{"id":23818,"date":"2023-02-15T20:06:00","date_gmt":"2023-02-15T19:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/blog\/unkategorisiert\/kein-friedliches-klima\/"},"modified":"2023-09-27T16:12:19","modified_gmt":"2023-09-27T14:12:19","slug":"kein-friedliches-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/blog\/article\/kein-friedliches-klima\/","title":{"rendered":"Kein friedliches Klima"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit wird auf der Welt in etwa zehn aktiven Kriegen gek\u00e4mpft und viele Staaten investieren gewaltige Geldsummen in die Aufr\u00fcstung ihrer Waffenarsenale. Daher muss beim Thema Klimawandel und Umweltzerst\u00f6rung die R\u00fcstungsindustrie klar einbezogen werden. In einer Welt, in der die sogenannten \u201eGr\u00fcnen Parteien\u201c an der R\u00fcstungsindustrie teilhaben und fallweise auch deren Sprache sprechen geht dieser Zusammenhang oft verloren. Dieser Text versucht nicht, das immense menschliche Leid herabzusetzen, das Kriege direkt verursachen. W\u00e4hrend es gen\u00fcgend Gr\u00fcnde gibt, sich auch ohne diesen Aspekt f\u00fcr den Frieden einzusetzen, bringt Umweltzerst\u00f6rung durch Kriege dennoch eine weitere indirekte Dimension in die Diskussion ein. Klimaneutralit\u00e4t kann nur durch Frieden und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene erreicht werden.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/777999\/files\/A_69_135-EN.pdf?ln=en\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">Kriege weisen einen enormen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck auf<\/a> und das Greenwashing, das in diesem Zusammenhang betrieben wird, erreicht ein unfassbares Ausma\u00df. Ein Beispiel f\u00fcr einen besonders blamablen Greenwashing-Versuch ist die Produktion elektrischer Panzer in Flensburg. Die Herstellung solcher Panzer verschlingt enorme Ressourcen und das gesamte Konzept eines \u201eE-Panzers\u201c stellt eine Verh\u00f6hnung der Klimabewegung dar, die historisch ganz klar der Teil der Friedensbewegung war. CO<sub>2<\/sub>-neutrale Kriege sind eine Fantasie ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage. Auch wenn ein Panzer auf klimaneutrale Weise hergestellt werden kann, ist der dennoch ein Instrument der Zerst\u00f6rung. Im Krieg werden immer auch zivile Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt, deren Wiederaufbau neue Ressourcen verschlingt.&nbsp;<\/p>\n<p>Der exakte \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck der Milit\u00e4rapparate ist unklar. Die US-Armee allein w\u00e4re mit seinen Emissionen unter den Top 10 der gr\u00f6\u00dften globalen Umweltverschmutzer, w\u00e4re es ein Staat. Das bedeutet, dass man davon ausgehen kann, dass die gesamte Kriegsmaschinerie \u2013 auch ohne die Kosten, die durch verursachte Zerst\u00f6rung entstehen \u2013 zu den gr\u00f6\u00dften Verursachern des Klimawandels geh\u00f6rt und dass in diesem Bereich keine Aussichten auf Klimaneutralit\u00e4t bestehen. Der neue Kurs Deutschlands ist hier beispielhaft, da das Land lange stolz auf seine Pionierrolle im Kampf gegen den Klimawandel war. W\u00e4hrend Deutschland auch heute noch seinen Status als umweltbewusster Staat genie\u00dft, zeigt die Realit\u00e4t ein anderes Bild: Wie man das \u00dcbereinkommen von Paris zum Klimaschutz einhalten will, w\u00e4hrend man gleichzeitig der NATO-Empfehlung Folge leistet, dass 2% des BIP f\u00fcr R\u00fcstungsausgaben aufgewendet werden sollen, ist mehr als unklar, weil die aktuelle Regierung keine gr\u00fcne Strategie vorzuweisen hat \u2013 somit ist w\u00fcrde das \u00dcbereinkommen von Paris verunm\u00f6glicht. Entweder halten wir uns an letzteres, das rechtlich bindend ist, <i>oder<\/i> an das nicht-bindende 2%-Ziel. Ein Kompromiss w\u00e4re absurd. Diese Tatsache geht auch aus den Antworten auf eine <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/152\/1915249.pdf\">parlamentarische Anfrage der LINKEN<\/a> hervor, die ernste Zweifel daran s\u00e4en, ob man das \u00fcberhaupt versucht.&nbsp;<\/p>\n<p>Die deutsche Regierung konnte die Frage \u201eMit welcher Entwicklung des j\u00e4hrlichen Energieverbrauchs und der Energiekosten bei der Bundeswehr rechnet die Bundesregierung im Rahmen der Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels der NATO?\u201c nicht beantworten. Ebenso sprach sie das Ziel des klimaneutralen Treibstoffes an und sagte, dass dies nur teilweise zu erreichen sei, ignoriert aber fast durchwegs, dass allein die Produktion von Panzern, Drohnen etc. mit enormen Umweltkosten verbunden ist. Es wurde schlicht keine Antwort auf die Frage nach dem \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck der Produktion gegeben. Es wurde vielmehr darauf hingewiesen, dass die produzierenden Unternehmen nicht dazu verpflichtet seien, \u00fcber ihre Ressourcenaufwendung Auskunft zu erteilen, sondern dass es sich dabei um freiwillige Informationen handelt, die den herstellenden Unternehmen Marktvorteile bringen k\u00f6nnten. Auch die Frage nach dem Energieaufwand f\u00fcr den aktiven Dienst blieb g\u00e4nzlich unbeantwortet. Es liegt nahe, dass die Bundeswehr diese Statistiken absichtlich nicht erstellt. Besonders, da das US-Verteidigungsministerium bereits in den 1980ern \u00fcber den Klimawandel Bescheid wusste. Und wenn wir uns Sch\u00e4tzungen von Expert:innen ansehen, wird das Argument der vors\u00e4tzlichen Unwissenheit noch st\u00e4rker.&nbsp;<\/p>\n<p>Mike Berners-Lee sch\u00e4tzt die direkten Emissionen des Irak-Kriegs (2003-2009) auf 250\u2013600 Mio. t CO<sub>2<\/sub><sup>[1]<\/sup>. Das entspricht etwa dem kompletten Aussto\u00df Gro\u00dfbritanniens \u00fcber acht Monate hinweg. Die direkten Kosten lassen sich klarerweise nicht leicht berechnen und die Methodologie bietet auch keine fundierte Sch\u00e4tzung der indirekten Kosten. Es kann jedoch angenommen werden, dass die aktuelle Kriegsf\u00fchrung auch nicht klimafreundlicher ist. Tats\u00e4chliche Zahlen sind rar, wir k\u00f6nnen nur spekulieren. Es l\u00e4sst sich jedoch sagen, dass jeder Dollar in Milit\u00e4rausgaben h\u00f6here Emissionen zur Folge hat, als die meisten anderen Ausgaben. Wenn sich die durchschnittlichen deutschen Emissionen auf etwa 0,18 kg pro Dollar belaufen, w\u00fcrden die Emissionen der Bundeswehr 2021 mindestens 9,1 Mio. t pro Jahr ausmachen<sup>[2]<\/sup>. Das zus\u00e4tzliche Milit\u00e4rbudget von 100 Mrd. Euro als Reaktion auf die russische Invasion w\u00fcrde somit mindestens 19,34 Mio. t zus\u00e4tzlich produzieren. Die Zahlen sind verheerend, wie auch die vorhersehbaren Folgen. Adieu, bewohnbarer Planet! Deshalb m\u00fcssen wir die Regierungen zur Kompatibilit\u00e4t des 2%-Ziels mit dem \u00dcbereinkommen von Paris immer wieder befragen.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=1910031\" class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\">Der Klimawandel selbst stellt auch einen Ausl\u00f6ser f\u00fcr Kriege dar<\/a><sup>[3]<\/sup>; gleichzeitig belasten Kriege das Klima so schwer, wie wenig Anderes. Es ist daher wichtiger denn je, sich f\u00fcr die Friedenskonsolidierung einzusetzen. Der Einsatz von Waffen f\u00fchrt zu einer Spirale des Leides. Nachhaltigkeit braucht Frieden mehr als je zuvor. Klimapolitik kann auch eine Gelegenheit darstellen, die Rolle der Friedenspolitik neu zu definieren, die \u2013 nachdem sie vergessen worden war \u2013 im letzten Jahr enorm unter dem einseitigen Diskurs der Machtpolitik gelitten hat. <\/p>\n<p><i>Eine Anmerkung der Autorin:<\/i><br \/><i>Es ist respektlos, Vergleiche zwischen den Kriegsopfern und den Menschen anzustellen, die durch den Klimawandel leiden und sterben, besonders da Krieg und Klimawandel zusammenh\u00e4ngen. Es gibt keinen Beweis daf\u00fcr, dass gr\u00f6\u00dfere Milit\u00e4rm\u00e4chte mehr zur Friedensstiftung beitragen \u2013 das Gegenteil scheint eher wahr zu sein, auch wenn Umweltverschmutzung keinen Faktor darstellen w\u00fcrde.<\/i><\/p>\n<p><b>Quellenverweise:<br \/><\/b><br \/><sup>[1]<\/sup> Berners-Lee, Mike (2010): How Bad are Bananas? The Carbon Footprint of Everything, 169f.<br \/><sup>[2]<\/sup> S. Verteidigungsministerium 2023. Bundesministerium f\u00fcr Verteidigung; <a href=\"http:\/\/www.bmvg.de\">www.bmvg.de<\/a><br \/><sup>[3]<\/sup> Lagi, M., K. Z. Bertrand und Y. Bar-Yam (2011). The Food Crises and Political Instability in North Africa and the Middle East.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Umweltpolitikerin Didem Aydurmu\u015f (DIE LINKE) betont, dass der Klimawandel einen Kriegsausl\u00f6ser darstellt, sich Kriege gleichzeitig fatal auf das Klima auswirken und unterstreicht die Bedeutung, die der dauerhaften Friedenskonsolidierung zukommt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15582,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[2453,61],"tags":[],"class_list":["post-23818","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-analyse","category-article","topic-klimawandel-und-okologie","person-didem-aydurmus-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23818"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27913,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23818\/revisions\/27913"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wwwdev-transform-network-net.sociality.gr\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}