{"id":23805,"date":"2022-11-10T12:12:00","date_gmt":"2022-11-10T11:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/klimagerechtigkeit-im-arabischen-raum-aus-feministischer-sicht\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:14","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:14","slug":"klimagerechtigkeit-im-arabischen-raum-aus-feministischer-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/analysis\/klimagerechtigkeit-im-arabischen-raum-aus-feministischer-sicht\/","title":{"rendered":"Klimagerechtigkeit im arabischen Raum aus feministischer Sicht"},"content":{"rendered":"<p>Der arabische Raum leidet unter den Auswirkungen des Klimawandels, wie etwa dem Temperaturanstieg, der alles Leben auf der Welt bedroht. Wir erleben verst\u00e4rkt Krisen, die vom Klimawandel verursacht werden: Wasserknappheit, einen steigenden Meeresspiegel, die Verschmutzung von Gew\u00e4ssern und andere Ph\u00e4nomene, die sowohl ganze Gesellschaften als auch Frauen im Speziellen betreffen. Frauen leiden unter den Risiken und Konsequenzen des Klimawandels w\u00e4hrend der arabische Raum ohnehin schon von bewaffneten Konflikten und Kriegen gezeichnet ist und die Pal\u00e4stinensischen Autonomiegebiete seit 1967 durch israelisches Milit\u00e4r besetzt werden. Die arabischen Regierungen reagierten sp\u00e4t auf mit dem Klimawandel verbundene Probleme, und auf seine Auswirkungen auf marginalisierte und verarmte Gemeinschaften in unserer Region. <\/p>\n<h2><b>Gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten in Kriegsgebieten und grenz\u00fcbergreifenden Regionen<\/b><\/h2>\n<p>In den Pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten kontrolliert Israel 80% der Grundwasservorkommen im Westjordanland. In Gaza wird Menschen der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4chen in der von Israel eingerichteten \u201ePufferzone\u201c im Grenzgebiet verweigert, was 20% des gesamten fruchtbaren Ackerlandes darstellt. Im Westjordanland und in Ostjerusalem kommt es geh\u00e4uft zu Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung durch israelische Siedler:innen. In Pal\u00e4stina wurden zwischen 2012-2013 118 Wasser- und Sanit\u00e4ranlagen zerst\u00f6rt. Derzeit leiden etwa ein Drittel aller Pal\u00e4stinenser:innen unter Nahrungsmittelknappheit. Diese Zahl wird weiter steigen, da 85% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen in Pal\u00e4stina auf Regenf\u00e4lle angewiesen sind, die Langzeitprognosen f\u00fcr den \u00f6stlichen Mittelmeerraum jedoch von einem R\u00fcckgang der Regenf\u00e4lle um 30% ausgehen.<\/p>\n<p>Grenz\u00fcberschreitende Abh\u00e4ngigkeiten zwischen L\u00e4ndern der Region verkomplizieren die Reaktionen auf die Klimakrise. Die Abh\u00e4ngigkeit des Iraks von der T\u00fcrkei und dem Iran bez\u00fcglich seiner Wasserversorgung gef\u00e4hrdet das Land. Auch Syrien ist auf Wasser aus dem Euphrat und der T\u00fcrkei angewiesen. Als die T\u00fcrkei D\u00e4mme baute und w\u00e4hrend des Kriegs die Wasserversorgung Syriens kappte, erlebte das Land eine dramatische Wasserknappheit. Pal\u00e4stinenser:innen sind auf das Wasser angewiesen, das sie von der Besatzungsmacht kaufen m\u00fcssen, daher sind sie dieser v\u00f6llig ausgeliefert. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen der \u00f6stliche Mittelmeerraum, die Staaten Nordwestafrikas und die Golfstaaten stabile politische Beziehungen erhalten, um potentielle grenz\u00fcberschreitende Stromnetze zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<h2><b>\u201eDie Verweiblichung der landwirtschaftlichen Arbeit\u201c<\/b><\/h2>\n<p>Im arabischen Raum sind die meisten weiblichen Arbeitskr\u00e4fte in der Landwirtschaft besch\u00e4ftigt. Millionen von Frauen bewirtschaften \u00c4cker, die ihnen nicht geh\u00f6ren. Und das, obwohl die Frauen, die im Landwirtschaftssektor besch\u00e4ftigt sind, am besten dazu qualifiziert sind, Land- und Wasserressourcen zu sch\u00fctzen, sowie die Umwelt im Allgemeinen.<\/p>\n<p>Die Frauen \u00fcbernehmen viele T\u00e4tigkeiten in der Landwirtschaft. Sie arbeiten haupts\u00e4chlich als unbezahlte Familienangeh\u00f6rige oder als bezahlte Landarbeiterinnen und Saisonarbeitskr\u00e4fte, die einen Mindestlohn beziehen. Sch\u00e4tzungen zufolge besitzen Frauen nur etwa 5% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen im arabischen Raum. In \u00c4gypten, im Land mit der l\u00e4ngsten landwirtschaftlichen Tradition, ist nur 5% des Landes Eigentum von Frauen. In Tunesien besitzen Frauen weniger als 14%, im Libanon 7,1% und in Saudi Arabien 8%. Der Anteil an Frauen an den Arbeitskr\u00e4ften in der Landwirtschaft stieg in den letzten Jahrzehnten stark an, von etwa 30% 1980 auf 45% im Jahr 2010; ein Trend der auf der Welt einzigartig ist. In manchen L\u00e4ndern der Region stellen Frauen aufgrund von Migration und bewaffneten Konflikten sogar 60% der Landarbeiter:innenschaft, was zum Ph\u00e4nomen der \u201eVerweiblichung der landwirtschaftlichen Arbeit\u201c gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Wie in vielen anderen Regionen sind Frauen im arabischen Raum f\u00fcr die Produktion von 60-80% der Nahrungsmittel verantwortlich und dennoch \u00e4u\u00dferst selten Landeigent\u00fcmerinnen. Sie arbeiten in unsicheren Pachtverh\u00e4ltnissen, haben wenig Entscheidungsmacht und nur ein geringes Ma\u00df an Kontrolle \u00fcber die Landnutzung. Gesellschaftlich konstruierte Geschlechterrollen, fehlender Zugang zur Landverwaltung und diskriminierende Praktiken schr\u00e4nken f\u00fcr Frauen die Kontrolle \u00fcber Land ein. Dazu kommen in der arabischen Welt noch verschiedene nutzlandbezogene Eigenheiten des Gewohnheitsrechts und Religionsgesetze, die die Art und Weise einschr\u00e4nken, wie Frauen zu Landbesitz oder Kontrolle \u00fcber Nutzfl\u00e4chen kommen.<\/p>\n<h2><b>Die B\u00fcrde der (unbezahlten) Care-Arbeit<\/b><\/h2>\n<p>Dar\u00fcber hinaus nimmt das Leid der Frauen aufgrund der unbezahlten Care-Arbeit innerhalb des Haushalts zu, da sie die B\u00fcrde tragen, den Bed\u00fcrfnissen ihrer Familienangeh\u00f6rigen nachzukommen und ihre begrenzten Ressourcen zu verwalten, um deren Sicherheit und Gesundheit sicherzustellen. Dieser Druck wird durch den Klimawandel verst\u00e4rkt, sowie durch mangelhafte politische Ma\u00dfnahmen und Programme, die auf die Bed\u00fcrfnisse der am st\u00e4rksten an den Rand gedr\u00e4ngten Gruppen eingehen sollen, einschlie\u00dflich der Bed\u00fcrfnisse von Frauen und Kindern.<\/p>\n<h2><b>Zukunftsperspektiven<\/b><\/h2>\n<p>Frauen m\u00fcssen Kontrolle \u00fcber wirtschaftliche Ressourcen wie Land und Wasser aus\u00fcben k\u00f6nnen, um ihre Sicherheit und Entscheidungsmacht zu gew\u00e4hrleisten, und um sich aktiv einbringen zu k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen auch Zugang zu Technologie und Dienstleistungen haben, die ihre Arbeitslast erleichtern.<\/p>\n<p>Die COP27 ist zu Ende und die COP28 wird im arabischen Raum stattfinden. Arabische Feminist:innen sind davon \u00fcberzeugt, dass Frauen und M\u00e4dchen ein Recht auf aktives Engagement f\u00fcr Klimagerechtigkeit haben, da sie gleichberechtigt sind und Wandel herbeif\u00fchren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"background-color: rgb(232, 232, 232); \"><b>Leider wird es zivilgesellschaftlichen Organisationen durch Auflagen  der UN sehr schwer gemacht, die Akkreditierung zu erhalten, um an einer  COP teilnehmen zu k\u00f6nnen. So muss etwa die Anmeldung ein Jahr davor  erfolgen; au\u00dferdem ist der daf\u00fcr einzureichende Antrag \u00e4u\u00dferst  kompliziert. Bei der COP27 in Sharm Al Sheikh gab es f\u00fcr NGOs kaum  M\u00f6glichkeiten zur Teilnahme. Die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden gaben 28  \u00e4gyptischen (regierungsfreundlichen) NGOs den Vorzug, die nicht  unbedingt im Klimabereich t\u00e4tig sind und lie\u00dfen diese teilnehmen.  \u00c4gypten sollte jedoch allen Arten von Organisationen, Gewerkschaften und  Bewegungen bei nationalen wie internationalen Veranstaltungen Raum  bieten.<\/b><\/p>\n<p>Die meisten Ma\u00dfnahmen zur Abschw\u00e4chung und Anpassung des Klimawandels vernachl\u00e4ssigen die Rolle der Frauen und ihres wichtigen Beitrags. Weder dieses fortgesetzte Ignorieren der Rolle und des Potentials der Frauen, noch die bis jetzt gesetzten Ma\u00dfnahmen werden eine wirkungsvolle L\u00f6sung der Klimakrise mit sich bringen. Frauen im arabischen Raum sind keine passiven Opfer der Klimakrise; sie stehen im Klimakampf bereits an vorderster Front als Vorantreiberinnen des Wandels, deren vielf\u00e4ltiges Wissen und unterschiedlichen F\u00e4higkeiten f\u00fcr diesen Kampf von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit sind.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold; \">Referenzen<\/span>:<\/p>\n<p>Die ersten aktualisierten landesweit festgelegten Beitr\u00e4ge \u00c4gyptens (8. Juni 2022)<br \/>\u00c4gyptens Nationale Strategie f\u00fcr den Klimawandel 2050. Erstellt von Integral Consult<br \/>Khafagy, Fatma (2022), Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen in \u00c4gypten<br \/>Nationale Strategie zur Einbeziehung der Geschlechterperspektive in den Klimawandel in \u00c4gypten (Juni 2021), EEAA, CIUCN, CEDARE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November fand in \u00c4gypten die COP27 statt. Fatma Khafagy gibt eine analytische \u00dcbersicht \u00fcber die feministischen K\u00e4mpfe im arabischen Raum, die eng mit Klimathemen verflochten sind.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15417,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[2453,8,61],"tags":[],"class_list":["post-23805","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-analyse","category-analysis","category-article","topic-climate-and-ecology","topic-klimawandel-und-okologie","person-fatma-khafagy-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23805"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23805\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27901,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23805\/revisions\/27901"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}