{"id":23813,"date":"2023-02-23T15:34:00","date_gmt":"2023-02-23T14:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/europaeische-energie-union-als-moeglicher-weg-zum-frieden-zwischen-ukraine-und-russland\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:17","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:17","slug":"europaeische-energie-union-als-moeglicher-weg-zum-frieden-zwischen-ukraine-und-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/europaeische-energie-union-als-moeglicher-weg-zum-frieden-zwischen-ukraine-und-russland\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Energie-Union als m\u00f6glicher Weg zum Frieden zwischen Ukraine und Russland?"},"content":{"rendered":"<p> Es wird viel in den \u00f6ffentlichen Debatten \u00fcber Wladimir Putins gro\u00dfrussische Phantasien spekuliert. Ich will nicht bestreiten, dass er solche in seinem Kopf tr\u00e4gt. Ich bezweifle aber, dass solche Phantasien ausreichen, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. Aus meiner Sicht sind das eher die \u00fcblichen Erz\u00e4hlungen, mit der Kriegsherren ihr Treiben denen schmackhaft machen wollen, die im Interesse des Kriegsherrn ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren sollen. <\/p>\n<h2><span style=\"color: rgb(238, 0, 34);\">Will Putin mehr als nur russisches Territorium \u201ezur\u00fcckholen\u201c?<\/span> <\/h2>\n<p>Was h\u00e4tte Putin gewonnen, h\u00e4tte sein \u00dcberfall auf die Ukraine Erfolg gehabt? Oder etwas anders gefragt: Lassen sich neben den gro\u00dfrussischen Phantasien auch handfeste und eher auf die Zukunft gerichtete Interessen Putins bzw. der russischen Regierung an der Ukraine identifizieren?<\/p>\n<p>Da ist zun\u00e4chst festzuhalten, dass die Ukraine vor dem russischen \u00dcberfall der weltweit f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Exporteur von Weizen war. Hinzukommen andere Nahrungsmittel wie beispielsweise Sonnenblumenkerne und Sonnenblumen\u00f6l. Russland war vor dem \u00dcberfall der weltweit gr\u00f6\u00dfte Exporteur von Weizen. <a href=\"https:\/\/www.topagrar.com\/mediathek\/fotos\/ackerbau\/das-waren-2020-die-groessten-weizenexporteure-weltweit-13102005.html\">Zusammen stehen Russland und die Ukraine f\u00fcr etwa 28 Prozent der weltweiten Weizenexporte<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/handel\/infografik-der-weizenmarkt-in-fuenf-grafiken\/28167886.html\">Hauptabnehmer des russischen Weizens<\/a> sind \u00c4gypten (ca. 31 %) und die T\u00fcrkei (ca. 17 %). Kleinere Mengen gehen nach Nigeria, Senegal, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate und Yemen. <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/handel\/infografik-der-weizenmarkt-in-fuenf-grafiken\/28167886.html\">Hauptabnehmer des ukrainischen Weizens<\/a> sind \u00c4gypten (22 %) und Indonesien (ca. 19 %). Aber auch an die T\u00fcrkei liefert die Ukraine Weizen (6,3 %) und ebenfalls kleinere Mengen an Israel, Marokko und Tunesien.<\/p>\n<p>Wer die Ukraine kontrolliert, kontrolliert selbstverst\u00e4ndlich auch die ukrainische Landwirtschaft. Welche globale Bedeutung die ukrainische Getreideproduktion hat, wurde im Laufe des letzten Jahres angesichts des zeitweiligen Boykotts von Getreidelieferungen aus ukrainischen H\u00e4fen auch Laien deutlich. Mit einer \u00dcbernahme der ukrainischen Landwirtschaft h\u00e4tte Russland seine Rolle als weltweit gr\u00f6\u00dfter Getreideproduzent und -Exporteur deutlich ausgebaut. Russland h\u00e4tte dann alleine ca. 28 % des weltweiten Weizenexports kontrolliert \u2013 weltweit gilt Weizen als das wichtigste aller Grundnahrungsmittel. Damit h\u00e4tte Russland sich nicht nur eine zus\u00e4tzliche Einnahmequelle erschlossen. Als mit Abstand gr\u00f6\u00dfter Getreideexporteur, h\u00e4tte Russland sich auch entscheidenden Einfluss darauf gesichert, wieviel Getreide zu welchem Preis wohin geliefert wird. Russlands politischer Einfluss auf globaler Ebene w\u00e4re damit sp\u00fcrbar gestiegen. Politische Macht erw\u00e4chst nicht allein aus milit\u00e4rischer St\u00e4rke, sondern nicht zuletzt (neben der industriellen Produktion und der Leistung von Wissenschaft und Forschung) auch aus der Kontrolle der Lebensmittelproduktion und -verteilung.<\/p>\n<p>Weit weniger breit diskutiert werden die Rohstoffvorkommen in der Ukraine. Dabei geht es nicht nur um die bekannten Kohlevorkommen in der ukrainischen Region Donbass. Wie erst vor wenigen Jahren festgestellt wurde, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/vergessen-gegangen-die-ukraine-sitzt-auf-riesigen-gasreserven-ld.1580844?reduced=true\">verf\u00fcgt die Ukraine im \u00f6stlichen Landesteil \u00fcber die zweitgr\u00f6\u00dften Erdgasvorr\u00e4te in Europa<\/a>. Damit ist die Ukraine <a title=\"Opens external link in new window\" class=\"external-link-new-window\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Podcast-Wirtschaft-Welt-Weit-zu-ukrainischen-Gasvorkommen-deutscher-Energie-Joker--article23618013.html\">ein potentieller Konkurrent f\u00fcr Russland<\/a> als wichtigem Gas-Lieferant f\u00fcr Europa.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch noch weitaus interessantere Rohstoffvorkommen in der Ukraine, die teils bisher noch gar nicht erschlossen sind, die aber f\u00fcr eine Energiewende von gro\u00dfer Bedeutung sind. Darauf verweist die Washington Post in ihrem Artikel <i><a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2022\/08\/10\/ukraine-russia-energy-mineral-wealth\/\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">&quot;In the Ukraine war, a battle for the nation\u2019s mineral and energy wealth&quot;<\/a><\/i>. Die Autoren Anthony Faiola und Dalton Bennett schreiben: \u201eDer Kreml beraubt dieses Land [<i>die Ukraine, Anm.d.A.<\/i>] der Bausteine seiner Wirtschaft \u2013 seiner nat\u00fcrlichen Ressourcen.\u201c (\u201eThe Kremlin is robbing this nation of the building blocks of its economy \u2014 its natural resources.\u201c) Ein paar Zeilen weiter f\u00fchren die Autoren an, dass die ukrainischen Titan- und Eisenerzreserven, unerschlossene Lithiumfelder und riesige Kohlevorkommen (die zu den weltweit gr\u00f6\u00dften geh\u00f6ren), zusammengenommen mehrere Billionen Dollar wert sind. Laut Autoren, h\u00e4tte Russland bereits im Sommer 2022 bereits 63 Prozent der Kohlevorkommen der Ukraine, 11 Prozent der Erd\u00f6lvorkommen, 20 Prozent der Erdgasvorkommen, 42 Prozent der Metalle und 33 Prozent der Vorkommen an seltenen Erden und anderen wichtigen Mineralien, darunter Lithium, kontrolliert. Der russische \u00dcberfall auf die Ukraine hatte daher direkte Auswirkungen auf die Sicherheit der europ\u00e4ischen Energieversorgung. Das betrifft nicht nur die aktuelle Energieversorgung, sondern auch eine k\u00fcnftige klimafreundliche Energieproduktion, die auf Mineralien wie Lithium und andere so genannte seltene Erden angewiesen ist. Infolge des Krieges wurden zudem Vorhaben westlicher Bergbauunternehmen, entsprechende Vorkommen zu erschlie\u00dfen, gestoppt, wie Faiola und Bennett weitern berichten.<\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34);\">Ist Russlands Krieg gegen die Ukraine ein Krieg um die Energiewende?<\/h2>\n<p>Weshalb sollte Russland ein so gro\u00dfes Interesse an einem Zugriff auf diese landwirtschaftlichen und bergbaulichen Ressourcen der Ukraine haben, dass es daf\u00fcr einen Krieg gegen sein Nachbarland beginnt? Der Kern der Antwort liegt m.E. einerseits in der Struktur der russischen Wirtschaft, die auf Extraktivismus basiert, also dem Export von landwirtschaftlichen Produkten und Bodensch\u00e4tzen, und andererseits in der von der EU vorangetriebenen Energiewende: Sie entzieht der russischen Wirtschaft ihre Basis. Russland ist weltweit der gr\u00f6\u00dfte Exporteur fossiler Energietr\u00e4ger. Der russische Energieexperte Michail Krutichin bezifferte in einem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Energieexperte-ueber-moegliches-Embargo\/!5843633\/\">Interview mit der taz vom April <\/a>letzten Jahres die russische Abh\u00e4ngigkeit vom Export von \u00d6l und Gas auf ca. 60 Prozent der Gesamteinnahmen der russischen Wirtschaft und auf ca. 1\/3 des Staatshaushaltes. Ein schneller EU weiter bzw. weltweiter Ausstieg aus der fossilen Energieproduktion h\u00e4tte f\u00fcr Russland also \u00e4u\u00dferst weitreichende \u00f6konomische Folgen.<\/p>\n<p>Stefan Schultz hatte bereits September 2019, in einem ausf\u00fchrlichen Spiegel-Artikel die Frage er\u00f6rtert, welche geopolitischen und \u00f6konomischen Auswirkungen die Energiewende haben d\u00fcrfte. Nach seiner Einsch\u00e4tzung wird durch die Energiewende die bisherige geopolitische und globale \u00f6konomische Struktur tiefgreifend ver\u00e4ndert. Das gilt nicht allein f\u00fcr Russland, sondern f\u00fcr alle Staaten, deren wesentliche wirtschaftliche Basis der Export fossiler Energietr\u00e4ger ist.<\/p>\n<p>Gleichwohl hat diese Einsch\u00e4tzung erstaunlicherweise bisher nur sehr begrenzte Aufmerksamkeit erfahren. Immerhin, vom 14.10.2021 findet sich ein <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/l%C3%A4sst-putin-den-eu-gasmarkt-gezielt-austrocknen\/a-59505598\">Beitrag auf der Webseite des Deutschlandfunks<\/a>, in dem gefragt wird, ob die damalige Reduktion der russischen Gaslieferungen nach Europa ein Versuch sein k\u00f6nnte, die EU-Energiewende zu konterkarieren.<\/p>\n<p>Wenige Tage nach diesem Beitrag erschien ein Spiegel-Interview mit dem bereits zitierten russischen Energieexperte Michail Krutichin, auf den sich auch der DF-Beitrag bezog. In <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/experte-krutichin-putin-nutzt-gazprom-als-waffe-in-der-energiekrise-a-03eb7f12-9e9f-4fb2-90ad-77b610969203\">diesem Interview<\/a> betonte Krutichin noch einmal deutlicher die kritische Sicht der russischen Regierung auf die EU-Energiewende und die Absicht Putins, die EU durch Erpressung (Einstellung der Gaslieferungen) zu zwingen, den Umstieg auf erneuerbare Energien zu verschieben.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich erkl\u00e4rte der Weltklimarat IPCC, dass nach neuesten Studien die Dekarbonisierung noch schneller als bisher angenommen vollzogen werden m\u00fcsse, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Danach muss bereits bis 2030 eine Halbierung der CO2-Emissionen erfolgen. <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000143315004\/ein-oktopus-liefert-duestere-prognose-fuer-die-zukunft-der-westantarktis\">Eine Nachricht aus dem Wiener Standard vom 08.02.2023<\/a> unterst\u00fctzt diese d\u00fcstere Einsicht. Demnach lagen w\u00e4hrend der letzten Zwischeneiszeit die globalen Durchschnittstemperaturen \u201enur\u201c zwischen 0,5 und 1,5 Grad Celsius h\u00f6her als in der Zeit vor der Industriellen Revolution und dennoch schmolz offenbar der gesamte Eisschild der Arktis bereits bei diesen niedrigeren Klimaerw\u00e4rmungen komplett ab. Die Erkenntnisse der Klimaforschung verdichten sich also dahingehend, dass die Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft deutlich beschleunigt werden muss, um die Klimaerw\u00e4rmung in einem f\u00fcr Menschen ertr\u00e4glichem Umfang zu halten.<\/p>\n<p>Damit erh\u00f6ht sich Ver\u00e4nderungsdruck nochmals auf jene Staaten, deren Wirtschaft im Wesentlichen auf der Ausbeutung fossiler Energietr\u00e4ger basiert. Immerhin hat das deutsche Au\u00dfenministerium das Problem mittlerweile wahrgenommen und hat bis zum russischen \u00dcberfall auf die Ukraine Russland eine Kooperation zur Produktion und Lieferung von Wasserstoff angeboten, um es vor einem wirtschaftlichen Kollaps zu retten und dem Land neue Zukunftsaussichten f\u00fcr die Zeit nach den fossilen Brennstoffen zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34);\"> \u201ePazifizierung durch Wohlstandstransfer\u201c im Blick auf Russland unrealistisch<\/h2>\n<p>So gesehen, l\u00e4sst sich Russlands Krieg gegen die Ukraine auch als Krieg um die Energiewende deuten. Indirekt st\u00fctzt Politikwissenschaftler Heribert M\u00fcnkler diese These. In seinem Beitrag \u201e<a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2023\/januar\/von-putin-bis-erdogan-wie-pazifiziert-man-die-revisionisten\">Von Putin bis Erdo\u011fan: Wie pazifiziert man die Revisionisten. Die R\u00fcckkehr der Geopolitik nach Europa<\/a>\u201c (erschienen in der Januar-Ausgabe 2023 der Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik) geht er der Frage nach, wie politisch mit autorit\u00e4ren Systemen umgegangen werden kann, um bewaffnete Konflikte m\u00f6glichst zu vermeiden.. M\u00fcnkler entfaltet drei L\u00f6sungsstrategien, von denen die erste f\u00fcr unseren Kontext relevant ist: Pazifizierung durch Wohlstandstransfer. Ausgangspunkt f\u00fcr M\u00fcnkler ist, dass die gesamte Schwarzmeer-Region eine Krisenregion ist. Die Hauptursache sieht er im Zerfall des russischen Zarenreiches und des osmanischen Reiches am Ende des ersten Weltkrieges. Um die gesellschaftlichen Spannungen zu reduzieren, die aus dem Verlust einstiger Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung und einstigen Wohlstandes und aus der R\u00fcckschau auf die untergegangenen \u201egoldenen\u201c Zeit resultieren, ist nach M\u00fcnkler ein Weg, die Nachfolgegesellschaften durch Wohlstandstransfers und Beteiligung an wirtschaftlicher Entwicklung so einzubinden, dass die Erinnerungen an die \u201egro\u00dfe Vergangenheit\u201c \u00fcberlagert werden durch den aktuellen Wohlstand. <\/p>\n<p>Ein paar Zeilen weiter f\u00fchrt M\u00fcnkler aus: \u201eDie komplement\u00e4re Funktion zu Wohlstandstransfers ist wirtschaftliche Verflechtung. Also war es naheliegend Russland als den gro\u00dfen potenziell revisionistischen Akteur zu pazifizieren, indem dessen Energietr\u00e4ger und Rohstoffe \u00fcber Pipelines transportiert billiger und \u00f6kologisch nachhaltiger als andere Transportwege gekauft werden. Im Gegenzug daf\u00fcr erh\u00e4lt Russland fortgeschrittene Technologien, der noch dazu einen Wohlstandstransfer nach Russland erm\u00f6glich. <\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass durch die EU-Energiewende genau dieses von M\u00fcnkler beschriebene und \u00fcber mehrere Jahrzehnte erfolgreich angewandte Konzept der \u201ePazifizierung durch Wohlstandstransfer\u201c auf fossiler Grundlage in seinen Fundamenten ersch\u00fcttert wird. Hinzu kommt, dass das heutige Russland \u00fcber keine hochentwickelte Wirtschaft verf\u00fcgt, \u00fcber die gr\u00f6\u00dfere Teile der Gesellschaft am Wohlstandstransfer beteiligt worden w\u00e4ren. Stattdessen hat sich eine kleine wirtschaftliche Elite den Wohlstandstransfer angeeignet. Ein kurzfristiger Umbau der russischen Wirtschaft, wie ihn ein schneller klimapolitisch gebotener Ausstieg aus der fossilen Energieproduktion erforderlich macht, ist unrealistisch. <\/p>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass Russland derzeit die russische F\u00f6deration dominiert und mit seiner milit\u00e4rischen St\u00e4rke Konfliktherde unter Kontrolle h\u00e4lt und dar\u00fcber hinaus in Syrien und in Afrika milit\u00e4risch (zumindest indirekt) aktiv ist. Der oben zitierte russische Energieexperte Krutichin verweist darauf, dass rund ein Drittel der russischen Staatseinnahmen aus dem Export fossiler Energietr\u00e4ger generiert wird. Ein Einbruch dieser Einnahmen infolge eines schnellen Ausstiegs aus der fossilen Energieproduktion h\u00e4tte also auch f\u00fcr die politischen und milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten Russlands weitreichende negative Folgen. <\/p>\n<p>Die Einverleibung der Ukraine in den russischen Staat l\u00e4sst sich vor dem dargelegten Hintergrund also auch als Versuch einer Kompensation der Verluste aus den Folgen der EU-Energiewende verstehen. Die Sicherung der Kontrolle \u00fcber f\u00fcr die Energiewende relevante Bodensch\u00e4tze verschafft zum einen neue Einnahmequellen und zum anderen auch Einfluss auf die Umsetzung, Organisation bis hin zur Verz\u00f6gerung der Energiewende. Zudem kommt auch die Ukraine aufgrund ihrer sonnenreichen Gebiete ggf. auch als Produzent gr\u00fcnen Wasserstoffs in Frage.<\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34);\">Eine Europ\u00e4ische Energie-Union als m\u00f6gliche Perspektive f\u00fcr den dauerhaften Frieden<\/h2>\n<p>Energiewende und Klimaerw\u00e4rmung k\u00f6nnten aber auch ein Schl\u00fcssel f\u00fcr den Ausweg aus dem jetzigen Krieg sein. Zu unterscheiden ist dabei zwischen der ehr kurzfristigen Frage, wie die aktuellen Kampfhandlungen beendet werden k\u00f6nnen, und der mittelfristigen Frage nach einer europ\u00e4ischen Friedensperspektive. Hier soll es um die l\u00e4ngerfristige Perspektive gehen. <\/p>\n<p>Zwar dr\u00e4ngt der russische Krieg gegen die Ukraine derzeit die Klimaerw\u00e4rmung in den Hintergrund. Ganz zu schweigen davon, dass der Krieg die Klimaerw\u00e4rmung noch weiter anheizt. Dennoch bleibt die Klimaerw\u00e4rmung das dr\u00e4ngendste Problem, mit dem wir konfrontiert sind. Sie kennt keine nationalen Grenzen. Deshalb ist sie nur dann zu stoppen, wenn es gelingt, \u00fcber bestehende Staatsgrenzen und Konflikte hinweg die Klimaerw\u00e4rmung zu stoppen.  <\/p>\n<p>Ein dauerhafter Frieden zwischen Russland und der Ukraine, aber auch eine Befriedung der weiteren Region um das Schwarze Meer bis hin in den mittleren Osten setzt eine attraktive und realistische Perspektive voraus. Eine Europ\u00e4ische Energie-Union k\u00f6nnte eine solche Perspektive sein. Sie w\u00e4re umfassender als die Europ\u00e4ische Union, daf\u00fcr aber von einer deutlich geringeren politischen Integration als die EU. Damit w\u00e4ren einerseits L\u00e4ndern wie Gro\u00dfbritannien und Norwegen eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet, zum anderen aber eben auch der Ukraine und Russland sowie grunds\u00e4tzlich auch der T\u00fcrkei und weiteren L\u00e4ndern des mittleren Ostens, die heute wirtschaftlich stark vom Export von \u00d6l und Gas abh\u00e4ngen. Auch diese L\u00e4nder brauchen eine wirtschaftliche Perspektive f\u00fcr die Zeit nach der Energiewende. M\u00f6glicherweise w\u00e4re auch eine Ausweitung auf alle Anrainerstaaten des Mittelmeeres sinnvoll. Das Thema <a href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/all\/news\/eu-klimachef-afrika-wird-wichtigster-partner-fuer-europa-sein\/\">Energiepartnerschaften mit afrikanischen Staaten steht ja bereits auf der Tagesordnung der EU<\/a>.<\/p>\n<p>Hauptaufgabe und Gegenstand einer europ\u00e4ischen Energiewende w\u00e4re die Umsetzung der Energiewende mit dem Ziel eines Stopps der Klimaerw\u00e4rmung. <\/p>\n<p>Bisher haben Wissenschaftler immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Friedensvertrag durch Garantiem\u00e4chte abgesichert werden muss, wenn er Bestand haben soll. Das geschieht in der Regel milit\u00e4risch, ist aber mit dem Risiko verbunden, dass im Falle eines Bruchs des Friedensvertrags die Garantiem\u00e4chte unmittelbar in einen Krieg mit Russland oder u.U. auch mit der Ukraine hingezogen werden. Eine Einbindung der Ukraine und Russlands in eine europ\u00e4ische Energie-Union b\u00f6te hingegen die Chance, einen zivilen Rahmen einer Garantie f\u00fcr die Einhaltung eines Friedensvertrages zu entwickeln. <\/p>\n<p>Sowohl Russland als auch die Ukraine verf\u00fcgen \u00fcber erheblich Ressourcen, die f\u00fcr technische Umsetzung einer Energiewende erforderlich sind. Eine europ\u00e4ische Energieunion b\u00f6te folglich beiden L\u00e4ndern \u00f6konomische Entwicklungsperspektiven jenseits einer fossilen Energieproduktion. <\/p>\n<h2><span style=\"color: rgb(238, 0, 34);\">Was ist der Nutzen einer europ\u00e4ischen Energie-Union f\u00fcr Russland?<\/span> <\/h2>\n<p>Stellt nur noch die Frage, welches Interesse Russland l\u00e4ngerfristig an einer europ\u00e4ischen Energie-Union haben k\u00f6nnte. Auch darauf gibt es eine m.E. \u00fcberzeugende Antwort: die langsam auftauenden Permafrostb\u00f6den Russlands. Sie w\u00fcrden einerseits noch einmal enorme Mengen an klimasch\u00e4dlichen Gasen freisetzen und damit die Klimaerw\u00e4rmung zus\u00e4tzlich beschleunigen. Zum anderen ist die Infrastruktur der Permafrostregionen nicht auf ausgebaute B\u00f6den ausgelegt. Das Auftauen der B\u00f6den w\u00e4re also mit enormem Sch\u00e4den und extrem hohen Kosten f\u00fcr Russland verbunden. Noch lie\u00dfe sich das Schlimmste abwenden. Und das l\u00e4ge sowohl im Interesse Russlands als auch im Interesse der Ukraine wie auch Europas insgesamt. Nach einem Jahr Krieg sind weder Russland noch die Ukraine in der Lage, aus sich heraus eine auch f\u00fcr diese beiden L\u00e4ndern n\u00f6tige Energiewende umzusetzen und zu finanzieren. Innerhalb einer europ\u00e4ischen Energie-Union h\u00e4tten aber beide L\u00e4nder eine Chance, die EU k\u00f6nnte ihre Ressourcen ebenfalls ungeteilt im Rahmen einer Energie-Union zur Finanzierung der Energiewende nutzen statt f\u00fcr klimasch\u00e4dliche Waffenlieferungen. Und auch die Staaten des mittleren Osten h\u00e4tten eine postfossile Perspektive f\u00fcr ihre Wirtschaften. <\/p>\n<p>Der Weg zur Pazifizierung verl\u00e4uft im 21. Jahrhundert nicht mehr \u00fcber Wohlstandstransfers, sondern \u00fcber den gemeinsamen Kampf gegen die Klimaerw\u00e4rmung \u2013 mit anderen Worten: \u00fcber eine Energie-Union.<\/p>\n<p><i>Anmerkung des Autors:<br \/>Dieser Artikel basiert auf einem Gedankenaustausch des Autors mit dem MdEP Helmut Scholz (DIE LINKE).<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um einen anderen Blick auf die Kriegsursachen und damit auch auf m\u00f6gliche Wege zu einer dauerhaft friedlichen Beendigung des Konflikts zu werfen, stellt J\u00fcrgen Klute die Frage nach dem m\u00f6glichen Nutzen f\u00fcr Russland, wenn sein Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 den erhofften Erfolg gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15594,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2455],"tags":[],"class_list":["post-23813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-kommentar","person-jurgen-klute-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23813"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27908,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23813\/revisions\/27908"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}