{"id":23815,"date":"2023-02-21T12:32:00","date_gmt":"2023-02-21T11:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/die-welt-nicht-vom-krieg-sondern-vom-frieden-her-denken\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:18","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:18","slug":"die-welt-nicht-vom-krieg-sondern-vom-frieden-her-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/die-welt-nicht-vom-krieg-sondern-vom-frieden-her-denken\/","title":{"rendered":"Die Welt nicht vom Krieg, sondern vom Frieden her denken"},"content":{"rendered":"<p> Fast unmerklich tritt eine Normalisierung des Kriegs ein. Politiker:innen aller Couleur werden zu \u201eExpert:innen f\u00fcr Waffengattungen \u2013 wenige warnende Stimmen kommen von Kirchen, Friedensorganisationen, Gewerkschaften und auch Milit\u00e4rs: Schluss mit Nachbarschaftspolitik, die Europa weithin gepr\u00e4gt hat. \u201eBewaffneter Frieden\u201c, war f\u00fcr Clara Zetkin das \u201eKind des Militarismus\u201c. Krieg m\u00fcsse \u201egewonnen\u201c werden, t\u00f6nt die moralisch-bellizistische Fraktion in Medien und Politik. Die massive Aufr\u00fcstung national, europ\u00e4isch, global sei der \u201eZeitenwende\u201c geschuldet. <\/p>\n<p>So dreht sich Eskalationsspirale bis hin zur Drohung mit dem Einsatz von Nuklearwaffen wie eine \u201einnere Zwangsl\u00e4ufigkeit\u201c<sup><span class=\"external-link\">[1]<\/span><\/sup>. \u201eKrieg ist die \u00e4u\u00dferste Form der Erpressung der Wohlmeinenden durch die Gewaltt\u00e4tigen\u201c, so <a href=\"https:\/\/www.marlenestreeruwitz.at\/werk\/handbuch-gegen-den-krieg\/\">Marlene Streeruwitz<\/a>. <\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34); \">Vorst\u00f6\u00dfe und verpasste Chancen &#8211; aus dem Blick feministischer Ursachenforschung <\/h2>\n<p> Die tragischen Vers\u00e4umnisse und Fehler in der Vergangenheit erkl\u00e4ren manches\u2013 rechtfertigen nicht jedoch einen Angriffskrieg! <\/p>\n<p> W\u00e4hrend Kriegsbesoffene in den 1. Weltkrieg gezogen sind, hatten Friedensfrauen aus Frankreich und Deutschland vor der massiven Aufr\u00fcstung zur Kriegsvorbereitung gewarnt. Sie verurteilten den bl\u00fchenden Nationalismus und Kolonialismus und begr\u00fcndeten damit die Notwendigkeit einer internationalen Schiedsgerichtsinstitution, des V\u00f6lkerbundes, als Vorl\u00e4ufer der UNO. Ihre Forderungen nach universeller Abr\u00fcstung wurden in Versailles nicht geh\u00f6rt. Der Faschismus \u2013 den sie unter Gefahr f\u00fcr Leib und Leben bek\u00e4mpften &#8211; st\u00fcrzte den Kontinent in den n\u00e4chsten Krieg. Was an Kriegsverbrechen und Traumata der beiden Weltkriege nur bruchst\u00fcckhaft aufgearbeitet wurde, kriecht uns gerade wieder unter die Haut.<\/p>\n<p>Die UNO baute auf der Grundlage ihrer Charta eine Weltgesellschaft auf der Universalit\u00e4t von Rechten. Sie \u00fcberwand den Kalten Krieg nicht. Dieser kehrte in den 90er Jahren nach Europa zur\u00fcck. Das Narrativ, dass glaubw\u00fcrdige Androhung milit\u00e4rischer Gewalt ein Weg zum Frieden sei, wurde in einer intelligenten Analyse <a href=\"https:\/\/bosnia-peace.wilpf.org\/\">\u201ewarum der Friedensprozess in Bosnien und Herzegowina fehlte<\/a>\u201c, widerlegt. Der Frieden am Balkan ist br\u00fcchig und Europa n\u00e4hrt Kriege und Konflikte weltweit mit Waffen, Munition und Know-how. <\/p>\n<p>Mit den Helsinkivereinbarungen und der daraus folgenden Gr\u00fcndung von KSZE, sp\u00e4ter OSZE, taucht das Konzept der <a href=\"https:\/\/commonsecurity.org\/common-security-2022-report\/\">\u201eGemeinsamen Sicherheit\u201c<\/a> auf, das 2022 neu aufgelegt wurde. Es pl\u00e4diert f\u00fcr \u201edie Schaffung einer transformativen Friedensagenda, zum Kampf gegen Armut, Ungleichheit, zur Pr\u00e4vention menschlichen Leidens und im Kampf gegen den Klimawandel und Pandemien\u201c. Zentrale Herausforderung sind Vertrauensbildung, menschliche Sicherheit, Dialog und multilaterale Zusammenarbeit. Der OSZE gelang es jedoch nie ein neues Sicherheitsverst\u00e4ndnis in der \u201eRealpolitik\u201c zu verankern. Milit\u00e4rische Blockbildung, vor allem seitens der NATO, \u00fcbernahm die tragende Rolle in enger Kooperation mit der EU, die sich ihrerseits einen milit\u00e4rischen Arm zulegte und trotzdem den Friedensnobelpreis bekam. <\/p>\n<p>F\u00fcr den feministischen Diskurs bleibt weiter zentral das fatale Dreieck von Militarismus, Kapitalismus und Patriarchat aufzubrechen: Erziehung zu Frieden und Gleichberechtigung, im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt und militarisierte M\u00e4nnlichkeit. Die im Jahr 2000 verabschiedete Frauen-Frieden-Sicherheitsagenda goss dies in ein Konzept, das Protektion, Partizipation und Pr\u00e4vention zusammenband. Wie bitter, wenn nun ausgerechnet eine feministische Au\u00dfenpolitikerin davon spricht \u201eKrieg gegen Russland\u201c zu f\u00fchren. <\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34); \"> Kriegswirtschaft &#8211; Waffenlieferungen &#8211; Profite<\/h2>\n<p> Waffenlieferungen an die Ukraine beliefen sich durch die USA auf 22,9 Mrd. Euro, Deutschland 2,34 Mrd. Euro. Dazu kommt f\u00fcr Deutschland ein Sonderverm\u00f6gen von 100 Mrd. Euro f\u00fcr die Bundeswehr, f\u00fcr das bereits eine massive Erh\u00f6hung veranschlagt wird. \u00dcber die \u201eEurop\u00e4ische Friedensfazilit\u00e4t\u201c, in die Deutschland 25% einzahlt, wurden 2022 3,1 Mrd. Euro f\u00fcr Waffen an die Ukraine bezahlt. Nun soll die n\u00e4chste Tranche mit weiteren 500 Mio. beschlossen werden.<\/p>\n<p> \u201eAn der B\u00f6rse d\u00fcrften die Panzerfestspiele wohl erst mal weitergehen\u201c (so die SZ vom 28.\/29.1.2023), mit bis zu 350 Millionen mehr Umsatz im Jahr f\u00fcr Rheinmetall nach Aussage der Deutschen Bank bzw. Goldman Sachs. Die Aktie schnellte seit dem 24.2.22 von 97 Euro auf 290 Euro ein Jahr sp\u00e4ter. Das Programm des neuen Verteidigungsministers Pistorius verspricht \u201emehr Leopard, mehr gro\u00dfkalibrige Munition, mehr R\u00fcstungsindustrie in Deutschland und vielleicht die Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht. Daf\u00fcr wird er als Mann der Tat gelobt. Die Panzer auf Halde seien inzwischen \u201everschimmelt\u201c, erkl\u00e4rt Armin Pappberger, der Chef von Rheinmetall den Schub durch die Kriegseins\u00e4tze und neue Bestellungen. <\/p>\n<p>Es bleibt die Frage \u201eWem n\u00fctzt denn der Krieg, den Fabrikanten von Flinten und Kanonen\u2026?\u201c, so Zetkin in ihrem Vertrauen auf den Sozialismus als k\u00fcnftigem Menschheitsfriede. 1915 fordert <a href=\"https:\/\/womenvotepeace.com\/women\/lgh-bio\/\">Lida Gustava Heymann<\/a> \u201edie Wirtschaft soll den Bed\u00fcrfnissen der Menschen und nicht von Profit und Privilegien dienen\u201c. \u201eDie globalisierte Wirtschaft und der globalisierte Krieg bringen Widerspr\u00fcche hervor, die in diesem System nicht zu l\u00f6sen sind, wir m\u00fcssen deshalb immer die Frage stellen: wem n\u00fctzen diese Kriege und wem schaden sie?\u201c<span class=\"external-link\"><sup>[2]<\/sup><\/span><\/p>\n<p>Dieselben Fragen stellte gerade wieder Brigadegeneral a.D. Erich Vad in einem Interview in <a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/erich-vad-was-sind-die-kriegsziele-340045\">Emma<\/a>: \u201eWill man mit den Lieferungen der Panzer Verhandlungsbereitschaft erreichen? Will man damit den Donbass oder die Krim zur\u00fcckerobern? Oder will man Russland gar ganz besiegen? Es gibt keine realistische End-State-Definition. Und ohne ein politisch strategisches Gesamtkonzept sind Waffenlieferungen Militarismus pur.\u201c  <\/p>\n<h2 style=\"color: rgb(238, 0, 34); \">Diplomatie und Dissidenz \u2013 raus aus der Kriegslogik!<\/h2>\n<p> Es gibt also kein wirkliches Ausstiegsszenario, keinen ausdr\u00fccklichen Willen zu einer schnellen Beendigung des Krieges und zu Verhandlungen, zu wenig ernsthafte Bem\u00fchungen um einen Waffenstillstand \u2013 daf\u00fcr einen \u00dcberbietungswettbewerb der \u201eWilligen\u201c. <\/p>\n<p> Wenn Pazifismus als \u201e<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ostermaersche-robert-habeck-nennt-pazifismus-einen-fernen-traum-a-1c471b1d-74b4-42d7-8205-2c8d56b51c28\">ferner Traum<\/a>\u201c bezeichnet wird und uns die Zumutung zerreibt, zwischen Freiheit und Frieden abzuw\u00e4gen, bleibt uns trotzdem nur die Forderung nach Abr\u00fcstung zu der auch die Unterzeichnung des TPNW geh\u00f6rt. Mit Netzwerken von Friedenss\u00fcchtigen bleiben wir dabei <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/frieden.html\">konstruktive Vorschl\u00e4ge<\/a> zu unterst\u00fctzen und in den politischen Diskurs einzuspeisen als Beitr\u00e4ge zur Aufl\u00f6sung von Sprachlosigkeit und Feindbildern. <\/p>\n<p> Nur wenn wir die Welt mehr vom Frieden her denken, sehen wir, dass ein wesentlich h\u00f6heres Engagement n\u00f6tig ist f\u00fcr zivile Konfliktl\u00f6sung, soziale Verteidigung, f\u00fcr Gesundheit, Bildung, soziale Sicherheit und Klimagerechtigkeit \u2013 zu unserem universellen Menschenrecht auf Frieden. Auch Verweigerung von Kriegsdienst, sowie Schutz und Asyl f\u00fcr Dissident:innen haben darin ihren Stellenwert! <\/p>\n<p> <b>Frieden ist der Sieg, den wir brauchen!<br \/><\/b><\/p>\n<p><b>Quellenverweise:<\/b><br \/><span class=\"external-link\">[1]<\/span> Bauriedl, Thea (1992): Wege aus Gewalt. Verlag Herder<br \/><span class=\"external-link\">[2]<\/span> Mies, Maria; von Werlhof, Claudia (2004): Krieg ohne Grenzen. Die neue Kolonisierung der Welt, Pappyrossa Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heidi Meinzolt von der Women&#8217;s International League for Peace and Freedom kritisiert die massive Aufr\u00fcstung auf nationaler, europ\u00e4ischer und globaler Ebene und beleuchtet die sich immer weiterdrehende Kriegsspirale aus der Perspektive feministischer Ursachenforschung.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15600,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,2455],"tags":[],"class_list":["post-23815","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","category-kommentar","person-heidi-meinzolt-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23815","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23815"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23815\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27910,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23815\/revisions\/27910"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23815"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23815"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23815"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}