnte, die enorm unter \u00dcberschwemmungen und Hitzewellen leiden, wie wir k\u00fcrzlich in Pakistan gesehen haben.<\/p>\n<p>Sandeep Chachra, Direktor von ActionAid Indien, ist der Ansicht, dass &#8220;der Beschluss zur Einrichtung des Fonds f\u00fcr Sch\u00e4den und Verluste, der auf der UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh gefasst wurde, ein historisches Ergebnis darstellt. Die G77 (Verhandlungsgruppe bestehend aus 134 L\u00e4ndern, die mehr als f\u00fcnf Milliarden der Weltbev\u00f6lkerung vertreten) hat diese Solidarit\u00e4t am besten demonstriert. Der globale S\u00fcden hat die Einrichtung dieses Fonds nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt&#8221;.<\/p>\n<p>Chachra nahm als einer der Redner:innen an dem von <i>transform! europe<\/i>, Egypt&#8217;s Socialist People&#8217;s Alliance, Global Justice Now und Acci\u00f3n Ecol\u00f3gica Ecuador organisierten Online-Seminar teil, das im Anschluss an die COP27 am 21. und 22. November 2022 stattfand. Die Konferenz sollte urspr\u00fcnglich vor Ort in Kairo stattfinden, geriet aber in das Visier der \u00e4gyptischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die die Organisator:innen daraufhin zwangen, die Veranstaltung kurzfristig abzusagen. Daher mussten wir unter Einhaltung der strengen Sicherheitsma\u00dfnahmen dazu \u00fcbergehen, die Konferenz online abzuhalten.<\/p>\n<p>Im ersten von vier Panels wurden die schlechten Ergebnisse der COP27 diskutiert. Anschlie\u00dfend er\u00f6rterten die Teilnehmer, welche Regeln in der internationalen Wirtschaft Klimagerechtigkeit verhindern und was ge\u00e4ndert werden muss, um dem Klimawandel angemessen zu begegnen. Das dritte Panel widmete sich der Frage, wie wir Demokratie und soziale Gerechtigkeit st\u00e4rken k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sich das letzte Panel darauf konzentrierte, wie wir die solidarische Zusammenarbeit nach der COP27 st\u00e4rken k\u00f6nnen. Mehr dazu weiter unten.<\/p>\n<p>Dorothy Guerrero, Leiterin der Abteilung Politik bei Global Justice Now, er\u00f6rterte in dem Seminar die <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"https:\/\/www.globaljustice.org.uk\/blog\/2022\/11\/the-historic-loss-and-damage-victory-at-cop27-was-thanks-to-the-unity-of-developing-countries-and-civil-society\/\">ungel\u00f6sten Fragen im Zusammenhang mit dem <i>Loss and Damage Fund<\/i>: Wer soll einzahlen und wer soll davon profitieren<\/a>?<\/p>\n<p>Einerseits wollen die westlichen Industriel\u00e4nder, dass China einen Beitrag leistet, und andererseits wollen sie, dass nur die kleinen Inselentwicklungsl\u00e4nder, die am wenigsten entwickelten L\u00e4nder und die klimatisch anf\u00e4lligen Staaten davon profitieren. Diese Einteilung ist h\u00f6chst ungerecht, denn demnach h\u00e4tte Pakistan keinen Anspruch auf Finanzhilfe, obwohl es gerade in diesem Sommer eine der schlimmsten Klimakatastrophen seiner Geschichte erlebt hat. <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2022\/10\/28\/pakistan-flood-damages-and-economic-losses-over-usd-30-billion-and-reconstruction-needs-over-usd-16-billion-new-assessme\">Allein diese Flut verursachte Sch\u00e4den in H\u00f6he von 14,9 Milliarden Dollar und wirtschaftliche Verluste in H\u00f6he von 15,2 Milliarden Dollar.<\/a> Sollte China einzahlen? Chinas Emissionen sind erst seit seinem Beitritt zur WTO im Jahr 2001 erheblich gestiegen, und seine Pro-Kopf-Emissionen haben erst k\u00fcrzlich das Niveau der Ersten Welt erreicht<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass das Kapital ungleich verteilt ist. Der fossile Kapitalismus der letzten 200 Jahre hat immensen Reichtum erm\u00f6glicht. Allein die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften \u00d6lgesellschaften der Welt haben in diesem Jahr 170 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Dieses Geld muss in den Loss and Damage Fund umgeschichtet werden.<\/p>\n<p>Viele der Redner:innen des Seminars folgten dem Vortrag des Mitveranstalters Mamdouh Habashi und diskutierten die von ihm ge\u00e4u\u00dferten Bedenken zur aktuellen geopolitischen Lage. W\u00e4hrend der COP27 drohte die EU damit, die Verhandlungen g\u00e4nzlich zu verlassen. Ziel war es, China aus dem Block des globalen S\u00fcdens zu entfernen, dessen Interessen von der so genannten G77-Gruppe vertreten werden. Den 134 L\u00e4ndern, die in der G77-Gruppe vertreten sind, war klar, dass, sollten die westlichen L\u00e4nder China erfolgreich abspalten, der S\u00fcden dadurch gespalten und vom Norden in immer kleinere &#8220;H\u00e4ppchen&#8221; zerst\u00fcckelt werden w\u00fcrde. Teilen und herrschen ist die traditionelle Art der Herrschaft imperialer M\u00e4chte. Es ist ein gro\u00dfartiges Ergebnis der COP27, dass der S\u00fcden nicht gespalten worden ist. Dazu mag beigetragen haben, dass sich die L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens nur zu gut daran erinnern, wer sie bei der COVID-19-Pandemie mit Impfstoffen versorgt hat &#8211; n\u00e4mlich China und Russland, nicht der Westen.<\/p>\n<p>Abgesehen von der Zusicherung, dass es einen Fonds f\u00fcr Verluste und Sch\u00e4den geben wird, sind die Ergebnisse der COP27 nicht sehr \u00fcberzeugend. Seit dem Pariser Abkommen im Jahr 2015 sind die CO2-Emissionen Jahr f\u00fcr Jahr gestiegen, mit Ausnahme von 2020 infolge von COVID-19. Von echtem Klimaschutz kann also keine Rede sein&#8230; Im Gegenteil, es werden immer mehr Ressourcen verbraucht, die Abfallberge wachsen und es gibt keine rechtlichen und durchsetzbaren Verpflichtungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen.<\/p>\n<p>Nach zwei Diskussionstagen zeigten sich die Teilnehmer:innen des Online-Seminars realistisch: Die COP27 hat die dringend notwendigen transformativen Entscheidungen zur Rettung des Klimas weitgehend verfehlt. Es gibt keine weiteren Pl\u00e4ne oder gar Verpflichtungen, wie die Emissionen weltweit reduziert werden k\u00f6nnen. Stattdessen bleiben wir beim &#8220;business as usual&#8221;. Pablo Solon von der Fundaci\u00f3n Solon, Bolivien, sagte es deutlich: &#8220;Lobbyismus ist nicht mehr hilfreich. Wir brauchen Druck von unten, Druck von der Stra\u00dfe&#8221;. Fatma Khafagy, eine der Mitorganisator:innen des Seminars, brachte auch die Notwendigkeit einer breiten Beteiligung von Frauen und ihren Organisationen auf allen Ebenen der Klimapolitik in die Diskussion mit ein.<\/p>\n<p>Das Online-Seminar endete mit der Feststellung, dass ein echter Gegengipfel und eine gemeinsame Mobilisierung der Zivilgesellschaft erforderlich sind, da es der COP an wirksamen Ergebnissen und echten Klimaschutzma\u00dfnahmen mangelt. Daran wollen wir nun im Jahr 2023 arbeiten.<\/p>\n<p><b>Referenz: <\/b><\/p>\n<p><sup>1<\/sup>Abbildung 4, S.10, in: European Commission, Joint Research Centre, \u201dCO2 emissions of all world countries &#8211; 2022 Report\u201d (EUR 31182 EN)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diesj\u00e4hrige UN-Klimakonferenz war \u00fcberschattet von staatlicher Repression und der Behinderung zivilgesellschaftlicher Bewegungen sowie der Greenwashing-Politik der \u00fcber 600 teilnehmenden Lobbyist:innen der \u00d6l- und Gasindustrie. Unmittelbar nach der COP27 fand ein von transform! europe organisiertes Seminar zum Thema Klimagerechtigkeit statt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6210,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[2462],"tags":[],"class_list":["post-23803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bericht","topic-klimawandel-und-okologie","person-roland-kulke-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23803"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25752,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23803\/revisions\/25752"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}